Archiv für das Jahr: 2016

Für eine Welt ohne Abfall – der Cradle to Cradle Kongress 2016

Pressemitteilung/Monika Griefahn

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Please find the English version here.

Der Cradle to Cradle Kongress zeigt Lösungen für eine echte Kreislaufwirtschaft – das konnten wir hoffentlich am Wochenende beim dritten Cradle to Cradle Kongress in Lüneburg zeigen. Nachfolgend die Pressemitteilung des C2C e.V.:

Am 23. und 24. September fand zum dritten Mal der weltweit größte Kongress zum Thema Cradle to Cradle (C2C) an der Leuphana Universität in Lüneburg statt. Mehr als 700 Teilnehmende diskutierten an beiden Tagen über eine Welt, in der Abfall Nährstoff ist. Der Cradle to Cradle Kongress wurde mit der Unterstützung von 100 ehrenamtlichen Helfer*innen des Cradle to Cradle e.V. organsiert.

C2C steht für eine echte und zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft, in der Materialien in biologischen und technischen Kreisläufen zirkulieren.
In einer Zeit, in der Ressourcen immer knapper werden, bietet C2C einen innovationsorientierten Lösungsansatz: Produkte werden neu entwickelt und von Anfang an so designt, dass Materialien problemlos in Kreisläufe zurückgeführt werden können – sei es durch biologisch abbaubare T-Shirts, essbare Verpackungen oder sortenreine und gesunde Kunststoffe oder Metalle. Dass dies keine Utopie ist, zeigte der Kongress, auf dem 32 Akteur*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenkamen und diskutierten. Tagesmoderator und Energieexperte Dr. Franz Alt begrüßte die Teilnehmenden mit den trefflichen Worten „Die Sonne schickt uns keine Rechnung.“ Grundvoraussetzung zur Schließung von Kreisläufen sind erneuerbare Energien, wozu die weiteren Akteur*innen Ursula Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau und Prof. Timo Leukefeld, Energiebotschafter der Bundesregierung, über die zu langsam fortschreitende Energiewende diskutierten.

Die Vorsitzende Dr. Monika Griefahn sieht den Kongress als wichtigen Ort der Vernetzung: „Beim Business-Meet-Up, an den Infoständen, innerhalb der Expert*innenaustausche und beim Netzwerk-Café im Foyer kam es zu vielen Begegnungen und Vernetzungen.“ Das Fazit von Tim Janßen, Geschäftsführer des C2C e.V, ist sehr positiv: „Der Kongress wurde durch die 700 Teilnehmenden und Akteur*innen wie Sarah Wiener, Wolfgang Grupp und Prof. Dr. Martin Stuchtey mit Leben gefüllt und hat gezeigt, wie C2C die unterschiedlichsten Bereiche der Gesellschaft betrifft.“

Das Konzert von Bela B. mit der Band Danube’s Banks war der abschließende Höhepunkte des diesjährigen Kongresses. Nora Sophie Griefahn, Geschäftsführerin des C2C e.V., schaut positiv auf die Veranstaltung zurück und freut sich auf das nächste Jahr: „Es wurde bereits mit der Planung des 4. Cradle to Cradle Kongresses begonnen, welcher im nächsten Jahr weiter internationalisiert wird. Wir erwarten wieder zahlreiche Akteur*innen und Unterstützer*innen, die sich an der Verwirklichung beteiligen.“

Der 4. Cradle to Cradle Kongress findet am 20. & 21.10.2017 an der Leuphana Universität in Lüneburg statt.

Footprint for Indoor Air Quality: Stop Laser Printers!

By Achim Stelting, nano-Control foundation

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In just 20 years the prevalence of allergies has doubled. One in three people now suffers from allergic reactions. Asthma is the most common chronic condition in children and youths. Four million people are diabetes patients. According to the World Health Organization (WHO), cases of cancer will have increased by 20 per cent in 2025. Skin cancer cases have doubled in ten years. Sickness absenteeism from work is at a 20-year-high and one in four employees will be incapacitated before reaching retirement age. Those developments have underlying causes.

