Archiv für den Monat: Juni 2014

Conference of those who „make the world better“

By Monika Griefahn

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„Regional Conference“ – this sounds small and manageable. Manageable it was indeed, but the regional conference of the Right Livelihood Award Foundation covered geographically the entire continent of Africa and the Middle East. It took place in Sekem near Cairo, Egypt. About ten Right Livelihood laureates gathered there to share their experiences and to establish a platform for their concerns. Moreover, the conference gave the opportunity to heighten public awareness and to establish a closer cooperation among the laureates. This was seen as a central point to face the big challenges of today.

For me personally, it felt great to be back in Sekem again. The project situated there received the Right Livelihood Award (RLA) in 2003, and it made me feel good to see how it has developed and flourished.

To tell the story from the beginning, the following laureates took part at the conference:

–    Dr. Ibrahim Abouleish, Sekem-founder, Egypt (RLA 2003) and Helmy Abouleish, managing director of Sekem
–    Nnimmo Bassey, Nigeria (RLA 2010)
–    Matron Sr. Tenadam Bekele Wolde, Ethiopia (RLA 2009)
–    Jumanda Gakelebone, Botswana (RLA 2005)
–    Guillaume Harushimana, Burundi (RLA 2002)
–    Legborsi Saro Pyagbara, Nigeria (RLA 1994)
–    Jacqueline Moudeina, Chad (RLA 2011)
–    René Ngongo, Democratic Republic of Congo (RLA 2009)
–    Nomewende Joël Ouedraogo, Burkina Faso, (RLA 1990)

Nevertheless, other laureates had been prevented from being present at the conference: Raji Sourani from the Gaza strip (RLA 2013) was not able to come, as the frontier had been closed for months. Israeli Laureates Dr. Ruchama Marton (RLA 2010) and Adam Keller had to cancel their participation as they did not receive a visa. However, the conference was enriched from the European side by Dr. Hans Herren from Switzerland/Kenya (RLA 2013).

I have been using the name “Sekem” for several times now in this article. Sekem is a holistic initiative, which was built up in the middle of the desert in 1978. Nowadays it includes the production of biological food of demeter-quality, a pharmaceutical company with natural products and a clothes’ production site for clothes made out of bio cotton (in Germany these clothes are sold at “dm”, for example). Moreover, in Sekem one finds a kindergarden, a day nursery, a school for children with special needs and a training site for educators, teachers, carpenters, electricians and mechanical engineers. Additionally, in 2012 the Heliopolis University opened. It is a university for sustainable development with faculties of pharmaceutics, engineering and economic sciences.

The Sekem conference inspired us all! Important basic steps were taken to start cooperation among the laureates, who work in very different fields – human rights or ecological agriculture, for example. Questions of health also play a pivotal role very often – for example the problems of circumcised women on the African continent.

At Heliopolis University, we had the opportunity to talk to Egyptian organizations, mainly from the NGO sector. We noticed similar problems all across the different countries: The non-existing independence of the legal system in Chad has the same consequences as the Nigerian government, which is unwilling or incapable of helping the people in Ogoniland. By doing so, the Nigerian government does not implement an UN resolution to overcome the oilspill. Furthermore, the “bushmen” in Burkina Faso are not supported by their government as their right to their land is being ignored.

However, the conference also gave us hope: Sekem, the miracle in the desert built from nothing, gives work to more than 3000 people today as it needs the supply of hundreds of farmers in the Nile delta. Those farmers switched to ecological agriculture. Hans Herren proved to us that the future of nutrition does not lie in genetic engineering – therefore it does not lie in the hands of agricultural enterprises like Monsanto or Syngenta – but in the hands of family-run farms, which provide 75 percent of our food today.

The laureates at the conference agreed on a joint public relations work, petitions, and immediately started to gather signatures in favor of ecological agriculture. Great!

