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Sonstige Bundespolitik
29. März 2004
 

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Beitrag für Festschrift
20 Jahre AURO

Seit nunmehr 20 Jahren arbeitet die AURO erfolgreich auf dem Gebiet der Pflanzenchemie. Ich kenne die Arbeit der Firma und die von Hermann Fischer persönlich seit langem; in meiner Zeit bei Greenpeace und als niedersächsische Umweltministerin gab es vielfältige Anknüpfungspunkte. Nun wird die Arbeit von Firmen wie AURO, auch wenn AURO Pflanzenchemie betreibt, gerade wieder ins Licht gerückt, weil die Verhandlungen für das europäische Projekt REACH in Gange sind. Hierbei geht es um ein Konzept für eine neue Chemikalienpolitik auf europäischer Ebene, vor allen Dingen um das Problem der Altstoffe, um Zulassungsverfahren und um Innovationsförderung und damit auch um die Arbeit und die Produktionsbedingungen für Firmen wie AURO.

Als AURO anfing, Anfang der achtziger Jahre, ging es in der Chemikalienpolitik noch darum, dass die Chemieindustrie alle Chemikalien, an denen sie irgend ein Weiterverwertungsinteresse hatte, als Altchemikalien bezeichnen konnte. Es ging um ca. 100.000 Chemikalien, allein 30.000 davon waren solche, die in Mengen von über einer Tonne pro Jahr produziert wurden. Umfangreiche und bürokratische Zulassungsverfahren für Neuchemikalien verhinderten Innovation und die Ablösung von gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien. Die Bürokratie verhinderte, dass viele Innovationen, z.B. pflanzenchemische, überhaupt eine Marktchance bekamen. Mit REACH scheint nun dieses alte Denken wieder Einzug zu halten. Vor allen Dingen die Einzelfallbewertung von Chemikalien erscheint völlig unsinnig und überflüssig. Auch die Massentestung im Tierversuch ist widersinnig, da sich zum Beispiel das in Teigwaren enthaltene Sudanrot bei Ratten und Mäusen völlig unterschiedlich verhält. Welche Rückschlüsse erlaubt dies auf die Wirkung beim Menschen? Sind wir eher Ratten oder eher Mäuse? Die Einzelfallbewertung kostet also unnötigerwiese Millionen von Tieren das Leben. Kontrollen und Zulassungen können Systeme nicht positiv beeinflussen.

Was brauchen wir also statt REACH? Über eine Zielvereinbarung mit der Chemieindustrie und den Anwendern der Chemie sollte festgelegt werden, dass in offenen Systemen, also in Produkten, die verschleißen und die durch ihre Verwendung zwangsläufig in die Umwelt gelangen, nur solche Substanzen eingesetzt werden, die biologische Systeme nicht schädigen und im besten Falle unterstützen. AURO hat da ja einige Erfahrung aufzuweisen. Alle diese Substanzen von echten Verbrauchsgütern müssen so gestaltet sein, dass sie biologisch definiert abbaubar oder aber verbrennbar sind, ohne dass umfangreiche Filtersysteme erforderlich sind. Für Verschleißprodukte sind Übergangszeiten vorzusehen, die der Industrie erlauben, durch Innovationsprozesse solche biologischen Nährstoffe zu entwickeln. In der chemischen Industrie sind solche Produkte - Komplexbildner, Lösemittel, biologisch abbaubare Polymere – bereits entwickelt worden, die eine Marktchance bekommen könnten, ohne mit Billigprodukten aus Fernost konkurrieren zu müssen. Es reicht also nicht aus, besondere Zulassungsverfahren für persistente bioakkumulierbare Substanzen zu erlassen, sondern es ist notwendig, festzulegen, dass solche Substanzen mit entsprechenden Übergangsfristen aus den Kreisläufen verschwinden. Für Metalle, persistente Produkte in Gebrauchsgütern sind umfangreiche Rücknahmesystem notwendig, um diese Materialien in technischen Nährstoffkreisläufen zu halten. Nur so können seltene Metalle und toxische Substanzen sinnvoll eingesetzt werden.

Ein erneuertes Verständnis in der Chemikalienpolitik sollte zum Ziel haben, dass biologische System intakt bleiben und gefördert werden. Chemikalien, die sich in der Muttermilch anreichern, müssen vom Markt verschwinden, beispielhafte Innovationen der Industrie müssen unverzüglich in neuen Produkten eingesetzt werden. Dafür brauchen wir eine internationale Konvention; das REACH-Projekt scheint weniger geeignet, wirkliche Chancen einer neu gedachten Chemiepolitik wahrzunehmen. Es geht darum, irreversible Schäden in der Biosphäre durch Zielvereinbarungen mit der Industrie zu vermeiden und darum, Kreativität und damit Innovation freizusetzen. Wir brauchen neue Produkte aus neuen Materialien, wenn wir die schleichende Vergiftung aufhalten wollen.
In diesem Sinne gratuliere ich Hermann Fischer und AURO, die seit nunmehr 20 Jahren zeigen, dass es auch anders geht!