Archiv für den Monat: Juli 2016

Offene Türen im Cradle to Cradle Büro

Von Monika Griefahn

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Bestes Wetter und jede Menge Gäste mit guter Laune: Der diesjährige Tag der offenen Tür im Cradle to Cradle Büro in Berlin war gut besucht und sehr inspirierend. Ich habe mich gefreut über die bunte Schar an Besuchern, die sich Zeit genommen hatte zu kommen – denn jeder von ihnen dürfte auch ansonsten einen vollen Terminkalender haben!

Aus dem Deutschen Bundestag waren zum Beispiel Simone Raatz, Michael Thews und Michaela Engelmeier gekommen. Mit Rita Schwarzelühr-Sutter hatten wir sogar eine Staatssekretärin zu Gast! Sie hat bereits beim Kirchentag im vergangenen Jahr eine Rede in einem C2C Forum gehalten und ist eine große Unterstützerin unserer Bewegung. Sehr gefreut habe ich mich auch über den Besuch von Bärbel Dieckmann – Präsidentin der Welthungerhilfe und Akteurin beim Kongress 2015!

A propos:

Der Cradle to Cradle Kongress 2016 „Kreisläufe schaffen – Abfall ist Nährstoff“ wirft seine Schatten voraus. Er findet in diesem Jahr am 24. September statt. Zum dritten Mal ist die  Leuphana-Universität Gastgeber. Als besonderen kulturellen Gast hat Bela B. zugesagt, der Schlagzeuger der Band Die Ärzte, der im vergangenen Jahr immerhin schon mit einer Videobotschaft „anwesend“ war. Als weitere Akteure haben ihre Teilnahme bereits bestätigt: Journalist Franz Alt, Unternehmer Wolfgang Grupp (Trigema), Ursula Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau, Fernsehköchin Sarah Wiener, Buchautor Ernst-Ulrich von Weizsäcker und einige mehr.

„Auf dem Kongress wird über eine zukunftsgewandte Welt diskutiert“, so beschreiben wir Sinn und Zweck des Kongresses auf der Cradle to Cradle Website. Und weiter: „Gemeinsam mit unseren AkteurIinnen (erarbeiten wir) Lösungsansätze zu akuten Problemen unserer Zeit. Alte Fragen brauchen neue Antworten: Wie müssen Kunststoffe beschaffen sein, damit sie keinen Schaden in der Umwelt anrichten? Welche Bedingungen müssen Textilien erfüllen, damit sie als C2C eingestuft werden? Was sind überhaupt die Herausforderungen bei der Umsetzung des Innovationskonzepts C2C?“

Wer mehr wissen will: Informationen und Anmeldung C2C Kongress

Am besten gleich anmelden!

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Hamburg’s new bridge technology: shore power supply at the Cruise Center Altona

By Monika Griefahn

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As is often the case when it comes to technological investments, they aren’t very visible from the outside. But with the introduction of the shore power supply for cruise ships in the Altona district of Hamburg both the city’s port and its shipping industries have taken a huge step towards a clean energy supply. The AIDAsol is the first cruise liner that’s gradually being equipped to be able to connect there since the end of May.

A clear indication for the significance of this step is the fact that Germany’s Federal Minister for the Environment, Barbara Hendricks, joined Hamburg’s Mayor, Olaf Scholz, for the inauguration ceremony of the power supply on June 3rd. Both politicians emphasised their hope that this example will catch on. The shore power system is able to supply ships with electricity independently of the tides and can provide any frequency performance required by international shipping. It’s the first installation of its kind in Europe and it’s an ideal prerequisite for the investment of roughly 10 million Euros made by the City of Hamburg, the European Union and the federal government to one day yield a return.

Now it’s up to ship owners and cruise operators to equip their vessels so that they’re able to connect to the power supply – just like AIDA has already done in the case of the AIDAsol. Time and again the chicken-and-egg question is being asked. In my opinion, the infrastructure needs to come first. Once the systems are in place, one can justifiably demand of the ship owners that they do everything in their power to operate their vessels as cleanly as possible. AIDA is leading this development in the cruise segment.

As soon as testing is complete – the technicians are hoping that they can calibrate everything within just four ship calls – AIDAsol will be able to completely shut down her diesel engines when docking in the port of Hamburg as she’ll be fully supplied by the shore power system. The shore supply exclusive feeds electricity from renewable sources to the cruise ships. After all it’s the only way a system like this makes sense.

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For me this shore supply system goes beyond simply providing green electricity to cruise ships. The project shows that all sensible ideas must get off the ground at some point. The energy transition is technically feasible – it’s not sorcery as Claudia Kemfert, an energy expert at the German Institute for Economic Research (DIW Berlin) has recently put it. However, it does require the bravery of regulators as well as businesses to get underway. And yes, it may be entirely possible to get a bloody nose in the process. In case that happens however, it will be done better the second time. In any case, hesitation won’t get us anywhere.