As early as 1995 the American environmental authority realized that polluted indoor air is one of the biggest risk factors to the national health, especially so because we spend 80 to 90 per cent of our time inside buildings. As room air is unfiltered breathing air it should be as worthy of protection as food. The USEPA statement came after an investigation into the emissions of copying machines. Today, around one billion laser printers and copiers around the world emit billions of mainly ultra-fine particles per page – unfiltered and with fatal consequences.

At the invitation of Professor Dr Michael Braungart, chairman of the Hamburg Environmental Institute, the Hamburg-based foundation nano-Control left behind a special kind of footprint in the form of an art performance in support of healthy room air at the Footprint Days of the 2016 Venice Biennial on August 20 and 21. The biennial, which runs until November 27, 2016, is often referred to as the Olympics of architecture.
For their performance the „Nanos“ took signs from the very convincing Sick-Building exhibition (from which garden gnomes – which are known as nanos in Greek – flee) as well as from the light and airy building that’s as useful as a tree, adorned them with warning messages similar to those on cigarette packs, and

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brought those messages into the fresh air.
The stroll through the world of architecture, which was accompanied by Monika Griefahn, was stopped quickly by security guards and police officers equipped with automatic pistols, but the message had already been sent: Printer Emitted Particles Can Ruin Your Health! Even the friendly policemen were interested.

In order to rescue the garden gnomes, nano-Control equipped two of them with fine particle masks upon their return to the Sick-Building.

Four days after the performance the German government warned for the first time against health risks associated with nano particles emitted by laser printers. If we’ve learned anything from nano particles it’s the fact that even the tiniest nanos can have huge consequences.

Ein Fußabdruck für Innenraumluft: Stoppt Laserdrucker!

Von Achim Stelting, Stiftung nano-Control

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Allergien haben sich in nur 20 Jahren verdoppelt. Inzwischen reagiert jede/r Dritte allergisch. Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kinder- und Jugendalter. Vier Millionen Menschen haben Diabetes. Krebserkrankungen werden laut WHO bis 2025 um 20 Prozent zunehmen, die Fälle von Hautkrebs haben sich in zehn Jahren verdoppelt. Krankschreibungen haben einen 20-Jahres-Höchststand erreicht, und jede/r Vierte wird vor dem Rentenalter berufsunfähig. Solche Entwicklungen haben Ursachen!

Schon 1995 erkannte die US-Umweltbehörde, dass von der Innenraumluft die größten Risiken für die nationale Gesundheit ausgehen, zumal wir uns 80 bis 90 Prozent unserer Zeit in Räumen aufhalten. Raumluft ist also direkte Atemluft und damit schützenswert wie ein Lebensmittel. Hintergrund der Aussage der USEPA waren Untersuchungen der Emissionen von Kopierern. Inzwischen emittieren über eine Milliarde Laserdrucker und Kopierer weltweit Milliarden vor allem ultrafeine Partikel, pro Seite, ungefiltert und mit fatalen Folgen.

Auf Einladung von Prof. Dr. Michael Braungart, dem Vorsitzendenden des Hamburger Umweltinstituts, hinterließ die Hamburger Stiftung nano-Control am 20. und 21. August 2016 mit ihrer Art-Performance für gesunde Raumluft einen besonderen Fußabdruck auf den Footprint Days der Biennale 2016 in Venedig. Die Biennale ist sozusagen die „Olympiade“ der Architekten und läuft noch bis zum 27. November 2016.

