ÜBERSICHT: Berliner Themen > Reden und Vorträge

Reden und Vorträge
Mittwoch, 25. Oktober 2000
 

zur vorherigen Seite Seite 1/1

Hauptreferat zum Leitthema "Mensch und Natur"
in Schwäbisch Hall beim Landfrauenverband Württemberg-Baden e.V.

Anrede,

"Der Planet Erde existiert seit etwa 4 6000 000 000 Jahren. Bringt man diesen unvorstellbaren Zeitraum in eine verständliche Größenordnung, dann läßt sich die Erde mit einem 46 Jahre alten Mann vergleichen! Vor den ersten sieben Jahren seines Lebens ist nichts bekannt. Während es lediglich bruchstückhafte Informationen über den mittleren Abschnitt gibt, wissen wir, dass die Erde erst im Alter von 42 Jahren zu blühen begann. Die Dinosaurier und die großen Reptilien tauchten gerade erst vor einem Jahr auf, als der Mensch 45 war. Die Säugetiere erschienen erst vor acht Monaten, Mitte vergangener Woche verwandelten sich die menschenähnlichen Affen in affenähnliche Menschen, und letztes Wochenende überzog die Eiszeit die Erde.

Den heutigen Menschen gibt es gerade seit vier Stunden. Währen der vergangenen Stunde hat er den Ackerbau erlernt, und vor einer Minute begann die industrielle Revolution. Während dieser sechzig Sekunden ist es dem heutigen Menschen gelungen, aus einem Paradies eine Abfallgrube zu machen. Er hat sich beriets so stark fortgepflanzt, dass Nahrung und Lebensräume knapp werden, er hat das Aussterben unzähliger Tier- und Pflanzenarten verursacht, den Planten auf der Suche nach Brennstoff heimgesucht und steht jetzt wie ein dummes Kind vor den entsetzlichen Auswirkungen seines kometenhaften Aufstiegs, am Rande eines Krieges zur Beendigung aller Kriege und vor der wirkungsvollen Vernichtung dieser Oase des Lebens im Sonnensystem. Bis Ende des Jahrhunderts wird eine Art pro Stunde ausgerottet werden."

Samstag 21.10.2000 "Genmais löst Lebensmittelskandal in den USA aus. Deutsch-französischer Konzern Adventis muss Produkte zurückrufen. 100 Millionen Dollar Schaden. Schadenersatzklagen drohen. Europa nicht betroffen. US-Affäre um Genmais weitet sich aus. Tausende Tonnen von Hersteller hat Aventis offenbar in Popcorn, Chips und Müsli verarbeitet." Das war die Titelgeschichte der Welt vom letzten Wochenende.

Und weiter die Presse: "Lebensmittel gehen aus. 32 Tausend Menschen werden evakuiert. Schlammflut. Klimaforscher warnt - auch für Deutschland nimmt das Risiko zu. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und der Klimaerwärmung?" So eine ganze Seite "Deutschland und die Welt" in der Bild-Zeitung am 18. Oktober 2000. Hingegen die besinnliche FAZ am 18. Oktober 2000 "Wie sich die Fronten zwischen Kulturalismus und Naturalismus verändern".

Über das Verhältnis von Mensch und Natur in der Neuzeit herrscht inzwischen akademischer Konsens. Die sentimentalische Anschauung, die Natur als Ort der Ursprünglichkeit und Totalität begreift, begann sich im 16. Jahrhundert durchzusetzen. Als Gegenbewegung zur Verstädterung und Industrialisierung wurde die Natur zur Projektionsfläche von Reinheit und Ursprünglichkeit.

Aber: Überschwemmung nicht nur in Italien, sondern auch in den USA, im letzten Jahr in Polen, im Oderbruch, in Bangladesch, aber auch in Bayern. Bodenerosion als Folge und Ursache von Lawinenunglücken, Schlamm - und Geröll-Lawinen in den Bergregionen der Schweiz und Spaniens, aber auch Bodenerosionsprobleme in Norddeutschland oder in Russland - die Folgen der Umweltzerstörung kommen immer näher., es wird immer deutlicher, welche Folgen es hat, dass wir 5000 mal mehr Boden nutzen, als sich neu bilden kann.

Sie alle, die in der Landwirtschaft arbeiten, kennen die wirtschaftlichen Probleme, die Sie durch wenige BSE-Fälle bekommen haben. Aber auch andere Phänomene zeigen sich, die mittel - oder längerfristig gravierende Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft haben werden. So hat sich die Fruchtbarkeit von männlichen Samenzellen um die Hälfte reduziert. Die Folge ist, dass sich inzwischen 20 kinderlose Ehepaare um eine mögliche Adoption bewerben. Eine eigene Enquête Kommission beschäftigt sich mit dem demographischen Wandel, der durch diesen Rückgang der Geburtenrate und durch die höhere Lebenserwartung bedingt ist. Und was die höhere Lebenserwartung angeht: Die Menschen leben zwar länger, aber die Allergieerkrankungen nehmen zu.

Jeder Dritte leidet heute unter Heuschnupfen oder unter anderen Immunschwächenkrankheiten oder Allergiekrankheiten. Die Hauptkrankheit bei Kindern ist heute, neben Neurodermitis, die Asthmaerkrankung. Solche Immunschwäche- und Allergiekrankheiten werden unter anderem auch durch genveränderte Organismen hervorgerufen, die zum Beispiel Nuss-Gene enthalten. Hinzu kommt als Ursache aber auch noch, dass ein Drittel des Grundwassers der Bundesrepublik zu hohe Nitratwerte aufweist, und auch bei der Verwendung von nicht mehr erlaubten Pestiziden wie zum Beispiel Atrazin, die ebenfalls das Grundwasser schädigen, sehen wir erst die Spitze des Eisberges.

