Internationale Umweltaktivisten diskutieren über Cradle to Cradle

Von Monika Griefahn

Beim diesjährigen Treffen internationaler Umweltpreisträger in Freiburg interessierten sich Teilnehmer aus Brasilien, China, Indien und anderen Ländern auch für das Cradle to Cradle Designkonzept. Wir hatten nach dem einführenden Vortag über das Konzept eine lebhafte, interessante Diskussion.

Das Treffen der internationalen Umweltpreisträger wird alljährlich von der European Environment Foundation organisiert. Es gibt den Teilnehmern die Chance, sich kennenzulernen und im Idealfall gemeinsam grenzübergreifend zu arbeiten. Ungefähr 100 Aktivisten nehmen in jedem Jahr teil. Die engagierten Menschen haben es in ihren Ländern nicht immer leicht – so ist die Jahrestagung auch eine Möglichkeit, unter Gleichgesinnten Kraft zu tanken für die Herausforderungen der eigenen Arbeit. Dass Umweltschützer unter Umständen gefährlich leben, zeigen Beispiele wie das von Berta Cáceres, die 2016 in ihrem Haus in Honduras getötet wurde, weil sie sich unter anderem gegen illegale Bauprojekte einsetzte. Die Preisträger verfassten auch aus diesem Anlass zum Ende der Konferenz einen Aufruf gegen die Unterdrückung von Umweltaktivisten (siehe PDF am Ende des Artikels).

In meinem Workshop zu Cradle to Cradle, überschlugen sich die Teilnehmer mit Fragen und Diskussionsbeiträgen. Besonders interessant für mich waren in der Diskussion zwei Themen: Zum einen die Frage, ob C2C-Produktionen immer teurer seien als herkömmliche. Das konnte ich verneinen, denn oft geht die Veränderung eines Produkts nach C2C-Kriterien mit einer Verringerung der Inhaltsstoffe einher. Die alte Rezeptur zu entschlüsseln und eine neue zu entwickeln, mag mehr Geld kosten. Das neue Produkt selbst kann dann aber unter Umständen sogar günstiger werden als das alte.

Zum anderen verfochten die Teilnehmer die Ansicht, man brauche ein Label, um die C2C-Wertigkeit deutlich zu machen. Nun ist es auch bei Cradle to Cradle möglich, einen Zertifizierungsprozess zu durchlaufen. Der zeigt in verschiedenen Abstufungen von Basic bis Platin, wie sehr sich ein Hersteller schon mit seinem Produkt beschäftigt hat: Wie gut kennt er die Inhaltsstoffe, hat er problematische Inhaltsstoffe ausgetauscht, hat er ein funktionierendes Rücknahmesystem entwickelt? Letztlich aber geht es doch hauptsächlich um Transparenz, die auch ohne Label möglich ist. Der Zertifizierungsprozess macht das Produkt letztlich teurer. Offenbar aber sorgen Zertifizierungen für eine höhere Glaubwürdigkeit – mindestens im internationalen Kontext – sodass jedes Unternehmen überlegen muss, ob sich der Prozess bezahlt macht. Die Teilnehmer des Workshops jedenfalls fanden ein Label zur Orientierung wichtig.

Ich freue mich, Cradle to Cradle international bekannter gemacht zu haben. Nun hoffe ich, dass sie in ihren Ländern davon erzählen – bei den Kollegen aus den NGOs, den Unternehmen und den Kommunen. Anregungen gab es in der lebhaften Diskussion dazu allemal.

Masterclass-Video hier ansehen

Aufruf gegen die Unterdrückung von Umweltaktivisten

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