Archiv für den Monat: Juni 2015

Klare Worte von SPD-Urgestein Eppler

Von Monika Griefahn

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Es war ein intensiver Abend, und ich danke dem Arbeitskreis der Christinnen und Christen in der SPD, dass sie ihn während des Deutschen Evangelischen Kirchentages organisiert haben. Sehr persönlich sprachen Familienministerin Manuela Schwesig, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der ehemalige Entwicklungshilfeminister Erhard Eppler über ihre Eindrücke beim Kirchentag und über den Zustand der Gesellschaft und der Welt.

Ein besonderes Erlebnis für mich war es, Erhard Eppler nach langer Zeit einmal wiederzutreffen. Er ist der Vordenker in der SPD in Sachen Umweltpolitik, er musste Willy Brandt und Helmut Schmidt erst darauf bringen, dass Umweltschutz und Entwicklungshilfe wichtige Aufgaben von Politik sind. Er prägte auf einer IG-Metall-Tagung den Begriff des qualitativen Wachstums (heute spricht die IG-Metall-Vorstandsfrau Christiane Benner von der Kampagne „Besser statt billiger“!) Eppler hat als einer der ersten in der SPD erkannt, wie gefährlich die Nutzung der Atomenergie ist. Er ist inzwischen 88 Jahre alt.

Erhard Eppler wurde auf dem – wie er sagte „seinem letzten“ – Kirchentag sehr deutlich in seiner Kritik an der gegenwärtigen Biedermeierpolitik der Bundeskanzlerin. Scheinbar gehe es uns gut und wir lehnten uns bräsig zurück. Aber der Konflikt mit Russland sei nicht durch Ausgrenzung, sondern nur durch Dialog zu lösen, forderte er. Russland, China, Indien und Brasilien gehörten mit an den Tisch, und wir würden übersehen, dass gerade in China zurzeit das größte Programm der Welt für erneuerbare Energien laufe. Ausruhen ginge nicht, meinte Eppler, und die Konflikte lösten wir sicher nicht durch Abschottung. „Dafür müssen wir noch viel tun!“

Cradle to Cradle auf dem Kirchentag

Von Monika Griefahn

Diskussionsrunde

Baden-Württemberg hat einen grünen Ministerpräsidenten und viele finden ihn gut. Selbst ein Taxifahrer, mit dem ich letztens sprach, hatte keine Zweifel an seiner Wiederwahl. Was liegt also näher als in Baden-Württemberg nach der Umsetzung von Cradle to Cradle zu fragen?

Am Samstag startete der Morgen auf dem Deutschen evangelischen Kirchentag in Stuttgart mit einer spannenden Debatte. Die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Rita Schwarzelühr-Sutter, zeigte in ihrer Rede auf, dass Effizienz alleine unsere Ressourcen-Engpässe nicht wird beenden können. Auch Ernst-Ulrich von Weizsäcker, Co-Präsident des Club of Rome, ergänzte seine Aussagen zum Faktor 5 um die Notwendigkeit – wie im Cradle-to-Cradle-Ansatz – alle Produkte von Anfang an so zu denken, dass ihre Materialien nach Gebrauch wieder einsetzbar oder biologisch abbaubar sind.

Reiner Mangold von Audi zeigte auf, dass Energieeffizienz bei den Autos nicht das Hauptkriterium für den Kauf sei. Insofern ist noch viel Entwicklung zu betreiben: Auch andere Treibstoffe oder neue Serviceformen für Mobilität müssen neben Carsharing-Modellen entwickeln werden. , wenn die Automobilbranche auch in Zukunft noch ein wichtiger Arbeitgeber in Deutschland sein will.

Ich habe das Cradle-to-Cradle-Konzept mit seinen Upcycling-Kreisläufen von Rohstoffen erklärt. Rund 1600 Zuhörer haben die Diskussion unter der fachkundigen Moderation von Elisabeth von Thadden, Journalistin bei der Zeit, verfolgt und trotz heißem Zelt in brütender Stuttgarter Sonne bis zum Mittag ausgeharrt.

Zum Thema Arbeitsplätze und eine Zukunft in Verantwortung ging es auch am Nachmittag in der Diskussion „Sparen reicht nicht – Umgang mit Ressourcen in Wirtschaft und Gesellschaft“ weiter. Die Unternehmerin Susanne Henkel arbeitet schon seit vielen Jahren mit Qualität und Reparatur-Freundlichkeit „Made in Germany“. Und hat Erfolg. Eine kompetente Runde diskutierte anschließend: Richard Arnold (Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd), Christiane Benner (IG Metall), Peter Hofelich (Staatssekretär im Finanz- und Wirtschaftsministerium in Stuttgart), Dr. Anton Hofreiter (Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen) und Martin Lutz (Dress & Sommer).