All das ist dem Verbraucher vielleicht nicht in allen Einzelheiten bekannt, führt aber in seiner Gesamtheit zu einem diffusen Gefühl der Bedrohung. Die Konsequenz erleben Sie in Ihrer täglichen Arbeit: Nach einer Studie der Fachhochschule Paderborn möchten 95 % der VerbraucherInnen Nahrungsmittel kaufen, die aus ihrer Region stammen oder von denen sie wissen, woher sie kommen. Zu diesem Bedürfnis passt natürlich überhaupt nicht, dass nach einer Studie des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt, Energie ein Joghurt 5.800 Kilometer zurückgelegt hat, bevor er bei dem Verbraucher auf dem Frühstückstisch steht. In diesen Kilometerzahlen sind die Mengen für die Materialien des Bechers und für die einzelnen Zutaten, wie Früchte, Zucker und Milch, zusammengefasst.

Das alles führt dazu, dass Sie täglich erleben, dass es veränderte Anforderungen an die Landwirtschaft gibt. Landwirtschaft ist heute nicht nur mehr Nahrungsmittel- und Rohstoffproduktion. Eines der Ziele der Ernährungspolitik ist seit Jahrzehnten "eine sichere Versorgung der Verbraucher mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zu angemessenen Preisen". Die sichere Versorgung ist gewährleistet, ebenso die angemessenen Preise. Nahrungsmittel produziert unsere Landwirtschaft heute reichlich. Bei vielen landwirtschaftlichen Produkten ist sogar die Sättigungsgrenze erreicht, jedenfalls auf dem Binnenmarkt der Europäischen Union, die immer noch 75 % unseres Marktgeschehens darstellt. Und die Bevölkerung wächst kaum noch - im Gegenteil, sie geht eher zurück. Menschen können sich auch nicht mehr als satt essen. Selbst der Wohlhabendste schafft nicht mehr als zwei Steaks am Tag. Nachfragezuwächse bei wichtigen Agrarprodukten halten sich meistens im Bereich von weniger als einem halben Prozent. Wichtiger werden dagegen andere Aufgaben der Landwirtschaft, die insgesamt die Kulturräume des ländlichen Bereichs betreffen. Die Menschen wollen gesunde, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel, von denen sie wissen, wo sie und wie sie erzeugt worden sind.

Dazu gehört eine umweltschonende und tierartgerechte Erzeugung. Sie ist damit in den Blickpunkt gerückt. Ebenso die Schonung der Ressourcen Wasser, Boden, Luft und Energie. Die Menschen in unserem dichtbesiedelten Europa wollen eine intakte, abwechslungsreiche Landschaft. Sie wollen die Vielfalt wildlebender Tier- und Pflanzenarten erhalten, wissen und erleben. Deshalb ist die multifunktionale Landwirtschaft für all das ein gängiger Begriff geworden. "Multifunktionalität" steht dabei in einem engen Zusammenhang mit dem Begriff der "Nachhaltigkeit". Übrigens ein junger Begriff für eine alte Tradition in der Landwirtschaft. Das Ziel der Landwirte, die früher noch auf wenigen Hektar wirtschafteten - zum Beispiel konnte mein Großschwiegervater auf 2,6 Hektar hier im Hohenloheschen elf Kinder großziehen - war den Betrieb wohlbehalten, schuldenfrei, gut bewirtschaftet und genügend ausgestattet, den nachfolgenden Generationen zu übergeben. Mit 2,6 Hektar können heute aber die Landwirte nicht mehr leben. Das heißt, es kommt eine Tendenz dazu, zu immer größeren Einheiten, die natürlich auch gleichzeitig zur Vereinzelung der Landwirte führt. Ich kenne bei uns aus dem Bereich Lüchow-Dannenberg, wo die Rundlinge sehr bekannt sind, Dörfer, wo nur noch ein einziger Landwirt wohnt, der überhaupt keine Möglichkeit hat, sich mal eben auch mit einem Nachbarn oder einem Kollegen auszutauschen. Psychoprobleme auch in der Landwirtschaft sind die Konsequenz. Darüber hinaus stehen die in der Bundesrepublik erzeugten Produkte im Wettbewerb mit denen anderer nationaler und internationaler Erzeuger. Auch wenn die regionalen Stoffkreisläufe, die Zielperspektive sind, die sich die von der Fachhochschule Paderborn befragten Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen, der Strukturwandel ist in vollem Gange und hat zur Folge, dass eben nicht jeder Hof als Betrieb auf die nachfolgende Generation der eigenen Familie übergeht, sondern inzwischen schon ein Drittel gerade der kleineren und mittleren Landwirtschaft aufgegeben hat.

1992 hat in Rio de Janeiro eine internationale Konferenz mit über 170 Staaten stattgefunden. Es wurde eine gemeinsame Erklärung, die Agenda 21, unterschrieben. Zitat: "die Menschheit steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte wir erleben eine zunehmende Ungleichheit zwischen Völkern und innerhalb von Völkern eine immer größere Armut immer mehr Hunger, Krankheit und Analphabetentum sowie eine fortschreitenden Schädigung der Ökosysteme von denen unser Wohlergehen abhängt. Durch eine Vereinigung von Umwelt und Entwicklungsinteressen und ihre stärkere Beachtung kann es uns jedoch gelingen die Deckung des Grundbedürfens, die Verbesserung des Lebensstandart aller Menschen, einen größeren Schutz und bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte, gedeihliche Zukunft zu gewährleisten. Das vermag keine Nation allein zu erreichen während es gemeinsam gelingen kann in einer globalen Partnerschaft die auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist." (Aus der Agenda 21 von der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro. Agenda 21, nicht gleich Agenda 2000 der Europäischen Union.)

Die Agenda 21 soll also dazu führen, dass eben nicht nur die Menschen in Industrieländern und Gegenwart, sondern auch die Menschen in anderen Ländern und Zukunft leben können, aber dass auch alle Lebensbereiche integriert werden. Die Themen der Konferenz: "Mensch und Natur". "Kulturlandschaft. Dialog zwischen Natur, Ernährung und Gesellschaft". "Haushalten mit Energie" und "Mobilität auf neuen Wegen" bezeichnen wichtige Projekte in dem Konzept der Agenda 21. Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt mit seinem Konzept zur Nachhaltigkeitsstrategie die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft.

