Anrede,
"Der Planet Erde existiert seit etwa 4 6000 000
000 Jahren. Bringt man diesen unvorstellbaren Zeitraum in eine verständliche
Größenordnung, dann läßt sich die Erde mit einem 46 Jahre alten
Mann vergleichen! Vor den ersten sieben Jahren seines Lebens ist
nichts bekannt. Während es lediglich bruchstückhafte Informationen
über den mittleren Abschnitt gibt, wissen wir, dass die Erde erst
im Alter von 42 Jahren zu blühen begann. Die Dinosaurier und die
großen Reptilien tauchten gerade erst vor einem Jahr auf, als der
Mensch 45 war. Die Säugetiere erschienen erst vor acht Monaten,
Mitte vergangener Woche verwandelten sich die menschenähnlichen
Affen in affenähnliche Menschen, und letztes Wochenende überzog
die Eiszeit die Erde.
Den heutigen Menschen gibt es gerade seit vier
Stunden. Währen der vergangenen Stunde hat er den Ackerbau erlernt,
und vor einer Minute begann die industrielle Revolution. Während
dieser sechzig Sekunden ist es dem heutigen Menschen gelungen, aus
einem Paradies eine Abfallgrube zu machen. Er hat sich beriets so
stark fortgepflanzt, dass Nahrung und Lebensräume knapp werden,
er hat das Aussterben unzähliger Tier- und Pflanzenarten verursacht,
den Planten auf der Suche nach Brennstoff heimgesucht und steht
jetzt wie ein dummes Kind vor den entsetzlichen Auswirkungen seines
kometenhaften Aufstiegs, am Rande eines Krieges zur Beendigung aller
Kriege und vor der wirkungsvollen Vernichtung dieser Oase des Lebens
im Sonnensystem. Bis Ende des Jahrhunderts wird eine Art pro Stunde
ausgerottet werden."
Samstag 21.10.2000 "Genmais löst Lebensmittelskandal
in den USA aus. Deutsch-französischer Konzern Adventis muss Produkte
zurückrufen. 100 Millionen Dollar Schaden. Schadenersatzklagen drohen.
Europa nicht betroffen. US-Affäre um Genmais weitet sich aus. Tausende
Tonnen von Hersteller hat Aventis offenbar in Popcorn, Chips und
Müsli verarbeitet." Das war die Titelgeschichte der Welt vom letzten
Wochenende.
Und weiter die Presse: "Lebensmittel gehen aus.
32 Tausend Menschen werden evakuiert. Schlammflut. Klimaforscher
warnt - auch für Deutschland nimmt das Risiko zu. Gibt es einen
Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und der Klimaerwärmung?"
So eine ganze Seite "Deutschland und die Welt" in der Bild-Zeitung
am 18. Oktober 2000. Hingegen die besinnliche FAZ am 18. Oktober
2000 "Wie sich die Fronten zwischen Kulturalismus und Naturalismus
verändern".
Über das Verhältnis von Mensch und Natur in der
Neuzeit herrscht inzwischen akademischer Konsens. Die sentimentalische
Anschauung, die Natur als Ort der Ursprünglichkeit und Totalität
begreift, begann sich im 16. Jahrhundert durchzusetzen. Als Gegenbewegung
zur Verstädterung und Industrialisierung wurde die Natur zur Projektionsfläche
von Reinheit und Ursprünglichkeit.
Aber: Überschwemmung nicht nur in Italien, sondern
auch in den USA, im letzten Jahr in Polen, im Oderbruch, in Bangladesch,
aber auch in Bayern. Bodenerosion als Folge und Ursache von Lawinenunglücken,
Schlamm - und Geröll-Lawinen in den Bergregionen der Schweiz und
Spaniens, aber auch Bodenerosionsprobleme in Norddeutschland oder
in Russland - die Folgen der Umweltzerstörung kommen immer näher.,
es wird immer deutlicher, welche Folgen es hat, dass wir 5000 mal
mehr Boden nutzen, als sich neu bilden kann.
Sie alle, die in der Landwirtschaft arbeiten, kennen
die wirtschaftlichen Probleme, die Sie durch wenige BSE-Fälle bekommen
haben. Aber auch andere Phänomene zeigen sich, die mittel - oder
längerfristig gravierende Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft
haben werden. So hat sich die Fruchtbarkeit von männlichen Samenzellen
um die Hälfte reduziert. Die Folge ist, dass sich inzwischen 20
kinderlose Ehepaare um eine mögliche Adoption bewerben. Eine eigene
Enquête Kommission beschäftigt sich mit dem demographischen Wandel,
der durch diesen Rückgang der Geburtenrate und durch die höhere
Lebenserwartung bedingt ist. Und was die höhere Lebenserwartung
angeht: Die Menschen leben zwar länger, aber die Allergieerkrankungen
nehmen zu.
Jeder Dritte leidet heute unter Heuschnupfen oder
unter anderen Immunschwächenkrankheiten oder Allergiekrankheiten.
Die Hauptkrankheit bei Kindern ist heute, neben Neurodermitis, die
Asthmaerkrankung. Solche Immunschwäche- und Allergiekrankheiten
werden unter anderem auch durch genveränderte Organismen hervorgerufen,
die zum Beispiel Nuss-Gene enthalten. Hinzu kommt als Ursache aber
auch noch, dass ein Drittel des Grundwassers der Bundesrepublik
zu hohe Nitratwerte aufweist, und auch bei der Verwendung von nicht
mehr erlaubten Pestiziden wie zum Beispiel Atrazin, die ebenfalls
das Grundwasser schädigen, sehen wir erst die Spitze des Eisberges.
All das ist dem Verbraucher vielleicht nicht in
allen Einzelheiten bekannt, führt aber in seiner Gesamtheit zu einem
diffusen Gefühl der Bedrohung. Die Konsequenz erleben Sie in Ihrer
täglichen Arbeit: Nach einer Studie der Fachhochschule Paderborn
möchten 95 % der VerbraucherInnen Nahrungsmittel kaufen, die aus
ihrer Region stammen oder von denen sie wissen, woher sie kommen.
Zu diesem Bedürfnis passt natürlich überhaupt nicht, dass nach einer
Studie des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt, Energie ein Joghurt
5.800 Kilometer zurückgelegt hat, bevor er bei dem Verbraucher auf
dem Frühstückstisch steht. In diesen Kilometerzahlen sind die Mengen
für die Materialien des Bechers und für die einzelnen Zutaten, wie
Früchte, Zucker und Milch, zusammengefasst.