Die „Nanos“ nahmen für ihre Performance Schilder aus der überzeugenden Ausstellung vomachim_stelting_blog2 Sick-Building, aus dem die Gartenzwerge (griechisch Nanos) flüchten, und aus dem luftigen hellen Haus, das nützlich ist wie ein Baum, versahen sie mit Warnungen, wie auf Zigarettenschachteln und trugen die Botschaft an die frische Luft. Der Spaziergang durch die Welt der Architektur, begleitet von Monika Griefahn, wurde zwar schnell von Security und Polizisten mit MPs gestoppt, doch die Botschaft war in der Welt: Printer Emitted Particles Can Ruin Your Health! Auch die freundlichen Polizisten zeigten sich interessiert.

Zur Rettung der Zwerge schützte nano-Control nach der Rückkehr zwei der kleinen „Kollegen“ im Sick-Building mit ihren Feinstaubmasken.

Vier Tage später warnte die Bundesregierung erstmals vor ernsten Gesundheitsgefahren durch Nanopartikeln aus Laserdruckern. Wir haben von den Nanopartikeln gelernt, dass auch winzige Nanos große Wirkung entfalten können.

Gedanken zu den Medien heute

Von Monika Griefahn

Ich habe mir viele Gedanken gemacht über den Amokläufer von München. Über die Tat an sich, aber auch über die Berichterstattung in den Medien. Deren Rolle beschäftigt mich in letzter Zeit immer häufiger. Teils konkret bezogen auf diesen Amoklauf, teils auch aus der Erfahrung heraus, die ich selbst beruflich mit ihnen mache, teils einfach als Bürgerin, als Beobachterin.

Nehmen wir die Berichterstattung zum Amoklauf. Dort, wo sogenannte soziale Medien ein Gerücht nach dem anderen streuten und damit Panikwellen auslösten, wurden sie selbst zum Akteur. Die Idealvorstellung einer neutralen Berichterstattung liegt ferner denn je. Mehr noch: Sie beschäftigten die Polizei an Ecken und Enden, wo diese eigentlich gar nicht gebraucht worden wäre. Sie banden Kräfte, die dringend woanders benötigt wurden. Und das Video, das zwei Männer vom Amokläufer auf dem Dach des Einkaufszentrums unter wüsten Beschimpfungen machten, welche Erkenntnisse hat es wirklich gebracht? Das Schwierige an all dem: Die sogenannten sozialen Medien sind kein Sender oder kein Verlag – wen soll man zur Verantwortung ziehen, wenn sie unverantwortlich handeln? Es sind einzelne Bürger, die lernen müssen, dass sie Verantwortung tragen. Das hat etwas mit Medienkompetenz und mithin mit Bildungspolitik zu tun.

Problematisch finde ich auch, was die Existenz dieser Netzwerke mit den konventionellen Medien macht. Das Öffentlich-rechtliche zeigte den ganzen Abend Sondersendungen und hetzte doch nur den Vorlagen aus dem Netz hinterher. Nichts kam dabei heraus, denn die Lage war über Stunden unklar. Da halfen kein Experte im Studio und kein an einer Ausfallstraße positionierter Reporter. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Experten für den nächsten Tag einzuladen, wenn sie dann mehr über Fakten als über Gerüchte hätten sprechen können? Ja, es stimmt, wenn die ganze virtuelle Welt vom Amoklauf redet, können auch Öffentlich-rechtliche nicht stur weiter den Heimatfilm zeigen. Im Fernsehen wären vielleicht Laufbänder mit den aktuellen Informationen ein ausreichender Ausweg gewesen, dem Anspruch an gründlicher Recherche gerecht zu werden und aktuell zu sein – ohne den Gerüchten aus dem Netz hinterherzulaufen.

Schnelligkeit – sicher auch Personalknappheit und die Lust an der Sensation – führen auch dazu, dass immer weniger recherchiert wird. Meinem Verständnis nach sollte doch, wenn ein Akteur eine Behauptung in den Raum stellt gegen einen anderen Akteur, dann dieser andere Akteur zu diesen Behauptungen befragt werden. Das geschieht zumindest in meinem beruflichen Umfeld leider sehr selten.

