Archiv für den Monat: September 2017

A greener future for Kazakhstan?

By Monika Griefahn

Kazakhstan hasn’t been a major focus of attention for many people across Europe. Can the EXPO that took place in Astana recently change that?

Yes, Europeans may have heard about Kazakhstan’s long-time leader, Nursultan Nazarbayev, as well as the country’s political centralism. But have people across the continent also been paying attention to the EXPO 2017 that took place recently in Astana, the newly built capital in the middle of nowhere? (A city, incidentally, that doesn’t seem very environmentally friendly with its many motorways and its concrete high-rises equipped with air conditioners instead of windows.)

And in any case: what do we know about the people of Kazakhstan, apart from the fact that they have a lot of precious resources that all the world is interested in? Yet the country has a lot of interesting facets: its president, for instance, is attempting to position himself in a somewhat „neutral“ position between Russia and the other Asian powers. Young people grow up learning three different languages: Kazakh, Russian and English. The president attaches a lot of importance to the education of the country’s youth and staunchly supports the co-operation with the European Erasmus program. It provides young Kazakhs with the opportunity of attending a European university for a semester. Moreover, many people in Kazakhstan, even the younger ones, are a little worried about what might come after Nazarbayev, a man who, after all, has been in power for 26 years and is well into his 70s.

Now the country is staking new claims by hosting the EXPO 2017 Future Energy Forum, which is all about „green“ themes: the Kazakh pavilion showcased an exhibition of all forms of renewable energy, from wind, water and solar to geothermal power and biomass. (Interestingly, nuclear power is absent although it is also considered a form of renewable energy in Kazakhstan). Among the countless other pavilions there was also one featuring „best practices worldwide“ as well as an interactive German one that has been very well frequented. A lively cultural program completed the show and attracted visitors to the EXPO campus. It includes the popular DJ David Guetta, who brought out many young families with his trademark mix of electronic beats and pop music.

In addition the EXPO organisers had initiated a series of twelve conferences featuring international experts to look at topics including „energy for all“, „renewable energies and quality of life“, „technologies for de-carbonisation“ or even „international business and environmental policies“.

Those topics are no coincidence. After all, Kazakhstan has pledged to meet half of its energy demand from renewables by the year 2050. This in the face of unusual challenges – for example, it is hard to imagine that electric cars will become very popular in a region with temperatures ranging from minus 40 degrees centigrade in the wintertime to plus 40 degrees in the summer. Just think of how quickly batteries deplete in extreme temperature conditions.

I was invited to speak at one of the conferences. The idea that turned out to be the most popular – and that was even taken on by Kazakhstan’s biggest construction company for further investigation – was the concept of renting solar panels instead of buying them.

So far the solar revolution seems to stagnate because the necessary systems are too pricey for most people. With an average monthly income of the middle class – teachers, doctors and engineers – of roughly 500 US dollars the initial investment necessary for a solar energy plant is prohibitively expensive. The idea that an investor builds the systems and then rents them out is of course based on the Cradle to Cradle world of ideas and is intended to ensure that

–    the best materials are used
–    the systems do indeed last as long as the manufacturers promise
–    the raw materials can be re-purposed

After all, if the panels are returned to the manufacturers after the lease has ended, they themselves have a vested interest in using only the best materials.

A further discussion panel focused on the role that NGOs play in attempting to change politics and society. There are a number of NGOs active in Kazakhstan, and some of them have been very successful. One of the best-known groups is probably Nevada-Semipalatinsk, which brought an end to nuclear weapons testing in Semipalatinsk. However, the discussion was rendered a little theoretical by the fact that no NGOs were in attendance at the conference.

What I personally took away from my trip was the realisation that Kazakh people, and especially Kazakh women, are very inquisitive, open-minded, well educated and friendly and that they have a genuine interest in positively shaping the future. I am curious to see how the political situation will develop. Already the president’s daughter has called for the transformation of the presidential democracy into a parliamentary one.

Grüne Zukunft für Kasachstan?

Von Monika Griefahn

Kasachstan steht in europäischen Augen nicht immer gerade im Mittepunkt. Kann die derzeit in Astana laufende EXPO das ändern?

Ja, man hat vielleicht in Europa schon einmal etwas von dem Langzeitherrscher Nursultan Nasarbajew gehört, vom politischen Zentralismus in Kasachstan. Aber haben sich Europäer bislang für die EXPO 2017 interessiert – in der neu erbauten Hauptstadt Astana „in the middle of nowhere“? (Eine Stadt, die nicht sehr ökologisch erscheint mit ihren Riesenautobahnen und Betonhochhäusern, die mit Klimaanlagen statt Fenstern ausgerüstet sind).