Das alles führt dazu, dass Sie täglich erleben,
dass es veränderte Anforderungen an die Landwirtschaft gibt. Landwirtschaft
ist heute nicht nur mehr Nahrungsmittel- und Rohstoffproduktion.
Eines der Ziele der Ernährungspolitik ist seit Jahrzehnten "eine
sichere Versorgung der Verbraucher mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln
zu angemessenen Preisen". Die sichere Versorgung ist gewährleistet,
ebenso die angemessenen Preise. Nahrungsmittel produziert unsere
Landwirtschaft heute reichlich. Bei vielen landwirtschaftlichen
Produkten ist sogar die Sättigungsgrenze erreicht, jedenfalls auf
dem Binnenmarkt der Europäischen Union, die immer noch 75 % unseres
Marktgeschehens darstellt. Und die Bevölkerung wächst kaum noch
- im Gegenteil, sie geht eher zurück. Menschen können sich auch
nicht mehr als satt essen. Selbst der Wohlhabendste schafft nicht
mehr als zwei Steaks am Tag. Nachfragezuwächse bei wichtigen Agrarprodukten
halten sich meistens im Bereich von weniger als einem halben Prozent.
Wichtiger werden dagegen andere Aufgaben der Landwirtschaft, die
insgesamt die Kulturräume des ländlichen Bereichs betreffen. Die
Menschen wollen gesunde, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel,
von denen sie wissen, wo sie und wie sie erzeugt worden sind.
Dazu gehört eine umweltschonende und tierartgerechte
Erzeugung. Sie ist damit in den Blickpunkt gerückt. Ebenso die Schonung
der Ressourcen Wasser, Boden, Luft und Energie. Die Menschen in
unserem dichtbesiedelten Europa wollen eine intakte, abwechslungsreiche
Landschaft. Sie wollen die Vielfalt wildlebender Tier- und Pflanzenarten
erhalten, wissen und erleben. Deshalb ist die multifunktionale Landwirtschaft
für all das ein gängiger Begriff geworden. "Multifunktionalität"
steht dabei in einem engen Zusammenhang mit dem Begriff der "Nachhaltigkeit".
Übrigens ein junger Begriff für eine alte Tradition in der Landwirtschaft.
Das Ziel der Landwirte, die früher noch auf wenigen Hektar wirtschafteten
- zum Beispiel konnte mein Großschwiegervater auf 2,6 Hektar hier
im Hohenloheschen elf Kinder großziehen - war den Betrieb wohlbehalten,
schuldenfrei, gut bewirtschaftet und genügend ausgestattet, den
nachfolgenden Generationen zu übergeben. Mit 2,6 Hektar können heute
aber die Landwirte nicht mehr leben. Das heißt, es kommt eine Tendenz
dazu, zu immer größeren Einheiten, die natürlich auch gleichzeitig
zur Vereinzelung der Landwirte führt. Ich kenne bei uns aus dem
Bereich Lüchow-Dannenberg, wo die Rundlinge sehr bekannt sind, Dörfer,
wo nur noch ein einziger Landwirt wohnt, der überhaupt keine Möglichkeit
hat, sich mal eben auch mit einem Nachbarn oder einem Kollegen auszutauschen.
Psychoprobleme auch in der Landwirtschaft sind die Konsequenz. Darüber
hinaus stehen die in der Bundesrepublik erzeugten Produkte im Wettbewerb
mit denen anderer nationaler und internationaler Erzeuger. Auch
wenn die regionalen Stoffkreisläufe, die Zielperspektive sind, die
sich die von der Fachhochschule Paderborn befragten Verbraucherinnen
und Verbraucher wünschen, der Strukturwandel ist in vollem Gange
und hat zur Folge, dass eben nicht jeder Hof als Betrieb auf die
nachfolgende Generation der eigenen Familie übergeht, sondern inzwischen
schon ein Drittel gerade der kleineren und mittleren Landwirtschaft
aufgegeben hat.
1992 hat in Rio de Janeiro eine internationale
Konferenz mit über 170 Staaten stattgefunden. Es wurde eine gemeinsame
Erklärung, die Agenda 21, unterschrieben. Zitat: "die Menschheit
steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte wir erleben
eine zunehmende Ungleichheit zwischen Völkern und innerhalb von
Völkern eine immer größere Armut immer mehr Hunger, Krankheit und
Analphabetentum sowie eine fortschreitenden Schädigung der Ökosysteme
von denen unser Wohlergehen abhängt. Durch eine Vereinigung von
Umwelt und Entwicklungsinteressen und ihre stärkere Beachtung kann
es uns jedoch gelingen die Deckung des Grundbedürfens, die Verbesserung
des Lebensstandart aller Menschen, einen größeren Schutz und bessere
Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte, gedeihliche
Zukunft zu gewährleisten. Das vermag keine Nation allein zu erreichen
während es gemeinsam gelingen kann in einer globalen Partnerschaft
die auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist." (Aus
der Agenda 21 von der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt
und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro. Agenda 21, nicht gleich
Agenda 2000 der Europäischen Union.)
Die Agenda 21 soll also dazu führen, dass eben
nicht nur die Menschen in Industrieländern und Gegenwart, sondern
auch die Menschen in anderen Ländern und Zukunft leben können, aber
dass auch alle Lebensbereiche integriert werden. Die Themen der
Konferenz: "Mensch und Natur". "Kulturlandschaft. Dialog zwischen
Natur, Ernährung und Gesellschaft". "Haushalten mit Energie" und
"Mobilität auf neuen Wegen" bezeichnen wichtige Projekte in dem
Konzept der Agenda 21. Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt
mit seinem Konzept zur Nachhaltigkeitsstrategie die Land-, Forst-
und Fischereiwirtschaft.
Ein Beitrag - ein Diskussionsbeitrag. Wenn die
Landwirtschaft aber auch diesen Beitrag leisten soll, braucht sie
gesellschaftliche Akzeptanz. Ohne die gesellschaftliche Akzeptanz
läuft Landwirtschaft Gefahr, Märkte durch Diskussionen über BSE,
Nitrate in der Babynahrung oder Tiertransporte zu verlieren. Ohne
gesellschaftliche Akzeptanz ist die Bevölkerung auch immer weniger
bereit, der Landwirtschaft die Unterstützung zu kommen zu lassen,
die sie benötigt und verdient, um auch die Kulturlandschaft, die
Naturlandschaft, die Vielfalt unserer Bundesrepublik zu erhalten.