Ein Beitrag - ein Diskussionsbeitrag. Wenn die Landwirtschaft aber auch diesen Beitrag leisten soll, braucht sie gesellschaftliche Akzeptanz. Ohne die gesellschaftliche Akzeptanz läuft Landwirtschaft Gefahr, Märkte durch Diskussionen über BSE, Nitrate in der Babynahrung oder Tiertransporte zu verlieren. Ohne gesellschaftliche Akzeptanz ist die Bevölkerung auch immer weniger bereit, der Landwirtschaft die Unterstützung zu kommen zu lassen, die sie benötigt und verdient, um auch die Kulturlandschaft, die Naturlandschaft, die Vielfalt unserer Bundesrepublik zu erhalten. Viele Landwirte haben Umweltschützer, Verbraucherschützer, oder zum Beispiel als mich Greenpeacerin oder als Umweltministerin als überzogen oder unrealistisch charakterisiert. Aber ich glaube, die Landwirtschaft muss sich damit auseinandersetzen. Der Status Quo ist in vielen Fällen ein ungeeigneter Ansatz, um in Zukunft Rückhalt in der Bevölkerung für die Unterstützung der Agrarwirtschaft zu bekommen. Deshalb ist im Zuge der Diskussion um die Nachhaltigkeitsstrategie auch ein wichtiges Ziel die Verbesserung der Umweltverträglichkeit. Dazu gehört natürlich auch, den Ausbau von Instrumenten und Dienstleistungen der Landwirte in Umwelt und Naturschutz zu honorieren. Zum Beispiel - gerade, wenn wir die Ökosteuerdebatte erleben, gerade wenn wir die hohen Dieselpreise erleben, gerade wenn wir den Ausstieg aus der Atomenergie diskutieren, ist die Produktion und die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen ein weiteres Standbein, das neben der Sättigung durch Nahrungsmittel, wie ich sie am Anfang beschrieben habe, eine wichtige Rolle spielt. Ein konkretes Beispiel: Im Rahmen des Markteinführungsprogramms erneuerbarerer Energien sind die Fördermittel von 20 auf 200 Millionen aufgestockt worden. In diesem Zusammenhang ist es auch ganz wichtig, Biomasseverbrennungs- und Biogasanlagen zu fördern. So können sowohl Holzschnitzel als auch Stroh als auch, wie gesagt, Biogasanlagen zu einer zukünftigen, CO2-freien Energieversorgung beitragen. Im Rahmen des Programms zur Markteinführung biogener Treib- und Schmierstoffe sind für das kommende Jahr 20 Millionen eingeplant. Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Rapsöl, Rapsdiesel, Biodiesel wird konkurrenzfähig, da wesentlich preiswerter als OPEC -Diesel. Und gerade im Einsatz innerhalb der Landwirtschaft ist dieser Treibstoff auch höchst interessant, weil seine Verwendung wesentlich weniger Probleme verursacht, als wenn Mineralöl die Landschaft verunreinigt.

Ein weiterer wichtiger Punkt, neben dem Landschaftsschutz, ist der Tierschutz. Auch er schafft die Akzeptanz, die die Landwirtschaft benötigt. Dabei ist der Tierschutz jedoch häufig nicht im nationalen Alleingang, sondern nur auf europäischer Ebene möglich. Ich denke, bei der Debatte um Schlachtviehtransporte ist das sehr deutlich geworden, wo sich die Bundesrepublik immer für maximal 8stündige Transporte eingesetzt hat. Und wo im übrigen die Bundesregierung wie etwa auch die Landesregierung in Niedersachsen wieder dezentrale Schlachthöfe unterstützt hat, die kurze Wege möglich machen. Ein weiterer wichtiger Punkt: der Verbraucherschutz. Er braucht stärkere Beachtung. Ein hohes Schutzniveau hat in jedem Fall Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen, denn nur wenn sich die Verbraucher sicher fühlen und davon überzeugt sind, dass die angebotenen Produkte gesund und qualitativ hochwertig sind , dann sind sie auch bereit, für höhere Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen. In diesem Zusammenhang ist auch die Fleischetikettierung zu sehen. Seit dem 1. September dieses Jahres gelten hier EU-weite Regeln. Anhand der Etikettierung erkennt der Verbraucher oder die Verbraucherin, in welchem Land das jeweilige Tier geschlachtet und zerlegt wurde. Eine Referenznummer ermöglicht es zusätzlich, das Fleisch bis zum einzelnen Tier oder einer Gruppe von Tieren zurückzuverfolgen. Der Deutsche Bundestag hat ein Gesetz zur Angabe von Geburts- und Mastort bereits verabschiedet. Leider hat eine Mehrheit der Bundesländer diesem Gesetzentwurf noch nicht zugestimmt und ihn zur Einigung in den Vermittlungsausschuss überwiesen, so dass dieses nicht am 1. September in Kraft treten konnte. Ebenfalls zum Bereich des Verbraucherschutzes zählt im übrigen auch noch die Frage der Gentechnik, die ich zu Beginn bereits angesprochen habe. Hier müssen wir neben der Diskussion um das Thema Allergien und Immunschwäche auch noch eine ethische Debatte führen: In Polen werden jetzt menschliche Gene in Karpfen eingesetzt. Diese entwickeln sich zu Monsterkarpfen, vor deren Verzehr sich die Frage stellt: Wo fängt Kannibalismus an? Wieviel menschliche Anteile braucht es dazu - 1%, 0,5%?

