Archiv für den Monat: Februar 2015

Die Berlinale bleibt politisch

Von Monika Griefahn

Berlinale - mit Benny Andersson von ABBA.

Bewegende Bilder sind wieder in Berlin zu sehen – wie jedes Jahr im Februar. Die Berlinale läuft, die 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Sie sind ein Publikumsfestival. Mehr als 300.000 Eintrittskarten zählen die Kinokassen, und nahezu 20.000 Fachbesucher aus 124 Ländern tummeln sich im halbwinterlichen Berlin.

Und Dieter Kosslick, jetzt zum 14. Mal Direktor dieses wichtigen A-Festivals der Filmbranche, zeigt es allen: Mit „Taxi“ wird zum wiederholten Male Jafar Panahi aus dem Iran präsentiert, der eigentlich Arbeitsverbot hat und im Gefängnis sitzen müsste. Und dennoch erhält sich der Regisseur seine bissige und satirische Sicht auf sein Land und die politischen Verhältnisse. Er hat eine Low-Budget Produktion verwirklicht, die zuweilen auch die Lachmuskeln beschäftigt. Panahi selbst sitzt am Steuer eines Taxis, und die vielen Fahrgäste erzählen die Facetten des Lebens. Ein Mann fordert die Todesstrafe für Nichtigkeiten, ein anderer macht nach einem Motorradumfall ein Handy-Testament zugunsten seiner Frau. Dazu muss man wissen, dass im Fall des Todes des Mannes eine Frau vollkommen rechtlos ist… Eine Anwältin fährt mit – sie besucht eine Gefangene im Hungerstreik und hat Rosen dabei. Wie lange sie selbst noch praktizieren darf, weiß sie nicht.

Herauszuheben ist auch „Ixcanul Vulcano“, ein Film von Jayro Bustamante, der auf einfühlsame Weise beschreibt, wie die armen Bauern in Guatemala noch immer fast Leibeigene der Landbesitzer sind. Selbst Babys werden unter der Behauptung weggenommen, sie seien tot.

Eine Kinderjury gibt es bei der Berlinale ebenfalls, und die Jugendlichen kommen auf ihre Kosten, zum Beispiel mit dem schwedischen Film „The Circle“. Der Streifen zeigt unter der Handlung mit allerlei Hexen-Brimborium das Zusammenwachsen von fünf Mädchen zu Freundinnen. Attraktion bei dieser Film-Präsentation waren allerdings neben den fünf hübschen Schwedinnen der ABBA-Sänger und Komponist Benny Andersson (Bild oben, 2. v.r.) und sein Sohn Ludvig, selbst Songwriter und Musiker.

Auch wenn es zur Berlinale immer viel Glamour und Glitzer in Berlin gibt, so zeigt die Branche doch auch, dass das Medium Film politisch sein und Geschichte und Zeitgeschehen auf interessante, intensive Weise vermitteln kann. Ich wünsche Dieter Kosslick noch viele produktive Jahre und freue mich, dass sein Vertrag gerade bis 2019 verlängert wurde.

Berlinale

Neuer Wind in Ägypten

Von Monika Griefahn

Sekem-Besuch

Ich komme gerade aus Kairo zurück, wo ich als Vorstandsmitglied der Heliopolis-Universität unterwegs war. Die Nachhaltigkeits-Universität Heliopolis gehört zu Sekem, einer Initiative für organischen Landbau und ganzheitliche Produktion, die tausenden Menschen dort Arbeit gibt. An der Uni, die 2012 gegründet wurde, werden inzwischen 554 Studenten ausgebildet, davon 397 in (Pflanzen-)Pharmazie, 92 Ingenieure, und 65 in Sustainable Business und Marketing.

Nicht nur reine Fachausbildung wird dort geleistet, sondern die zum Teil sehr schüchternen Studenten entwickeln sich zu Persönlichkeiten und lernen auch, dass Musik, Kunst und anderen soziale Fähigkeiten ihnen helfen, Konflikte anders anzugehen und auf andere zuzugehen. Das sind die Menschen, die wir in einem Land, dass so viele Umstürze hinter sich, aber noch nie echte Demokratie erlebt hat, dringend brauchen. Ägypten ist aber ein Land, in dem gute Hoffnungen bestehen, dass der arabische Frühling dauerhaft Früchte trägt – umso wichtiger ist das Engagement der Heliopolis.

Die Forschungen an der Universität zeigen auch, dass nur biologischer Landbau die zukünftige Ernährung sichern kann – nicht Gentechnik oder andere konventionelle Techniken. Sekem ist ohnehin seit Jahrzehnten der beste Beweis dafür.

Das bedeutet kein Schritt zurück ins vergangene Jahrhundert, wie so oft geunkt wird. Denn in der biologischen Landwirtschaft kommen gleichwohl neueste Techniken zum Einsatz. In Sekem arbeitet man mit Solarpumpen, die die unterirdische Bewässerungen der Felder noch nachhaltiger gestalten, und  mit Gewächshäusern aus Photovoltaikplatten, die Aquakultur ermöglichen. Das Projekt wird von der DEG, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft der KfW, gefördert. Mit Extrakten aus Heilkräutern ist es außerdem möglich, nicht gewünschte Insekten fernzuhalten.

Vieles, was die Uni erforscht oder lehrt, kommt auch gleichzeitig direkt der „Commmunity“ – was Gemeinde und Gemeinschaft bedeutet – zugute. Beispiel Wasser – ein rares Gut in Ägypten. Im Prinzip müssen 40 Prozent des Wassers importiert werden, also geht alles darum, den „Wasserfußabdruck“ zu verringern. Aber wie, wenn man weiß, dass für eine Pizzaschnitte schon 1260 Liter verbraucht werden? Das rechnete Dr. Hani Sewilami von der RWTH Aachen vor (Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen). Frische organische Lebensmittel sind da eine Alternative. Wie anerkannt Sekem inzwischen ist, zeigt, dass auch die internationale Demeter-Gesellschaft im Juni in Sekem tagen wird – ein Bio-Verband, der eine lange Tradition hat und hohes Vertrauen genießt.

Die drei Säulen der Heliopolis-Universität verbinden Bildung und Forschung mit Anwendung in der „Community“. Wenn man die leuchtenden Augen der Studenten bei der Präsentation ihrer Labors sieht, dann weiß man, dass die Sekem-Gruppe um den Alternativen Nobelpreisträger Ibrahim Abouleish mit der Verwirklichung ihrer Vision die richtige Entscheidung getroffen hat: Inzwischen bestehen ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Firma, die die Produkte verarbeitet, ein Kindergarten und eine Schule, eine Lehrwerkstatt… Da war es ganz folgerichtig, auch eine Universität zu gründen, um die Erfahrungen aus der Initiative weiterzutragen, aber auch, um sie zu dokumentieren und weiter zu erforschen.

Lassen Sie uns diese engagierten und mutigen Menschen unterstützen!

Das ist Sekem.

Das ist die Heliopolis-Universität für nachhaltige Entwicklung.