Viele Landwirte haben Umweltschützer, Verbraucherschützer, oder
zum Beispiel als mich Greenpeacerin oder als Umweltministerin als
überzogen oder unrealistisch charakterisiert. Aber ich glaube, die
Landwirtschaft muss sich damit auseinandersetzen. Der Status Quo
ist in vielen Fällen ein ungeeigneter Ansatz, um in Zukunft Rückhalt
in der Bevölkerung für die Unterstützung der Agrarwirtschaft zu
bekommen. Deshalb ist im Zuge der Diskussion um die Nachhaltigkeitsstrategie
auch ein wichtiges Ziel die Verbesserung der Umweltverträglichkeit.
Dazu gehört natürlich auch, den Ausbau von Instrumenten und Dienstleistungen
der Landwirte in Umwelt und Naturschutz zu honorieren. Zum Beispiel
- gerade, wenn wir die Ökosteuerdebatte erleben, gerade wenn wir
die hohen Dieselpreise erleben, gerade wenn wir den Ausstieg aus
der Atomenergie diskutieren, ist die Produktion und die Verwendung
von nachwachsenden Rohstoffen ein weiteres Standbein, das neben
der Sättigung durch Nahrungsmittel, wie ich sie am Anfang beschrieben
habe, eine wichtige Rolle spielt. Ein konkretes Beispiel: Im Rahmen
des Markteinführungsprogramms erneuerbarerer Energien sind die Fördermittel
von 20 auf 200 Millionen aufgestockt worden. In diesem Zusammenhang
ist es auch ganz wichtig, Biomasseverbrennungs- und Biogasanlagen
zu fördern. So können sowohl Holzschnitzel als auch Stroh als auch,
wie gesagt, Biogasanlagen zu einer zukünftigen, CO2-freien Energieversorgung
beitragen. Im Rahmen des Programms zur Markteinführung biogener
Treib- und Schmierstoffe sind für das kommende Jahr 20 Millionen
eingeplant. Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Rapsöl, Rapsdiesel,
Biodiesel wird konkurrenzfähig, da wesentlich preiswerter als OPEC
-Diesel. Und gerade im Einsatz innerhalb der Landwirtschaft ist
dieser Treibstoff auch höchst interessant, weil seine Verwendung
wesentlich weniger Probleme verursacht, als wenn Mineralöl die Landschaft
verunreinigt.
Ein weiterer wichtiger Punkt, neben dem Landschaftsschutz,
ist der Tierschutz. Auch er schafft die Akzeptanz, die die Landwirtschaft
benötigt. Dabei ist der Tierschutz jedoch häufig nicht im nationalen
Alleingang, sondern nur auf europäischer Ebene möglich. Ich denke,
bei der Debatte um Schlachtviehtransporte ist das sehr deutlich
geworden, wo sich die Bundesrepublik immer für maximal 8stündige
Transporte eingesetzt hat. Und wo im übrigen die Bundesregierung
wie etwa auch die Landesregierung in Niedersachsen wieder dezentrale
Schlachthöfe unterstützt hat, die kurze Wege möglich machen. Ein
weiterer wichtiger Punkt: der Verbraucherschutz. Er braucht stärkere
Beachtung. Ein hohes Schutzniveau hat in jedem Fall Vorrang vor
wirtschaftlichen Interessen, denn nur wenn sich die Verbraucher
sicher fühlen und davon überzeugt sind, dass die angebotenen Produkte
gesund und qualitativ hochwertig sind , dann sind sie auch bereit,
für höhere Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen. In diesem
Zusammenhang ist auch die Fleischetikettierung zu sehen. Seit dem
1. September dieses Jahres gelten hier EU-weite Regeln. Anhand der
Etikettierung erkennt der Verbraucher oder die Verbraucherin, in
welchem Land das jeweilige Tier geschlachtet und zerlegt wurde.
Eine Referenznummer ermöglicht es zusätzlich, das Fleisch bis zum
einzelnen Tier oder einer Gruppe von Tieren zurückzuverfolgen. Der
Deutsche Bundestag hat ein Gesetz zur Angabe von Geburts- und Mastort
bereits verabschiedet. Leider hat eine Mehrheit der Bundesländer
diesem Gesetzentwurf noch nicht zugestimmt und ihn zur Einigung
in den Vermittlungsausschuss überwiesen, so dass dieses nicht am
1. September in Kraft treten konnte. Ebenfalls zum Bereich des Verbraucherschutzes
zählt im übrigen auch noch die Frage der Gentechnik, die ich zu
Beginn bereits angesprochen habe. Hier müssen wir neben der Diskussion
um das Thema Allergien und Immunschwäche auch noch eine ethische
Debatte führen: In Polen werden jetzt menschliche Gene in Karpfen
eingesetzt. Diese entwickeln sich zu Monsterkarpfen, vor deren Verzehr
sich die Frage stellt: Wo fängt Kannibalismus an? Wieviel menschliche
Anteile braucht es dazu - 1%, 0,5%?
Zur ganzen Diskussion über die Agenda 21 gehört
natürlich auch, wie sich der Weltagrarmarkt entwickelt. Zahlreiche
Fachleute gehen davon aus, dass die Nachfrage nach wichtigen Agrarprodukten
längerfristig weltweit steigen wird. Die Gründe dafür liegen auf
der Hand: Die Zahl der Menschen auf unserer Erde wird sich weiter
erhöhen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung
bis 2010 auf rund 7 Milliarden Menschen anwachsen wird. Bedingt
durch das wirtschaftliche Wachstum vor allem in Asien und Lateinamerika,
wird auch die Kaufkraft weltweit zunehmen. Sie wird zusammen mit
dem anhaltenden Verstädterungsprozess in vielen dieser Länder dafür
sorgen, dass weltweit die Nachfrage nach veredelten Nahrungsmitteln
und nach Futtermitteln zunehmen wird. Die FAO rechnet damit, dass
die Nachfrage bis 2010 jährlich um knapp 2 % steigen wird. Da die
Entwicklungsländer jedoch nicht in der Lage sein werden, diesen
Zuwachs aus eigener Produktion zu decken, wird der Welthandel mit
Agrarprodukten zunehmen. Auch wenn im Moment diese Entwicklung scheinbar
der Forderung nach einer regionalen Landwirtschaft widerspricht.