Der Satz, dass jede gute Recherche eine Geschichte kaputt macht, der ist in Redaktionen ein geflügeltes Wort, seit ich mit Medien zu tun habe. Dass aber nun tatsächlich auf Recherche verzichtet wird, dass Angebote zu klärenden Gesprächen ausgeschlagen werden, um eine Geschichte brisant zu halten, das ist eine neue Qualität. Sind es wieder die sozialen Medien, die diese Entwicklung beschleunigen?

Ich jedenfalls wünsche mir, dass es weiterhin eine deutliche Unterscheidung gibt zwischen einem Journalismus von ausgebildeten, kompetenten Schreibern, Filmemachern und Redakteuren (natürlich auch in Blogs und auf Internetportalen), und allen anderen Nachrichtenschreibern im Netz. Dieses Selbstbewusstsein sollten die Medien haben, besonders, um den Anspruch der vierten Gewalt zu erfüllen.

Offene Türen im Cradle to Cradle Büro

Von Monika Griefahn

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Bestes Wetter und jede Menge Gäste mit guter Laune: Der diesjährige Tag der offenen Tür im Cradle to Cradle Büro in Berlin war gut besucht und sehr inspirierend. Ich habe mich gefreut über die bunte Schar an Besuchern, die sich Zeit genommen hatte zu kommen – denn jeder von ihnen dürfte auch ansonsten einen vollen Terminkalender haben!

Aus dem Deutschen Bundestag waren zum Beispiel Simone Raatz, Michael Thews und Michaela Engelmeier gekommen. Mit Rita Schwarzelühr-Sutter hatten wir sogar eine Staatssekretärin zu Gast! Sie hat bereits beim Kirchentag im vergangenen Jahr eine Rede in einem C2C Forum gehalten und ist eine große Unterstützerin unserer Bewegung. Sehr gefreut habe ich mich auch über den Besuch von Bärbel Dieckmann – Präsidentin der Welthungerhilfe und Akteurin beim Kongress 2015!

A propos:

Der Cradle to Cradle Kongress 2016 „Kreisläufe schaffen – Abfall ist Nährstoff“ wirft seine Schatten voraus. Er findet in diesem Jahr am 24. September statt. Zum dritten Mal ist die  Leuphana-Universität Gastgeber. Als besonderen kulturellen Gast hat Bela B. zugesagt, der Schlagzeuger der Band Die Ärzte, der im vergangenen Jahr immerhin schon mit einer Videobotschaft „anwesend“ war. Als weitere Akteure haben ihre Teilnahme bereits bestätigt: Journalist Franz Alt, Unternehmer Wolfgang Grupp (Trigema), Ursula Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau, Fernsehköchin Sarah Wiener, Buchautor Ernst-Ulrich von Weizsäcker und einige mehr.

„Auf dem Kongress wird über eine zukunftsgewandte Welt diskutiert“, so beschreiben wir Sinn und Zweck des Kongresses auf der Cradle to Cradle Website. Und weiter: „Gemeinsam mit unseren AkteurIinnen (erarbeiten wir) Lösungsansätze zu akuten Problemen unserer Zeit. Alte Fragen brauchen neue Antworten: Wie müssen Kunststoffe beschaffen sein, damit sie keinen Schaden in der Umwelt anrichten? Welche Bedingungen müssen Textilien erfüllen, damit sie als C2C eingestuft werden? Was sind überhaupt die Herausforderungen bei der Umsetzung des Innovationskonzepts C2C?“

Wer mehr wissen will: Informationen und Anmeldung C2C Kongress

Am besten gleich anmelden!

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Hamburg’s new bridge technology: shore power supply at the Cruise Center Altona

By Monika Griefahn

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As is often the case when it comes to technological investments, they aren’t very visible from the outside. But with the introduction of the shore power supply for cruise ships in the Altona district of Hamburg both the city’s port and its shipping industries have taken a huge step towards a clean energy supply. The AIDAsol is the first cruise liner that’s gradually being equipped to be able to connect there since the end of May.

