Archiv für den Monat: August 2015

Schiffe, die mit Windstrom fahren

Von Monika Griefahn

Präsentation NachhaltigkeitsberichtEs macht Spaß, wieder Visionen zu haben! Kürzlich haben wir den neuen Nachhaltigkeitsbericht von Aida Cruises vorgestellt. Die wichtigsten Pläne auf dem Weg hin zu einer umweltverträglicheren Kreuzfahrt sind die beiden neuen Schiffe, die Aida mit LNG-Antrieb bauen lassen will. Sie sollen nur noch mit flüssigem Erdgas fahren, was die Schadstoffemissionen ganz erheblich verringert. Die Vision dabei ist: Das Gas soll irgendwann komplett aus erneuerbaren Energien kommen. Wir wollen, dass die Power-to-Gas-Technologie marktreif wird, und dass überschüssiger Strom aus Windenergie in Erdgas umgewandelt wird, um es dann zu nutzen. Dann können wir wirklich von einem nachhaltigen Antrieb sprechen, quasi davon, dass die Schiffe mit Windstrom fahren! Und das Beste: So weit entfernt von einer Marktreife sind wir womöglich gar nicht mehr, denn es gibt bereits vielversprechende Pilotprojekte.

Infos zu Pilotprojekten hier

Aus meiner Sicht wäre es der endgültige Durchbruch der Erneuerbaren Energien. Und es wird höchste Zeit dafür! Klimawandel, endliche Ressourcen, Verschmutzung von Böden und Wasser an den Förderstätten der herkömmlichen Energie – all das ist ja real.

Für Aida ist das Ja zu LNG ein mutiges Bekenntnis. Denn noch ist die Infrastruktur in den Häfen dieser Welt gar nicht für einen reinen LNG-Betrieb gemacht, noch sind die gesetzlichen Bestimmungen nicht angepasst. Die Schiffe sollen in den Jahren 2019 bzw. 2020 erstmals im Einsatz sein – bis dahin muss also noch einiges passieren.

Die Schiffe, die jetzt für Aida in See stechen, werden derzeit nach und nach mit Filtersystemen ausgerüstet, so dass auch der Betrieb mit den jetzigen Treibstoffen Marinediesel und Schweröl umweltfreundlicher wird. Mit diesen Systemen können zum Beispiel Rußpartikel, Stickoxide und Schwefeloxide um mehr als 90 Prozent reduziert werden. Daneben gibt es in den Schiffen, die dieses und nächstes Jahr in Dienst gestellt werden, Dual-Fuel-Antriebe, die im Hafen schon mit Gas betrieben werden können sowie Steckdosen für Landanschlüsse an beiden Seiten. Davon abgesehen versuchen wir auch, durch verschiedene Maßnahmen Energie zu sparen und damit den Treibstoffverbrauch zu reduzieren. Wir sind in diesem Jahr weiterhin eine Kooperation mit Atmosfair eingegangen, um Dienstreisen der Mitarbeiter zu kompensieren. Auch unsere Gäste können kompensieren, wenn sie wollen, und damit wichtige Nachhaltigkeitsprojekte in der Welt unterstützen. Das ist auch der Grund dafür, dass der Klimaforscher und Atmosfair-Schirmherr Mojib Latif den neuen Nachhaltigkeitsbericht gemeinsam mit mir vorgestellt hat.

All das, was Aida tut, sind wichtige Maßnahmen für die Gegenwart. Die Zukunft aber liegt auch in der Kreuzfahrt-Branche bei den Erneuerbaren.

Der Nachhaltigkeitsbericht Aida cares

Handwerk und Cradle to Cradle

Von Monika Griefahn

expertenkreiseEs ist schön zu bemerken, dass das Cradle-to-Cradle-Konzept inzwischen bei den allermeisten Veranstaltungen, zu denen ich eingeladen werde, bekannt ist. So auch bei der Tagung der Expertenkreise „Energie und Umwelttechnik“ und „Bau- und Restaurierungstechnologien“ des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik an der Uni Hannover. Eine Welt ohne Abfall – sie wird nicht mehr nur als unerreichbare Vision gesehen, sie wird mehr und mehr zum erreichbaren Ziel. Jetzt geht es ans „Finetuning“: Wie kann Cradle to Cradle in den Betrieben angewendet und umgesetzt werden?

Bei der Tagung der Expertenkreise konnte ich einige Beispiele aus dem Handwerk vorstellen, bei denen Cradle to Cradle schon berücksichtigt wird. Immer wieder begeistert bin ich zum Beispiel von den mörtellosen Fassaden von Daas Baksteen, die mit einem Klicksystem gebaut werden. Dadurch sind sie bei Abbruch des Hauses einfach wieder auseinanderzunehmen, und die Fassade kann wiederverwendet werden. Oder – bei der Innenraumgestaltung – gibt es Stoffe, Farben und Bodenbeläge, die ohne schädliche Stoffe auskommen und so einfacher recycelt werden können. Außerdem ein Trend: Vollholzhäuser ohne Verleimungen. Der Wert eines Hauses steckt zu großen Teilen in den Materialien, und Pionier-Unternehmen präsentieren immer bessere Wege, diesen Wert auch nach der Nutzungsdauer eines Hauses zu erhalten.

Die Handwerksbetriebe, -beauftragten und Behördenvertreter bei der Expertenkreise-Tagung sprachen mit mir auch über schwierige Marktsituationen und Befürchtungen im Zusammenhang mit der Umsetzung des Konzepts. Denn dieses Konzept beinhaltet auch Leasing-Systeme für Maschinen und Bauteile. Verkauft werden sollen zum Beispiel nicht Waschmaschinen, sondern Waschgänge, nicht Fernseher, sondern Fernsehstunden. Nach einer bestimmten Nutzungsdauer erhält der Hersteller sein Gerät zurück. Er kann die Materialien dann wieder nutzen und – so das Kalkül – wird darum nur positiv definierte Materialien einsetzen. Die Betriebe, so wurde deutlich, befürchteten bei diesem Konzept, dass regionale Händler überflüssig würden und es keine Reparaturaufträge mehr gebe.

Klar ist sicherlich, dass Leasing- und Contracting-Verträge einfacher werden müssen, damit auch kleinere Betriebe die Chance haben, sich als Dienstleistungsanbieter zu behaupten. Unter Umständen sind von Dachverbänden entwickelte Musterverträge hier eine Möglichkeit, der Bürokratisierung entgegenzuwirken.

Mein Appell geht auch an die öffentliche Hand: Diese fordere, so die Aussagen bei der Expertenkreise-Tagung, vor Auftragsvergaben immer häufiger Zertifikate ein, die kleine lokale Betriebe aufgrund des Arbeits- und Finanzaufwandes, sie zu bekommen, nicht beibringen könnten. Öffentliche Auftraggeber können sich aber bei der einen oder anderen Entscheidung auch auf die Kenntnis der lokalen Gegebenheiten verlassen und den Firmen vor Ort, die sie seit Jahren oder Jahrzehnten kennen, die Erfüllung ihrer angebotenen Dienstleistungen zutrauen.

Das Bild zeigt:  (v. l.) Jans-Paul Ernsting (Handwerkskammer Hannover), Walter Pirk (Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover) und  Dr. Frank-Peter Ahlers (Handwerkskammer Hannover).