Aber wenn wir davon ausgehen, dass deutsche Landwirte, die immer
effizienter wirtschaften, mit all den oben skizzierten Problemen,
auch auf diesem internationalen Feld teilnehmen werden in Zukunft,
muss in der Welthandelsrunde die Voraussetzung dafür geschaffen
werden. Diese Verhandlungen in der WTO werden schwierig werden,
denn klar ist, die Handelspartner in anderen Ländern wollen einen
weitgehenden Abbau von Exportbeihilfen, Einkommenshilfen und Einfuhrzahlen.
Dieses ist natürlich etwas bigott, denn die Amerikaner, die besonders
die Agrarpolitik der EU kritisieren und bereits zur Frage von Turbokühen
und Eurobananen Prozesse gegen die Europäische Union angestrengt
haben innerhalb der WTO, haben ihre Direktzahlungen an die Farmer
in den USA seit 1996 versiebenfacht. Klar ist aber auch, wir werden
in der Bundesrepublik uns nicht einer weiteren Liberalisierung des
Agrarhandels entziehen können. Wichtig ist, dass wir dafür die Eckpunkte
mit setzen. Die Liberalisierung darf nicht zu Lasten der Umwelt,
des Tierschutzes und, ganz wichtig, der Attraktivität und Vielfalt
unserer ländlichen Räume gehen.
Da sind wir beim entscheidenden Punkt: Wir brauchen
dort eben auch die den Räumen angepasste Landwirtschaft. Ich erinnere
mich an einen Besuch mit meinem Vater vor zwei, drei Jahren Jahren
in Mecklenburg-Vorpommern, als er mit Traurigkeit berichtete, dass
zu seiner Kindheit, er kommt aus Greifswald, die ganzen Gebiete
lediglich Weideflächen waren. Sowohl für Kühe als auch für Pferde.
Jetzt werden dort wegen der EU-Politik vorwiegend Marktfrüchte angebaut.
Was war im April: Da hatten wir Verwehungen auf den Straßen durch
abgetragenen Boden, durch Bodenerosionen wie in der Wüste Sahara.
Man konnte teilweise Straßen nicht passieren, weil sich natürlich
in Mecklenburg-Vorpommern in weiten Teilen Sandboden befindet, der
durch eine Weidewirtschaft festgehalten wird, der aber beim Anbau
von Marktfrüchten, die im April nicht wachsen, natürlich verwehen
kann. Das kann nicht das Ziel sein.
Wenn wir wieder zurückkommen zu der Frage und zu
der Forderung der meisten Bürgerinnen und Bürger, die wissen wollen,
wo ihre Lebensmittel herkommen und die sie am liebsten aus der Region
beziehen würden, dann ist stellt sich die Frage, wie man das bewerkstelligen
kann, ohne dass die Doppelt- und Dreifachbelastung für die Landwirte
noch höher wird und besonders Ihre Belastung, die Belastung der
Landfrauen noch höher wird, als sie schon ist. Natürlich gibt es
heute schon sehr viel Eigenvermarktung auf Bauernmärkten und Hofläden,
aber wir sehen in Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden, dass
gute Vermarktungsstrukturen auch ein herausragender Standortvorteil
sind. Da sind wir in Deutschland einfach noch Kreisklasse. Wir müssen
heute viel stärker den Gesamtkreislauf eines Produktes mitbetrachten.
Das heißt, wir brauchen auch mehr Kooperation, mehr Integration
und mehr Zusammenarbeit in qualitätsorientierten Verbundsystemen.
Gemeinschaften also, die auch die konsequente Kundenorientierung
mit beinhalten. Vermarktung ist auch gerade für die Nachhaltigkeitsstrategie
-auch innerhalb der Bundesrepublik-, das heißt auch für die Umsetzung
der Agenda 21 und der Beschlüsse von Rio, ein wichtiger Punkt, und
es gibt zwei Marktbereiche, die für die Verbraucher immer wichtiger
werden und die künftig auch deshalb besonders von der Bundesregierung
besonders unterstützt werden sollen. Das eine ist der ökologische
Landbau, das zweite ist die regionale Vermarktung. Der ökologische
Landbau hat gerade hier in Baden-Württemberg schon einen wesentlichen
größeren Anteil gewonnen, weil er auch in kleinteiligeren Einheiten
zu leisten ist. Geschlossene Nährstoffkreisläufe, Verzicht auf chemisch-synthetische
Dünge- und Pflanzenschutzmittel erfüllen das Prinzip Nachhaltigkeit
im wesentlichen intensiver als andere Betriebe. Deshalb sollen auch
diese Betriebe besonders unterstützt werden, auch durch den Erlass
eines nationalen Ökolandbaugesetztes zur Ergänzung der EG-Ökoverordnung,
aber auch durch die Verbesserung der Produktion und Vermarktung
und den Aufbau eines Forschungsinstitutes für ökologischen Landbau.
Deshalb brauchen wir auch entsprechende Erzeugerzusammenschlüsse
beim ökologischen Landbau, denn nur dann bekommen wir Erzeugnisse
des ökologischen Landbaus auch in den Einzelhandel, zu den Verbrauchern.