Sekem - Ibrahim Abouleish

Praxis an der Uni: Nachhaltigkeit in Unternehmen

Von Monika Griefahn

Achim LohrieSeit 2012 unterrichte ich an der Technischen Universität Hamburg-Harburg das Wahlpflichtfach „Umweltpolitik und Nachhaltigkeit“, und von Beginn an gehört zu meinem Konzept, Experten aus der Praxis in die Uni zu holen. So waren schon Abgeordnete aus dem Land- und Bundestag und aus dem Europäischen Parlament zu Gast, um aus ihrer Arbeit zu berichten. Wir haben außerdem mit Unternehmensvertretern und Vertreter von NGOs diskutiert. Jetzt war Achim Lohrie im Seminar. Er ist „Direktor Unternehmensverantwortung“ bei Tchibo und erzählte, wie das Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit in seine Geschäftsstrategie verankert.

Nachhaltigkeit müsse in allen Unternehmensbereichen mitgedacht werden und in die Budgetplanung einfließen, stellte Lohrie klar. Auch im Bonussystem für die Mitarbeiter werde berücksichtigt, wie gut die Nachhaltigkeitsziele erreicht würden.

Tchibo setzt mehr auf Kooperation denn auf Kontrolle. Es würden Partner mit ins Boot geholt, die über spezifisches Know-how verfügten, zum Beispiel Zertifizierungsorganisationen. Kooperativ werde auch auf die Kaffee- und Baumwollbauern zugegangen. In Produktionsbetrieben erarbeite man mit Dialogtrainern und den Instrumenten des Brainstormings, mit Rollenspielen und ähnlichen Maßnahmen gemeinsame Ziele, die eine nachhaltige Produktion und Arbeit garantieren sollen. Es sei ein langer Prozess, zwei bis fünf Jahre dauere es manchmal, bis die Betriebe so arbeiteten, wie Tchibo es für sich beanspruche. Gleichzeitig führe das zu besseren Arbeitsbedingungen in den Betrieben und Wissen und Bildung auch für die Kinder.

Lohrie betonte jedoch auch die ökonomische Nachhaltigkeit. Es sei niemandem geholfen, wenn „wir am Endverbraucher vorbei optimieren“, meinte er. Einzelportionierung bei Kaffee zum Beispiel sei der Trend im Markt, dem könne sich Tchibo nicht verschließen, auch wenn die Kapseln Müll verursachten. Darum forsche man an Kapseln aus nachwachsenden Rohstoffen oder an Maschinen, die den Kapselmechanismus integriert hätten.

Ich hoffe, dass Besuche wie der von Achim Lohrie – aber genauso die Diskussionen mit Politikern und NGOs – den Studierenden in meinem Seminar helfen, die breite Palette gesellschaftlicher Akteure kennenzulernen. Die jungen Leute an der TUHH stecken allesamt in technischen Studiengängen. Aber technische Entwicklungen gesellschaftsfähig zu machen, dazu gehört auch, die Akteure der Gesellschaft zu kennen und zu verstehen. Das versuche ich rüberzubringen.

Dicke Luft im Hafen?

Von Petra Reinken

Ökumenisches Forum Hafencity - Podium und Zuhörer Wie schlimm ist es nun wirklich mit der Luftbelastung durch den Schiffsverkehr im Hamburger Hafen? Lebt es sich gesünder in der Hafencity mit den Emissionen der Schiffe oder am Rödingsmarkt mit den Emissionen durch den Autoverkehr? Wo soll die saubere Energie herkommen, die all die Schiffe benötigen, und bemühen sich die Verantwortlichen aus Hafen und Stadt sowie die Reeder genügend um Nachhaltigkeit und Lebensqualität? All diese Fragen wurden beim Ökumenischen Forum Hafencity unter dem Thema „Dicke Luft im Hafen“ aufgeworfen – und teilweise auch beantwortet. Auf dem Podium: Monika Griefahn in ihrer Funktion als Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei AIDA Cruises, Lutz Birke von der Hamburg Port Authority (HPA), Umweltpastor Jan Christensen sowie Malte Siegert vom Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Dass Anwohner sich Sorgen machen, ist nachvollziehbar, schaut man auf die Zahlen: 10.000 Schiffe, so hieß es, kämen pro Jahr in den Hamburger Hafen, 200 Mal sollen 2015 Kreuzfahrtschiffe dort anlegen. Dass die HPA sich Wachstum, einen höheren Warenumschlag und mehr Wertschöpfung zum Ziel gesetzt hat und gleichzeitig die Umwelt und die Lebensqualität erhalten will, brachte einige Zuhörer zum Zweifeln.

