Archiv für den Monat: Juli 2015

Cradle to Cradle e.V. zieht in neues Büro

Von Monika Griefahn und dem Redaktionsteam des Cradle to Cradle e.V.

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Der Verein wird flügge: Im Jahr 2012 haben wir den „Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege e.V.“ gegründet, und jetzt sind die Aktiven in Berlin in ein schönes helles Büro mit mehreren Arbeitsplätzen gezogen. Nach wie vor lebt der Verein vom Ehrenamt, vom Engagement vieler. Doch das Büro mit der hauptamtlichen Struktur, wie wir sie inzwischen haben, ist wichtige Anlaufstelle für all die Menschen, die helfen, die Cradle-to-Cradle-Denkschule in die Gesellschaft zu bringen.

Am Donnerstag, den 9. Juli 2015, begrüßten wir Aktive, Partner, Freunde und Bekannte in den ersten eigenen Räumen. Seit Anfang 2015 arbeitet das Team des e.V. in der Naugarder Straße 43 in Berlin. Unter den Gästen der Einweihungsfeier waren unter anderem die Schauspielerin, Geschäftsführerin des Miwai Eco Fashion Onlinestores und Beirätin des C2C e.V. Inez Bjørg David, die Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses Dr. Clara West, der Geschäftsführer von Biomimicry Germany Dr. Arndt Pechstein, die Gründerin von Schule im Aufbruch und Schulleiterin Margret Rasfeld, der Vizepräsident der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit Martin Wittkau, Sascha Rieth von der Biocompany sowie weitere Personen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Die Geschäftsführer Nora Sophie Griefahn und Tim Janßen berichteten aus der Arbeit und den aktuellen Projekten. So betreut das Büroteam unter anderem die 22 Regionalgruppen im ganzen Bundesgebiet, engagiert sich in der Vorbereitung der „Akademie“ vom 21. bis 22. August und bereitet natürlich den kommenden, zweiten Cradle-to-Cradle-Kongress unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks am 31. Oktober 2015 in Lüneburg vor.

Vielen Dank für die konstruktiven und freundlichen Gespräche! Das C2C-Team (siehe Foto unten, mit Monika Griefahn und Inez Bjørg David) freut sich auf die weitere Zusammenarbeit in Berlin.

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„Aida“ in Eutin

Von Monika Griefahn

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Nein, dieses Mal erzähle ich nicht von dem Kreuzfahrtunternehmen, für das ich tätig bin, sondern von der Verdi-Oper „Aida“, die 1871 in Kairo uraufgeführt wurde. In wunderbarer Kulisse in Eutin erfreuten ausdrucksstarke Sänger jetzt die 1600 Premierengäste der diesjährigen Eutiner Festspiele. Seit 65 Jahren und mit viel Auf und Ab engagieren sich die künstlerische Leitung sowie viele Unterstützer immer wieder aufs Neue, im Norden ein Kultur-Highlight in toller Umgebung zu präsentieren. Das gelingt immer wieder – ich empfehle also unbedingt einen Ausflug an die Ostseeküste. Bis Ende August stehen Aufführungen der Oper „Aida“ oder der Operette „Der Vogelhändler“ auf dem Programm.

In der großen Oper von Giuseppe Verdi geht es um Liebe und Macht. Es sind die Themen, die über die Jahrhunderte ihre Aktualität nicht verlieren, auch, wenn die historische Einkleidung wechseln mag. Zum Inhalt: Aida, Tochter des äthiopischen Königs, wurde nach Ägypten verschleppt. Sie liebt Radames, der ihre Liebe erwidert, doch als die Äthiopier nach Ägypten vordringen, um die Prinzessin zu befreien, muss Radames das ägyptische Heer anführen. Er sieht sich nicht nur diesem Konflikt ausgesetzt, sondern steht auch zwischen zwei Frauen, die ihn begehren: neben Aida noch die Tochter des ägyptischen Pharaos Amneris.