Denn nicht jeder hat in der Nähe eine Großstadt mit einem funktionierenden
Ökomarkt oder einer gut funktionierenden Naturkostkette. Auch für
die Förderung der Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte
sollen neue Instrumente geschaffen werden, gerade für Erzeugerzusammenschlüsse
und für Investitionen. Und da sind Sie eben auch besonders gefordert,
denn die Landfrauen haben sich schon, ich weiß das aus Niedersachsen,
eben besonders hervorgetan, auch die regionale Vermarktung, die
regionalen Märkte, aber auch zusätzliche Aktivitäten im ländlichen
Raum aufzubauen, und sie sind bislang nicht ausreichend unterstützt
worden. So weiß ich zum Beispiel von unseren Landfrauen, dass sie
einen regionalen Partyservice eingerichtet haben, dass sie vielfältige
Aktionen zur Direktvermarktung im Gesamtverbund durchführen, dass
sie Cafés einrichten und die Touristen im ländlichen Raum eben viel
intensiver in ihre Arbeit mit einbinden, durch Führung, durch Öffnung
der Höfe und durch attraktive Programme. All das passt natürlich
sehr gut in Ihren Schwerpunkt 2000/2001: "Kulturlandschaft: Dialog
zwischen Natur, Ernährung und Gesellschaft". Wenn Menschen wissen,
wie Produkte hergestellt werden, welche Mühe damit verbunden ist,
und wenn sie einen Bezug dazu bekommen, dann zahlen sie vielleicht
auch eben mehr als die 15 Pfennig, die das Batterieei üblicher Weise
kostet. Auch die Zusammenarbeit mit Vertriebsorganisationen ist
dabei ein wichtiger Faktor. Ich denke die Frage des Tourismus wird
auch insgesamt noch unterstützt. Es hat auch ein pädagogisches Element,
denn nur das, was wir kennen, können wir lieben. Das was wir lieben,
können wir schützen. Wie wichtig zum Beispiel auch die Schulausflüge
in Musterbauernhöfe sind oder eben Begegnungen mit Tieren auf dem
Lande, zeigen immer wieder die Erfahrungen von Stadtkindern, für
die Kühe immer noch lila sind oder die mehr Automarken kennen als
Pflanzennamen. Meine kleine Tochter geht in den Waldkindergarten
und hat eine ganz andere Beziehung zur Natur. Einfach dadurch, dass
sie vier Stunden am Tag durch den Wald stampft. Sie läuft ganz anders,
sie bewegt sich ganz anders, aber sie kennt auch die Pflanzen und
Tiere und sie empört sich über jeden, der eine Zigarette oder ein
Taschentuch in den Wald wirft, ganz einfach, weil sie den Wald erlebt.
Deshalb auch da die Aufgabe, die zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten
in der Landwirtschaft zu nutzen, sich zu öffnen. Ich weiß, dass
sie das hier in Baden-Württemberg schon viel stärker tun als bei
uns in Niedersachsen, wo die Zurückgezogenheit doch etwas stärker
verbreitet ist. Doch wo geht das alles hin? Wir stellen fest, die
Weltentwicklung geht in größere Höfe. Den Ost-West-Unterschied sieht
man ganz deutlich. Der Einkommensgrad in den östlichen Landwirtschaften
ist größer durch größere Einheiten als in den kleinen, zum Teil
aber auch spezialisierten Einheiten, die dann doch ganz gut zurecht
kommen. In Westdeutschland müssen wir wahrscheinlich die Zukunft
der Arbeit insgesamt neu bedenken. Wenn wir uns vorstellen, dass
die Menschen trotz Allergien immer älter werden, gleichzeitig durch
Vorruhestand immer früher in Rente gehen, wäre zu fragen, ob wir
nicht insgesamt die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bürgerinnen und
Bürger vollkommen falsch einschätzen und auch uns Probleme dadurch
selber kreieren, die wir vermeiden könnten. Wenn wir uns vorstellen,
dass wir in wenigen Jahren mehr ältere Menschen oder mehr Menschen
über 60 als Kinder haben, dann stellt sich die Frage, ob nicht das
Modell Kindergarten,Schule, lange Ausbildungszeit, relativ kurze
Berufstätigkeit und langer Ruhestand einfach schlicht falsch ist
und wir dieses gesellschaftlich neu diskutieren müssen. Müssen wir
nicht zu allen Ebenen unserer Gesellschaft eine Beziehung bekommen
und im Prinzip unsere gesellschaftliche Arbeitszeit in drei Teile
teilen?
Das heißt, ein Drittel Sozialtätigkeit (das schließt
die auch heute ehrenamtlichen Tätigkeiten ein, die das Engagement
in der Jugendfeuerwehr, im Sportverein, in der Kirchengemeinde,
beinhalten); diese Tätigkeiten müssen in der Akzeptanz und in der
Wertigkeit sich genauso niederschlagen wie die Pflege von alten
hilfsbedürftigen Menschen. Ein zweites Drittel kann der traditionellen
Erwerbstätigkeit dienen. Das dritte Drittel sollte im Prinzip wieder
weg kommen von der großräumigeren Landwirtschaft zur kleinräumigen
Gartenkultur.
Menschenwürdiges Zusammenleben ist nur möglich,
wenn die Vielfalt der Arten erhalten bleibt. Auch das gehört übrigens
zur Agenda 21. In China kann man sehen, dass es möglich war, viel
höhere Bevölkerungsdichten als zum Beispiel in den Niederlanden
über Jahrtausende mit kleinräumigen Gartenkulturen zu erhalten.
Allerdings sind dort auch alle Stoffe in Kreisläufen betrachtet
worden. Es geht eben nicht, dass wir Soja importieren, das in anderen
Ländern als Nahrungsmittel dringend benötigt wird, und dass die
Hälfte allen Fischfangs weltweit statt findet, damit unser Geflügel
billig gefüttert werden kann, während gleichzeitig Menschen in Peru
und in vielen anderen Ländern hungern, weil vor ihrer Küste keine
Fische mehr sind.
Sie kennen auch die Debatte über die Ausbringung
von Klärschlamm. Klärschlamm hat Grenzwerte, damit kein mit Schadstoffen
belasteter Klärschlamm mehr auf Felder ausgebracht wird, aber es
gibt durchaus Düngemittel, wie zum Beispiel die Phosphatdüngemittel,
deren Cadmiumgehalt wesentlich höher - bis zu 20 mal höher- als
in vielen Klärschlämmen ist. Das heißt, das Cadmium kommt über die
Phosphatdüngemittel hinterher in den Klärschlamm, dieser ist durch
die Phosphatdüngemittel cadmiumbelastet und wird dann als Klärschlamm
nicht mehr in die Landwirtschaft gehen. Das ist keine Kreislaufwirtschaft
im engräumigen Sinne, dabei würde es nur Pfennigbeträge kosten,
das Cadmium aus den Düngemitteln herauszufiltern. Wir haben auch
keine Grenzwerte für Urane und andere radioaktive Elemente in Düngemitteln,
obwohl viel mehr Uran durch Phosphatdüngemittel abgebaut wird, als
weltweit in Atomanlagen eingesetzt wird. Dadurch erhöht sich die
Hintergrundbelastung, dadurch haben wir auch ein Problem mit Leukämiefällen,
wo bei vielen immer noch nicht geklärt werden kann, woher die Leukämie
kommt. Ein Drittel unserer jetzigen beruflichen Tätigkeiten ist
alleine der Reparatur von Zerstörung gewidmet. Jeder, der einen
Autounfall verursacht, und das sind etliche, wenn wir überlegen,
dass wir immer noch etwa 10.000 Tote und 500.000 Verletzte bei Autounfällen
in der Bundesrepublik haben, schafft Arbeit und steigert über die
von ihm angerichtete Zerstörung das immer wieder beschworene Bruttosozialprodukt.