In relation to my work for AIDA I am continuously meeting a host of bold people. This includes Dirk Lehmann at Becker Marine Systems who’s responsible for developing the LNG Hybrid Barge for the Hafencity Cruise Terminal as well as those managers and technicians who actively made the choice to lead, be it in the shape of supporting Hummel (as the LNG Hybrid Barge is named), through their work on the shore power supply system or indeed in terms of preparing the huge investment in the direct supply with LNG. The latter will first be realised in the port of Hamburg next year for AIDAprima and her sister vessel and then later also at the Meyer Werft shipyard, where new cruise ships will be developed from 2018/2019 that will be powered exclusively by LNG! Those decision makers within the city council and the port of Hamburg who offered this kind of energy supply have also been courageous. I would therefore like to join Olaf Scholz and Barbara Hendricks in the hope that the shore power supply will set a positive precedent and find many imitators.

Eine Brückentechnik in Hamburg: Landstrom am Kreuzfahrtterminal in Hamburg-Altona

Von Monika Griefahn

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Wie es so ist mit technischen Investitionen, war nach außen nicht viel zu sehen. Doch mit der Einweihung der Landstromanlage in Hamburg-Altona haben Hafenwirtschaft und Schifffahrt in der Hansestadt auf dem Weg hin zu einer sauberen Energieversorgung einen weiteren Schritt gemacht. Die AIDAsol ist das erste Schiff, das dort seit dem 30. Mai schrittweise angeschlossen wird.

Indiz dafür, wie bedeutend dieser Schritt ist, dürfte sein, dass neben Bürgermeister Olaf Scholz auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks diese Stromtankstelle am 3. Juni mit eingeweiht hat. Beide betonten die Hoffnung, dass diese Einrichtung Schule machen werde. Das Betankungssystem kann Schiffe unabhängig von der Tide versorgen und alle Frequenzleistungen, die in der Schifffahrt gefordert werden, bedienen. In dieser Art ist die Anlage die erste in Europa. Beste Voraussetzungen also, dass sich die Investitionen von rund 10 Millionen Euro, die Stadt, EU und Bund tragen, irgendwann rentieren werden.

Jetzt liegt der Ball in der Hälfte der Reeder und Schiffseigner, ihre Schiffe so auszurüsten, dass sie die Anlage benutzen können – so, wie AIDA das mit der „sol“ bereits gemacht hat. Es wird immer wieder die Frage nach der Henne und dem Ei gestellt, aber meiner Meinung nach braucht es zuerst die Infrastruktur. Ist diese vorhanden, kann man mit Fug und Recht von den Reedern verlangen, dass sie alles tun, um ihre Schiffe so sauber wie möglich zu fahren. AIDA führt diese Entwicklung in der Kreuzfahrt an.

Sobald die Erprobungsphase beendet ist – die Techniker hoffen, in vier Anläufen alles justieren zu können -, kann AIDAsol ihre Dieselmotoren während der Liegezeit im Hamburger Hafen komplett abschalten und wird dann über Land versorgt. Es ist auch ein ehrlicher Schritt, weil für die Landstromanlage Ökostrom genutzt wird. Nur so macht es schließlich Sinn.

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Für mich ist diese Landstromanlage mehr als die konkrete Versorgung des Schiffes mit Ökostrom. Das Projekt zeigt, dass wir überall  mal anfangen müssen. Technisch ist die Energiewende umsetzbar – „kein Hexenwerk“, wie Claudia Kemfert, Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), neulich sagte. Es erfordert aber den Mut von Behörden und Unternehmen, loszulegen. Sich vielleicht eine blutige Nase zu holen, das kann passieren, aber es dann beim zweiten Mal besser zu machen. Mit Zaudern jedenfalls kommen wir nicht weiter.

Gerade was meine Arbeit für AIDA angeht, stoße ich da auf wirklich mutige Leute: angefangen bei Dirk Lehmann von Becker Marine Systems, der die LNG Hybrid Barge für das Kreuzfahrtterminal in der Hafen City entwickelt hat. Über die AIDA-Verantwortlichen und –Techniker, die sich entschieden haben, voranzugehen – sowohl in der Unterstützung der Hummel (der LNG Hybrid Barge), als auch des Landstromanschlusses bis hin zur gewaltigen Investition in die direkte Versorgung mit LNG: erst im Hafen auf der AIDAprima und ihrem Schwesterschiff im nächsten Jahr, und dann auch bei der Neuentwicklung der neuen Kreuzfahrtschiffe ab 2018/19 mit der Meyer-Werft. Diese werden dann ausschließlich mit LNG betrieben! Mutig waren auch die Entscheider der Stadt und der Hafenwirtschaft, die diese Art der Energieversorgung angeboten haben. Ich schließe mich also Olaf Scholz und Barbara Hendricks an und hoffe, dass die Anlage Schule macht.