Zur ganzen Diskussion über die Agenda 21 gehört natürlich auch, wie sich der Weltagrarmarkt entwickelt. Zahlreiche Fachleute gehen davon aus, dass die Nachfrage nach wichtigen Agrarprodukten längerfristig weltweit steigen wird. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Zahl der Menschen auf unserer Erde wird sich weiter erhöhen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis 2010 auf rund 7 Milliarden Menschen anwachsen wird. Bedingt durch das wirtschaftliche Wachstum vor allem in Asien und Lateinamerika, wird auch die Kaufkraft weltweit zunehmen. Sie wird zusammen mit dem anhaltenden Verstädterungsprozess in vielen dieser Länder dafür sorgen, dass weltweit die Nachfrage nach veredelten Nahrungsmitteln und nach Futtermitteln zunehmen wird. Die FAO rechnet damit, dass die Nachfrage bis 2010 jährlich um knapp 2 % steigen wird. Da die Entwicklungsländer jedoch nicht in der Lage sein werden, diesen Zuwachs aus eigener Produktion zu decken, wird der Welthandel mit Agrarprodukten zunehmen. Auch wenn im Moment diese Entwicklung scheinbar der Forderung nach einer regionalen Landwirtschaft widerspricht. Aber wenn wir davon ausgehen, dass deutsche Landwirte, die immer effizienter wirtschaften, mit all den oben skizzierten Problemen, auch auf diesem internationalen Feld teilnehmen werden in Zukunft, muss in der Welthandelsrunde die Voraussetzung dafür geschaffen werden. Diese Verhandlungen in der WTO werden schwierig werden, denn klar ist, die Handelspartner in anderen Ländern wollen einen weitgehenden Abbau von Exportbeihilfen, Einkommenshilfen und Einfuhrzahlen. Dieses ist natürlich etwas bigott, denn die Amerikaner, die besonders die Agrarpolitik der EU kritisieren und bereits zur Frage von Turbokühen und Eurobananen Prozesse gegen die Europäische Union angestrengt haben innerhalb der WTO, haben ihre Direktzahlungen an die Farmer in den USA seit 1996 versiebenfacht. Klar ist aber auch, wir werden in der Bundesrepublik uns nicht einer weiteren Liberalisierung des Agrarhandels entziehen können. Wichtig ist, dass wir dafür die Eckpunkte mit setzen. Die Liberalisierung darf nicht zu Lasten der Umwelt, des Tierschutzes und, ganz wichtig, der Attraktivität und Vielfalt unserer ländlichen Räume gehen.

Da sind wir beim entscheidenden Punkt: Wir brauchen dort eben auch die den Räumen angepasste Landwirtschaft. Ich erinnere mich an einen Besuch mit meinem Vater vor zwei, drei Jahren Jahren in Mecklenburg-Vorpommern, als er mit Traurigkeit berichtete, dass zu seiner Kindheit, er kommt aus Greifswald, die ganzen Gebiete lediglich Weideflächen waren. Sowohl für Kühe als auch für Pferde. Jetzt werden dort wegen der EU-Politik vorwiegend Marktfrüchte angebaut. Was war im April: Da hatten wir Verwehungen auf den Straßen durch abgetragenen Boden, durch Bodenerosionen wie in der Wüste Sahara. Man konnte teilweise Straßen nicht passieren, weil sich natürlich in Mecklenburg-Vorpommern in weiten Teilen Sandboden befindet, der durch eine Weidewirtschaft festgehalten wird, der aber beim Anbau von Marktfrüchten, die im April nicht wachsen, natürlich verwehen kann. Das kann nicht das Ziel sein.

Wenn wir wieder zurückkommen zu der Frage und zu der Forderung der meisten Bürgerinnen und Bürger, die wissen wollen, wo ihre Lebensmittel herkommen und die sie am liebsten aus der Region beziehen würden, dann ist stellt sich die Frage, wie man das bewerkstelligen kann, ohne dass die Doppelt- und Dreifachbelastung für die Landwirte noch höher wird und besonders Ihre Belastung, die Belastung der Landfrauen noch höher wird, als sie schon ist. Natürlich gibt es heute schon sehr viel Eigenvermarktung auf Bauernmärkten und Hofläden, aber wir sehen in Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden, dass gute Vermarktungsstrukturen auch ein herausragender Standortvorteil sind. Da sind wir in Deutschland einfach noch Kreisklasse. Wir müssen heute viel stärker den Gesamtkreislauf eines Produktes mitbetrachten. Das heißt, wir brauchen auch mehr Kooperation, mehr Integration und mehr Zusammenarbeit in qualitätsorientierten Verbundsystemen. Gemeinschaften also, die auch die konsequente Kundenorientierung mit beinhalten. Vermarktung ist auch gerade für die Nachhaltigkeitsstrategie -auch innerhalb der Bundesrepublik-, das heißt auch für die Umsetzung der Agenda 21 und der Beschlüsse von Rio, ein wichtiger Punkt, und es gibt zwei Marktbereiche, die für die Verbraucher immer wichtiger werden und die künftig auch deshalb besonders von der Bundesregierung besonders unterstützt werden sollen. Das eine ist der ökologische Landbau, das zweite ist die regionale Vermarktung. Der ökologische Landbau hat gerade hier in Baden-Württemberg schon einen wesentlichen größeren Anteil gewonnen, weil er auch in kleinteiligeren Einheiten zu leisten ist. Geschlossene Nährstoffkreisläufe, Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel erfüllen das Prinzip Nachhaltigkeit im wesentlichen intensiver als andere Betriebe. Deshalb sollen auch diese Betriebe besonders unterstützt werden, auch durch den Erlass eines nationalen Ökolandbaugesetztes zur Ergänzung der EG-Ökoverordnung, aber auch durch die Verbesserung der Produktion und Vermarktung und den Aufbau eines Forschungsinstitutes für ökologischen Landbau. Deshalb brauchen wir auch entsprechende Erzeugerzusammenschlüsse beim ökologischen Landbau, denn nur dann bekommen wir Erzeugnisse des ökologischen Landbaus auch in den Einzelhandel, zu den Verbrauchern. Denn nicht jeder hat in der Nähe eine Großstadt mit einem funktionierenden Ökomarkt oder einer gut funktionierenden Naturkostkette. Auch für die Förderung der Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte sollen neue Instrumente geschaffen werden, gerade für Erzeugerzusammenschlüsse und für Investitionen. Und da sind Sie eben auch besonders gefordert, denn die Landfrauen haben sich schon, ich weiß das aus Niedersachsen, eben besonders hervorgetan, auch die regionale Vermarktung, die regionalen Märkte, aber auch zusätzliche Aktivitäten im ländlichen Raum aufzubauen, und sie sind bislang nicht ausreichend unterstützt worden. So weiß ich zum Beispiel von unseren Landfrauen, dass sie einen regionalen Partyservice eingerichtet haben, dass sie vielfältige Aktionen zur Direktvermarktung im Gesamtverbund durchführen, dass sie Cafés einrichten und die Touristen im ländlichen Raum eben viel intensiver in ihre Arbeit mit einbinden, durch Führung, durch Öffnung der Höfe und durch attraktive Programme. All das passt natürlich sehr gut in Ihren Schwerpunkt 2000/2001: "Kulturlandschaft: Dialog zwischen Natur, Ernährung und Gesellschaft". Wenn Menschen wissen, wie Produkte hergestellt werden, welche Mühe damit verbunden ist, und wenn sie einen Bezug dazu bekommen, dann zahlen sie vielleicht auch eben mehr als die 15 Pfennig, die das Batterieei üblicher Weise kostet. Auch die Zusammenarbeit mit Vertriebsorganisationen ist dabei ein wichtiger Faktor. Ich denke die Frage des Tourismus wird auch insgesamt noch unterstützt. Es hat auch ein pädagogisches Element, denn nur das, was wir kennen, können wir lieben. Das was wir lieben, können wir schützen. Wie wichtig zum Beispiel auch die Schulausflüge in Musterbauernhöfe sind oder eben Begegnungen mit Tieren auf dem Lande, zeigen immer wieder die Erfahrungen von Stadtkindern, für die Kühe immer noch lila sind oder die mehr Automarken kennen als Pflanzennamen. Meine kleine Tochter geht in den Waldkindergarten und hat eine ganz andere Beziehung zur Natur. Einfach dadurch, dass sie vier Stunden am Tag durch den Wald stampft. Sie läuft ganz anders, sie bewegt sich ganz anders, aber sie kennt auch die Pflanzen und Tiere und sie empört sich über jeden, der eine Zigarette oder ein Taschentuch in den Wald wirft, ganz einfach, weil sie den Wald erlebt.