A clear indication for the significance of this step is the fact that Germany’s Federal Minister for the Environment, Barbara Hendricks, joined Hamburg’s Mayor, Olaf Scholz, for the inauguration ceremony of the power supply on June 3rd. Both politicians emphasised their hope that this example will catch on. The shore power system is able to supply ships with electricity independently of the tides and can provide any frequency performance required by international shipping. It’s the first installation of its kind in Europe and it’s an ideal prerequisite for the investment of roughly 10 million Euros made by the City of Hamburg, the European Union and the federal government to one day yield a return.

Now it’s up to ship owners and cruise operators to equip their vessels so that they’re able to connect to the power supply – just like AIDA has already done in the case of the AIDAsol. Time and again the chicken-and-egg question is being asked. In my opinion, the infrastructure needs to come first. Once the systems are in place, one can justifiably demand of the ship owners that they do everything in their power to operate their vessels as cleanly as possible. AIDA is leading this development in the cruise segment.

As soon as testing is complete – the technicians are hoping that they can calibrate everything within just four ship calls – AIDAsol will be able to completely shut down her diesel engines when docking in the port of Hamburg as she’ll be fully supplied by the shore power system. The shore supply exclusive feeds electricity from renewable sources to the cruise ships. After all it’s the only way a system like this makes sense.

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For me this shore supply system goes beyond simply providing green electricity to cruise ships. The project shows that all sensible ideas must get off the ground at some point. The energy transition is technically feasible – it’s not sorcery as Claudia Kemfert, an energy expert at the German Institute for Economic Research (DIW Berlin) has recently put it. However, it does require the bravery of regulators as well as businesses to get underway. And yes, it may be entirely possible to get a bloody nose in the process. In case that happens however, it will be done better the second time. In any case, hesitation won’t get us anywhere.

In relation to my work for AIDA I am continuously meeting a host of bold people. This includes Dirk Lehmann at Becker Marine Systems who’s responsible for developing the LNG Hybrid Barge for the Hafencity Cruise Terminal as well as those managers and technicians who actively made the choice to lead, be it in the shape of supporting Hummel (as the LNG Hybrid Barge is named), through their work on the shore power supply system or indeed in terms of preparing the huge investment in the direct supply with LNG. The latter will first be realised in the port of Hamburg next year for AIDAprima and her sister vessel and then later also at the Meyer Werft shipyard, where new cruise ships will be developed from 2018/2019 that will be powered exclusively by LNG! Those decision makers within the city council and the port of Hamburg who offered this kind of energy supply have also been courageous. I would therefore like to join Olaf Scholz and Barbara Hendricks in the hope that the shore power supply will set a positive precedent and find many imitators.

Eine Brückentechnik in Hamburg: Landstrom am Kreuzfahrtterminal in Hamburg-Altona

Von Monika Griefahn

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Wie es so ist mit technischen Investitionen, war nach außen nicht viel zu sehen. Doch mit der Einweihung der Landstromanlage in Hamburg-Altona haben Hafenwirtschaft und Schifffahrt in der Hansestadt auf dem Weg hin zu einer sauberen Energieversorgung einen weiteren Schritt gemacht. Die AIDAsol ist das erste Schiff, das dort seit dem 30. Mai schrittweise angeschlossen wird.

Indiz dafür, wie bedeutend dieser Schritt ist, dürfte sein, dass neben Bürgermeister Olaf Scholz auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks diese Stromtankstelle am 3. Juni mit eingeweiht hat. Beide betonten die Hoffnung, dass diese Einrichtung Schule machen werde. Das Betankungssystem kann Schiffe unabhängig von der Tide versorgen und alle Frequenzleistungen, die in der Schifffahrt gefordert werden, bedienen. In dieser Art ist die Anlage die erste in Europa. Beste Voraussetzungen also, dass sich die Investitionen von rund 10 Millionen Euro, die Stadt, EU und Bund tragen, irgendwann rentieren werden.