Dennoch wurde deutlich: Die Hafenwirtschaft arbeitet daran, IT-gestützte Logistik aufzubauen, um Verkehrsströme besser zu lenken. Sie will Energie im Hafen selbst erzeugen und Energie effizient nutzen. Teil des Energiekonzepts ist der Landstromanschluss in Altona, der bis Juni 2015 realisiert werden soll, und die Infrastruktur an Land für die LNG Power Barge.

Diese „Barge“ ist quasi ein Schiff mit einem Blockheizkraftwerk, das mit Gas betrieben wird. Schiffe, die im Hafen liegen, können damit ihren Energiebedarf sauberer decken als wenn sie die eigenen Motoren laufen ließen. AIDA Cruises, informierte Monika Griefahn, würde diese Energie abnehmen können. Auf den Schiffen der Kreuzfahrtreederei würden zudem seit diesem Jahr sukzessive Filter eingebaut, die Schwefel, Stickoxide und Rußpartikel erheblich reduzierten.

Was blieb nach zwei Stunden Vortrag und Diskussion? Zum einen der Eindruck, dass der Energiebedarf der Hafenwirtschaft beängstigend hoch ist. Zum anderen der Eindruck, dass alle Beteiligten das Thema „auf dem Zettel“ haben und Konzepte vorliegen, um Schadstoffe zu reduzieren. Und es blieb die einhellige Aussage, dass trotz allem der Schiffsverkehr die ökologischte Art des motorisierten Transportes sei. Immerhin.

Ökofilme – Umweltbildung der besonderen Art

Von Monika Griefahn

Preisverleihung Ökofilmtour

Tolle Filme en masse wurden in den vergangenen Monaten im Rahmen der Ökofilmtour 2014 besonders in Brandenburg in zahlreichen Orten vorgestellt. Viele Filme sind nicht nur beeindruckend anzuschauen, sondern regen zum Diskurs an und bleiben nachhaltig in Erinnerung. Und das ist genau der Sinn! Mit den Autoren und Filmemachern, aber auch mit Aktiven aus den jeweils beschriebenen Bereichen diskutierten die Organisatoren sowie viele ehrenamtliche Helfer im ganzen Land – auch da, wo es keine Kinos mehr gibt, in Schulen und öffentlichen Räumen.

Schwierig ist es, aus einer solchen Vielfalt an wertvollen Filmproduktionen Gewinner für die verschiedenen Preiskategorien zu küren. Jedes Jahr sucht eine hochkarätige Jury Filme aus und kürt die besten unter ihnen in den Kategorien „Bester Kinder- und Jugendfilm“, „Bester Naturfilm“, „Beste Künstlerische Leistung“ und „Beste journalistische Leistung“. Auch gibt es einen Zukunftsfilmpreis und eine Zuschauerpreis. Der Dokumentarfilm „Die Akte Aluminium“ zum Beispiel zeigt, welch ungeahnte Folgen der Kontakt mit Aluminium nach sich ziehen kann. Dafür gab es dann auch die Auszeichnung für die beste journalistische Leistung – einen Preis, den auch der Film „Die Fukushima-Lüge“ erhielt.