Besonders beeindruckend war, dass Christiane Benner für das Konzept „Besser statt billiger“ stritt und sich damit voll für das C2C-Konzept engagierte. Auch Martin Lutz stellte dar, dass gerade im Baubereich viel passiere, um Häuser als „Materiallager“ zu begreifen und so die Rohstoffe zu erhalten.

Richard Arnold erklärte, dass gerade die Kommunen mit ihren Vorgaben durch die Rechnungshöfe immer noch Schwierigkeiten hätten, die besseren, statt die billigeren, Materialien und Produkte zu beschaffen. Da kann eigentlich nur eine andere Beschaffungsrichtlinie helfen. Diese Anregung nahm Staatssekretär Peter Hofelich auf.

Moderatorin Ines Pohl (taz) fühlte auch dem Grünen Aton Hofreiter auf den Zahn: Was müsse sich denn eigentlich politisch ändern, damit Unternehmen, die konsequent auf Cradle to Cradle setzten, nicht benachteiligt würden? Noch sind die Ansätze da nicht ausgereift, aber unsere Foren auf dem Kirchentag haben hoffentlich geholfen, die Cradle-to-Cradle-Idee zu verbreiten, auch wenn das Konzept am Nachmittag leider nicht ausführlich erklärt werden konnte.

Weltpremiere: Strom für AIDAsol aus Mega-Steckdosen

Von Monika Griefahn / Pressemitteilung

AIDAsol_bekommt LNG

Wenn man lange auf etwas hingearbeitet hat, und dann ist der große Tag da, das ist schon aufregend! Am 30. Mai war so ein Tag: AIDA Cruises, wo ich Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bin, und Becker Marine Systems haben ein gemeinsames Projekt in die Realität umgesetzt. Im Hamburger Hafen hat die sogenannte LNG Hybrid Barge erstmals emissionsarmen Strom aus Flüssigerdgas (LNG-Strom) an das Schiff AIDAsol übergeben. Damit kann das Kreuzfahrtschiff seine Motoren während der Liegezeit letztlich abschalten, und der Strom wird aus Gas in fünf Blockheizkraftwerksmotoren auf einer Schute hergestellt und sichert dadurch die Energieversorgung des Schiffes. Das verringert die Emissionen erheblich. Es ist wunderbar, dieses Projekt wirklich zum Laufen gebracht zu haben, denn es ist eine Weltpremiere.

Mein Dank gilt den Ingenieuren von Becker Marine Systems. Vieles an dieser Barge war komplett neu, immer wieder brauchte es Genehmigungen, Gutachten und Erlaubnisse. Auch die Testphase war aufwändig – Tag für Tag waren die Techniker in den Wochen vor der ersten richtigen Stromversorgung am Anleger, haben Bordsysteme und Handhabung getestet, damit dann am 30. Mai auch alles klappt.

Die Barge funktioniert wie ein schwimmendes Kraftwerk. In der Gasaufbereitungsanlage wird das tiefkalte (-163°C), flüssige Gas erhitzt und anschließend zu den Generatoren weitergeleitet, die den Strom für den Schiffsbetrieb während der Liegezeit erzeugen. Die Leistung, die durch die Gasmotoren auf der Barge bereitgestellt wird, beträgt 7,5 Megawatt, also Strom wie für eine Kleinstadt.

Durch den Einsatz von Flüssigerdgas zur Energieversorgung von Schiffen wird der Emissions- und Partikelausstoß erheblich reduziert. Im Vergleich zur Nutzung von herkömmlichem Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelanteil werden keine Schwefeloxide und keine Rußpartikel emittiert. Die Emission von Stickoxiden verringert sich um bis zu 80 Prozent, der Ausstoß von Kohlendioxid um 20 Prozent.

Übrigens: Wir haben schriftlich, dass wir mit der Barge etwas Besonderes verwirklicht haben. Es gab vor Kurzem für das gemeinsame, mit AIDA entwickelte Projekt den GreenTec Award 2015 in der Kategorie „Reise“ vom Deutschen Reiseverband (DRV) für Becker Marine Systems, einem echten Hamburger Unternehmen.