Deshalb auch da die Aufgabe, die zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten in der Landwirtschaft zu nutzen, sich zu öffnen. Ich weiß, dass sie das hier in Baden-Württemberg schon viel stärker tun als bei uns in Niedersachsen, wo die Zurückgezogenheit doch etwas stärker verbreitet ist. Doch wo geht das alles hin? Wir stellen fest, die Weltentwicklung geht in größere Höfe. Den Ost-West-Unterschied sieht man ganz deutlich. Der Einkommensgrad in den östlichen Landwirtschaften ist größer durch größere Einheiten als in den kleinen, zum Teil aber auch spezialisierten Einheiten, die dann doch ganz gut zurecht kommen. In Westdeutschland müssen wir wahrscheinlich die Zukunft der Arbeit insgesamt neu bedenken. Wenn wir uns vorstellen, dass die Menschen trotz Allergien immer älter werden, gleichzeitig durch Vorruhestand immer früher in Rente gehen, wäre zu fragen, ob wir nicht insgesamt die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bürgerinnen und Bürger vollkommen falsch einschätzen und auch uns Probleme dadurch selber kreieren, die wir vermeiden könnten. Wenn wir uns vorstellen, dass wir in wenigen Jahren mehr ältere Menschen oder mehr Menschen über 60 als Kinder haben, dann stellt sich die Frage, ob nicht das Modell Kindergarten,Schule, lange Ausbildungszeit, relativ kurze Berufstätigkeit und langer Ruhestand einfach schlicht falsch ist und wir dieses gesellschaftlich neu diskutieren müssen. Müssen wir nicht zu allen Ebenen unserer Gesellschaft eine Beziehung bekommen und im Prinzip unsere gesellschaftliche Arbeitszeit in drei Teile teilen?

Das heißt, ein Drittel Sozialtätigkeit (das schließt die auch heute ehrenamtlichen Tätigkeiten ein, die das Engagement in der Jugendfeuerwehr, im Sportverein, in der Kirchengemeinde, beinhalten); diese Tätigkeiten müssen in der Akzeptanz und in der Wertigkeit sich genauso niederschlagen wie die Pflege von alten hilfsbedürftigen Menschen. Ein zweites Drittel kann der traditionellen Erwerbstätigkeit dienen. Das dritte Drittel sollte im Prinzip wieder weg kommen von der großräumigeren Landwirtschaft zur kleinräumigen Gartenkultur.

Menschenwürdiges Zusammenleben ist nur möglich, wenn die Vielfalt der Arten erhalten bleibt. Auch das gehört übrigens zur Agenda 21. In China kann man sehen, dass es möglich war, viel höhere Bevölkerungsdichten als zum Beispiel in den Niederlanden über Jahrtausende mit kleinräumigen Gartenkulturen zu erhalten. Allerdings sind dort auch alle Stoffe in Kreisläufen betrachtet worden. Es geht eben nicht, dass wir Soja importieren, das in anderen Ländern als Nahrungsmittel dringend benötigt wird, und dass die Hälfte allen Fischfangs weltweit statt findet, damit unser Geflügel billig gefüttert werden kann, während gleichzeitig Menschen in Peru und in vielen anderen Ländern hungern, weil vor ihrer Küste keine Fische mehr sind.