Und dann die Frage der Artenvielfalt. Wir reden vom Klonen von Lebewesen,
gleichzeitig gibt es den Gentechnik-Skandal, und immer mehr Spitzenköche
haben sich verpflichtet, keine gentechnisch manipulierten Lebensmittel
mehr in Restaurants zu verwenden. Besonders in Frankreich haben
wir eine sehr kritische Haltung gegnüber der Gentechnik. Sie sehen
hier, liebe Landfrauen, Sie sind am Puls der Zeit. Sie sind diejenigen,
die vor Ort arbeiten, Sie sind diejenigen, die neue Konzepte voran-
und die Diskussion in Gang bringen können. Sie sind diejenigen,
die Sozialarbeit machen, die die Gartenarbeit machen, die die Erwerbstätigkeit
machen, die Produkte aus der Region schöpfen, die die Vermarktung
organisieren. Sie sind im Prinzip die Keimzelle für unsere zukünftige
Gesellschaft. Packen Sie es an.
So können sowohl Holzschnitzel als auch Stroh als
auch, wie gesagt Biogasanlagen, einen Teilaspekt liefern, CO2-frei,
zukünftige Energieversorgung sicherzustellen. Im Rahmen des Programms
zur Markteinführung biogener Treib- und Schmierstoffe sind für das
kommende Jahr 20 Millionen eingeplant. Das ein ganz wichtiger Punkt.
Rapsöl, Rapsdiesel, Biodiesel wird konkurrenzfähig, da wesentlich
preiswerter ist als der Opecdiesel und gerade im Einsatz innerhalb
der Landwirtschaft auch höchst interessant, weil wesentlich unproblematischer,
als wenn Mineralöl in der Landschaft landen. Tierschutz. Auch das
ein wichtiger Punkt für die Akzeptanz. Dabei ist der Tierschutz
jedoch häufig nicht im nationalen Alleingang, sondern nur auf europäischer
Ebene möglich. Ich denke über die Debatte der Schlachtviehtransporte
ist das sehr deutlich geworden, wo sich die Bundesrepublik immer
für maximal 8stündige Transporte eingesetzt hat und im übrigen auch
als Landesregierung zum Beispiel in Niedersachsen war das so, wieder
dezentrale Schlachthöfe unterstützt hat, die kurze Wege möglich
machen. Ein weiterer wichtiger Punkt, der Verbraucherschutz. Er
braucht stärkere Beachtung. Ein hohes Schutzniveau hat in jedem
Fall Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen, denn nur wenn sich
die Verbraucher sicher fühlen und davon überzeug sind, dass das
was sie kaufen gesund und qualitativ hochwertig ist, ist er oder
sie auch bereit, für höhere Qualität einen angemessenen Preis zu
zahlen. In diesem Zusammenhang ist auch deren Fleischetikettierung
zu sehen. Seit dem 1. September dieses Jahres gelten hier EU-weite
Regeln. Anhand der Etikettierung erkennt der Verbraucher, die Verbraucherin,
in welchem Land das jeweilige Tier geschlachtet und zerlegt wurde.
Eine Referenznummer ermöglicht es zusätzlich, das Fleisch bis zum
einzelnen Tier oder einer Gruppe von Tieren zurückzuverfolgen. Der
Deutsche Bundestag hat ein Gesetz zur Angabe von Geburts- und Mastort
bereits verabschiedet. Leider hat eine Mehrheit der Bundesländer
diesen Gesetzentwurf noch nicht zugestimmt und ihn zur Einigung
in den Vermittlungsausschuss überwiesen, so dass dieses nicht am
1. September in Kraft treten konnte. Zur ganzen Diskussion über
die Agenda 21 gehört natürlich auch, wie sich der Weltagrar entwickelt.
Zahlreiche Fachleute gehen davon aus, dass die Nachfrage nach wichtigen
Agrarprodukten längerfristig weltweit steigen wird. Die Zahl, die
Gründe dafür liegt auf der Hand. Die Zahl der Menschen auf unserer
Erde wird sich weiter erhöhen. Die Vereinten Nationen gehen davon
aus, dass die Weltbevölkerung bis 2010 auf rund 7 Milliarden Menschen
anwachsen wird. Bedingt durch das wirtschaftliche Wachstum vor allem
in Asien und Lateinamerika wird auch Kaufkraft weltweit steigen.
Sie wird zusammen mit dem anhaltenden Verstädterungsprozess in vielen
diesen Ländern dafür sorgen, dass weltweit die Nachfrage nach veredelten
Nahrungsmitteln und nach Futtermitteln zunehmen wird. Die FAO rechnet
bis 2010 damit, dass die Nachfrage jährlich um knapp 2 % steigen
wird. Da die Entwicklungsländer jedoch nicht in der Lage sein werden,
diesen Zuwachs aus eigener Produktion zu decken, wird der Welthandel
mit Agrarprodukten zunehmen. Auch wenn im Moment diese Entwicklung
scheinbar der Forderung nach der regen neuen Zuordnung widerspricht.
Wenn wir davon ausgehen, dass deutsche Landwirte, die immer effizienter
wirtschaften, mit all den oben skizzierten Problemen, auch auf diesem
internationalen Feld teilnehmen werden in Zukunft, muss in der Welthandelsrunde
die Voraussetzung dafür geschaffen werden. Diese Behandlung in der
WTO werden schwierig werden, denn klar ist, die Handelspartner in
anderen Ländern wollen einen weitgehenden Abbau von Exportbeihilfen,
Einkommenshilfen und Einfuhrzahlen. Dieses ist natürlich etwas bigott,
denn die Amerikaner, die besonders die Agrarpolitik der EU kritisieren
und bereits zur Frage von Turbokühen und Eurobananen Prozesse gegen
die Europäische Union angestrengt haben und innerhalb der WTO haben
ihre Direktzahlungen an die Farmer in den USA seit 1996 versiebenfacht.
