Archiv für den Monat: Juli 2014

Woodcube – Bauen mit Zukunft?

Von Monika Griefahn

Woodcube Hamburg-Wilhelmsburg„Cradle to Cradle“ – abgekürzt „C2C“ – ist meine Leidenschaft. Und am sogenannten „Woodcube“ in Hamburg kann man gut sehen, was genau C2C von anderen Recyclingideen und sonstigen Nachhaltigkeitsansätzen unterscheidet. Der Woodcube ist ein Haus nahezu komplett aus Holz, das für die Internationale Bauausstellung 2013 im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg entstanden ist.

Diverse Hauser sind dort für die Bauausstellung unter energieeffizienten und vermeintlich innovativen Gesichtspunkten gebaut worden. Die Betrachtung nach einem Jahr ist ernüchternd: In einigen Häusern stehen die Wohnungen leer, in anderen gibt es Probleme mit der aufwändigen Technik, die für die Entlüftung und Bewirtschaftung der Passivenergiehäuser nötig ist.

Nicht so im Woodcube, den wir vor Kurzem besichtigt haben. Die Raumatmosphäre fühlt sich gut an, die Bewohner haben weniger Allergiebeschwerden als vorher, das Ganze kommt mit einem Minimum an Technik aus.

Und das Interessante ist: Der Brandschutz bei richtig gebauten Holzhäusern ist wesentlich höher als bei Stahl-Beton-Konstruktionen. Leider haben sich die Genehmigungsbehörden beim Woodcube in Wilhelmsburg nicht getraut, diesem Umstand Rechnung zu tragen, so dass hier das Treppenhaus aus Beton errichtet werden musste.

Sie glauben mir nicht und meinen, ein Holzhaus brenne doch schneller als eines aus Beton? Falsch. Man muss nur einige Dinge beachten: das Holz muss – wie von alters her bekannt – im Winter geschlagen sein, wenn es „saftlos“ ist, es muss trocknen, bevor es verbaut wird, und es sollten auch keine Elemente aus Woodcube Hamburg-WilhelmsburgMetall in den Wänden vorhanden sein, da diese viel schneller heiß werden als Holz. Im Woodcube werden die Wände durch Holzdübel verbunden, die in ihren Löchern quellen und die Schichten unlösbar zusammenhalten. Holzhäuser halten 100 Jahre und mehr, wenn man diese Grundsätze und eine durchdachte Bautechnik beachtet. Wie mag es sein mit den gängigen, styroporgedämmten Gebäuden? Zerkrümelt die Isolierung nicht irgendwann? Auf jeden Fall hat man eine Menge unrecyclebaren Müll, wenn diese Häuser abgerissen werden müssen. Da ist mir der Woodcube 100.000 Mal lieber!

Das Wohnklima in Holzhäusern ist harmonisch und angenehm – jeder, der in einem wohnt oder mal gewohnt hat, weiß das. Die 32 Zentimeter dicken Schichtwände des Woodcube sind schon von der Grundausstattung her sehr warm und brauchen auch kein extra Lüftungssystem. Das könnte schimmeln. Für mich ist ein zentrales Wohlfühlargument auch, dass man die Fenster normal benutzen kann und lüftet, wenn einem danach ist.

Die sachkundige Erklärung von Matthias Korff, dem Bauherrn, begeisterte nicht nur mich, sondern auch die junge Harburger Regionalgruppe des Cradle-to-Cradle-Vereins, mit der ich gemeinsam das erste mehrstöckige Referenzgebäude am Inselpark besuchte.

Matthias Korff wird übrigens auch Rede und Antwort stehen im Forum Architektur beim ersten Cradle-to-Cradle-Kongress am 15. November in Lüneburg. Eine Anmeldung ist in Kürze möglich – save the date!

Mehr zum Woodcube in Hamburg finden Sie hier.

Was „Abrissbirnen“ mit Demokratie zu tun haben…

Von Manuela Wilczek

Mauerrest, Berlin


Wow – drei Tage Demokratie hautnah!

Ich habe eine Informationsfahrt unserer Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler selbst mitgemacht, um das Berlin kennenzulernen, in dem Geschichte geschrieben und Politik gemacht wird. Und es war total gelungen: Höhepunkt der 3-Tages-Reise für mich war die Bundestagsdebatte, die ich live im Parlament verfolgen konnte.

