Archiv für den Monat: September 2016

Doch, Kippen sind auch Müll

Von Monika Griefahn

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Schon interessant, was einer alles so am Strand findet, wenn er nur die Augen aufmacht: Bei der Sammelaktion des Vereins „AIDA – Freunde der Meere“ am Hamburger Elbstrand zum International Coastal Cleanup Day im September gehörte zu den Fundstücken neben einer Unterhose und einer Perücke auch ein Elektroschocker. Wichtiger aber als diese Kuriositäten: Die freiwilligen Helfer sammelten in Hamburg exakt 3595 Zigarettenkippen ein – kamen damit aber nicht an das Ergebnis heran, das die Rostocker Gruppe einige Tage zuvor am Strand in Markgrafenheide erzielte. Hier fanden wir 3723 Kippen.

Da freue ich mich nun, dass wir Kippen gefunden haben. Sind Zigarettenkippen kein Müll? Doch, Kippen sind auch Müll, und es ist grundsätzlich schlecht, dass sie am Strand herumliegen. Denn: In aller Regel bleibt von den gerauchten Zigaretten der Filter übrig, und der zersetzt sich nur sehr langsam und ist außerdem voller Giftstoffe, die er vorher aus dem Tabakrauch zurückgehalten hat – zum Beispiel Teer. Kurzum: Es ist nichts, was im Sand herumliegen, von Seevögeln aufgepickt oder von spielenden Kindern in den Mund genommen werden sollte.

Aber das Positive daran ist doch, dass wir vom Verein insgesamt rund 50 Helfer mobilisieren konnten, bei der Aktion mitzumachen. Das sind 50 Leute von uns, von AIDA Cruises und  Carnival Maritime, von Becker Marine Systems und Veolia sowie andere Freiwillige, die sensibel sind für das Thema, die davon erzählen und unser Anliegen aktiv unterstützen und weitertragen. Davon abgesehen haben wir alle gemeinsam faktisch Müll aus der Natur entfernt, der ansonsten eine Gefahr für Vögel, andere Tiere – letztlich auch für unsere eigene Nahrungskette – gewesen wäre.

Weil das so ist, kümmerten sich die Freiwilligen in Hamburg und Rostock eben auch um den Kleinkram: besagte Zigarettenstummel, aber auch Glasscherben, kleine Plastikteile wie Lollistiele oder Bonbonpapier, Styropor, Kronkorken und einiges mehr. So kamen in Rostock und Hamburg in insgesamt zwei Stunden Sammelzeit unter anderem 7318 Zigarettenstummel, 935 Plastikmüllteilchen und mehr als 580 Glasscherben zusammen – sowie besagter Elektroschocker und weitere Utensilien. Die Resultate der Aktion gehen an die Organisation „Ocean Conservancy“, die den International Coastal Cleanup Day initiiert. Sie fließen ein in die weltweiten Zahlen.

„AIDA – Freunde der Meere“, dessen Vorsitzende ich bin, hat insbesondere dem Plastikmüll im Meer und am Strand den Kampf angesagt und macht immer wieder Aktionen und Informationskampagnen zu diesem Thema. Wir klären zum Beispiel auf über Mikroplastik in Kosmetika, und Sammelaktionen gehören zu unseren jährlichen festen Terminen.

Gerade, was Zigarettenstummel angeht, haben wir schon viel in Bewegung gebracht: Mit mehreren Kooperationspartnern an der Ostsee haben wir den Strandascher entwickelt – eine kleine Dose, mit der Kippen, aber auch Kaugummis, Bonbonpapier und ähnliches beim Strandaufenthalt gesammelt werden können, bis der Besucher am nächsten Mülleimer vorbeikommt. Bei den beiden Sammelaktionen bekamen die Strandperle in Hamburg und die Strandoase in Rostock je einen Satz solcher Döschen, um sie an ihre Gäste zu verteilen. Denn deutlich wurde den Freiwilligen auch: Den meisten Müll fanden sie dort, wo die Menschen am häufigsten verweilen und konsumieren. Auf dass es bei den Sammelaktionen 2017 weniger als 7318 Zigarettenstummel sind. Und auf dass wieder viele Freiwillige Lust haben mitzumachen.