Klar ist aber auch, wir werden in der Bundesrepublik uns nicht einer
weiteren Liberalisierung des Agrarhandels entziehen können. Wichtig
ist, dass wir dafür die Eckpunkt mitsetzen. Die Liberalisierung
darf nicht zu Lasten der Umwelt, des Tierschutzes und ganz wichtig,
der Attraktivität und Vielfalt unserer ländlichen Räume gehen. Da
sind wir beim entscheidenden Punkt: Wir brauchen dort eben auch
die den Räumen angepasste Landwirtschaft. Ich erinnere mich an einen
Besuch mit meinem Vater in Mecklenburg-Vorpommern vor wenigen Jahren,
zwei, drei Jahren, in dem er mit Traurigkeit berichtete, dass zu
seiner Kindheit, er kommt aus Karlsbad, die ganzen Gebiete lediglich
Weideflächen waren. Sowohl für Kühe als auch für Pferde. Jetzt wurden
dort wegen der EU-Politik, vorwiegend Marktfrüchte angebaut. Was
war im April, hatten wir Verwehungen auf den Straßen durch abgetragenen
Boden, durch Bodenerosionen wie in der Wüste Sahara. Man konnte
teilweise Straßen nicht passieren, weil sich natürlich in Mecklenburg-Vorpommern
in weiten Teilen Sandboden befindet, der durch eine Weidewirtschaft
festgehalten wird. Durch Marktfrüchte, die im April nicht wachsen,
natürlich verwehen kann. Das kann nicht das Ziel sein. Wenn wir
wieder zurückkommen zu der Frage und zu der Forderung der meisten
Bürgerinnen und Bürger, sie wollen wissen, wo ihre Lebensmittel
herkommen und am liebsten hätten sie sie aus der Region, dann ist
die Frage, wie kann man das bewerkstelligen, ohne dass die Doppelt-
und Dreifachbelastung für die Landwirte noch höher wird und die
besonders sie, als Landfrauen, noch höher wird, als sie schon ist.
Natürlich gibt es heute schon sehr viel Eigenvermarktung auf Bauernmärkten
und Hofläden, aber wir sehen in Ländern wie Dänemark oder Niederlanden,
dass gute Vermarktungsstrukturen auch ein herausragender Standortvorteil
sind. Da sind wir in Deutschland einfach noch Kreisklasse. Wir müssen
heute viel stärker nur weniger als die Produktion den Gesamtkreislauf
eines Produktes mitbetrachten. Das heißt wir brauchen auch mehr
Kooperation, mehr Integration und mehr Zusammenarbeit in qualitätsorientierten
Verbundssystemen. Solche Gemeinschaften, die auch die konsequente
Kundenorientierung mit beinhalten, da Vermarktung auch gerade für
die Nachhaltigkeitsstrategie auch innerhalb der Bundesrepublik,
das heißt auch die Umsetzung der Agenda 21 und der Beschlüsse von
Rio, ein wichtiger Punkt sind, gibt es auch zwei Marktbereiche,
die für die Verbraucher immer wichtig werden und die künftig auch
deshalb besonders von der Bundesregierung besonders unterstützt
werden sollen. Das eine ist der ökologische Landbau, das zweite
ist die regionale Vermarktung. Der ökologische Landbau hat gerade
hier in Baden-Württemberg schon einen wesentlichen größeren Anteil
gewonnen, weil er auch in kleinteiligeren Einheiten zu leisten ist.
Geschlossene Nährstoffkreisläufe, Verzicht auf chemisch-synthetische
Dünge- und Pflanzenschutzmittel erfüllen das Prinzip Nachhaltigkeit
im wesentlichen intensiver als andere Betriebe. Deshalb sollen auch
die Betriebe besonders unterstützt werden durch auch den Erlass
eines nationalen Ökolandbaugesetztes zur Ergänzung der EG-Ökoverordnung,
aber auch da die Produktion und Vermarktung zu verbessern und die
den Aufbau eines Forschungsinstitutes für ökologischen Landbau zu
ergänzen. Deshalb brauchen wir auch entsprechende Erzeugerzusammenschlüsse
beim ökologischen Landbau, denn nur dann bekommen wir Erzeugnisse
des ökologischen Landbaus auch in den Einzelhandel, zu den Verbraucher.
Denn nicht jeder hat in der Nähe eine Großstadt mit einem aktiv
funktionierenden Ökomarkt oder eine gut funktionierende Naturkostkette.
Auch die Förderung und Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte
soll es neue Fördermöglichkeiten, gerade für Erzeugerzusammenschlüsse
und für Investitionen und da sind sie eben auch besonders gefordert,
denn die Landfrauen haben sich schon, ich weiß das aus Niedersachsen,
eben besonders hervorgetan, auch die regionale Vermarktung, die
regionalen Märkte, aber auch zusätzliche Aktivitäten im ländlichen
Raum aufzubauen, sind bislang nicht ausreichend unterstützt worden.
So weiß ich zum Beispiel von unseren Landfrauen, dass sie einen
regionalen Partyservice eingerichtet haben, dass sie vielfältige
Aktionen zur Direktvermarktung im Gesamtverbund durchführen, dass
sie Kaffee´s einrichten und die Touristen im ländlichen Raum eben
viel intensiver in ihre Arbeit mit einbinden, durch Führung, durch
Öffnung der Höfe und durch attraktive Programme. All das passt natürlich
sehr gut in ihren Schwerpunkt 2000, 2001, eine Kulturlandschaft,
Dialog zwischen Natur, Ernährung und Gesellschaft. Wenn Menschen
wissen, wie Produkte hergestellt werden, welche Mühe damit verbunden
ist und einen Bezug dazu bekommen, dann zahlen sie vielleicht auch
eben mehr als das Batterienei für 15 Pfennig. Auch die Zusammenarbeit
mit Vertriebsorganisationen sind ein dabei ein wichtiger Punkt.