Jetzt liegt der Ball in der Hälfte der Reeder und Schiffseigner, ihre Schiffe so auszurüsten, dass sie die Anlage benutzen können – so, wie AIDA das mit der „sol“ bereits gemacht hat. Es wird immer wieder die Frage nach der Henne und dem Ei gestellt, aber meiner Meinung nach braucht es zuerst die Infrastruktur. Ist diese vorhanden, kann man mit Fug und Recht von den Reedern verlangen, dass sie alles tun, um ihre Schiffe so sauber wie möglich zu fahren. AIDA führt diese Entwicklung in der Kreuzfahrt an.

Sobald die Erprobungsphase beendet ist – die Techniker hoffen, in vier Anläufen alles justieren zu können -, kann AIDAsol ihre Dieselmotoren während der Liegezeit im Hamburger Hafen komplett abschalten und wird dann über Land versorgt. Es ist auch ein ehrlicher Schritt, weil für die Landstromanlage Ökostrom genutzt wird. Nur so macht es schließlich Sinn.

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Für mich ist diese Landstromanlage mehr als die konkrete Versorgung des Schiffes mit Ökostrom. Das Projekt zeigt, dass wir überall  mal anfangen müssen. Technisch ist die Energiewende umsetzbar – „kein Hexenwerk“, wie Claudia Kemfert, Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), neulich sagte. Es erfordert aber den Mut von Behörden und Unternehmen, loszulegen. Sich vielleicht eine blutige Nase zu holen, das kann passieren, aber es dann beim zweiten Mal besser zu machen. Mit Zaudern jedenfalls kommen wir nicht weiter.

Gerade was meine Arbeit für AIDA angeht, stoße ich da auf wirklich mutige Leute: angefangen bei Dirk Lehmann von Becker Marine Systems, der die LNG Hybrid Barge für das Kreuzfahrtterminal in der Hafen City entwickelt hat. Über die AIDA-Verantwortlichen und –Techniker, die sich entschieden haben, voranzugehen – sowohl in der Unterstützung der Hummel (der LNG Hybrid Barge), als auch des Landstromanschlusses bis hin zur gewaltigen Investition in die direkte Versorgung mit LNG: erst im Hafen auf der AIDAprima und ihrem Schwesterschiff im nächsten Jahr, und dann auch bei der Neuentwicklung der neuen Kreuzfahrtschiffe ab 2018/19 mit der Meyer-Werft. Diese werden dann ausschließlich mit LNG betrieben! Mutig waren auch die Entscheider der Stadt und der Hafenwirtschaft, die diese Art der Energieversorgung angeboten haben. Ich schließe mich also Olaf Scholz und Barbara Hendricks an und hoffe, dass die Anlage Schule macht.

Raúl Montenegro leads eighth RLC Campus

By Monika Griefahn

Cordoba

It’s a forum of exchange for scientists and activists campaigning for human rights, the environment and social justice: the Right Livelihood Award Foundation (“Alternative Nobel Prize”) has recently inaugurated the eighth instalment of the Right Livelihood College (RLC) on the campus of the National University of Cordoba, Argentina. Raúl Montenegro, recipient of the 2004 Alternative Nobel Prize for his commitment for the environment and for local indigenous communities, is leading the campus. Since 1985, he has been Professor of Evolutionary Biology at the National University of Cordoba’s department of psychology with its 10 000 students. Montenegro is as energetic and empathic as ever and radiates positive energy aimed at changing things for the better.

The opening of the RLC campus in Cordoba sadly took place under the fresh impression of the murder of Berta Cáceres from Honduras, an environmental activist who was shot dead by gunmen in her own house in early March. A Mexican environmentalist, Gustavo Castro Soto, was wounded in the incident. In reaction to the assassination, around 50 laureates of the Alternative Nobel Prize have authored a petition addressed to the president of Honduras as well as to the country’s speaker of the parliament and its supreme court. It’s calling on the government of Honduras to not remain silent in the face of the incident. The president and the justice system should investigate and solve the crime as well as protect the lives of the remaining members of Berta Cáceres’ Civil Council of Popular and Indigenous Organizations of Honduras (COPINH).