Und überhaupt: Was wissen wir über die Kasachen, außer, dass es eine Menge Rohstoffe hat, die die Welt interessieren? Dabei gibt es eine Menge Interessantes: zum Beispiel, dass der Präsident versucht, sich quasi „neutral“ zwischen Russland und den anderen asiatischen Mächten auszutarieren. Dass die jungen Leute von Anfang an drei Sprachen lernen, kasachisch, russisch und englisch. Dass der Präsident viel Wert auf eine gute Bildung seiner Landeskinder legt und die Kooperation mit dem europäischen Erasmus-Programm sehr unterstützt. Das Programm gibt jungen Kasachen die Möglichkeit, ein Semester in einer europäischen Universität zu studieren. Und dass viele, auch junge Kasachen ein wenig Angst davor haben, was nach Nasarbajew kommt – immerhin ist er schon seit 26 Jahren im Amt und bereits weit über 70.

Und nun schlägt das Land mit der EXPO 2017 Future Energy Forum einen weiteren Pflock ein. Es geht um „grüne“ Themen: Der kasachische Pavillon präsentiert eine Leistungsschau aller erneuerbaren Energien von Wind über Wasser und Solar bis hin zu Geothermie und Biomasse (interessanterweise ohne Atomenergie, obwohl die in Kasachstan auch zu den Erneuerbaren zählt). Ferner gibt es einen Pavillon mit „best practices worldwide“ und neben vielen anderen auch einen sehr gut besuchten und interaktiven deutschen Pavillon. Abgerundet wird die Weltschau durch ein munteres Kulturprogramm, das die Leute auf den EXPO-Campus treibt, zum Beispiel zum dem Jugendschwarm DJ David Guetta. Als der seine Elektropopplatten auflegte, strömten Familien mit Kinderwagen und Kegel in den lauen Sommerabend.

Daneben organisierte die EXPO-Leitung eine Serie von zwölf Konferenzen mit Experten aus aller Welt zu Themen wie „Energie für alle“, „Erneuerbare Energien und Lebensqualität“, „Dekarbonisierungstechnologien“ oder auch „Internationale Wirtschafts- und Umweltschutzpolitk“.

Das kommt nicht von ungefähr, denn Kasachstan hat sich zum Ziel gesetzt, im Jahre 2050 seinen eigenen Energiebedarf zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Dabei stoßt das Land auf besondere Herausforderungen. Ich kann mir zum Beispiel schwer vorstellen, dass es eine große Zahl von Elektroautos geben wird bei Klimabedingungen von 40 Grad minus im Winter und 40 Grad plus im Sommer. Man denke nur daran, wie schnell sich Batterien bei extremen Temperaturen entladen.

Ich war eingeladen, auf einer der Konferenzen zu sprechen. Die Idee, die am besten ankam und sogar von dem größten Bauunternehmen aus Kasachstan zur Prüfung mitgenommen wurde, war, Solaranlagen zu vermieten, statt sie kaufen zu müssen. Bislang nämlich scheint die Solarwende zu stocken, da die Anlagen für die meisten Bauherren zu teuer sind. Bei Durchschnittgehältern der Mittelklasse – Lehrer, Ärzte, Ingenieure – von rund 500 US-Dollar fehlt das Geld für die Anfangsinvestition zumeist. Die Anlagen von Investoren bauen zu lassen und sie dann zu mieten, ist ein Vorschlag, der natürlich aus der Ideenwelt von Cradle to Cradle stammt und dazu dienen soll, dass
•    a. die besten Materialien genutzt werden,
•    b. die Anlagen auch wirklich so lange halten, wie die Hersteller versprechen und
•    c. dann tatsächlich die Rohstoffe zurückgewonnen werden können.

Denn wenn Hersteller die Anlage nach der Mietzeit zurückbekommen, haben sie selbst ein Interesse daran, nur gute Materialien verbaut zu haben.

Ansonsten ging es in einer weiteren Diskussionsrunde auch um die Rolle von NGOs beim Versuch, Politik und Gesellschaft zu verändern. Es gibt einige Nichtregierungsorganisationen in Kasachstan, die auch sehr erfolgreich waren. Eine der bekanntesten dürfte die Antiatomwaffenbewegung Nevada-Semipalatinsk sein, die in Semipalatinsk einen Stopp von Atomwaffentests durchsetzen konnte. Allerdings waren NGOs nicht auf der Konferenz, was die Diskussion ein wenig theoretisch machte.

Mitgenommen habe ich selbst von meiner Reise, dass die Kasachen und insbesondere die Frauen sehr interessiert, aufgeschlossen, gut ausgebildet und freundlich sind und wirklich ein Interesse haben, Zukunft zu gestalten. Ich bin gespannt, wie die politische Entwicklung weitergeht. Immerhin hat die Tochter des Präsidenten schon einmal darauf gedrungen, die präsidentielle Demokratie in eine parlamentarische zu transformieren.