„Das Geheimnis der Bäume“ zeigt in wundervoller Weise die Schönheit, Vielfalt, aber auch die Bedrohung unserer Wälder. Gefühlvoll kommentiert und mit hervorragenden Naturaufnahmen unterlegt entführt der Film seine Zuschauer in die Welt der Bäume und hinterlässt Ehrfurcht und Staunen über die Lebendigkeit eines Waldes. Aber auch Trauer und das Gefühl von Verlust werden hervorgerufen, weil wir heute alle wissen, dass wir mit rasanter Geschwindigkeit uralte (Regen-)Waldflächen zerstören. Für diesen Beitrag gab es den Preis für die beste künstlerische Leistung.

Einen ebenso intensiven Einblick gibt der Film „More than Honey – Eine Reise in die wunderbare Welt der Biene“ – bedacht mit der Auszeichnung des Zukunftsfilmpreises. Er sensibilisiert in eindrucksvoller Weise für das Bienensterben und geht diesem Phänomen auf den Grund.

Natürlich durfte auch das Publikum einen Film auszeichnen und wählte dazu den Spielfilm „Die Piroge“. Die packende Geschichte aus dem Senegal dreht sich um eine Gruppe, die sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben in einem kleinen Fischerboot auf den Weg nach Europa macht.

All diese Filme sind absolut sehenswert, und ich kann euch nur empfehlen sie euch anzuschauen! Wer mehr wissen will, findet die Liste der ausgezeichneten Filme und die Begründungen der Jury auf www.oekofilmtour.de.

Musikalischer Rahmen Preisverleihung Ökofilmtour

Konferenz der Weltverbesserer im positivsten Sinne

Von Monika Griefahn

(Click here for the English version)

Monika Griefahn und Ibrahim Abouleish

„Regionalkonferenz klingt klein und überschaubar. Die Regionalkonferenz der Right Livelihood Award Foundation – also der Stiftung, die den „Alternativen Nobelpreis“ vergibt –umfasste jedoch ganz Afrika und den Nahen Osten. Sie fand Pfingsten in Sekem nahe Kairo statt. Aus dieser „Region“ waren zehn Preisträger zusammengekommen, um ihre Erfahrungen zu teilen und eine Plattform für ihr Anliegen zu schaffen. Nicht zuletzt ging es darum, mit dieser neuen Öffentlichkeit den Schutz der Einzelnen zu erhöhen und perspektivisch enger zusammenzuarbeiten, um den großen Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen.

Für mich war es ein großartiges Gefühl, wieder in Sekem zu sein. Das Projekt wurde 2003 mit dem „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichnet, und es ist eine Freude zu sehen, wie diese Oase in der Wüste sich entwickelt.

Aber der Reihe nach: Wer nahm an der Konferenz teil? Das waren:

–          Dr. Ibrahim Abouleish, Sekem-Gründer, Ägyptent (RLA 2003) und Helmy Abouleish, der Geschäftsführer von Sekem

–          Nnimmo Bassey, Nigeria (RLA 2010)

–          Matron Sr. Tenadam Bekele Wolde, Äthiopien (RLA 2009)

–          Jumanda Gakelebone, Botswana (RLA 2005)

–          Guillaume Harushimana, Burundi (RLA 2002)

–          Legborsi Saro Pyagbara, Nigeria (RLA 1994)

–          Jacqueline Moudeina, Tschad (RLA 2011)

–          René Ngongo, Demokratische Republik Kongo (RLA 2009)

–          Nomewende Joël Ouedraogo, Burkina Faso, (RLA 1990)

Raji Sourani aus dem Gaza-Streifen (RLA 2013) konnte nicht kommen, da die Grenze schon seit Monaten geschlossen ist; ebenso mussten Dr. Ruchama Marton (RLA 2010) und Adam Keller von Gosh Schalom ihre Teilnahme absagen, weil kein Visum für israelische Teilnehmer ausgestellt wurde. Gekommen war hingegen noch Dr. Hans Herren aus der Schweiz/Kenia (RLA 2013).

