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Unterausschuss Neue Medien
August 2001
 

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Sieg Tech: Interview mit Monika Griefahn

Sieg Tech: Die IFA als weltgrösste Messe für Unterhaltungselektronik steht ganz im Zeichen der Konvergenz, der Verschmelzung von Radio, TV, Internet und Handy. Wann werden Konvergenzgeräte in jedem Haushalt in Deutschland präsent sein?

Monika Griefahn: Ich glaube, dass wird noch eine Weile dauern, weil viele Menschen immer noch in der digitalen Spaltung leben. Das heisst, der Zugang zum PC und der Zugang zum Internet ist noch nicht für alle Bevölkerungsgruppen selbstverständlich. Ich denke besonders an alte Menschen, an Frauen, an sozial Schwache und an Arbeitslose. Die Bundesregierung hat ein Programm aufgelegt, um diese Gruppe zu verringern und ans Internet zu führen. Dass heisst aber immer noch nicht, dass sie sich auch neue Geräte kaufen können. Wenn ein Mensch in diesen Gruppen ein Gerät zu Hause hat, beispielsweise einen alten Fernsehapparat, dann wird der auch, solange wie er funktioniert genutzt. Insofern wird das alles vor dem Ende der Lebensdauer dieses Gerätes nicht zur Neuanschaffung eines Konvergenzgerätes führen.
Die Frage des E-Commerce stellt sich in diesem Zusammenhang ebenfalls. Es gibt gerade in der Bundesrepublik u.a. in der Frage der Datensicherheit und des Datenschutzes ein grosses Misstrauen dagegen. Deshalb ist der E-Commerz nicht so eingeschlagen, wie es eigentlich erwartet worden ist.

Sieg Tech: Welche gesellschaftlichen Auswirkungen wird die Verbereitung von Konvergenzgeräten haben?

Griefahn: Ich denke, dass insbesondere nach Einführung der UMTS-Technologie ab dem nächsten Jahr nach und nach die Vorteile des Zusammenfügens von den verschiedenen Medien wie Fernsehen, Rundfunk und den interaktiven Angeboten auch stärker wahrgenommen wird. Aber man muss deutlich dazu sagen, dass es auch komsumptive Interessen der Menschen gibt. Es wird weiterhin Unterhaltung oder eine rein passive Rezeption von Medien geben. Denn man will nicht immer interaktiv sein. Dies ist ja mit den neuen, konvergenten Medien möglich. Die Interaktion ist durch entsprechende Internet-Angebote schon heute ein Bindungsmittel für Programme. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss diese Möglichkeit nutzen können. Das ist derzeit sehr umstritten. Gerade die Privaten wünschen das nicht.

Sieg Tech: Liegt in der Konvergenz, der Verschmelzung von verschiedenen Dienstleistungen in einem Gerät, die Gefahr einer verstärkten Medienkonzentration?

Griefahn: Ich denke, wir haben hier gerade mit dem Streit um die Übertragung der Fussballweltmeisterschaft und die Bundesliga-Kurzberichterstattung in der Tagesschau ein paar Geschmacksproben bekommen. Das war ein kleiner Vorgeschmack dessen, was die Öffentlich-Rechtlichen ja immer stärker betreffen wird, nämlich die Fragen: Was ist Grundberichterstattung, was ist der öffentlich rechtliche Auftrag.
Ich kämpfe dafür, dass der öffentliche Auftrag sehr breit gefächert wird. Meiner Ansicht nach hat jeder Bürger ein Recht auf breite Information und zwar vom Unterhaltungsangebot über ein Kinderprogramm bis zur die Sachinformation. Dies darf nicht reduziert werden auf die reine Nachrichteninformation oder kulturelle Information. Ich glaube, dass es zu einer Vielfalt dazu gehört, dass man ein breites Spektrum anbietet. Dazu gehört in einer Welt der Konvergenz eben auch das Online-Angebot. Das muss entweder durch gesetzliche Rahmenbedingungen und durch Koordination auf Bundesebene und auf der Länderebene geregelt werden. Wir haben im Moment eine Trennung in der Medienordnung der Zuständigkeit der Länder und des Bundes, was die Teledienste auf der einen Seite und die Medien und Mediendienste auf der anderen Seite betrifft. Diese Fragen muss man zusammenführen. Dies kann beispielsweise, wie die SPD das vor längerer Zeit vorgeschlagen hat, in einem Kommunikationsrat geschehen.

Sieg Tech: Welche wirtschaftlichen Chancen sehen Sie gerade im Hinblick auf Arbeitsplätze durch Trend zur Konvergenz ?

Griefahn: Wenn man die Fragen der Datensicherheit der elektronischen Signatur oder der Sicherheit der persönlichen Daten in den Griff bekommt, woran wir arbeiten, dann wird mit dem Vertrauen auch die Nutzung des E-Commerce verstärkt wachsen.
Ich denke allein daran, dass auch die öffentliche Verwaltung verstärkt Dienstleistungen online anbietet. Es ist ein Ziel der Bundesregierung bis zum Jahr 2005 die Verwaltungsstruktur auf diese Weise zu verbessern.
Löst man die derzeitigen Probleme der Datensicherheit, dann kann die Konvergenz auch tatsächlich Beschäftigungseffekte erzielen. Hierbei werden natürlich auch von der Bundesregierung Impulse ausgehen.
Im Moment ist es ja so, dass die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen im E-Commerce aufgrund der ungeklärten Sicherheitsfragen, beispielsweise bei der Bezahlung mittels Kreditkarten, eher gering ist. Ansonsten hätten wir auch nicht diese schlechten Zahlen im neuen Markt.

