Archiv für den Monat: September 2014

„Alternativer Nobelpreis“: Edward Snowden erhält Auszeichnung

Von Monika Griefahn

Edward Snowden ( Foto: The Guardian)

Foto: The Guardian

Als Jury-Mitglied und Co-Vorsitzende der Right Livelihood Award Foundation ist es mir eine Ehre, auch hier in meinem Blog verkünden zu können, wer in diesem Jahr unsere Auszeichnung erhalten wird. Der „Alternative Nobelpreis“ belohnt Einsatz für Menschenrechte, Pressefreiheit, bürgerliche Freiheiten und Kampf gegen den Klimawandel.

2014 geht der nicht dotierte Ehrenpreis an Edward Snowden (USA), „weil er mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt“, und an Alan Rusbridger (Großbritannien) „für den Aufbau einer globalen Medienorganisation, die sich verantwortlichem Journalismus im öffentlichen Interesse verschrieben hat und gegen große Widerstände illegales Handeln von Unternehmen und Staaten enthüllt“. Zwar ist der Ehrenpreis nicht mit einem Preisgeld verbunden, aber wir als Stiftung haben vor, Rechtskosten für Edward Snowden zu finanzieren.

Drei Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von 1,5 Millionen Schwedischen Kronen (ca. 162.000 EUR): Wir haben Asma Jahangir (Pakistan) ausgezeichnet, „weil sie die Menschenrechte in Pakistan und darüber hinaus verteidigt, schützt und stärkt – oft in sehr schwierigen und komplexen Situationen und unter großem persönlichen Risiko“. Es ist das erste Mal, dass ein Right Livelihood Award nach Pakistan geht.

Die Jury ehrte weiterhin Basil Fernando und die Asian Human Rights Commission (Hongkong/China) „für die unermüdliche und herausragende Arbeit für die Umsetzung der Menschenrechte in Asien und deren Dokumentation“.

Auch Bill McKibben (USA) hat uns beeindruckt mit seinem Engagement. Er erhält den Preis „für die erfolgreiche Mobilisierung einer wachsenden zivilgesellschaftlichen Bewegung für weitreichende Maßnahmen gegen den Klimawandel in den Vereinigten Staaten und weltweit“.

Die Verkündung der Preisträger war für den 25. September im Pressezentrum des schwedischen Außenministeriums geplant, wo diese seit 1995 stattgefunden hat. Die Pressekonferenz wurde aber vom schwedischen Außenministerium in diesem Jahr abgesagt. Die Stiftung hat daher entschieden, die Nachricht schon einen Tag vorher über ihre Website und über Nachrichtenagenturen zu verbreiten.

Zur Internetseite der Right Livelihood Foundation.

Appell der Umweltpreisträger!

Von Monika Griefahn

160 Gewinner von Umweltpreisen aus verschiedenen Ländern haben einen eindringlichen Appell an alle Stiftungen und Menschenfreunde der Welt gerichtet, mit ihrem Geld die Maßnahmen zu unterstützen, die zur Rettung der Zivilisation beitragen. Angesichts der Erderwärmung, angesichts der Gefahr, sich aufgrund von Umweltkatastrophen nicht mehr mit Nahrung versorgen zu können, angesichts des Eindrucks, dass Regierungen nicht ihre ganze Kraft gegen den Treibhauseffekt einsetzen, angesichts all dessen möchten die Umweltpreisträger ein Zeichen setzen und weitere Gelder für den Schutz des Klimas generieren. Der Appell wurde mit einer durch Crowd-Funding finanzierten Anzeige in der New York Times verbreitet und maßgeblich über die European Environment Foundation vorbereitet.

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Was schafft Kultur? Gute Gespräche bei Buchvorstellung im WBH

Von Monika Griefahn

(v.l.) Monika Griefahn, Edda Rydzy, Klaus-Jürgen Scherer und Karin Seidel

Mal ganz abgesehen davon, dass Edda Rydzy und ich unser gemeinsames Buch „Natürlich wachsen“ vorgestellt haben und es danach noch tolle Gespräche gab, empfand ich den Abend im Willy-Brandt-Haus auch aus anderer Sicht sehr gelungen. Klaus-Jürgen Scherer vom Kulturforum der Sozialdemokratie hat eine tiefgründige Einleitung zu unserem Buch gegeben, und Karin Seidel von der Buchhandlung im Willy-Brandt-Haus hatte einen wunderbaren Rahmen für die Buchvorstellung organisiert. Wir haben in der „vorwärts“-Buchhandlung „gelesen“, und das gab mir Gelegenheit, nach „getaner Arbeit“ einmal selbst in aller Ruhe wieder nach schönen Büchern zu stöbern. Es gibt doch kaum etwas Inspirierenderes als das!

