Der Weg der Besucher führt über die Stufen der
großen Freitreppe hinauf zu den 6 wuchtigen Säulen direkt unter
dem Giebel, den die Widmungsinschrift "Dem Deutschen Volke" ziert.
Noch weitere 5 Stufen, und man gelangt in die Eingangshalle. Schon
hier kann man bis in den Plenarsaal hindurchsehen und gewinnt einen
ersten Eindruck vom Plenargebäude. Diese Halle dient den Besuchern
als Sammelpunkt. Von hier aus führen Aufzüge für Gruppen auf die
Besucherebene oder für nicht angemeldete Besucher direkt auf die
Dachterrasse. Die mehr als 30 m hohe Eingangshalle lässt das Tageslicht
zwischen den Säulen hindurch und vom gläsernen Dach her einströmen.
Die Seitenwände sind mit hellem Sandstein verkleidet, Vorder- und
Rückwand bestehen aus Stahl und Glas. Metall, Glas und Naturstein
sind die wesentlichen Materialien auch für die übrigen Räume des
Gebäudes. Unübersehbar sind die 2 Kunstwerke, die die Querwände
schmücken. Links hat Gerhard Richter vertikal über eine Höhe von
21 m Glasflächen bearbeitet, die die deutschen Farben Schwarz, Rot,
Gold leicht verfremdet wiedergeben. Auf der anderen Seite hat Sigmar
Polke fünf beleuchtete Glaskästen horizontal nebeneinander angebracht,
in denen sich auf changierendem Material gegenständliche Motive
je nach Blick und Perspektive zu bewegen scheinen. Es handelt sich
um Auftragsarbeiten, die an markanten Stellen des Gebäudes von deutschen
Künstlern geschaffen wurden. Die Kunstsammlung wird durch Leihgaben
und Werke aus dem Fundus des Bundestages sowie durch einige Stücke
aus dem historischen Reichstagsgebäude ergänzt. Hinter der großen
Glaswand liegt die Westlobby, von der aus sich der Plenarsaal unmittelbar
einsehen lässt. Der Zugang ins Innere erfolgt durch Türen, die mit
der Aufschrift "Ja", "Nein" und "Enthaltung" gekennzeichnet sind,
die bei dem sogenannten Hammelsprung, jener Abstimmungsart, bei
der die Abgeordneten beim Betreten des Saales gezählt werden, benutzt
werden. In kleinen Schränken, die an der Wand zum Plenarsaal vor
den Regiekabinen für die elektroakustische Beschallung und für Rundfunk-
und Fernsehanstalten zu sehen sind, befinden sich Stimmkarten für
jeden der 667 Abgeordneten. Von der Westlobby aus linker Hand liegt
u.a. das Abgeordnetenrestaurant, rechter Hand die Wandelhalle Südwest.
Sie ragt hoch über zwei Geschosse hinweg auf. Wie eine Galerie zieht
sich ein aluminiumunterlegter gläserner Steg auf halber Höhe durch
die Halle, der zur Besucherebene gehört. Links von der Wandelhalle
Südwest schließt der Lichthof Süd an, rechts die große Abgeordnetenlobby,
die mit bequemen Sitzmöbeln ausgestattet ist. Unübersehbar grau
gefärbt sind die Lüftungsaggregate, die zwischen den Fenstern fast
drei Meter hoch aufragen. An der Nordseite des Raumes hängt großflächig
eine Fotoarbeit der Düsseldorfer Künstlerin Katharina Sieverding
zur Erinnerung an die ermordeten, verfolgten und verfemten Mitglieder
des Deutschen Reichstags. Zusammen mit den in Dokumentationsbüchern
exakt recherchierten Lebensschicksalen dieser Abgeordneten bildet
der Ort eine Stätte des Gedenkens und der Besinnung. Auch die Wandelhalle
selbst ist künstlerisch ausgestaltet. Von der Decke hängen 24 Acryltafeln,
auf denen der jüngst verstorbene Künstler Carlfriedrich Claus seinen
"Experimentalraum Aurora" als Denklandschaft ausgeformt hat. Von
der Wandelhalle aus gesehen links liegt der Südflur, der parallel
zur Scheidemannstraße die Wandelhallen West und Ost verbindet. Links
erneut der Lichthof, in dessen Mitte der Düsseldorfer Bildhauer
Ulrich Rückriem zwei Bodenreliefs aus geschnittenen Granitplatten
geschaffen hat, die mit der Fassade des Lichthofes harmonieren.
Rechts ist der Treppenaufgang des Südportals, dessen Seitenwände
mit großformatigen Leinwandbildern von Georg Baselitz ausgestattet
sind. Die Motive beziehen sich auf die Holzschnitte "Die Frau am
Abgrund" sowie "Schlafender Knabe" von Caspar David Friedrich. Anschließend
folgt der Andachtsraum mit den von Bildhauer Günther Uecker geschaffenen
Gebotstafeln, die zusammen mit dem Altarstein ein Kreuz bilden und
dem Raum mit seinem seitlich einfallenden Licht die sakrale Atmosphäre
geben. Über das Treppenhaus in Südost kann man die eine Etage höher
gelegene Besucherebene erreichen. Über eine Galerie mit Blick in
die Wandelhalle gelangt man zu einem Steg, der vom Architekten neu
in die Halle eingefügt wurde. An den Wänden sind die alten Sandsteinverkleidungen
aus der Wallot-Zeit zu erkennen, die zum Teil mit kyrillischen Schriftzeichen
beschrieben sind. Diese stammen aus den Tagen der Eroberung des
Hauses durch die Rote Armee zum Ende des 2. Weltkrieges und wurden
als Geschichtszeugnis konserviert.