I addressed the assassination as part of my opening statement because I am shocked by the threats and insecurity faced by those who are simply trying to effect change for the better. Apart from Berta Cáceres, the Brasilian land reform activists Leomar Bhorbak and Vilmar Bordim were also shot dead in April. Many more people give up their lives for these elementary issues – a total of 88 campaigners for land and environmental rights died across Latin America in 2014. It’s a drastic illustration of how fierce the fight for natural resources has become these days. Berta Cáceres had been fighting against the construction of a dam.

Activists in and around Cordoba are also currently affected by events related to land rights. Many villages are in danger of being sprayed with the pesticide Glyphosate by Monsanto. Entire regions are being doused by airplane. The reason is that animal breeding in Argentina no longer makes financial sense. The new currency is soy for export as well as for the growing veggie community. The negative consequences include children who fall ill at a young age and contaminated ground water. The university and Raúl Montenegro support those who are affected – a wonderful example of how a university can be of service to humanity. It also serves to remind us here in Europe of the importance to continue the fight against the use of Glyphosate.

Dead activists or dangerous chemicals – it is paramount that we stand together, academics with activists, scientists with students, farmers with human rights campaigners. And that’s exactly what the Right Livelihood Colleges have been drawn up to do: to help everyone find ways and means to support each other’s work and to react as one whenever one of us is being threatened. We are hopeful that the embedding into universities will provide us with safe spaces to work in peace. With the help of Rául Montenegro we are determined to find ways in Cordoba to end the criminalization of peaceful humans and to create a powerful civil society on the continent as well as durable connections with Europe.

Raúl Montenegro leitet den achten RLC-Campus

Von Monika Griefahn

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Cordoba

 

Es ist ein Ort des Austausches von Wissenschaftlern und Aktivisten, die sich für Menschenrechte, Umwelt und soziale Gerechtigkeit einsetzen: Jetzt  haben wir mit der Right Livelihood Award Stiftung („Alternativer Nobelpreis“) das achte Right Livelihood College (RLC) auf dem Campus der Nationalen Universität in Cordoba (Argentinien) eröffnet. Raúl Montenegro, der den „Alternativen Nobelpreis“ 2004 für sein Engagement für die Umwelt und die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen gemeinsam mit lokalen Gruppen und Indigenen erhielt, leitet den Campus. Er ist seit 1985 Professor für Evolutionsbiologie an der Nationalen Universität von Cordoba im Fachbereich Psychologie mit 10.000 Studenten, so tatkräftig und empathisch wie am ersten Tag und voller positiver Energie für die Veränderungen zum Guten.

Die Eröffnung des RLC-Campus‘ in Cordoba stand auch unter dem Eindruck der Ermordung von Berta Cáceres aus Honduras. Die Umweltaktivistin war Anfang März von Bewaffneten in ihrem Haus erschossen worden. Verwundet wurde auch ein Mexikanischer Umweltaktivist, Gustavo Castro Soto. Als Reaktion auf dieses Attentat haben rund 50 Preisträger des „Alternativen Nobelpreises“ eine Petition an den Präsidenten von Honduras, den Parlamentspräsidenten und den obersten Gerichtshof des Landes verfasst. Darin fordern sie die Regierung auf, zu diesen Geschehnissen nicht zu schweigen. Präsident und Justiz sollen das Attentat untersuchen und aufklären, um das Leben der anderen Mitglieder von Berta Cáceres Civil Council of Popular and Indegenous Organisation (COPINH) zu schützen.