Denn da ging es um die Novelle zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dieses Gesetz begegnet mir bei meiner Arbeit immer wieder, insofern hätte das Thema spannender nicht sein können. Live mitzuerleben, wie die Opposition Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel als „Abrissbirne“ für die erneuerbaren Energien beschimpft, und zu sehen, wie er souverän kontert, das war schon was! Diskussion und Abstimmung – ich habe hautnah miterlebt, wie Demokratie funktioniert! Sehr beeindruckend!

Das weitere Programm war auch klasse: Wir schauten uns die Stadt unter historischen und politischen Gesichtspunkten an, besuchten den Bundesrat und die neue Synagoge. Die Diskussion mit Svenja Stadler selbst im Paul-Löbe-Haus war auch ein toller Höhepunkt. Svenja Stadler stand uns Rede und Antwort, und immer wieder blitzten ihre Augen vor Begeisterung. Das hat mir imponiert. Sie hat Lust auf Politik und Gestaltung der Gesellschaft, und das zu sehen, motiviert einen auch selbst, sich einzumischen.

Klar aber, dass in diesen Zeiten der Fußball nicht fehlen durfte. Ich habe mich zwar nicht in das Getümmel der Weltmeisterschafts-Fans auf der Fanmeile gestürzt. Aber bei der Stadtrundfahrt war der Trubel schon spürbar. Lautsprecher und Übertragungsleinwand waren so aufgestellt, dass sie das Brandenburger Tor verdeckten und die Quadriga scheinbar nicht mehr auf dem Tor, sondern über der Bühne thronte. Für ein paar Tage ist der Fußball eben auch hier König.

Strandascher für kippenfreie Ostseestrände

Von Monika Griefahn
Präsentation des StrandaschersMehr als 6000 Zigarettenstummel hatte der Verein „AIDA Freunde der Meere“, dessen Vorsitzende ich bin, 2013 bei einer Strandsammelaktion im Sand von Warnemünde gefunden. Viel zu viele, fanden wir, und haben darum jetzt den „Strandascher“ entworfen, der in diesem Sommer an zahlreichen Plätzen an der Mecklenburg-Vorpommerschen Küste kostenlos verteilt wird. Die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde und der Verband Mecklenburgischer Ostseebäder unterstützen uns bei unserem Bestreben, damit die Strände sauberer zu halten. Das ist ein tolles Gemeinschaftsprojekt, jetzt müssen die Raucher unser neues Angebot nur noch annehmen.

Der Strandascher passt in jede Hosentasche. Wer also am Strand raucht, kann seine Kippe einfach hineintun und sie dann bei nächster Gelegenheit korrekt entsorgen. Das ist wichtig, denn Zigarettenfilter sind nicht einfach biologisch abbaubar. Sie sind mit Kunststoff überzogen, und das verrottet nur sehr langsam. Es dauert Jahre, und darum haben die Kippen im Sand nichts verloren.

In dieser Badesaison erhalten Raucher die Strandascher rund um die belebtesten Hotspots an den Stränden im Raum Rostock. Sie werden beispielsweise ausgegeben bei Supreme Surf, im Besitos sowie bei ausgewählten Strandkorbverleihern in den Ostseebädern zwischen Boltenhagen und Graal-Müritz. Insgesamt haben wir 3000 Stück produzieren lassen.

Weitere Informationen gibt es auf der Website von „AIDA Freunde der Meere“. Auch der NDR hat über unsere Idee berichtet und einen schönen Beitrag gemacht, der – für eine begrenzte Zeit – in der NDR-Mediathek zu finden ist.

Bangladesh on its way to a „solar nation“

By Moritz Petersmann

Dipal Barua
Listening to Dipal Chandra Barua might cause astonishment every time one hears him talk about his work and his vision: He wants Bangladesh to be the world’s first „solar nation“!
This might sound like daydreaming at first, but if you have a closer look at the work of Dipal Barua, laureate of the Right Livelihood Award („Alternative Nobel Prize“), there is reason to be optimistic. At the conference „Teaching Right Livelihood“ in Kassel in May, I had the privilege to meet him and could participate in a workshop in which he presented his work and afterwards discussed his actions and vision with the audience.

One notices quickly that Dipal Chandra Barua not only complains about worldwide problems and wrongdoing, but is active himself. He gets down to the root of a problem and offers long-term solutions. Dipal Chandra Barua has already visited thousands of villages in Bangladesh and has gotten an idea of the situation. Often people living in these rural areas of Bangladesh had to get along without any connection to the electricity grid (in 1996 this was so for about 85 percent of the population). That is why they spent the time after sunset in absolute darkness. Their light source mainly consisted of kerosene-fueled lamps.

