Das Thema, zu dem ich hie sprechen soll, ist das
Märchen von der grünen Gentechnik und den vielen Arbeitsplätzen,
die sie schafft.
Vielleicht zum Hintergrund: wir haben in Niedersachsen
in den Jahren 1994, 1995 und 1996 einen sehr intensiven Gentechnik-Dialog
gehabt, in dem wir versucht haben, sowohl gesellschaftliche Gruppen,
also Verbraucherverbände, Umweltschutzverbände, als auch die Industrie
und die Behörden an einen Tisch zu kriegen, um mal diese ganze Undifferenziertheit,
die in der gentechnischen Diskussion läuft, ein bißchen aufzulisten
und zu gucken, wo gibt es eigentlich Gemeinsamkeiten, wo gibt es
eigentlich Konsensmöglichkeiten und wo gibt es Differenzen, wo man
sagt, da kommen wir eigentlich nicht überein.
Zusammengefaßt hat dieser Gendialog dazu geführt,
daß in der Definition und in der Akzeptanz, ähnlich wie in der Studie,
die vor zwei Jahren im FOCUS veröffentlicht worden ist, sich zwei
Bereiche herausgeschält haben:
Der eine Bereich ist der medizinische Bereich,
wo ein hoher Grad an Akzeptanz an gentechnischen Maßnahmen existiert,
also selbst bei Gentechnik-Kritikern, z.B. die Frage, ob man gentechnisch
erprobte Krebsmittel nutzen sollte, bis hin zu den traditionellen
Medikamente wie Insulin, Mukoviszidosemittel, die heute ausschließlich
aus der Gentechnik entwickelt sind. Ich habe gerade noch einmal
nachlesen können, daß z.B. das Mukoviszidosemittel der Firma Schering
inzwischen 10 % des Umsatzes ausmachen, das ist ein gentechnisch
entwickeltes Mittel.
Da stellte sich also heraus, daß es eine große
Übereinstimmung im Bereich Medizin gab, aber große Differenzen im
Bereich des landwirtschaftlichen Nutzen, im Bereich der Lebensmittel
also.
Das führen natürlich die Gentechnik-Befürworter
bzw. die Hersteller in der Bundesrepublik vorwiegend auf die mangelnde
Aufklärung zurück. Die berufen sich dann auf den Dialog zwischen
Herrn Siebeck als Koch und der Nobelpreisträgerin. Die deutschen
Spitzenköche haben sich ja mal zusammengeschlossen und gesagt, in
unseren Restaurants werden keine gentechnisch veränderten Lebensmittel
verarbeitet.
Demgegenüber schreibt dann die Nobelpreisträgerin,
Herr Siebeck habe überhaupt keine Ahnung, was Gentechnik bewirken
würde und daß es heute eben sehr viele gentechnisch hergestellte
Produkte gäbe, die sich in keiner Weise unterscheiden würden von
dem, was "traditionelle" Lebensmittel beinhalten.
Da aber heute dieses Forum auch unter dem Aspekt
besonders der Arbeitsplatzentwicklung stattfindet, wollte ich jetzt
auf diesen wichtigen Punkt eingehen. Ich habe dafür auch noch einmal
herausgesucht, wie sich eigentlich die Einschätzung der Entwicklung
der Arbeitsplatzzahlen entwickelt hat.
Da gibt es bei der Europäischen Union eine------------------,
also eine Beratungsgruppe, die sich mit allen biotechnologischen
Verfahren, nicht nur Gentechnik in der Landwirtschaft, sondern auch
mit der Medizin und der Umwelttechnologie beschäftigt hat, denn
da gibt es ja auch Entwicklungen, Bakterien zu entwickeln, die Öl
abbauen usw..
Die haben noch 1991 das Weltmarktvolumen der Gentechnologie
für das Jahr 2000 mit rd. 170 Mrd. DM beziffert.
