Anrede,
die Beziehungen zu Frankreich erfreuen sich nach
wie vor bester Gesundheit. Frankreich ist der wichtigste und engste
Partner Deutschlands in Europa.
Wie Sie wissen, findet diese Zusammenarbeit seit
1963 auf der Basis des Elysée-Vertrages statt und ist seit 1988
stark institutionalisiert. Seit Anfang dieses Jahres finden nach
der sogenannten "Blaesheim-Formel" regelmäßig informelle Treffen
auf höchster Ebene statt. Ich skizziere hier nur diejenigen Aspekte
der deutsch-französischen Beziehungen, die Ihnen allen ohnehin bekannt
sind. Jedenfalls ist die Intensität der Zusammenarbeit mit Frankreich
ohne Beispiel in den internationalen Beziehungen und bedarf schon
allein deswegen keiner Neubegründung.
Ich möchte mich hier auf die zivilgesellschaftliche
Ebene der Kooperation konzentrieren. Liebe Kolleginnen und Kollegen
von der Union: sie sprechen in Ihrem Antrag zwar von kulturpolitischen
Maßnahmen, die es zu verbessern gelte, lassen aber ausser Acht,
dass wir gerade auf diesem Gebiet unzählige und jahrelange Kontakte
pflegen, die zum großen Teil fest verankert sind.
Ihr Antrag bewertet die Rolle der Zivilgesellschaft
völlig unter. Ich kann hier in der Kürze der Zeit nur einige Beispiele
für die zahlreichen Kontakte, Initiativen und Maßnahmen nennen,
die allein schon zeigen, dass es keiner Neubegründung bedarf:
Im Hochschulbereich sind dies:
- Deutsch-Französische Hochschule (seit September
1999 ist das Abkommen in Kraft, beschlossen auf dem Gipfel von Weimar
1997)
- Zentrum für Deutschlandstudien in Frankreich (Eröffnung Herbst
2001)
- eutsch-Französische Hochschulexpertenkommission (nächste Tagung
9.7.2001)
Denken Sie auch an die vielfältigen kulturpolitischen
Beziehungen:
zunächst gibt es keine Konzentration der Kulturinstitute
in Paris, wie Sie meinen, sondern ein vielfältiges Netz der Aktivitäten
im ganzen Land:
- 4 Generalkonsulate,
- 15 Honorarkonsulate,
- 5 Goethe-Institute,
- die Föderation der deutsch-französischen Kulturhäuser in 6 franz.
Städten,
- die große Zahl deutsch-franz. Kulturgesellschaften, davon allein
125 im größten deutschen Dachverband,
- ca. 2000 Städtepartnerschaften,
- dazu eine Fülle von Direktkontakten von Schulen, Universitäten,
Theatern und Kulturvereinen
Ebenso haben wir die Regionalpartnerschaften der
Bundesländer mit einzelnen franz. Regionen:
- Niedersachsen/Haute Normandie,
- Rheinland-Pfalz/Bourgogne,
- Thüringen/Picardie,
- Niederbayern/Oise
Das Auswärtige Amt hat einen engeren Informationsaustausch
zwischen GIIN und der französischen Seite bei kulturellen Planungen
mit dem Ziel vermehrter gemeinsamer Veranstaltungen initiiert.
Geplant ist darüber hinaus die Einrichtung gemeinsamer
deutsch-französischer Kulturinstitute in Europa (bereits erfolgt
in Palermo, Febr. 2001, in Luxemburg wird die Einrichtung eines
trilateralen Instituts geplant)
Der traditionelle Dialog zwischen beiden Ländern
wird immer mehr zu einem Dialog der Gesellschaften. Die Zivilgesellschaft
hat eine wachsende Bedeutung für die Kooperation. Kontakte zwischen
Multiplikatoren, Entscheidungsträgern kommen zu den traditionellen
Kontakten der Städtepartnerschaften, des Schüleraustausches und
der Regierungszusammenarbeit hinzu.
Die Grundkoordinaten der deutsch-franz. Zusammenarbeit
haben sich seit der Wiedervereinigung und dem Regierungswechsel
geändert. Die Neubelebung der "relance" darf als gelungen gelten,
insofern müssen die Beziehungen nicht neu begründet werden. Die
neue Zusammenarbeit ist auch durch den Generationenwechsel gekennzeichnet.
Die heutige Generation ist europäisch sozialisiert. Ging es früher
um Versöhnung und die Bewältigung der Vergangenheit, so steht heute
die Bewältigung der Zukunft auf dem gemeinsamen Programm.
Es gibt aber immer noch Defizite, das will ich
nicht verschweigen: der Spracherwerb der jeweils anderen Sprache
ist rückläufig. Dies ist eine der wichtigsten Herausforderungen
für die Zukunft. Mobilität in der Ausbildung und Etablierung hervorragender
Ausbildungsstätten ist unverzichtbar.
Fazit:
Es gibt wirklich keinen Grund, die Beziehungen neu zu begründen.
Sowohl die politische als auch die kulturelle wie die zivilgesellschaftliche
Zusammenarbeit im weiteren Sinne befinden sich in einem gesunden
Zustand und sucht ihresgleichen in den Beziehungen zu einem Partnerland,
sei es in Europa oder sonstwo in der Welt. Gerade die Regierung
Schröder hat dies erkannt und einen besonderen Aspekt auf eben die
Zivilgesellschaft und ihre Kommunikation untereinander gelegt. Sie
unterscheidet sich damit deutlich von der Vorgängerregierung und
unterstützt und unterhält Kontakte auf allen Ebenen. Wenn Sie die
Neubegründung der deutsch-französischen Beziehungen verlangen, dann
kann ich Sie nur auffordern, konstruktiv an dem Ausbau der eben
aufgezeigten Beziehungen mitzuarbeiten. Wenn überhaupt, bedürfen
sie nicht einer Neubegründung, sondern einer Belebung, die den Anforderungen
des neuen Jahrhunderts gerecht wird.