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Für eine Welt ohne Abfall – der Cradle to Cradle Kongress 2016

Pressemitteilung/Monika Griefahn

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Der Cradle to Cradle Kongress zeigt Lösungen für eine echte Kreislaufwirtschaft – das konnten wir hoffentlich am Wochenende beim dritten Cradle to Cradle Kongress in Lüneburg zeigen. Nachfolgend die Pressemitteilung des C2C e.V.:

Am 23. und 24. September fand zum dritten Mal der weltweit größte Kongress zum Thema Cradle to Cradle (C2C) an der Leuphana Universität in Lüneburg statt. Mehr als 700 Teilnehmende diskutierten an beiden Tagen über eine Welt, in der Abfall Nährstoff ist. Der Cradle to Cradle Kongress wurde mit der Unterstützung von 100 ehrenamtlichen Helfer*innen des Cradle to Cradle e.V. organsiert.

C2C steht für eine echte und zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft, in der Materialien in biologischen und technischen Kreisläufen zirkulieren.
In einer Zeit, in der Ressourcen immer knapper werden, bietet C2C einen innovationsorientierten Lösungsansatz: Produkte werden neu entwickelt und von Anfang an so designt, dass Materialien problemlos in Kreisläufe zurückgeführt werden können – sei es durch biologisch abbaubare T-Shirts, essbare Verpackungen oder sortenreine und gesunde Kunststoffe oder Metalle. Dass dies keine Utopie ist, zeigte der Kongress, auf dem 32 Akteur*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenkamen und diskutierten. Tagesmoderator und Energieexperte Dr. Franz Alt begrüßte die Teilnehmenden mit den trefflichen Worten „Die Sonne schickt uns keine Rechnung.“ Grundvoraussetzung zur Schließung von Kreisläufen sind erneuerbare Energien, wozu die weiteren Akteur*innen Ursula Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau und Prof. Timo Leukefeld, Energiebotschafter der Bundesregierung, über die zu langsam fortschreitende Energiewende diskutierten.

Die Vorsitzende Dr. Monika Griefahn sieht den Kongress als wichtigen Ort der Vernetzung: „Beim Business-Meet-Up, an den Infoständen, innerhalb der Expert*innenaustausche und beim Netzwerk-Café im Foyer kam es zu vielen Begegnungen und Vernetzungen.“ Das Fazit von Tim Janßen, Geschäftsführer des C2C e.V, ist sehr positiv: „Der Kongress wurde durch die 700 Teilnehmenden und Akteur*innen wie Sarah Wiener, Wolfgang Grupp und Prof. Dr. Martin Stuchtey mit Leben gefüllt und hat gezeigt, wie C2C die unterschiedlichsten Bereiche der Gesellschaft betrifft.“

Das Konzert von Bela B. mit der Band Danube’s Banks war der abschließende Höhepunkte des diesjährigen Kongresses. Nora Sophie Griefahn, Geschäftsführerin des C2C e.V., schaut positiv auf die Veranstaltung zurück und freut sich auf das nächste Jahr: „Es wurde bereits mit der Planung des 4. Cradle to Cradle Kongresses begonnen, welcher im nächsten Jahr weiter internationalisiert wird. Wir erwarten wieder zahlreiche Akteur*innen und Unterstützer*innen, die sich an der Verwirklichung beteiligen.“

Der 4. Cradle to Cradle Kongress findet am 20. & 21.10.2017 an der Leuphana Universität in Lüneburg statt.

Footprint for Indoor Air Quality: Stop Laser Printers!

By Achim Stelting, nano-Control foundation

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In just 20 years the prevalence of allergies has doubled. One in three people now suffers from allergic reactions. Asthma is the most common chronic condition in children and youths. Four million people are diabetes patients. According to the World Health Organization (WHO), cases of cancer will have increased by 20 per cent in 2025. Skin cancer cases have doubled in ten years. Sickness absenteeism from work is at a 20-year-high and one in four employees will be incapacitated before reaching retirement age. Those developments have underlying causes.

As early as 1995 the American environmental authority realized that polluted indoor air is one of the biggest risk factors to the national health, especially so because we spend 80 to 90 per cent of our time inside buildings. As room air is unfiltered breathing air it should be as worthy of protection as food. The USEPA statement came after an investigation into the emissions of copying machines. Today, around one billion laser printers and copiers around the world emit billions of mainly ultra-fine particles per page – unfiltered and with fatal consequences.