Bereits 3 Jahre später, also 1994, korrigierte
die gleiche Gruppe diese Prognose um rd. die Hälfte des Betrages
auf 80 Mrd. DM nach unten und die Euphorie des deutschen Forschungsministers,
damals war das noch Riesenhuber, der im Oktober 1995 noch von 9
Mio. Arbeitsplätzen innerhalb der EU auf dem Gebiet der Gentechnologie
sprach, wurde bereits 1 Jahr später, also im Herbst 1996, durch
eine Studie der Pronos-AG - also auch ein Institut, was ja bei der
Wirtschaft ja sehr anerkannt ist und nicht infrage gestellt wird
- , drastisch heruntergefertigt, denn dort bezifferte die Prognos-AG
die möglichen Arbeitsplatzpotentiale in Deutschland für das Jahr
2000 auf maximal 110.000.
Jetzt muß man das natürlich wieder hochrechnen
auf Europa, weil ja diese Prognos-Zahl auf Europa ging, aber da
Deutschland ja innerhalb Europas mit das bevölkerungsreichste Land
ist, kann man sich vorstellen, daß diese 9 Mio. nie und nimmer erreicht
werden können und diese Arbeitsplatzargumente überhaupt keine Rolle
spielen.
Ich habe nochmal zusammengestellt, was mir bekannt
ist. Das mag sicherlich in der letzten Ziffer nicht vollständig
zutreffen, aber de facto haben wir heute in der industriellen Produktion
und in der Forschung weniger als 30.000 Leute, die im Biotechnologiebereich
tätig sind, und man muß sage und schreibe sagen, daß davon alleine
rd. 5.000 in irgendeiner Art von Behörde tätig sind.
Das ist sozusagen Kontrolle der Technik, incl.
natürlich der Eigenforschung, denn es gibt ja auch staatliche Stellen,
die forschen. Beispiel ist z.B. hier in Niedersachsen das Landesamt
für Ökologie, eine Begleitforschung eingerichtet. Die zähle ich
dazu, aber das sind 2 Leute.
Dann gibt es natürlich auch in Braunschweig das
Institut, das z.B. biotechnologische Methoden für Abbau von Bodenbakterien
oder Bodenschadstoffe beschäftigt - insgesamt also etwa 5.000 Leute,
die irgendeine Art von Genehmigung, Kontrolle, Überwachung, wissenschaftlicher
Begleitung etc. durchführen.
Also das heißt, dieser Mythos, der besonders Anfang
der 80er Jahre dargestellt wurde, das bringt so unheimlich viele
Arbeitsplätze und ist einer der Zukunftsmärkte, ist auch in unserem
Gentechnikdialog, den wir in Niedersachsen gemacht haben und der
mit einer Diskussion im Oktober 1996 in Lockum abgeschlossen worden
ist, ist selbst von dem damaligen Staatssekretär Tacker aus dem
Wirtschaftsministerium der sicherlich nicht so bekannt ist, als
jemand, der gegen Gentechnologie ist, als zu vernachlässigen eingestuft
worden.
Vielleicht das erst einmal als Einstieg, weil das
ja ein wichtiger Aspekt war heute für den Kongreß "Was bringt uns
in Zukunft Arbeitsplätze". Nichtsdestotrotz denke ich, muß man sehr
sorgfältig mit der Diskussion umgehen. Ich glaube, es bringt auch
überhaupt nichts, sich heute zu positionieren, wir sind gegen Gentechnik,
denn sie ist einfach da. Man muß gucken, wie geht man damit praktisch
um.
In der Medizin ist sie ein vollkommen akzeptierter
Bereich, in anderen Bereichen, z.B. bei der Waschmittelproduktion
sind Enzyme, die fettlöslich sind, auch ein vollständig akzeptierter
Bereich. Ich habe noch nie einen Protest bei der Firma Solva in
Nienburg gehört, die dort eben Waschmittel mit Enzymen herstellen.
Denn die Enzyme, die dort gentechnisch entwickelt
worden sind, haben zum Beispiel das Phosphat ersetzt, haben z.B.
dazu geführt, daß die Waschmittelmenge erheblich reduziert werden
kann. Alles Dinge, wo man sagen kann, na ja, es ist eine schwierige
Geschichte.