Es folgt der Besucherbereich des Plenarsaals mit
den 6 einzelnen Tribünen, die sich von dieser Ebene aus fast in
die Mitte des Plenarsaals hineinsenken und jeweils 73 Gästen Platz
bieten. Hier hat man den besten Blick auf den Plenarsaal. Beim Blick
nach oben wird der Ring der zwölf Sichtbetonstützen deutlich, der
den Plenarsaal umgibt und die Kuppel trägt. Die gläserne Deckenkonstruktion
ermöglicht aus dem Saal und von den Tribünen eine Durchsicht auf
das dritte Obergeschoss und weiter in die Konstruktion der Kuppel.
Wenn man von der Tribüne weiter nach unten blickt,
so ist die Sitzanordnung zu erkennen, nach der sich die Abgeordneten
dem Präsidenten und Sitzungsvorstand, der Bundesregierung und dem
Bundesrat gegenübersehen. Links vom Präsidenten befinden sich die
Plätze für den Kanzler und die Bundesregierung, auf der beiden Stühle
jeweils in der ersten Reihe, die dem Präsidiumspodest am nächsten
stehen, sind dem Kanzler bzw. dem Bundesratspräsidenten vorbehalten.
An die Regierungs- und Bundesratsplätze schließen sich die Abgeordnetenplätze
an. Links von der Bundesregierung sitzt die FDP, darauf folgt die
CDU/CSU, dann Die Grünen, während die SPD fast die ganze rechte
Hälfte einnimmt, bevor der Kreis mit den Plätzen der PDS an die
Bank des Bundesrates anschließt. Die rund 800 Sessel sind lila-blau
bezogen, das vom Architekten kreierte "Reichstagsblue" liefert einen
schönen Kontrast zum Grau der Aufbauten.
An der östlichen Stirnseite des Plenarsaals steht
die Bundesflagge. An diesem Platz vereidigt der Bundestagspräsident
den Kanzler und die Minister nach deren Ernennung durch den Bundespräsidenten.
Darüber erhebt sich das Symbol des Bundestags, der Adler, der gelegentlich
als "Fette Henne" bezeichnet wird. Das aus Aluminiumblechen gefertigte
Wappentier ist 8,50 m breit, 6,80 m hoch und wiegt 2,5 t. Die Wand
hinter dem Adler nimmt vieles der Technik auf, die sich außerdem
im ganzen Saal hinter weiteren Verkleidungen verbirgt. 298 Einzellautsprecher
sorgen für einen guten Ton, über 200 Mikrofone kann gesprochen werden.
Im westlichen Besucherbereich stehen 2 Vitrinen,
in denen Exponate ausgestellt sind. Es handelt sich um die Originalausfertigung
des Grundgesetzes vom 23. Mai 1949. In der anderen Vitrine befindet
sich ein Geschenk des spanischen Königs Juan Carlos, der 1997 dem
Parlament die Urkunden der spanischen Verfassung von 1812 und 1978
übergeben hat.
Der Blick fällt dann auf die Bronzeplastik "Architektonische
Skulptur" von Otto Freundlich. Er wurde von den Nazis als Vertreter
der sogenannten "entarteten" Kunst verfolgt und im KZ Lublin-Maidanek
1943 ermordet.
Im 2. OG befindet sich der Präsidialbereich, der
über zwei Treppenhäuser erreicht werden kann. Hier liegen die Büros
für den Präsidenten und seine engsten Mitarbeiter, den Direktor
beim Bundestag, die Abteilungsleiter sowie für die Leiter des Protokolls
und des Pressezentrums. Hinzu kommen Protokollsäle, Besprechungsräume
und der Sitzungsraum des Ältestenrates. Sowohl von der Mitte der
West- wie der Ostseite sind eindrucksvolle Durchblicke möglich,
zum einen nach unten in den Plenarsaal und die Wandelhallen, zum
anderen nach oben in die Kuppel.
Im Geschoss über der Präsidialebene verfügen alle
Fraktionen über einen Sitzungs- und einen Vorstandsraum. Das Geschoss
wurde vom Sir Norman Foster neu erbaut und ist in der Außenfassade
des Gebäudes nicht sichtbar. Deshalb sorgen hier Innenhöfe und Glasdächer
für Tageslicht. In der Mitte ist ein Blick auf die darüber liegende
Kuppel möglich, deren Spitze nach oben in den Plenarsaal hineinführt.
Sie ist von einer stabilen Glaswand ummantelt und gibt auch den
Blick in den Saal frei. Hier befindet sich die Presselobby, ausgestattet
mit einer Café-Bar und mit Sitzbänken, sie reicht nach allen Seiten
fast in die Bereiche der einzelnen Fraktionen hinein.
Von der darüber liegenden Dachebene öffnet sich
bereits ein attraktiver Rundblick über das Parlamentsviertel. Es
folgt die Kuppel. Sie wurde bereits vorgestellt.