Sie kennen auch die Debatte über die Ausbringung von Klärschlamm. Klärschlamm hat Grenzwerte, damit kein mit Schadstoffen belasteter Klärschlamm mehr auf Felder ausgebracht wird, aber es gibt durchaus Düngemittel, wie zum Beispiel die Phosphatdüngemittel, deren Cadmiumgehalt wesentlich höher - bis zu 20 mal höher- als in vielen Klärschlämmen ist. Das heißt, das Cadmium kommt über die Phosphatdüngemittel hinterher in den Klärschlamm, dieser ist durch die Phosphatdüngemittel cadmiumbelastet und wird dann als Klärschlamm nicht mehr in die Landwirtschaft gehen. Das ist keine Kreislaufwirtschaft im engräumigen Sinne, dabei würde es nur Pfennigbeträge kosten, das Cadmium aus den Düngemitteln herauszufiltern. Wir haben auch keine Grenzwerte für Urane und andere radioaktive Elemente in Düngemitteln, obwohl viel mehr Uran durch Phosphatdüngemittel abgebaut wird, als weltweit in Atomanlagen eingesetzt wird. Dadurch erhöht sich die Hintergrundbelastung, dadurch haben wir auch ein Problem mit Leukämiefällen, wo bei vielen immer noch nicht geklärt werden kann, woher die Leukämie kommt. Ein Drittel unserer jetzigen beruflichen Tätigkeiten ist alleine der Reparatur von Zerstörung gewidmet. Jeder, der einen Autounfall verursacht, und das sind etliche, wenn wir überlegen, dass wir immer noch etwa 10.000 Tote und 500.000 Verletzte bei Autounfällen in der Bundesrepublik haben, schafft Arbeit und steigert über die von ihm angerichtete Zerstörung das immer wieder beschworene Bruttosozialprodukt. Und dann die Frage der Artenvielfalt. Wir reden vom Klonen von Lebewesen, gleichzeitig gibt es den Gentechnik-Skandal, und immer mehr Spitzenköche haben sich verpflichtet, keine gentechnisch manipulierten Lebensmittel mehr in Restaurants zu verwenden. Besonders in Frankreich haben wir eine sehr kritische Haltung gegnüber der Gentechnik. Sie sehen hier, liebe Landfrauen, Sie sind am Puls der Zeit. Sie sind diejenigen, die vor Ort arbeiten, Sie sind diejenigen, die neue Konzepte voran- und die Diskussion in Gang bringen können. Sie sind diejenigen, die Sozialarbeit machen, die die Gartenarbeit machen, die die Erwerbstätigkeit machen, die Produkte aus der Region schöpfen, die die Vermarktung organisieren. Sie sind im Prinzip die Keimzelle für unsere zukünftige Gesellschaft. Packen Sie es an.