After the non-profit organization Grameen Shakti was established in 1996 the situation changed quickly in those rural areas. That is due to Dipal Chandra Barua’s model for implementing sustainable light and energy – both of which provides a win-win situation: On the one hand the rural population of Bangladesh gets the chance to raise its standard of living by installing its own solar home systems (SHS), on the other hand and at the same time they support the expansion of renewable, climate-friendly energy sources. A financial mechanism helps to reduce the cost of the installation of an SHS to the monthly cost of kerosene. The model is successful: Up to now about 3 million solar home systems have been installed in rural areas of Bangladesh. It is also remarkable that Dipal Chandra Barua with his Green Technology Center (GTC) explicitly supports and encourages women to complete a technical training. He does so with great success! Many women work as „green entrepreneurs“ in the growing market of renewable energies. This causes, in addition to the environmental benefits, a change in the reputation of women in the Bangladeshi society, in which the majority of the people belongs to the Muslim religious community.

Dipal Barua demonstrates how the expansion of renewable energies in developing countries can become a success: it takes a decentralized supply with renewable energy and additional value for health, education, and productivity. Now it remains to be seen whether Dipal Chandra Barua’s vision comes true a 100 percent, which would mean that 75 million people in Bangladesh benefit from the use of renewable energy.

Ein Weckruf auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Von Moritz Petersmann

Vertreter des KIKA Nachhaltigkeitstages im Gespräch mit Andreas Jung (MdB)
Blickt man zurück auf die Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung vom 2. Juni 2014, bleibt besonders der „Weckruf“ von Konstantin Wecker in Erinnerung. Mit seiner Forderung nach mehr Poesie in der Politik prägte er die 14. Jahreskonferenz zum Abschluss nochmals entscheidend. Leider hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon viele Teilnehmer verabschiedet.

Unter dem Motto „verstehen, vermitteln, verändern“ fand die diesjährige Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung im bcc Berlin Congress Center statt. Die Bandbreite der Themen war enorm, das zeigte gleich der Auftakt. Besonders Harald Welzer stach hervor. Er untersucht Bürgervisionen und lokale Initiativen, wie zum Beispiel die Elektrizitätswerke Schönau, die aus einer Bürgerinitiative heraus entstanden. Erfolgsbedingungen für solche Initiativen seien eine flexible Zielverfolgung, Vertrauensbeziehungen auf lokaler Kultur und Kunden als Teilhaber des Veränderungsprozesses, so Welzer. An die Politik richtete er die Forderung, dass das derzeitige Nischendasein dieser vielen lokalen Initiativen überwunden werden müsse!

Vom Nischendasein zum Mainstream, dieser Weg muss für Nachhaltigkeitsbestrebungen geebnet werden. Darüber herrscht Konsens. Wie dies tatsächlich geschehen soll, dazu gibt es unterschiedliche Ansätze. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich dazu im Rahmen der Konferenz und betonte besonders, dass man weltweit eine Verbindung von Wohlstand und Nachhaltigkeit erreichen müsse, um sich erfolgreich auf den Weg zu einer Nachhaltigen Entwicklung zu machen. Die Rolle des Rates für Nachhaltige Entwicklung stellte sich im Gespräch mit Angela Merkel als die eines „Wachhundes“ heraus, der wachsam und teils bissig die Aktivitäten der Bundespolitik beeinflusst. Den Wachhund imitierten am Nachmittag dann auch drei jugendliche Vertreter des KIKA Nachhaltigkeitstages, als sie Andreas Jung (MdB) mit den dringlichsten Forderungen ihrer Agenda für Nachhaltigkeit konfrontierten.

Inwiefern es wünschenswert ist, dass Nachhaltigkeitsbelange mit Hilfe eines Wachhundes durchgesetzt werden, bleibt jedem selbst zu urteilen. Konstantin Wecker sprach am Ende zumindest jeden einzeln an, als er mehr Idealismus und mehr „zu sich selbst stehen“ forderte. Nachhaltigkeit muss im Grundgesetz verankert sein, der Würde des Menschen zuliebe, so Konstantin Wecker. Der Weg dorthin ist noch weit, aber je mehr Menschen dem Aufruf folgen, desto eher kommen wir der Idee einer nachhaltigen Entwicklung näher.

Konstantin Wecker