„Bildung für nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen“ – Austausch ohne Durchbruch

Von Petra Reinken

Die Evangelische Akademie Loccum ist ein Garant für inspirierende Fortbildungen und perfekten Austausch zwischen den Teilnehmern von Seminaren. So war es auch bei der Fortbildung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Niedersachsen“. Lehrer, Vertreter außerschulischer Bildungseinrichtungen, Professoren, kommunale Verantwortliche, engagierte Bürger, Agenda-Aktive – das Publikum kam zwar mehrheitlich aus dem Lehramtsbereich, war aber immer noch eine bunte Mischung all derer, die sich für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung – kurz BNE – engagieren.

Es zeigte sich, dass auf der Ebene von Schulen, Kommunen oder eigenem Engagement in Sachen BNE sehr viel passiert, sehr viele Ideale gelebt werden. Die Diskussionen offenbarten aber auch: Sobald die Prinzipien der BNE (siehe dazu Link am Ende des Textes) verstetigt werden sollen – sei es in kommunale Leitlinien, in Prüfungsplänen oder in gemeinsame Grundsätze einer Schule -, gerät individuelles Engagement an seine Grenzen. Lehrer stoßen bei ihren Kollegen auf Ablehnung, wenn sie Flugreisen thematisieren. Agenda-Aktiven geht der Ansatz der eigenen Stadtverwaltung nicht weit genug. Den Meister im Betrieb interessiert wenig, was der Azubi in der Berufsschule über den nachhaltigen Einsatz von Materialien gelernt hat.

Leider gelang auch bei dieser Fortbildung kein Durchbruch. Was besprochen wurde, drehte sich im geschlossenen Kreis von „Energie sparen“, „Kommunen haben kein Geld“ oder „Ich bin Einzelkämpfer“. Diskussionen zeigten bei allem Engagement eine Ratlosigkeit, wie dieser Kreis zu öffnen sei  – oder mündeten auch in dem Unwillen, neue Wege zu denken, wenn die alten nicht funktionieren. Welche Strategien müssen erprobt werden? Vorsichtshalber wurde in einem Seminarmodul denn auch abgelehnt, „am ganz großen Rad zu drehen“.

Die vielfach erfolgreichen Grundsätze der Werbung anzuwenden und zu versuchen, Nachhaltigkeit „sexy“ zu machen, sie zu verkaufen, stieß somit nicht auf Gegenliebe bei den vielen individuellen Idealisten, wurden als „irgendwie schmutzig“ empfunden. Oder in der Berufsbildung: Der Bruch, an dem Nachhaltigkeitsgrundsätze wieder abhandenkommen, diagnostizierten die Teilnehmer eines Seminar-Moduls am Übergang von der Schule in die Berufswelt. Gleichwohl kam keiner auf die Idee, BNE stärker in der betrieblichen Praxis unterzubringen. Ein Berufsschullehrer vermutete den „Wirkungsgrad von Schule bei zehn Prozent“, dennoch stand am Ende des Moduls lediglich die Forderung, BNE in Prüfungsanforderungen einzubinden.

Es gibt viele Strategien, wie Gesellschaft auf diese Unzulänglichkeiten reagieren könnte, um sich selbst zu retten, und es ist schwer zu sagen, welche wohl die richtige ist – beziehungsweise, wie sie alle ineinander greifen können. Konsistenzstrategie, Gemeinwohlökonomie, Postwachstum – Ansätze für einen Paradigmenwechsel gibt es. Aber diese zu diskutieren, soweit sind wir in dem Seminar nicht gekommen. Es war ein wichtiger Austausch, und doch bleibt am Ende das Gefühl, nur auf der Stelle zu treten. Dafür aber haben wir keine Zeit.

Zu den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung

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