Ich habe dieses Attentat in meiner Eröffnungsrede aufgegriffen, denn es erschüttert mich, wie unsicher Menschen leben, die sich doch nur für das Gute einsetzen. Neben Berta Cáceres wurden in Brasilien im April mit Leomar Bhorbak and Vilmar Bordim auch zwei junge Aktivisten erschossen, die sich für eine Landreform eingesetzt haben. Viele Menschen – 2014 waren es in Lateinamerika 88 Verteidiger von Land- und Umweltrechten – lassen für diese elementaren Themen ihr Leben, was nur zeigt, wie hart der Kampf um natürliche Ressourcen heutzutage ist. Auch Berta Cáceres hatte sich gegen ein Staudammprojekt eingesetzt.

Ereignisse wie diese betreffen auch die Aktivisten in der Nähe von Cordoba – ganz aktuell. Viele Dörfer sind bedroht durch den Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat durch Monsanto. Ganze Gegenden werden per Flugzeug besprüht. Tiere züchten lohnt sich in Argentinien nicht mehr. Die neue Währung heißt Soja – für den Export: als Futtermittel, aber auch für die wachsende Vegetariergemeinde. Auf der Strecke bleiben Kinder, die schön früh Krankheiten haben, Grundwasser, das belastet ist. Die Uni und Raúl Montenegro helfen den Betroffenen vor Ort – ein wunderbares Beispiel, wie Universität im Dienste des Menschen handeln kann! Und es zeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns hier in Europa weiterhin gegen die weitere Zulassung von Glyphosat einsetzen.

Es ist also in jeder Hinsicht – getötete Aktivisten oder gefährliche Chemikalie – wichtig, dass wir zusammenstehen – Akademiker mit Aktivisten, Wissenschaftler mit Studenten, Bauern mit Menschenrechtlern. Genau dafür sind die Right Livelihood Colleges da: dass wir alle einen Weg finden, die Arbeit eines jeden zu unterstützen und gemeinsam reagieren zu können, wenn jemand bedroht wird. Wir hoffen, dass unsere Einbettung in die Universitäten uns einen sicheren Raum für friedvolles Arbeiten gibt. Mit der Hilfe von Raúl Montenegro wollen wir auch in Cordoba Wege dafür finden, dass die Kriminalisierung von friedlichen Menschen aufhört und wir eine kraftvolle Zivilgesellschaft auf dem Kontinent und im Brückenschlag mit Europa bekommen.

Cradle to Cradle at the Venice Biennial: Inspiration for architects

By Monika Griefahn

Cradle to Cradle mit Michael Braungart

 

From the end of May until November 27, 2016 the Venice Biennial once again offers architects from around the world the opportunity to present solutions for how to deal with present and future global challenges. Cradle to Cradle is excited to exhibit its concept for the building sector as part of the Biennial. It enables us to reach architects and building planners and to directly interact with those who have the potential to realise C2C in their daily work. Because that’s what it’s all about: we want to make the transition from talking to acting and demonstrate that C2C is applicable in the real world. The founder and director of the Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA), Prof. Dr. Michael Braungart, has been invited by the director of the Biennial’s architecture sector, Alejandro Aravena, to present the design principle behind Cradle to Cradle.

The exhibition in Venice aims to inspire a way of building that’s useful and at the same time encourages positive thinking. Michael and his team want to shake up old habits in favour of positive design of a comprehensive quality, a design that boldly states: not only can we do less badly – we can actually do better. The approach encompasses all aspects of a building: its construction, energy, materials and utility as well as its value as a nutrient deposit and its ability to be fully recycled to a high standard.

The motto „cities like forests, houses like trees“ perfectly sums up the aims and aspirations of C2C’s approach to construction. Instead of attempting to reduce the ecological footprint of a building by increasing its energy efficiency C2C aims to make homes useful and healthy for both people and the environment: structures that serve as material banks and as cleansers for air and water while celebrating the diversity of culture and nature. In short: homes that leave behind a positive footprint.

We recommend that all architects, planners, building contractors, district developers and investors drop by the Cradle to Cradle booth and let themselves be inspired to realise our concept as part of their next project.