Wir haben allerdings auch eine erhebliche Zunahme
von Allergien, wir haben aber bislang keinen Zusammenhang in der
Forschung zwischen der Frage des Einsatzes von gentechnisch veränderten
Enzymen in der Waschmittelherstellung und der Zunahme von Hauptallergien
gefunden. Es gibt darüber in der Forschung keinen Konsens, denn
es kann ja auch immer einen ganz anderen Grund haben. Also insofern
ist das eine sehr schwierige Angelegenheit.
Das zweite Problem ist aber besonders die sogenannte
grüne Gentechnologie, d.h., der Einsatz von Gentechnologie in landwirtschaftlicher
Produktion. Auch da haben wir ein riesengroßes Problem, daß es eben
nämlich auch schon ständig eingesetzt wird.
Alleine in Deutschland, wo eigentlich sozusagen
die ganze Diskussion noch um Freisetzungsversuche diskutiert wird
und Freisetzungsversuche auch gestoppt worden sind - wir hier in
Niedersachsen haben z.B. eine wissenschaftliche Begleituntersuchung
gemacht, die festgestellt hat, daß eben gentechnisch veränderte
transgene Pflanzen sich auch verteilen, also über diesen Raum, der
als Versuchsfeld angelegt worden ist hinaus, trotz Sperrzone und
trotz Abschirmung.
Es sind übrigens auch Studien bestätigt worden
aus Bayern, aus Rheinland-Pfalz, die ebenfalls solche Begleituntersuchungen
gemacht haben, heißt, dieses Problem ist de facto überall vorhanden
und wir haben außerdem in Deutschland Produkte auf dem Markt - Sojaprodukte
aus herbizidresistenten Sojapflanzen, Maisprodukte aus Insekten,
resistentem Mais, wie gesagt, die gentechnisch hergestellten Enzyme,
gentechnisch hergestellte Vitamine und Zusatzstoffe. Es werden bislang
zwar keine Lebensmittel angeboten, die selbst gentechnisch verändert
sind oder gentechnisch veränderte Organismen enthalten, aber bereits
diese Frage der Soja- und Maisprodukte hat eine heftige Diskussion
ausgelöst und zwar deshalb, weil natürlich in der Forschung und
in der Entwicklung dort verstärkt Antibiotika eingepflanzt worden
sind, aber eigentlich nicht um diese Resistenz herzustellen, sondern
nur als Markergene, um festzustellen, ob das, was man erreichen
will, tatsächlich wirkt.
Diese Markergene haben das besondere Problem mit
sich gebracht, daß man eben nicht mehr feststellen kann, durch welche
Dinge Menschen z.B. mehr und mehr resistent gegen Antibiotika werden.
Wir haben heute etwa 17 Antibiotika im Gebrauch
und viele Menschen sind gegen 16 davon schon resistent, d.h., wenn
man also zweimal oder dreimal im Jahr irgendeine Krankheit hat,
wo man ein Antibiotikum braucht, wird man mit diesem Problem vielleicht
auch irgendwann einmal konfrontiert.
Ich hatte gerade den Fall bei mir in der Familie,
meine kleine Tochter hatte zweimal hintereinander eine Lungenentzündung.
Ich habe gedacht, mein Gott, wenn sie mit 3 schon zweimal Antibiotika
nehmen muß und das geht bei einer Lungenentzündung überhaupt nicht
anders, dann weiß ich gar nicht, was daraus werden soll. Und das
ist die Problematik, die überhaupt noch nicht abschließend erforscht
ist.
Ein weiteres Problem, gerade bei der Frage der
herbiszidresistenten Pflanzen, ist die Frage anderer Gene, die eingebaut
werden, wo eben manche Menschen Allergien entwickelt haben. Ein
berühmtes Beispiel: man ist dabei, verschiedene Nußgene bei den
Sojapflanzen einzupflanzen, weil die eben offensichtlich besonders
gut resistent gegen bestimmte Insekten wirken, und dabei stößt man
auf das Problem: es gibt ja etliche Leute, die bspw. gegen Paranüsse
eine Allergie haben.
