Archiv für den Monat: April 2017

… dann kommt der Preis eben zu ihr

Von Monika Griefahn / Right Livelihood Award Foundation

Eigentlich haben wir den letzten Right Livelihood Award („Alternativen Nobelpreis“) im November 2016 verliehen. Da aber unsere Preisträgerin Mozn Hassan aus Ägypten nicht ausreisen durfte, konnte sie an der Zeremonie in Stockholm nicht teilnehmen. Nun kam der Preis zu ihr: Eine Delegation unserer Stiftung, begleitet von Abgeordneten aus dem deutschen, schwedischen und dem Europaparlament war Ende März in Kairo, um das Engagement der Frauenrechtlerin Mozn Hassan und der Gruppe Nazra zu würdigen und ihr den Preis zu überreichen.

Wir hoffen, ihrem Anliegen damit eine Stimme zu verleihen und der jungen Frau und ihren MitstreiterInnen Stärke zu geben. Denn: Ihre Situation ist schwierig. Aufgrund ihres Engagements für die Gleichstellung von Mann und Frau droht ihr die Schließung der Organisation. Die Konten sind bereits eingefroren, sodass keine Gehälter oder Mieten mehr bezahlt werden können. Mit einem neuen NGO-Gesetz versucht die ägyptische Regierung, alle Bürger, die nicht ausschließlich die Meinung der Regierung vertreten, mundtot zu machen. Nach diesem Gesetz ist es verboten ausländisches Geld für zivilgesellschaftliche Arbeit in Ägypten anzunehmen. Die Angst war vor und selbst bei der feierlichen Zeremonie immer im Raum, und dennoch blieb Mozn Hassan mutig und unerschrocken. Sie reiht sich ein in die Riege der Preisträger, die die drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit angehen – auch unter Lebensgefahr.

Für unsere Delegation war die Reise eine Gelegenheit, die fragile Situation in Ägypten hautnah zu erleben. Im Vorhinein war nicht klar, ob wir einreisen durften, ob wir den Raum, den wir angemietet hatten, wirklich für die Feierlichkeiten nutzen konnten und ähnliche Unsicherheiten mehr. Es hat geklappt, und viele engagierte Menschen aus der ägyptischen Gesellschaft sind gekommen und haben einen Abend lang gefeiert. Viele fühlten sich gestärkt – allein dadurch, dass die Right Livelihood Award Foundation sie beachtet und würdigt.

Leider wissen wir nicht, wie lange die scheinbare Ruhe hält. Am nächsten Tag, nachdem wir das Büro von Nazra besucht hatten, kam die Geheimpolizei. Wie lange die Organisation – wenn auch unter erschwerten Bedingungen – überhaupt noch arbeiten kann, ist unklar.

Nachfolgend die Pressemitteilung, die unsere Stiftung über die Preisverleihung herausgegeben hat:

Trotz Ausreiseverbot: Ägyptische Feministin Mozn Hassan erhält ihren „Alternativen Nobelpreis“

Die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan, die sich derzeit nicht international bewegen kann und der eine 25-jährige Haftstrafe droht, hat ihren „Alternativen Nobelpreis“ in einer privaten Zeremonie in Kairo entgegengenommen.

Sie erhielt ihn gemeinsam mit ihrer Organisation Nazra für feministische Studien „für ihr Bestehen auf Frauenrechte und auf die Gleichstellung der Frau in Umständen, in denen sie und ihre Organisation Opfer von fortdauernder Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung sind.“

Hassan konnte der Verleihungszeremonie in Stockholm im November 2016 nicht beiwohnen, da sie Ausreiseverbot hat. Die ägyptischen Machthaber verhängten es gegen sie und andere prominente Aktivisten. Ihr Vermögen und das von Nazra ist eingefroren – Teil von derzeit laufenden Ermittlungen gegen diverse ägyptische NGOs mit dem Vorwurf, ausländische Gelder angenommen zu haben.

In ihrer Dankesrede sagte Hassan: “Die Entscheidung der Right Livelihood Award Stiftung, für die Preisverleihung nach Ägypten zu kommen, ist wirklich wichtig. Denn sie bedeutet, dass uns Wertschätzung und Solidarität auch bei einem Ausreiseverbot erreichen kann. Heute fühlen wir, dass die Arbeit der ägyptischen Frauenrechtlerinnen, besonders nach 2011, von verschiedenen Akteuren auf der ganzen Welt gesehen und wertgeschätzt wird.“

Zur Verleihung, die auf dem Restaurant-Schiff Le Pacha 1901 stattfand, kamen rund 150 Gäste, darunter wichtige Personen der ägyptischen Zivilgesellschaft, europäische und ägyptische Parlamentarier, andere Preisträger, Diplomaten und Würdenträger.