Der Name „Sekem“ ist jetzt ein paar Mal gefallen – es ist ein Betrieb, der von dem Ägypter Ibrahim Abouleish im Jahre 1978 mitten in der Wüste aufgebaut wurde. Heute gibt es dort eine Produktion für biologische Lebensmittel in Demeter-Qualität, ein pharmazeutisches Unternehmen für Pflanzenmedizin, einen Betrieb für Kleidungsstücke aus ökologischer Baumwolle, die auch in Deutschland zum Beispiel bei dm verkauft werden. Ferner umfasst das Gelände eine Schule, einen Kindergarten, eine Krippe, eine Schule für Kinder mit speziellen Bedürfnissen, eine Ausbildungsstätte für Tischler, Elektriker, Maschinenbauer und Erzieher sowie den Bereich der Lehrerfortbildung. 2012 hat sogar eine „Nachhaltigkeitsuniversität“ ihren Betrieb aufgenommen – die Heliopolis Universität mit den Fachbereichen Pharmazie, Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften.

Das Treffen gab wichtige Inspirationen für Zusammenarbeit zwischen den Preisträgern, die in sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern agieren – zum Beispiel im Bereich der Menschenrechte oder der organischen Landwirtschaft. Auch ging es um Gesundheitsfragen, zum Beispiel um die Fistelerkrankungen vieler beschnittener Frauen auf dem afrikanischen Kontinent.

An der Uni hatten wir die Chance, mit ägyptischen Organisationen besonders aus dem NGO-Bereich zu diskutieren. Schnell konnten wir feststellen, dass die (nicht)Unabhängigkeit des Rechtssystems in Tschad ein ähnliches Problem ist wie eine überforderte oder nicht handelnde Regierung im Ogoniland in Nigeria. Dort wird die seit 2011 existierende UN- Resolution nicht umsetzt, das ölverseuchte Land zu sanieren. Auch die „Bushmen“ in Burkina Faso stoßen an Grenzen: Ihr Recht auf ihr Land wird ignoriert, obwohl nur noch 5000 von ihnen dort leben.

Aber wir bekamen auch Hoffnung: Sekem, aus dem Nichts aufgebaut, gibt heute mehr als 3000 Menschen Arbeit, und bezieht Lieferungen von Hunderten Bauern im Nildelta, die auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben. Hans Herren zeigte auf, dass die Zukunft der Ernährung nicht in der Gentechnik liegt, und mithin nicht bei den großen Konzern wir Monsanto oder Syngenta, sondern in Familienbetrieben, die heute 75 Prozent der Lebensmittel zur Verfügung stellen.

Die Preisträger vereinbarten eine gemeinsame Pressearbeit, Petitionen und starteten gleich mit einer Unterschriftenaktion zur ökologischen Landwirtschaft. So sieht Engagement aus!

"Right Livelihood"-Regionalkonferenz in Kairo

Bangladesch auf dem Weg zur „Solar-Nation“

Von Moritz Petersmann

(Click here for the English version)

Man kommt ins Staunen, wenn man Dipal Chandra Barua berichten hört von seiner Arbeit und seiner Vision: Bangladesch soll die weltweit erste „Solar-Nation“ werden! Das mag im ersten Moment nach einer Träumerei klingen, schaut man sich jedoch genauer an, was der Träger des Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) leistet, stimmt das optimistisch. Auf der Konferenz „Teaching Right Livelihood“ – ausführlicher bloggte Monika Griefahn dazu am 27. Mai 2014 – hatte ich die Ehre ihn zu treffen und an einem Workshop teilzunehmen, in dem er seine Arbeit vorstellte und anschließend mit dem Publikum diskutierte.

Dipal Barua

Schnell konnte man feststellen, dass Dipal Chandra Barua nicht nur über Probleme und Missstände lamentiert, sondern selbst aktiv ist, vor Ort Probleme direkt an der Wurzel anpackt und langfristige Lösungen anbietet. Tausende Dörfer in Bangladesch besuchte Dipal Chandra Barua bereits und machte sich vor Ort ein Bild. Oft leben die Menschen in diesen ländlichen Gebieten Bangladeschs ohne einen Anschluss an das Stromnetz (1996 etwa 85 Prozent der Bevölkerung) und somit nach Sonnenuntergang in absoluter Dunkelheit. Als Lichtquelle dienen an erster Stelle kerosinbetriebene Lampen.