Ja, das sind also die Problembereiche, die in
diesem Falle aufzulisten sind, die wir aber überhaupt nicht ausschließen
können. Wir können überhaupt in Deutschland nicht ausschließen,
daß diese Produkte auf dem Markt sind, denn alleine von den 20.000
Sojafarmern, die es in den USA gibt, benutzen inzwischen schon 8.000
die genveränderten Sojapflanzen. Das ist eine ganz wichtige Information.
Und wenn man weiß, das in fast allen Produkten eine Art von Soja
drin ist und daß Soja natürlich als Futtermittel importiert wird
für unsere Masttiere, dann kann man sich vorstellen, daß das irgendwo
immer wieder auftaucht.
Nun hat ja der Bundesrat, auch auf die Initiative
von Niedersachsen hin, bereits im März letzten Jahres 1998 eine
Initiative für die Kennzeichnung von gentechnisch freien Lebensmitteln
durch den Bundesrat gebracht. Das haben wir also auch innerhalb
des Bundesrates durchsetzen können, und die Bundesregierung hat
sich das damals ja auch auf die Fahne geschrieben, aber es haben
all diejenigen, die sich da mit auskennen gesagt, im Prinzip kann
man das gar nicht deklarieren, denn man kann in bestimmten Produkten
nicht nachweisen, ob da gentechnisch veränderte Substanzen drin
sind. Da wo man es nachweisen kann, kann man natürlich auch prima
für bestimmte Substanzen diese Deklaration "gentechnikfrei" machen.
Aber es gibt einen Veränderungsprozeß, z.B. bei
der Herstellung von Zucker, wo man es nicht nachweisen kann. Und
wenn die dann gentechnikfrei draufschreiben, dann heißt das noch
lange nicht, daß tatsächlich nicht im Produktionsprozeß schon einmal
eine gentechnikveränderte Pflanze oder etwas davon mitverwendet
worden ist.
Also insofern ist dieses Label "gentechnikfrei",
was ja auch eine Initiative hier in Niedersachsen war, eine ganz
komplizierte Sache, dahingehend, daß selbst Biobauern heute durch
die Frage des Fluges von transgenen Pflanzen schon fast auch nicht
mehr garantieren können, daß das sich nicht irgendwo etwas vermischt
hat. Es ist leider so, ich finde das ein ganz großes Problem. Wir
haben eine de facto gentechnisch veränderte Landwirtschaft und das
wird sich auch weiter entwickeln.
Wir müssen jetzt sehen, wie wir sozusagen umgekehrt
eigentlich wieder Landwirtschaft regionalisieren. Das finde ich
eigentlich die viel spannendere Frage, nicht zu sagen, wo kriegen
wir Futtermitttel aus aller Welt her, sondern das habe ich schon
zehn Jahren gesagt, wir müßten im Prinzip einen Futtermittelimport
für Sojabohnen machen, damit wir auch wieder eine regionalisierte
Landwirtschaft bekommen.
Aber das sind auch eigentlich die Lösungen, über
die wir dann nachher diskutieren sollten. Ich möchte vielleicht
in diesem Zusammenhang, nachdem ich jetzt erst einmal die Fakten
aufgezählt habe, drei Dinge ieren:
Einmal, wir haben in etwa 40 Ländern der Welt überhaupt
keine gentechnischen Gesetze, d.h. keine Gesetze, die irgendwelche
Vorgaben machen, irgendwelche Kontrollen, wie mit Gentechnik umzugehen
ist. Und wir haben in einem noch weit größeren Teil der Länder,
wo es zwar Gentechnikgesetze gibt, also wie man überhaupt damit
verfährt, wie die Zulassungsverfahren sind und wo es auch Kontrollmöglichkeiten
gibt, keine Gesetze, wie z.B. unterschiedlich mit der Veränderung
der Keimbahn, also sprich mit menschlichen Veränderungen umzugehen
ist.
Bestes Beispiel ist der Forscher der "Dolly" geklont
hat, er hat letztens aus Versehen angekündigt, daß er jetzt schon
anfangen will, einen Menschen zu klonen.