So können sowohl Holzschnitzel als auch Stroh als auch, wie gesagt Biogasanlagen, einen Teilaspekt liefern, CO2-frei, zukünftige Energieversorgung sicherzustellen. Im Rahmen des Programms zur Markteinführung biogener Treib- und Schmierstoffe sind für das kommende Jahr 20 Millionen eingeplant. Das ein ganz wichtiger Punkt. Rapsöl, Rapsdiesel, Biodiesel wird konkurrenzfähig, da wesentlich preiswerter ist als der Opecdiesel und gerade im Einsatz innerhalb der Landwirtschaft auch höchst interessant, weil wesentlich unproblematischer, als wenn Mineralöl in der Landschaft landen. Tierschutz. Auch das ein wichtiger Punkt für die Akzeptanz. Dabei ist der Tierschutz jedoch häufig nicht im nationalen Alleingang, sondern nur auf europäischer Ebene möglich. Ich denke über die Debatte der Schlachtviehtransporte ist das sehr deutlich geworden, wo sich die Bundesrepublik immer für maximal 8stündige Transporte eingesetzt hat und im übrigen auch als Landesregierung zum Beispiel in Niedersachsen war das so, wieder dezentrale Schlachthöfe unterstützt hat, die kurze Wege möglich machen. Ein weiterer wichtiger Punkt, der Verbraucherschutz. Er braucht stärkere Beachtung. Ein hohes Schutzniveau hat in jedem Fall Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen, denn nur wenn sich die Verbraucher sicher fühlen und davon überzeug sind, dass das was sie kaufen gesund und qualitativ hochwertig ist, ist er oder sie auch bereit, für höhere Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen. In diesem Zusammenhang ist auch deren Fleischetikettierung zu sehen. Seit dem 1. September dieses Jahres gelten hier EU-weite Regeln. Anhand der Etikettierung erkennt der Verbraucher, die Verbraucherin, in welchem Land das jeweilige Tier geschlachtet und zerlegt wurde. Eine Referenznummer ermöglicht es zusätzlich, das Fleisch bis zum einzelnen Tier oder einer Gruppe von Tieren zurückzuverfolgen. Der Deutsche Bundestag hat ein Gesetz zur Angabe von Geburts- und Mastort bereits verabschiedet. Leider hat eine Mehrheit der Bundesländer diesen Gesetzentwurf noch nicht zugestimmt und ihn zur Einigung in den Vermittlungsausschuss überwiesen, so dass dieses nicht am 1. September in Kraft treten konnte. Zur ganzen Diskussion über die Agenda 21 gehört natürlich auch, wie sich der Weltagrar entwickelt. Zahlreiche Fachleute gehen davon aus, dass die Nachfrage nach wichtigen Agrarprodukten längerfristig weltweit steigen wird. Die Zahl, die Gründe dafür liegt auf der Hand. Die Zahl der Menschen auf unserer Erde wird sich weiter erhöhen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis 2010 auf rund 7 Milliarden Menschen anwachsen wird. Bedingt durch das wirtschaftliche Wachstum vor allem in Asien und Lateinamerika wird auch Kaufkraft weltweit steigen. Sie wird zusammen mit dem anhaltenden Verstädterungsprozess in vielen diesen Ländern dafür sorgen, dass weltweit die Nachfrage nach veredelten Nahrungsmitteln und nach Futtermitteln zunehmen wird. Die FAO rechnet bis 2010 damit, dass die Nachfrage jährlich um knapp 2 % steigen wird. Da die Entwicklungsländer jedoch nicht in der Lage sein werden, diesen Zuwachs aus eigener Produktion zu decken, wird der Welthandel mit Agrarprodukten zunehmen. Auch wenn im Moment diese Entwicklung scheinbar der Forderung nach der regen neuen Zuordnung widerspricht. Wenn wir davon ausgehen, dass deutsche Landwirte, die immer effizienter wirtschaften, mit all den oben skizzierten Problemen, auch auf diesem internationalen Feld teilnehmen werden in Zukunft, muss in der Welthandelsrunde die Voraussetzung dafür geschaffen werden. Diese Behandlung in der WTO werden schwierig werden, denn klar ist, die Handelspartner in anderen Ländern wollen einen weitgehenden Abbau von Exportbeihilfen, Einkommenshilfen und Einfuhrzahlen. Dieses ist natürlich etwas bigott, denn die Amerikaner, die besonders die Agrarpolitik der EU kritisieren und bereits zur Frage von Turbokühen und Eurobananen Prozesse gegen die Europäische Union angestrengt haben und innerhalb der WTO haben ihre Direktzahlungen an die Farmer in den USA seit 1996 versiebenfacht. Klar ist aber auch, wir werden in der Bundesrepublik uns nicht einer weiteren Liberalisierung des Agrarhandels entziehen können. Wichtig ist, dass wir dafür die Eckpunkt mitsetzen. Die Liberalisierung darf nicht zu Lasten der Umwelt, des Tierschutzes und ganz wichtig, der Attraktivität und Vielfalt unserer ländlichen Räume gehen. Da sind wir beim entscheidenden Punkt: Wir brauchen dort eben auch die den Räumen angepasste Landwirtschaft. Ich erinnere mich an einen Besuch mit meinem Vater in Mecklenburg-Vorpommern vor wenigen Jahren, zwei, drei Jahren, in dem er mit Traurigkeit berichtete, dass zu seiner Kindheit, er kommt aus Karlsbad, die ganzen Gebiete lediglich Weideflächen waren. Sowohl für Kühe als auch für Pferde. Jetzt wurden dort wegen der EU-Politik, vorwiegend Marktfrüchte angebaut. Was war im April, hatten wir Verwehungen auf den Straßen durch abgetragenen Boden, durch Bodenerosionen wie in der Wüste Sahara. Man konnte teilweise Straßen nicht passieren, weil sich natürlich in Mecklenburg-Vorpommern in weiten Teilen Sandboden befindet, der durch eine Weidewirtschaft festgehalten wird. Durch Marktfrüchte, die im April nicht wachsen, natürlich verwehen kann. Das kann nicht das Ziel sein. Wenn wir wieder zurückkommen zu der Frage und zu der Forderung der meisten Bürgerinnen und Bürger, sie wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und am liebsten hätten sie sie aus der Region, dann ist die Frage, wie kann man das bewerkstelligen, ohne dass die Doppelt- und Dreifachbelastung für die Landwirte noch höher wird und die besonders sie, als Landfrauen, noch höher wird, als sie schon ist. Natürlich gibt es heute schon sehr viel Eigenvermarktung auf Bauernmärkten und Hofläden, aber wir sehen in Ländern wie Dänemark oder Niederlanden, dass gute Vermarktungsstrukturen auch ein herausragender Standortvorteil sind. Da sind wir in Deutschland einfach noch Kreisklasse. Wir müssen heute viel stärker nur weniger als die Produktion den Gesamtkreislauf eines Produktes mitbetrachten. Das heißt wir brauchen auch mehr Kooperation, mehr Integration und mehr Zusammenarbeit in qualitätsorientierten Verbundssystemen. Solche Gemeinschaften, die auch die konsequente Kundenorientierung mit beinhalten, da Vermarktung auch gerade für die Nachhaltigkeitsstrategie auch innerhalb der Bundesrepublik, das heißt auch die Umsetzung der Agenda 21 und der Beschlüsse von Rio, ein wichtiger Punkt sind, gibt es auch zwei Marktbereiche, die für die Verbraucher immer wichtig werden und die künftig auch deshalb besonders von der Bundesregierung besonders unterstützt werden sollen. Das eine ist der ökologische Landbau, das zweite ist die regionale Vermarktung. Der ökologische Landbau hat gerade hier in Baden-Württemberg schon einen wesentlichen größeren Anteil gewonnen, weil er auch in kleinteiligeren Einheiten zu leisten ist. Geschlossene Nährstoffkreisläufe, Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel erfüllen das Prinzip Nachhaltigkeit im wesentlichen intensiver als andere Betriebe. Deshalb sollen auch die Betriebe besonders unterstützt werden durch auch den Erlass eines nationalen Ökolandbaugesetztes zur Ergänzung der EG-Ökoverordnung, aber auch da die Produktion und Vermarktung zu verbessern und die den Aufbau eines Forschungsinstitutes für ökologischen Landbau zu ergänzen. Deshalb brauchen wir auch entsprechende Erzeugerzusammenschlüsse beim ökologischen Landbau, denn nur dann bekommen wir Erzeugnisse des ökologischen Landbaus auch in den Einzelhandel, zu den Verbraucher. Denn nicht jeder hat in der Nähe eine Großstadt mit einem aktiv funktionierenden Ökomarkt oder eine gut funktionierende Naturkostkette. Auch die Förderung und Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte soll es neue Fördermöglichkeiten, gerade für Erzeugerzusammenschlüsse und für Investitionen und da sind sie eben auch besonders gefordert, denn die Landfrauen haben sich schon, ich weiß das aus Niedersachsen, eben besonders hervorgetan, auch die regionale Vermarktung, die regionalen Märkte, aber auch zusätzliche Aktivitäten im ländlichen Raum aufzubauen, sind bislang nicht ausreichend unterstützt worden. So weiß ich zum Beispiel von unseren Landfrauen, dass sie einen regionalen Partyservice eingerichtet haben, dass sie vielfältige Aktionen zur Direktvermarktung im Gesamtverbund durchführen, dass sie Kaffee´s einrichten und die Touristen im ländlichen Raum eben viel intensiver in ihre Arbeit mit einbinden, durch Führung, durch Öffnung der Höfe und durch attraktive Programme. All das passt natürlich sehr gut in ihren Schwerpunkt 2000, 2001, eine Kulturlandschaft, Dialog zwischen Natur, Ernährung und Gesellschaft. Wenn Menschen wissen, wie Produkte hergestellt werden, welche Mühe damit verbunden ist und einen Bezug dazu bekommen, dann zahlen sie vielleicht auch eben mehr als das Batterienei für 15 Pfennig. Auch die Zusammenarbeit mit Vertriebsorganisationen sind ein dabei ein wichtiger Punkt.