At the invitation of Professor Dr Michael Braungart, chairman of the Hamburg Environmental Institute, the Hamburg-based foundation nano-Control left behind a special kind of footprint in the form of an art performance in support of healthy room air at the Footprint Days of the 2016 Venice Biennial on August 20 and 21. The biennial, which runs until November 27, 2016, is often referred to as the Olympics of architecture.
For their performance the „Nanos“ took signs from the very convincing Sick-Building exhibition (from which garden gnomes – which are known as nanos in Greek – flee) as well as from the light and airy building that’s as useful as a tree, adorned them with warning messages similar to those on cigarette packs, and

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brought those messages into the fresh air.
The stroll through the world of architecture, which was accompanied by Monika Griefahn, was stopped quickly by security guards and police officers equipped with automatic pistols, but the message had already been sent: Printer Emitted Particles Can Ruin Your Health! Even the friendly policemen were interested.

In order to rescue the garden gnomes, nano-Control equipped two of them with fine particle masks upon their return to the Sick-Building.

Four days after the performance the German government warned for the first time against health risks associated with nano particles emitted by laser printers. If we’ve learned anything from nano particles it’s the fact that even the tiniest nanos can have huge consequences.

Ein Fußabdruck für Innenraumluft: Stoppt Laserdrucker!

Von Achim Stelting, Stiftung nano-Control

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Allergien haben sich in nur 20 Jahren verdoppelt. Inzwischen reagiert jede/r Dritte allergisch. Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kinder- und Jugendalter. Vier Millionen Menschen haben Diabetes. Krebserkrankungen werden laut WHO bis 2025 um 20 Prozent zunehmen, die Fälle von Hautkrebs haben sich in zehn Jahren verdoppelt. Krankschreibungen haben einen 20-Jahres-Höchststand erreicht, und jede/r Vierte wird vor dem Rentenalter berufsunfähig. Solche Entwicklungen haben Ursachen!

Schon 1995 erkannte die US-Umweltbehörde, dass von der Innenraumluft die größten Risiken für die nationale Gesundheit ausgehen, zumal wir uns 80 bis 90 Prozent unserer Zeit in Räumen aufhalten. Raumluft ist also direkte Atemluft und damit schützenswert wie ein Lebensmittel. Hintergrund der Aussage der USEPA waren Untersuchungen der Emissionen von Kopierern. Inzwischen emittieren über eine Milliarde Laserdrucker und Kopierer weltweit Milliarden vor allem ultrafeine Partikel, pro Seite, ungefiltert und mit fatalen Folgen.

Auf Einladung von Prof. Dr. Michael Braungart, dem Vorsitzendenden des Hamburger Umweltinstituts, hinterließ die Hamburger Stiftung nano-Control am 20. und 21. August 2016 mit ihrer Art-Performance für gesunde Raumluft einen besonderen Fußabdruck auf den Footprint Days der Biennale 2016 in Venedig. Die Biennale ist sozusagen die „Olympiade“ der Architekten und läuft noch bis zum 27. November 2016.

Die „Nanos“ nahmen für ihre Performance Schilder aus der überzeugenden Ausstellung vomachim_stelting_blog2 Sick-Building, aus dem die Gartenzwerge (griechisch Nanos) flüchten, und aus dem luftigen hellen Haus, das nützlich ist wie ein Baum, versahen sie mit Warnungen, wie auf Zigarettenschachteln und trugen die Botschaft an die frische Luft. Der Spaziergang durch die Welt der Architektur, begleitet von Monika Griefahn, wurde zwar schnell von Security und Polizisten mit MPs gestoppt, doch die Botschaft war in der Welt: Printer Emitted Particles Can Ruin Your Health! Auch die freundlichen Polizisten zeigten sich interessiert.

Zur Rettung der Zwerge schützte nano-Control nach der Rückkehr zwei der kleinen „Kollegen“ im Sick-Building mit ihren Feinstaubmasken.

Vier Tage später warnte die Bundesregierung erstmals vor ernsten Gesundheitsgefahren durch Nanopartikeln aus Laserdruckern. Wir haben von den Nanopartikeln gelernt, dass auch winzige Nanos große Wirkung entfalten können.