Nur wenn wir uns mit allen unseren Unterschieden,
aber auch unseren Gemeinsamkeiten akzeptieren, werden wir für den
Frieden arbeiten und Kriege und Konflikte verhindern können.
Wir müssen einen gemeinsamen Ansatz entwickeln,
der es uns erlaubt, unsere gemeinsamen Wertvorstellungen und Ideen
zu nutzen, um eine Grundlage für gegenseitiges Verständnis zu schaffen.
Viele Politikbereiche können besser behandelt
werden, wenn wir zu einem besseren Verständnis unserer Beweggründe
gelangen; die wichtigsten Bereiche sind internationale Sicherheit,
Menschenrechte, globale Umwelt und nachhaltige Entwicklung.
Es ist jedoch viel zu tun: der kulturelle Austausch
in allen Bereichen muss verbessert werden, der Wandel in der Technologie
sollte so genutzt werden, dass er das gegenseitige Verständnis fördert
und die Menschen zusammenbringt, er sollte keine Ängste im Hinblick
auf soziale Benachteiligung verursachen. Es muss mehr getan werden
für die Festigung der Demokratie in allen Ländern und für die freie
Teilnahme aller Bürger an der Zivilgesellschaft.
Wir als Parlamentarier müssen der Vorstellung mehr
Gewicht verleihen, dass Dialog und kultureller Austausch seit jeher
zum friedlichen Miteinander und zur kulturellen Vielfalt beigetragen
haben. Dies heisst auch, die "McDonaldisierung" zu verhindern, die
im Zuge der Globalisierung stattfinden kann.
Um diese Ziele zu erreichen sollte jeder von uns
in seinem Land Haushaltsfragen bezüglich Kultur, Bildung und den
Austausch mit anderen Kulturen und Zivilisationen Aufmerksamkeit
schenken. Ein internationales Jugendlager ist besser als ein neues
Verteidigungsprogramm. Ein Austauschprogramm via Internet öffnet
denjenigen neue Tore, die nicht imstande sind, zu reisen.
Kultur ist ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit
in den Regionen, für die Umweltsicherheit und insbesondere die Wasserpolitik,
ein Gebiet, bei dem wir uns in Zukunft auf Auseinandersetzungen
einstellen müssen.
Nur wenn wir lernen, die Lebensweise, die Kultur
des anderen zu verstehen, können wir verstehen, weshalb er oder
sie so gehandelt hat.
Wir müssen anfangen, in "Bildern" zu denken. Das
heißt, wir müssen lernen, an welche "Bilder" unseren Partnern in
der Welt denken, wenn sie von "Menschenrechten", "Sicherheit", "Umwelt"
oder "nachhaltiger Entwicklung" sprechen. Was bedeuten diese Worte
in einer anderen Kultur, und was bedeuten sie für uns? Diese "Bilder"
sind entscheidend für das Ergebnis der Dialoge über Kultur und der
Dialoge zwischen den Kulturen.
Wenn wir von Globalisierung oder von Überlebensstrategien
sprechen, müssen wir die Gefahren und Risiken kennen, die Ängste
der Menschen und wie wir den Ängsten der Menschen begegnen können.
Alle diese Bilder befinden sich in einem ständigen
Prozess der Bestätigung durch die Realität. Dies dürfen wir nicht
vergessen. Unsere Ideen, Wertvorstellungen und Wünsche sind Teil
des globalen Wettbewerbs; sie sind ebenfalls in der Charta der Vereinten
Nationen verankert.
Dies wird deutlich, wenn wir Entwicklungen betrachten,
bei denen einige versuchen, Kultur als Mittel der Selbstkonsolidierung
oder sogar als Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen zu betrachten.
Gegenwärtig gibt es in der Welt 39 Konflikte, von denen die meisten
durch kulturelle, ethnische oder religiöse Unterschiede verursacht
wurden.
Mit unseren Resolutionen wollen wir eine Initiative
für einen großangelegten und weltweiten Dialog über Kultur als dem
wichtigsten Faktor der Weltpolitik in der nahen Zukunft einleiten.
Wir brauchen Zugang zu Bildung und zu technischen Mitteln; und wir
als Parlamentarier müssen darauf bestehen, dass Haushaltsgelder
für Kultur, Bildung und Austauschprogramme bereitgestellt werden.
Wir sehen keinen "Kampf der Kulturen", aber wir
sehen zahlreiche Probleme in allen Teilen der Welt entstehen.
Die Kultur wird meiner Ansicht nach eine zentrale
Rolle in der künftigen Politik spielen. Auf dem Gebiet der Wirtschaft
werden die globalen Akteure in zunehmendem Maße nach der günstigsten
Gesellschaftsordnung für ihre Investitionen suchen. Sie werden die
besten infrastrukturellen Vorteile eines Ortes suchen.
Die kulturelle Struktur oder "Kernkultur" einer
Gesellschaft bestimmt die Art und Weise, wie Macht ausgeübt wird.
Der "kulturelle Stil" der Akteure der Weltgesellschaft bestimmt
ihren Handlungsspielraum.
Dies dürfen wir nicht vergessen. Es zeigt uns die
Bedeutung der Kultur. Es zeigt uns, dass wir voneinander lernen
müssen. Wir müssen uns mehr mit unseren Partnern und unseren Konkurrenten
beschäftigen. Wenn wir verstehen können, weshalb sie dies tun oder
jenes nicht getan haben, werden wir eher in der Lage sein, unsere
Ansicht verständlich zu machen. Wir müssen die Jüngeren fördern.
Geben wir ihnen eine Chance durch Bildung, den Einsatz des Internet,
sowie Austauschprogramme und persönliche Kontakte. Das Jahr 2001,
das das "Jahr der Vereinten Nationen für den Dialog zwischen den
Kulturen" sein wird, ist ein willkommenes Ereignis, um genau dies
zu tun.