Ich denke die Frage des Tourismus wird auch insgesamt
noch unterstützt. Es hat auch ein pädagogisches Element, denn nur
das, was wir kennen, können wir lieben. Das was wir lieben, könne
wir schützen. Wie wichtig zum Beispiel auch die Schulausflüge in
Musterbauernhöfen sind oder eben Begegnungen mit Tieren auf dem
Lande zeigen immer wieder die Erfahrungen von Stadtkindern, für
die Kühe immer noch lila sind oder die mehr Automarken kennen als
Pflanzennamen. Meine kleine Tochter geht in den Waldkindergarten
und hat eine ganz andere Beziehung zur Natur. Einfach dadurch, dass
sie vier Stunden am Tag durch den Wald stampft. Sie läuft ganz anders,
sie bewegt sich ganz anders, aber sie kennt auch die Pflanzen und
Tiere und sie empört sich über jeden, der eine Zigarette oder ein
Taschentuch in den Wald wirft, ohne dass jeder gezeigt hat oder
gesagt hat oder indogtriniert hat, sondern einfach, weil sie den
Wald erlebt und deshalb auch da die Aufgabe, die zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten
in der Landwirtschaft zu nutzen, sich zu öffnen. Ich weiß, dass
sie das hier in Baden-Württemberg schon viel stärker tun als bei
uns in Niedersachsen, wo die Zurückgezogenheit doch etwas stärker
verbreitet ist. Doch wo geht das alles hin? Wir stellen fest, die
Weltentwicklung geht in größere Höfe. Ost-West-Unterschied sieht
man ganz deutlich. Der Einkommensgrad in den östlichen Landwirtschaften
ist größer durch größere Einheiten als in den kleinen, zum Teil
aber auch spezialisierten Einheiten, die dann doch ganz gut zurecht
kommen. In Westdeutschland wahrscheinlich müssen wir die Zukunft
der Arbeit insgesamt neu bedenken. Wenn wir uns vorstellen, dass
die Menschen trotz Allergien immer älter werden, gleichzeitig immer
in der Erwerbsgesellschaft immer mehr durch Vorruhestand immer früher
in Rente gehen, wäre zu fragen, ob wir nicht insgesamt die Kenntnisse
und Fähigkeiten der Bürgerinnen und Bürger vollkommen falsch einschätzen
und auch uns Probleme dadurch selber kreieren, die wir vermeiden
könnten. Wenn wir uns vorstellen, dass wir in wenigen Jahren mehr
ältere Menschen oder mehr Menschen über 60 als Kinder haben (mal
nachprüfen, ob das nicht heute schon ist) dann stellt sich die Frage,
ob nicht das Modell sozusagen Kindergartenschule, lange Ausbildungszeit,
relativ kurze Berufstätigkeit und langer Ruhestand einfach schlicht
falsch ist und wir dieses gesellschaftlich neu diskutieren müssen.
Müssen wir nicht zu allen Ebenen unserer Gesellschaft eine Beziehung
bekommen und im Prinzip unsere gesellschaftliche Arbeitszeit in
drei Teile teilen? Das heißt, ein Drittel Sozialtätigkeit (das schließt
die auch heute ehrenamtlichen Tätigkeiten ein, die das Engagement
in der Jugendfeuerwehr, im Sportverein, in der Kirchengemeinde,
beinhalten. Diese Tätigkeiten müssen in der Akzeptanz und in der
Wertigkeit sich genauso niederschlagen wie die Pflege von alten
hilfsbedürftigen Menschen. Ein zweites Drittel kann der tatsächlich
traditionellen Erwerbstätigkeit dienen. Das dritte Drittel sollte
im Prinzip wieder wegkommen von der großräumigeren Landwirtschaft
zur kleinräumiger Gartenkultur. Menschenwürdiges Zusammenleben geht
nur mit Erhalten von Artenvielfalt.
In China kann man sehen, dass es möglich war Bevölkerungsdichten
die viel größer waren, als die zum Beispiel in den Niederlanden,
wo Jahrtausende mit kleinräumigen Gartenkulturen erhalten haben.
Allerdings sind dort auch alle Stoffe in Kreisläufen betrachtet
worden. So geht es eben nicht, dass wir Soja importieren, das in
anderen Ländern als Nahrungsmittel dringend benötigt wird und die
Hälfte allen Fischfangs weltweit findet statt damit unser Geflügel
billig gefüttert werden kann und gleichzeitig hungern Menschen in
Peru und viele weil vor ihrer Küste keine Fische mehr sind. Sie
kennen auch die Debatte über die Ausbindung von Klärschlamm. Klärschlamm
hat Grenzwerte weil sie nicht mehr auf Felder ausgebracht werden
dürfte, aber es gibt durchaus Düngemittel, wie zum Beispiel die
Phosphatdüngemittel, wo Cadmiumgehalte wesentlich höher bis zu 20
mal höher, als in vielen Klärschlämmen sind.
Das heißt, das Cadmium kommt über die Phosphatdüngemittel
hinterher in den Klärschlamm und ist durch den Phosphatdüngemittel
cadmiumbelastet und wird dann als Klärschlamm nicht mehr in die
Landwirtschaft gehen. Das ist keine Kreislaufwirtschaft im engräumigen
Sinne, dabei würde es nur Pfennigbeträge kosten, das Cadmium aus
den Düngemitteln herauszufiltern. Wir haben auch keine Grenzwerte
für Urane und anderen Radioaktive Elemente in Düngemitteln, es wird
vielmehr Uran durch Phosphatdüngemittel abgebaut, als weltweit in
Atomanlagen eingesetzt wird. Dadurch erhöht sich die Hintergrundbelastung,
dadurch haben wir auch ein Problem mit Leukämiefällen wo bei vielen
immer noch nicht geklärt werden kann, woher die Leukämie kommt.
Ein Drittel unserer jetzigen beruflichen Tätigkeiten sind alleine
auf die Reparatur von Zerstörung angewiesen. Jeder der einen Autounfall
verursacht und das sind etliche, wenn wir überlegen, dass wir immer
noch etwa 10.000 Tote und 500.000 Verletzte bei Autounfällen in
der Bundesrepublik haben, die Arbeit schaffen. Und dann die Frage
der Artenvielfalt. Wir reden vom Klonen von Lebewesen gleichzeitig
gibt es den Gentechnik-Skandal und immer mehr Spitzenköche haben
sich verpflichtet, keine gentechnischen Lebensmittel mehr in Restaurants
zu verwenden. Besonders in Frankreich haben wir eine sehr gentechnisch-kritische
Haltung. Sie sehen hier liebe Landfrauen sie sind am Puls der Zeit.
Sie sind diejenigen, die vor Ort arbeiten, sie sind diejenigen die
neue Konzepte voranbringen aber auch die Diskussion in Gang bringen
können. Sie sind diejenigen die Sozialarbeit machen, die die Gartenarbeit
machen, die die Erwerbstätigkeit machen, die Produkte aus der Region
schöpfen, die die Vermarktung organisieren. Sie sind im Prinzip
die Keimzelle für unsere zukünftige Gesellschaft. Packen Sie es
an.