Seit Gründung der Non-Profit-Organisation Grameen Shakti 1996 verändert sich die Lebenssituation in den beschriebenen ländlichen Gebieten jedoch zusehends. Denn Dipal Chandra Barua bietet mit seinem Modell zur Verbreitung nachhaltiger Beleuchtung und Energie eine Win-Win Situation: Die ländliche Bevölkerung Bangladeschs bekommt die Chance durch Installation eigener „Solar Home“-Systeme (SHS) den Lebensstandard zu erhöhen und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer, klimafreundlicher Energien voranzutreiben. Dabei hilft ein finanzieller Mechanismus, der die Kosten für eine eigene Solaranlage auf die monatlichen Kosten für Kerosin reduziert. Und das Modell hat Erfolg: Bis heute wurden etwa 3 Millionen „Solar Home“-Systeme in ländlichen Gebieten Bangladeschs installiert. Bemerkenswert ist ebenso, dass Dipal Chandra Barua durch seine Green Technology Center (GTC) explizit Frauen unterstützt und ermutigt, eine technische Ausbildung zu absolvieren. Auch dies mit Erfolg! Viele Frauen arbeiten als „grüne Entrepreneure“ im wachsenden Markt der erneuerbaren Energien und bewirken neben dem positiven Umweltnutzen auch ein verändertes Ansehen von Frauen in der muslimisch geprägten Gesellschaft Bangladeschs…

Dipal Barua zeigt wie es funktionieren kann mit dem Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern: dezentral und mit einem Mehrwert für Gesundheit, Bildung und Produktivität. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wann Dipal Chandra Baruas Vision in Erfüllung geht und 75 Millionen Menschen in Bangladesch von der Nutzung erneuerbarer Energien profitieren!

Leichtmetall mit schweren Folgen: „Akte Aluminium“ – ein Filmtipp

Plakat der ÖkofilmtourVon Moritz Petersmann

Zahlreiche Filme wurden in den vergangenen Monaten im Rahmen der Ökofilmtour 2014 vorgestellt. Viele der Produktionen sind nicht nur beeindruckend anzuschauen, sondern regen auch zum Diskurs an. Hervorgestochen hat unter anderem der Film „Akte Aluminium“. Zum Abschluss der Ökofilmtour wurde er mit dem Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung ausgezeichnet.
Der Dokumentarfilm porträtiert das Metall der Moderne in seinen verschiedenen Facetten von der Produktion bis hin zum Inhaltsstoff diverser Produkte. Es wird schnell deutlich, welch ungeahnte Folgen der Kontakt mit Aluminium nach sich ziehen kann. Seine toxische Wirkung kann gravierende Folgen für Mensch und Umwelt bewirken. Dabei ist Aluminium Bestandteil vieler Produkte, die uns tagtäglich umgeben! Wieso müssen wir unser Trinkwasser mit Aluminium reinigen? Wieso müssen Deos, Sonnencremes, Medikamente und Kaugummis allesamt dieses giftige Metall enthalten?

Wenn nicht einmal die Aluminium-Lobby bestreitet, dass Aluminium giftig ist, warum wählen wir für unsere Produkte nicht gleich zu Beginn Bestandteile aus, die nicht gesundheitsschädlich sind? Wir können sogar Produkte entwerfen, die nützlich für uns und unsere Umwelt sind! Also: Augen auf beim Einkauf! Und wer noch mehr machen will, dem seien darüber hinaus auch eigene Aktivitäten empfohlen für einen positiven Fußabdruck und umfassende Qualität in Produkten und Prozessen – zum Beispiel im Verein Cradle to Cradle e.V.