Antrag der Abgeordneten Monika Griefahn, Eckhardt
Barthel (Berlin), Hans-Werner Bertl, Klaus Hagemann, Reinhold Hemker,
Monika Heubaum, Angelika Krüger-Leißner, Horst Kubatschka, Lothar
Mark, Michael Roth (Heringen), Dr. Hansjörg Schäfer, Wilhelm Schmidt
(Salzgitter), Gisela Schröter, Ludwig Stiegler, Jörg Tauss, Gert
Weisskirchen (Wiesloch), Hanna Wolf (München), Dr. Peter Struck
und der Fraktion der SPD sowie der Abgeordneten Rita Grießhaber,
Dr. Antje Vollmer, Kerstin Müller (Köln), Rezzo Schlauch und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Auswärtige Kulturpolitik für das 21. Jahrhundert
Der Bundestag wolle beschließen:
Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Auswärtige Kulturpolitik als integraler Bestandteil
der Außenpolitik steht vor neuen Herausforderungen. Seit den sechziger
Jahren ist die Auswärtige Kulturpolitik die "Dritte Säule" der Außenpolitik
der Bundesrepublik Deutschland. Neben der klassischen Diplomatie
und der Außenwirtschaftspolitik wurde sie zu einem eigenständigen
Standbein deutscher Außenpolitik. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges
vermittelt sie deutsche Sprache und Kultur nach außen und trägt
so dazu bei, dass die Welt nach der Katastrophe der nationalsozialistischen
Diktatur und des Weltkrieges ein anderes und neues Bild von einem
demokratischen Deutschland - in Abgrenzung zur DDR - bekam. Im Übrigen
stellt sie die Vielfalt von historischer und zeitgenössischer Kultur
neben infrastrukturellen und Umweltaspekten als wichtigen Faktor
für die Attraktivität des Standortes Deutschland dar.
Seit dem Fall der Mauer muss Auswärtige Kulturpolitik
unter veränderten Rahmenbedingungen gestaltet werden. Deutschland
und seine Rolle in der Welt haben sich seit der Wiedervereinigung
verändert. Den Ost-West-Konflikt gibt es nicht mehr. Die europäische
Integration wird weiter voran getrieben. Die EU-Erweiterung für
mittel- und osteuropäische Länder steht an.
Die Konfliktlage in der Welt hat sich im letzten
Jahrzehnt entscheidend gewandelt. Wir haben es überwiegend mit innerstaatlichen
Konflikten zu tun. Diese sind oft ethnisch oder religiös begründet,
d. h. ihnen liegen auch kulturelle Konfliktursachen zugrunde. Deshalb
müssen neue Wege in den internationalen Beziehungen beschritten
werden. Wenn kulturelle Faktoren eine entscheidende Rolle in Konflikten
spielen, dann müssen auch neue Strategien, die sich auf diese kulturellen
Faktoren beziehen, zur Konfliktvermeidung und Konfliktbehebung entwickelt
werden. Die von der Bundesregierung vorgelegte "Konzeption 2000"
zur Auswärtige Kulturpolitik nimmt diese Überlegung auf und stellt
fest, dass die Auswärtige Kulturpolitik auch an den Zielen deutscher
Außenpolitik wie Konfliktverhütung und Friedenssicherung ausgerichtet
ist.