Die beiden Frauen werden zu Rivalinnen. Lügen und Berechnung, Verrat und Opferfähigkeit machen die Kriegs- und Gefühlswirren komplett. Am Ende, so beschreiben es die Verantwortlichen der Eutiner Festspiele auf ihrer Homepage, am Ende „siegt die Liebe: ,Leb wohl, o Erde, du Tal der Tränen‘ singen Radames und Aida – nur im Tode endlich vereint.“

Schon, als die Oper 1871 ihre Uraufführung erlebte, rissen die „prächtigen Chorszenen, die mitreißenden Arien und romantischen Duette“ die Zuschauer von ihren Plätzen. Die Premiere zur Eröffnung der Eutiner Festspiele 2015, also 144 Jahre später, begeisterte nun mich und viele um mich herum – so muss es auch damals gewesen sein. Neben dem exzellenten Ensemble und dem monumental-puristischen Bühnenbild macht auch die Anlage an sich einen Teil des Opern-Erlebnisses in Eutin aus: Die Freilichtbühne liegt im Schlossgarten am Ufer des Eutiner Sees. Ein perfektes Erlebnis, wenn das Wetter mitspielt – und das hat es bei der Premiere getan. (Foto: Eutiner Festspiele)

Zu den Eutiner Festspielen

„Bildung für nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen“ – Austausch ohne Durchbruch

Von Petra Reinken

Die Evangelische Akademie Loccum ist ein Garant für inspirierende Fortbildungen und perfekten Austausch zwischen den Teilnehmern von Seminaren. So war es auch bei der Fortbildung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen“. Lehrer, Vertreter außerschulischer Bildungseinrichtungen, Professoren, kommunale Verantwortliche, engagierte Bürger, Agenda-Aktive – das Publikum kam zwar mehrheitlich aus dem Lehramtsbereich, war aber immer noch eine bunte Mischung all derer, die sich für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung – kurz BNE – engagieren.

Es zeigte sich, dass auf der Ebene von Schulen, Kommunen oder eigenem Engagement in Sachen BNE sehr viel passiert, sehr viele Ideale gelebt werden. Die Diskussionen offenbarten aber auch: Sobald die Prinzipien der BNE (siehe dazu Link am Ende des Textes) verstetigt werden sollen – sei es in kommunale Leitlinien, in Prüfungsplänen oder in gemeinsame Grundsätze einer Schule -, gerät individuelles Engagement an seine Grenzen. Lehrer stoßen bei ihren Kollegen auf Ablehnung, wenn sie Flugreisen thematisieren. Agenda-Aktiven geht der Ansatz der eigenen Stadtverwaltung nicht weit genug. Den Meister im Betrieb interessiert wenig, was der Azubi in der Berufsschule über den nachhaltigen Einsatz von Materialien gelernt hat.

Leider gelang auch bei dieser Fortbildung kein Durchbruch. Was besprochen wurde, drehte sich im geschlossenen Kreis von „Energie sparen“, „Kommunen haben kein Geld“ oder „Ich bin Einzelkämpfer“. Diskussionen zeigten bei allem Engagement eine Ratlosigkeit, wie dieser Kreis zu öffnen sei  – oder mündeten auch in dem Unwillen, neue Wege zu denken, wenn die alten nicht funktionieren. Welche Strategien müssen erprobt werden? Vorsichtshalber wurde in einem Seminarmodul denn auch abgelehnt, „am ganz großen Rad zu drehen“.

Die vielfach erfolgreichen Grundsätze der Werbung anzuwenden und zu versuchen, Nachhaltigkeit „sexy“ zu machen, sie zu verkaufen, stieß somit nicht auf Gegenliebe bei den vielen individuellen Idealisten, wurden als „irgendwie schmutzig“ empfunden. Oder in der Berufsbildung: Der Bruch, an dem Nachhaltigkeitsgrundsätze wieder abhandenkommen, diagnostizierten die Teilnehmer eines Seminar-Moduls am Übergang von der Schule in die Berufswelt. Gleichwohl kam keiner auf die Idee, BNE stärker in der betrieblichen Praxis unterzubringen. Ein Berufsschullehrer vermutete den „Wirkungsgrad von Schule bei zehn Prozent“, dennoch stand am Ende des Moduls lediglich die Forderung, BNE in Prüfungsanforderungen einzubinden.

Es gibt viele Strategien, wie Gesellschaft auf diese Unzulänglichkeiten reagieren könnte, um sich selbst zu retten, und es ist schwer zu sagen, welche wohl die richtige ist – beziehungsweise, wie sie alle ineinander greifen können. Konsistenzstrategie, Gemeinwohlökonomie, Postwachstum – Ansätze für einen Paradigmenwechsel gibt es. Aber diese zu diskutieren, soweit sind wir in dem Seminar nicht gekommen. Es war ein wichtiger Austausch, und doch bleibt am Ende das Gefühl, nur auf der Stelle zu treten. Dafür aber haben wir keine Zeit.

Zu den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Zur Evangelischen Akademie Loccum