Schön war, in den Gesprächen über unser Buch zu spüren, dass wir, Edda Rydzy und ich, ebenfalls inspirieren konnten. Unsere Grundfrage lautet: Was können Kultur und Kulturpolitik leisten, um zu helfen, große gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit zu lösen? Die existenzielle Herausforderung dieser Zeit ist unserer Meinung nach, wie Menschen mit den limitierten „Ressourcen“ umgehen  können.

Wo und wie kann Kultur und Kulturpolitik einen Unterschied machen, wenn es um Wachstum und den Umgang mit Ressourcen geht?

Wachstum existiert immer. Auch, wenn wir uns vornähmen, in Europa als Menschen nicht mehr zu existieren, gäbe es weiterhin Wachstum: von Bäumen, von den Menschen weltweit, ….. Wir können von der Natur lernen: Sie kennt keinen Abfall. Wir müssen Nährstoffe (also Materialien ) so einsetzen, dass sie entweder biologisch abbaubar sind, also neue Erde bilden, oder in technische Kreisläufe zurückgeführt werden können, also neue Produkte werden. Kultur und Kulturpolitik verkörpern die Gestaltungsmöglichkeiten des Menschen, sie sind gefragt. Sie unterscheiden uns Menschen von den anderen Lebewesen!

Als realistischen Weg einer intelligenten Produktions- und Stoffpolitik haben wir das „Cradle to Cradle“-Prinzip vorgestellt. Es beschreibt eine Welt, in der das Konzept „Abfall“ nicht mehr existiert und Ressourcen nicht mehr verbraucht, sondern gebraucht werden. Menschen sind Teil der Natur. Sie können als kulturelle Wesen Produkte und Produktionsprozesse neu gestalten. Kultur und Kulturpolitik sollten dabei das Leitmotiv „Nachhaltigkeit“ neu definieren, und zwar auf der Seite des gestaltenden, positiven Prozesses. Effizienz alleine reicht nicht. Dann könnten wir auch eine Tablette zur Ernährung nutzen, statt aus der Vielfalt der Lebensmittel zur wählen. Die ästhetische und musische Bildung im frühkindlichen Alter hat nachweislich Einfluss auf die Hirnentwicklung, kann somit grundlegende Kompetenzen und Verhaltensweisen, insbesondere die Kreativität, prägen. Und die Kreativität ist notwendig, um Ingenieure, Designer und Entwickler zu gemeinsamen konstruktiven Lösungen zu bewegen!

Abgeordnete Svenja Stadler setzt „Gesicht zeigen!“ im Landkreis Harburg fort

Von Monika Griefahn

Monika Griefahn und Svenja Stadler über den Dächern von Buchholz.

Seit der letzten Wahl hat der Landkreis Harburg wieder eine SPD-Abgeordnete im Bundestag: Svenja Stadler. Meine Nachfolgerin besuchte mich jetzt in meinem Büro in Buchholz – auch, um sich über meine langjährige Arbeit für den Aktionskreis „Gesicht zeigen! im Landkreis Harburg“ zu informieren. Svenja Stadler will diese wichtige Arbeit fortführen!

Der Aktionskreis „Gesicht zeigen! im Landkreis Harburg“ ist 2001 von mir mit gegründet worden, weil es offene rechtsextremistische Aktionen – Geburtstagsfeiern, Demonstrationen – in der Region gab, gegen die ich mich gemeinsam mit einem breiten bürgerschaftlichen Bündnis zur Wehr setzen wollte. Wir haben seinerzeit einen Unterstützerkreis von rund 150 Menschen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zusammengestellt, die alle das Ziel verfolgten, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus und für Toleranz und Freiheit einzusetzen. Eingebettet war der lokale Aktionskreis in die bundesweite Initiative „Gesicht zeigen!“.

Bis 2009 haben wir Lesungen veranstaltet, Zeitzeugengespräche in Schulen organisiert, an Demonstrationen teilgenommen und helfen bis heute auch finanziell. Zum Beispiel konnten wir Schulen, die den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekommen haben, mit kleinen, aber hilfreichen Beträgen unterstützen. Super, dass Svenja das Thema aufgreift.

Auch sonst war der Besuch sehr angenehm: Wir haben unsere Anfänge im Bundestag verglichen und einige Übereinstimmungen festgestellt: die Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden, die Befindlichkeiten der Fraktionen, die Aufregung vor der ersten Rede im Parlament. Ich wünsche Svenja Stadler viel Erfolg für ihre Arbeit im Bundestag. Die Lage auf der Welt und die großen nationalen Themen zeigen: Es gibt viel zu tun, und wir brauchen engagierte Leute, die Entscheidungen vorantreiben und durchsetzen können. Schön zu wissen, dass der Landkreis Harburg für die SPD wieder genauso eine Persönlichkeit nach Berlin geschickt hat!