Die Stiftungsvorsitzende Monika Griefahn überreichte den Preis. „Mozn Hassan und Nazra für feministische Studien verkörpern die jüngste Generation in einer langen Reihe von Anführerinnen der ägyptischen Frauenbewegung. Alle haben eine unglaublich wichtige Rolle gespielt, um die Gleichberechtigung im Land voranzubringen.“

„Die derzeitigen Sanktionen gegen Mozn Hassan und Nazra sind nicht nur ungerecht, sondern machen es auch schwieriger, ihre wichtige Botschaft weiter zu verbreiten und den Frauen in Ägypten und im weiteren Nahen Osten Stärke zu geben“, fügte Griefahn hinzu. Sie forderte, dass alle Anschuldigungen gegen Hassan fallengelassen werden sollten.

In der Zeremonie sprach auch Lynn Boylan, die im europäischen Parlament die Sinn Féin Partei vertritt. Sie sagte: „Überall auf der Welt versuchen jene, die sich von starken Frauen bedroht fühlen, diese loszuwerden und zu beleidigen. Aber Feministen werden sich nicht unterkriegen lassen. Jede neue Generation wird weiter starke und mutige Frauen haben bis die Gleichberechtigung durchgesetzt ist.“

Cecilia Magnusson, Mitglied im schwedischen Parlament, sagte: „Auch in Schweden gibt es für Frauenrechte noch etwas zu tun, aber es ist wichtig, dass wir, die wir schon so viel erreicht haben, jenen den Rücken stärken, die in anderen Ländern kämpfen, wo noch so viel im Argen liegt.“

Bärbel Höhn als Mitglied im Deutschen Bundestag sagte: „In Deutschland haben wir ebenfalls hart für unsere Rechte kämpfen müssen. Es brauchte Veränderungen in der Gesellschaft, auch Veränderungen in der Sichtweise der Männer, die nicht gewillt waren ihre Macht abzugeben. Aber es ist Fakt: Eine Gesellschaft, die die Fähigkeiten von der Hälfte der Bürger ungenutzt lässt – also die der Frauen -, wird nie die besten Ergebnisse erzielen und verschwendet ihre Möglichkeiten.

Mit der Verleihung des „Alternativen Nobelpreises“ an Mozn Hassan und Nazra geht die Auszeichnung das dritte Mal an Menschen und Organisationen in Ägypten: 1980 bekam Hassan Fathy, bekannt als der „Architekt der armen Leute“ den Preis. Die Entwicklungsinitiative Sekem und ihr Gründer Ibrahim Abouleish erhielten die Auszeichnung im Jahr 2003.

Zur Organisation Nazra

Environmental activists from around the world debate Cradle to Cradle

By Monika Griefahn

At this year’s meeting of environmental award winners from all over the world in the southern German city of Freiburg, participants from Brazil, China, India and other countries showed a lot of interest in the Cradle to Cradle design concept. After the introductory talk on the subject a lively and fruitful discussion took place.

The meeting of international environmental award winners is organised every year by the European Environment Foundation. Participants get a chance to meet each other and, ideally, to initiate co-operations across national borders. Around 100 activists take part every year. Life isn’t always easy for them in their home countries – the annual meeting gives like-minded people an opportunity to gather strength for the challenges associated with their daily activities. The fact that life as an environmentalist can be very dangerous has been gravely underlined by the case of Berta Cáceres, who was murdered in her own home in Honduras in 2016 because she fought against illegal construction projects. With this firmly in mind the award winners formulated a final declaration at the conference urging an end of the suppression of environmental activists (see pdf file at the end of this article).

The participants of my workshop about Cradle to Cradle outbid each other with questions and contributions to the discussion. Two topics that arose during the debate were of particular interest to me: One was the question of whether C2C production necessarily had to be more costly than conventional means of manufacturing. My answer was no – oftentimes the transformation of a product into one that conforms to C2C specifications comes with a reduction of components. While the decoding of the old formula and the development of a new one may be more costly the new product itself can however be less expensive than the old one.

Participants also argued that C2C products should come with a dedicated label in order to advertise their inherent value. Of course Cradle to Cradle already does offer a possibility to undergo a process of certification. In gradual steps from basic to platinum it shows how much a manufacturer has already analysed his product: how well does he know its components, has he replaced problematic components, has he developed and deployed a functioning returns system? In the end however, it’s all about transparency, which ideally should be attainable without a label. Certification processes make products more expensive after all. However, as labels seem to increase credibility, certainly in an international context, each and every enterprise must consider for itself whether certification makes sense. Participants at the workshop tended to feel that a label was important to provide a degree of orientation.

I am glad to have been able to make Cradle to Cradle better known internationally. Now I hope the attendees will spread the idea around in their respective home countries by telling colleagues at NGOs, companies and in their communities. For one thing is clear: Sufficient stimulation to do so certainly wasn’t lacking at the meeting.

Environmental laureates‘ call to end repression against environmental defenders

Video of Cradle to Cradle masterclass