Bäume hören nicht auf McKinsey

Von  Petra Reinken

Der Österreicher Erwin Thoma ist gelernter Forst- und Betriebswirt. Heute, mit Mitte 50, ist er Inhaber eines Unternehmens, das Massivholzhäuser baut – und zwar ohne Schrauben, ohne Leim. Er ist auch Autor, und er hat eine Botschaft: Seid wie die Fichte!

„Die Fichte ist der Baum, der am wenigsten kann“, erzählt Erwin Thoma bei einem unterhaltsamen Vortrag in Hollenstedt. Der Zimmereibetrieb Holzbau Mojen hatte dazu ins Weinkonzept im Gewerbegebiet eingeladen. Mehrere hundert Zuhörer ließen sich vom Referenten aus Österreich in die Wunderwelt der Bäume entführen und vom Massivholzbau begeistern. Und vielleicht auch davon, ein bisschen mehr zu sein wie die Fichte, wie der Baum, der am wenigsten kann. „Das Holz der Fichte ist nachgiebig“, sagt Thoma, „der Baum schmalbrüstig, seine flachen Wurzeln überlassen das Erdreich den anderen.“ Trotzdem sei die Fichte der Baum, der sich am weitesten durchgesetzt habe. „Wie kann das sein?“

Thoma löst das Rätsel selbst auf: „Die Fichte, die hätte jeder gerne als Nachbarn. Sie tut niemandem weh, sie kann teilen, sie wird gerne geduldet. Und damit kommt sie am weitesten.“ Diese Kooperationsbereitschaft der Fichte, die sei auch das Credo für sein Leben geworden. Dass er sein Wissen über den Wald, die Bäume und den Massivholzbau in Büchern veröffentliche – es mit anderen teile – das habe sich zig-fach ausgezahlt durch Aufträge bis hin ins ferne Japan. „Bäume hören nicht auf McKinsey“, fasst Thoma zusammen – ein Seitenhieb auf alle Unternehmensberater mit Ellenbogenmentalität.

Eindringlich ließ er die Zuhörer teilhaben an seiner Familiengeschichte: dass er die Firma mit seinem Großvater zusammen gründete, der weise sagte: „Du musst das Holz in seiner besten Form verwenden: schlage es bei abnehmendem Mond“. Dazu ließ er sich mehr überreden als überzeugen, doch heute sagt er in seinem so stark österreichischen Dialekt, dass der Norddeutsche ihn phasenweise kaum versteht: „Wos der Opa g‘wusst hat, des is a Woahnsinn!“ Seine „Mondbäume“ zeigten sich deutlich resistenter gegenüber Pilzen und Insekten als Bäume, die zu anderen Zeiten geschlagen wurden. Chemische Behandlungen, die aus dem Naturstoff Holz Sondermüll machen, brauchen sie nicht.

In seiner besten Form – das bedeutet auch: massiv. Thoma hat eine Massivholzbauweise entwickelt, die einzelne Holzlagen verzapft, sodass keinerlei Schrauben nötig sind. Gleichzeitig behält der Naturstoff seine hervorragenden Eigenschaften was Dämmung, Feuerfestigkeit und Temperaturkonstanz angeht. Der Unternehmer hat all dies in seiner Laufbahn beweisen müssen, um Baugenehmigungen zu bekommen. Und zusammen mit dem Mediziner Maximilian Moser bewies er auch noch, dass das Wohnen im Holzhaus den Menschen gesundheitlich guttut: Es stärkt das Immun- und Nervensystem und sorgt für einen tieferen Schlaf. Der Herzschlag verlangsamt sich. Thoma selbst scheint der beste Beweis: Es ist 55 Jahre alt und dabei ein Mann mit unbändiger Energie. Sein Vortrag trägt weit über den Abend hinaus. Bleibt nur am Ende die Frage, was man nun tun soll, mit dem Backsteinhaus, in dem man wohnt.

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