Sieg Tech: Welchen Beitrag kann in dieser Situation die Politik zur Stärkung der deutschen Unterhaltungs-Elektronik-Industrie leisten?

Griefahn: Es gibt drei Rahmenbedingungen die sehr wichtig sind. Erstens, dass die Frage der Medienordnung so geregelt wird, dass Zuständigkeit in dieser Angelegenheit nicht auf 15 verschiedene Stellen auf EU-, Bundes und Länderebene verteilt sind.
Zum Zweiten muss die Datensicherheits- und Datenschutzfrage so geregelt werden, dass die Bürger Vertrauen haben, dass mit ihren Daten auch kein Missbrauch betrieben wird. Hier ist die Frage der Gütesiegel besonders wichtig. Diese Arbeit wird im Moment - auch von den Providern und den Anbietern der elektronischen Waren oder Dienstleistungen - in Angriff genommen.
Zudem brauchen wir Aufsichtsstrukturen und Konzentrationskontrollen. Denn dem Internet ist es egal, ob ein Angebot aus Malaysia oder aus Afrika kommt. Deshalb müssen wir solche Rahmenbedingungen schaffen, die dafür sorgen, dass die Angebote in der Bundesrepublik bleiben und wir hier nicht Arbeitsplätze vernichten, sondern durch diese Angebote neue Stellen schaffen.

Sieg Tech: Manche sprechen davon, dass wir jetzt ins Informationszeitalter eintreten und Information der fünfte Produktionsfaktor ist...

Griefahn: Man kann natürlich auch von Information erschlagen werden. Insofern ist die Entwicklung von Medienkompetenz eine ganz wichtige Frage. Ich glaube, dass in den Schulen nicht nur der Umgang mit dem technischen Medium gelehrt werden muss, sondern die Fähigkeit zur Informationsauswahl eine ganz wichtige Rolle spielt. Wie lernt man, mit Informationen so umzugehen, dass man eben nicht von der Information erschlagen wird. Dieses Phänomen kennt jeder, der schon einmal im Internet gesurft ist. Da sind ganz schnell zwei Stunden herum und man ist übervoll von der Vielfalt, die man aufnehmen konnte. Trotzdem weiss man immer noch nicht besser Bescheid als vorher.
Das ist eines der wichtigen Themen, die sich jetzt im Lehrplan und in den Bildungsansätzen, auch in der Fortbildung, niederschlagen müssen. Dies ist auch ein Teil des Aktionsplanes der Bundesregierung ist und auch in den vielen Massnahmen, die derzeit im Bildungs- und Wissenschaftsministerium vorrangig vorangebracht werden sollen.

Sieg Tech: Welche Wachstumschancen räumen sie den Konvergenzprodukten ein?

Griefahn: Nun, es wird natürlich - ähnlich wie beim Handy - auch zu einer Sättigung kommen. Bei der Handytechnologie hat man unglaubliche Zuwachsraten gehabt und hat gedacht, das geht immer so weiter. Aber nun haben viele schon zwei Handys, eins für die Arbeit und eins privat. Irgendwann ist es dann auch mal genug. Das ist bei diesen neuen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten auch so. Zunächst wird es natürlich erst einmal eine Steigerungsrate geben. Denn mit zunehmender Verbilligung der Technik und mit zunehmender Technikkompetenz der Verbraucher wird sicherlich ein Zuwachs zu verzeichnen sein. Aber dann wird auch hier eine Sättigung erreicht werden.
Darauf müssen sich dann die Hersteller auch vorbereiten, indem sie berücksichtigen, dass neben der rein technischen Herstellung auch der Inhalt, der content eine ganz wichtige Rolle spielt. Wenn der content so unsinnig wird, dass die Leute kein Interesse mehr daran haben, dann muss man sich eben auch auf realistische Zahlen einstellen.
Das ist ganz wichtig bei der Planung, bei aller Euphorie, die teilweise vorherrscht.

Sieg Tech: Wo sehen Sie technische Entwicklungsmöglichkeiten für die Konvergenzprodukte?

Griefahn: Ich denke, dass die Bedienerfreundlichkeit das Entscheidende ist. Dass man keine Tastatur oder Maus benutzen muss, sondern dass etwa für die Senioren das Fernsehen auch zum Touch-Screen wird, wo man alles auf dem per Fingerdruck 'anklicken' kann oder per Sprachanweisung auswählen kann.
Wenn die Nutzung von Konvergenzprodukten so selbstverständlich wird wie das Telefon, dann werden sie auch von den Leuten angenommen. Das ist die eigentliche technische Herausforderung, die jetzt an die Firmen gestellt wird.