Ich denke die Frage des Tourismus wird auch insgesamt noch unterstützt. Es hat auch ein pädagogisches Element, denn nur das, was wir kennen, können wir lieben. Das was wir lieben, könne wir schützen. Wie wichtig zum Beispiel auch die Schulausflüge in Musterbauernhöfen sind oder eben Begegnungen mit Tieren auf dem Lande zeigen immer wieder die Erfahrungen von Stadtkindern, für die Kühe immer noch lila sind oder die mehr Automarken kennen als Pflanzennamen. Meine kleine Tochter geht in den Waldkindergarten und hat eine ganz andere Beziehung zur Natur. Einfach dadurch, dass sie vier Stunden am Tag durch den Wald stampft. Sie läuft ganz anders, sie bewegt sich ganz anders, aber sie kennt auch die Pflanzen und Tiere und sie empört sich über jeden, der eine Zigarette oder ein Taschentuch in den Wald wirft, ohne dass jeder gezeigt hat oder gesagt hat oder indogtriniert hat, sondern einfach, weil sie den Wald erlebt und deshalb auch da die Aufgabe, die zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten in der Landwirtschaft zu nutzen, sich zu öffnen. Ich weiß, dass sie das hier in Baden-Württemberg schon viel stärker tun als bei uns in Niedersachsen, wo die Zurückgezogenheit doch etwas stärker verbreitet ist. Doch wo geht das alles hin? Wir stellen fest, die Weltentwicklung geht in größere Höfe. Ost-West-Unterschied sieht man ganz deutlich. Der Einkommensgrad in den östlichen Landwirtschaften ist größer durch größere Einheiten als in den kleinen, zum Teil aber auch spezialisierten Einheiten, die dann doch ganz gut zurecht kommen. In Westdeutschland wahrscheinlich müssen wir die Zukunft der Arbeit insgesamt neu bedenken. Wenn wir uns vorstellen, dass die Menschen trotz Allergien immer älter werden, gleichzeitig immer in der Erwerbsgesellschaft immer mehr durch Vorruhestand immer früher in Rente gehen, wäre zu fragen, ob wir nicht insgesamt die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bürgerinnen und Bürger vollkommen falsch einschätzen und auch uns Probleme dadurch selber kreieren, die wir vermeiden könnten. Wenn wir uns vorstellen, dass wir in wenigen Jahren mehr ältere Menschen oder mehr Menschen über 60 als Kinder haben (mal nachprüfen, ob das nicht heute schon ist) dann stellt sich die Frage, ob nicht das Modell sozusagen Kindergartenschule, lange Ausbildungszeit, relativ kurze Berufstätigkeit und langer Ruhestand einfach schlicht falsch ist und wir dieses gesellschaftlich neu diskutieren müssen. Müssen wir nicht zu allen Ebenen unserer Gesellschaft eine Beziehung bekommen und im Prinzip unsere gesellschaftliche Arbeitszeit in drei Teile teilen? Das heißt, ein Drittel Sozialtätigkeit (das schließt die auch heute ehrenamtlichen Tätigkeiten ein, die das Engagement in der Jugendfeuerwehr, im Sportverein, in der Kirchengemeinde, beinhalten. Diese Tätigkeiten müssen in der Akzeptanz und in der Wertigkeit sich genauso niederschlagen wie die Pflege von alten hilfsbedürftigen Menschen. Ein zweites Drittel kann der tatsächlich traditionellen Erwerbstätigkeit dienen. Das dritte Drittel sollte im Prinzip wieder wegkommen von der großräumigeren Landwirtschaft zur kleinräumiger Gartenkultur. Menschenwürdiges Zusammenleben geht nur mit Erhalten von Artenvielfalt.

In China kann man sehen, dass es möglich war Bevölkerungsdichten die viel größer waren, als die zum Beispiel in den Niederlanden, wo Jahrtausende mit kleinräumigen Gartenkulturen erhalten haben. Allerdings sind dort auch alle Stoffe in Kreisläufen betrachtet worden. So geht es eben nicht, dass wir Soja importieren, das in anderen Ländern als Nahrungsmittel dringend benötigt wird und die Hälfte allen Fischfangs weltweit findet statt damit unser Geflügel billig gefüttert werden kann und gleichzeitig hungern Menschen in Peru und viele weil vor ihrer Küste keine Fische mehr sind. Sie kennen auch die Debatte über die Ausbindung von Klärschlamm. Klärschlamm hat Grenzwerte weil sie nicht mehr auf Felder ausgebracht werden dürfte, aber es gibt durchaus Düngemittel, wie zum Beispiel die Phosphatdüngemittel, wo Cadmiumgehalte wesentlich höher bis zu 20 mal höher, als in vielen Klärschlämmen sind.

Das heißt, das Cadmium kommt über die Phosphatdüngemittel hinterher in den Klärschlamm und ist durch den Phosphatdüngemittel cadmiumbelastet und wird dann als Klärschlamm nicht mehr in die Landwirtschaft gehen. Das ist keine Kreislaufwirtschaft im engräumigen Sinne, dabei würde es nur Pfennigbeträge kosten, das Cadmium aus den Düngemitteln herauszufiltern. Wir haben auch keine Grenzwerte für Urane und anderen Radioaktive Elemente in Düngemitteln, es wird vielmehr Uran durch Phosphatdüngemittel abgebaut, als weltweit in Atomanlagen eingesetzt wird. Dadurch erhöht sich die Hintergrundbelastung, dadurch haben wir auch ein Problem mit Leukämiefällen wo bei vielen immer noch nicht geklärt werden kann, woher die Leukämie kommt. Ein Drittel unserer jetzigen beruflichen Tätigkeiten sind alleine auf die Reparatur von Zerstörung angewiesen. Jeder der einen Autounfall verursacht und das sind etliche, wenn wir überlegen, dass wir immer noch etwa 10.000 Tote und 500.000 Verletzte bei Autounfällen in der Bundesrepublik haben, die Arbeit schaffen. Und dann die Frage der Artenvielfalt. Wir reden vom Klonen von Lebewesen gleichzeitig gibt es den Gentechnik-Skandal und immer mehr Spitzenköche haben sich verpflichtet, keine gentechnischen Lebensmittel mehr in Restaurants zu verwenden. Besonders in Frankreich haben wir eine sehr gentechnisch-kritische Haltung. Sie sehen hier liebe Landfrauen sie sind am Puls der Zeit. Sie sind diejenigen, die vor Ort arbeiten, sie sind diejenigen die neue Konzepte voranbringen aber auch die Diskussion in Gang bringen können. Sie sind diejenigen die Sozialarbeit machen, die die Gartenarbeit machen, die die Erwerbstätigkeit machen, die Produkte aus der Region schöpfen, die die Vermarktung organisieren. Sie sind im Prinzip die Keimzelle für unsere zukünftige Gesellschaft. Packen Sie es an.