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Ausschuss für Kultur und Medien
12. Mai 2005
 

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Grußwort zur Konferenz des European Institute for Design and Disability
Sehr geehrter Herr Dr. Neumann,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie heute alle ganz herzlich hier in Berlin zur Eröffnung der diesjährigen Konferenz des European Institute for Design and Disability.

Mit Ihnen begrüße ich zugleich insbesondere die zahlreichen Vertreterinnen und Vertreter ihrer mittlerweile 13 nationalen Mitgliedsorganisationen, darunter ja auch ihr jüngstes, in Münster gegründetes Mitglied, das „Europäische Institut Design für Alle in Deutschland“ (EDAD), das diese Konferenz mitausrichtet.

Das Leitthema dieser Konferenz, „Kultur für Alle“, soll am Beispiel der Kultur deutlich machen, wie sich das Arbeitsprogramm des EIDD unter dem Motto „Design für alle“ in allen gesellschaftlichen Bereichen verwirklichen lässt.

„Kultur für alle“, meine sehr geehrten Damen und Herren, das war in den 70er und 80er Jahren eine der zentralen kulturpolitischen Botschaften in der Bundesrepublik, mit denen die Demokratisierung der Gesellschaft vorangebracht werden sollte. Das war die Zeit, in der auch der Begriff der Soziokultur geprägt wurde. Beides, der erweiterte Kulturbegriff und das Konzept der Soziokultur, einer Kultur für alle Bevölkerungskreise, prägen heute viele der kulturpolitisch Verantwortlichen in unserem Land. Mittlerweile gibt es sogar einen parteiübergreifenden Konsens in dem Bestreben, Kultur als Staatsziel in unserer Verfassung zu verankern. Dahinter steht die Überzeugung, dass Kultur einen Wert an sich darstellt, der zum Leben aller gehört.

Für die Praxis ergeben sich daraus zwei Forderungen: zum einen, dass der Zugang zur Kultur für alle erschwinglich sein muss, zum anderen, dass der Zugang zur Kultur für alle möglich sein muss, dass also der Zugang zur Kultur ein barrierefreier Zugang ist.

Genau dafür setzt sich das European Institute for Design and Disability mit seiner diesjährigen Konferenz ein. Sie stoßen mit dieser Konferenz ein Bewusstseinsfenster weit auf und sie verdienen große Anerkennung, indem sie aufzeigen, wie kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen gestaltet werden können, damit sie allen Menschen, gerade auch Behinderten, zugänglich sind.

Moderne Demokratie ist nicht zuletzt durch eine umfassende Form der gesellschaftlichen Teilhabe gekennzeichnet, die die gleichberechtigte Einbeziehung aller Menschen in das gesellschaftliche und kulturelle Leben ermöglicht und niemanden ausgrenzt.

In der Bundesrepublik trägt der Gesetzgeber diesem Gedanken unter anderem durch das Gleichstellungsgesetz für behinderte Menschen Rechnung.

Auf das kulturelle Leben in Berlin geht die Staatssekretärin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Frau Barbara Kissler genauer ein, ich will auf diesen Punkt aber zumindest hinweisen, denn Berlin wird immer stärker vom Bund finanziert. Inzwischen macht die Kulturförderung in Berlin rund die Hälfte des gesamten Kulturetats des Bundes aus.

Berlin ist auch Filmstadt und besonders hier zeigt sich, wie stark sich der Bund in Berlin engagiert. Ich will in diesem Rahmen ein Projekt herausgreifen, das mit einer neuen Technik, der „Audiodeskription“ die Zuschauergruppe der Blinden erschließt. Dieses neue System ist sehr kostengünstig und ermöglicht einen entspannten gemeinsamen Kinobesuch für Sehende und Blinde. Die Blinden hören ihre Bildbeschreibungen über Kopfhörer, der Filmton kommt über die Saallautsprecher. Damit werden dem Hörfilm im Kino völlig neue Perspektiven eröffnet. Im vergangen Jahr wurde die Deutsche Hörfilm GmbH dafür mit dem Deutschen Innovationspreis gewürdigt. Auf der Berlinale hatte im vergangenen Jahr ein Kinderfilm mit Audiodeskription seine Weltpremiere.

Auch der Deutsche Bundestag ist bestrebt, die Belange der behinderten Mitmenschen etwa im Bereich des Kulturtourismus voranzubringen. Zurzeit wird im Bundestag ein Koalitionsantrag mit dem Titel: „Die vielfältigen Potenziale des Wirtschaftssektors Kulturtourismus weiter erschließen“ in den Ausschüssen beraten.

Mit dem Antrag soll bewirkt werden, dass die Interessen von behinderten Menschen auch in denkmalgeschützten Gebäuden und Anlagen sowie beim Zugang zu Kulturveranstaltungen im Rahmen der geltenden Gesetze stets berücksichtigt werden. Ferner sollen die entsprechenden Fördermittelrichtlinien so gestaltet werden, dass sie für Antragsteller Anreize zur Realisierung barrierefreier Konzepte bieten.

Soweit einige Beispiele für das Bestreben, die Forderung nach „Kultur für alle“ mit der Forderung nach Barrierefreiheit in die Praxis umzusetzen. Natürlich ist dies nicht genug, aber, wie ich finde, eine Fülle ermutigender und richtiger Ansätze.

Ich bin jedenfalls überzeugt, dass der Leitgedanke von „Design for all“ einen hervorragendes und zukunftweisendes Konzept ist, das die notwendige Einbeziehung aller Menschen in allen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen weiter voranzubringen vermag.

In diesem Sinne wünsche ich dem Institut und seinen Wegbegleitern auch in Zukunft viel Erfolg für ihre wichtige Arbeit.

Ihnen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Konferenz wünsche ich einen anregenden Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie schöne und erlebnisreiche Tage, hier, bei uns in Berlin.

Vielen Dank