Dafür gibt es zwar in Deutschland das Embryonenschutzgesetz,
das ist hier nicht erlaubt, aber es gibt noch nicht einmal in der
Europäischen Union ein einheitliches Gesetz und eine einheitliche
Richtlinie, noch dazu ist es sozusagen überhaupt in vielen Ländern
der Welt nicht im Bewußtsein angelangt.
Darüber hinaus haben viele andere Länder eben auch
noch nicht einmal irgendwelche Vorgaben, wie wir sie haben, hier
bei der Gentechnik der Futtermittelzulassung oder eben auch bei
den wissenschaftlichen Untersuchungen.
Für mich stellt sich die Frage, wie gehen wir eigentlich
mit dem Punkt um, daß es ja auch gentechnisch veränderte Produkte
geben kann, die z.B. Gene von Menschen beinhalten, bei welchem Punkt
fängt eigentlich der Kannibalismus wieder an? Ist da, wenn z.B.
zu 10 oder 20 % gentechnisch veränderte Merkmale aus Menschen in
irgend etwas eingesetzt werden, nicht eigentlich wieder das Stadium
von Kannibalismus erreicht? Ist dann nicht eigentlich alles das,
was wir kulturgeschichtlich erreicht haben, mit diesem Vermischung
von allen Ebenen, Pflanzen, Tieren, Menschen wiederr aufgehoben?
Das ist eine Frage, die würde ich schon ganz gerne
auch einmal beantwortet haben, ist sie bislang aber nicht.
Ein weiterer Gesichtspunkt, den ich sehe, ist auch
die Frage der Aufhebung der Religion, denn in allen Religionen außer
dem Christentum gibt es z.B. die Idee der Inkarnation. Wenn man
also sozusagen Organismen verändert und zwangsläufig auch irgendwann
einmal Menschen verändert, wie wirkt sich das eigentlich z.B. im
Hinduismus aus. Es gibt überhaupt keine Grundlage mehr für diese
Religion.
Dann ist für mich ein ganz wichtiger Gesichtspunkt
die Frage, wenn argumentiert wird, das ist ein wichtiger Arbeitsplatzfaktor,
wie kann eigentlich Zukunft der Arbeitsgesellschaft aussehen?
Ich denke, es ist eine Illusion zu glauben, daß
man mit Gentechnik oder mit anderen Technologien viele neue Arbeitsplätze
gestalten kann, denn sie vernichten eher Arbeitsplätze. Denn wenn
ein Farmer oder ein Landwirt gentechnisch veränderte Produkte einsetzt,
dann hat er einen höheren Output auf dem gleichen Land. Dadurch
braucht man dann eher weniger Leute als mehr, also die Vorstellung
daß sozusagen in der konkreten Anwendung neue Arbeitsplätze entstünden,
ist falsch. Wenn überhaupt, dann entstehen sie höchstens in der
Forschung und das sind eben nicht die Mengen, die ich aufgezeigt
habe, in der Anwendung auf keinen Fall, d.h. wir problematisieren
das Arbeitsplatzproblem mehr, d.h. die Effizienzrevolution, Effizienzsteigerung
in der Produktion wird sich auch in der Nahrungsmittelindustrie
noch mehr verstärken und wir haben im Prinzip noch mehr Arbeitslose.
Deshalb ist meine Konsequenz zu sagen, wir müssen
endlich eine Debatte beginnen über die Zukunft der Arbeitsgesellschaft,
die sich ganz anders ausrichtet und die sagt:
1. Wir brauchen eine Regionalisierung, in dem wir
feststellen, die traditionelle Erwerbsarbeit, kann ungefähr nur
ein Drittel des Tages bedeuten, ein zweites Drittel des Tages muß
sich mit dem, was heute sozusagen ehrenamtliche Arbeit ist, also
mit Sozialarbeit, Nachbarschaftshilfe, Kinderbetreuung, Altenbetreuung
etc. beschäftigen. Und das muß man in der Gesellschaft dann auch
anders werten. Und ein letztes Drittel muß eigentlich zurückkommen
zu, ich sage mal dem, was die ursprünglich chinesische Kultur ausgemacht
hat, die nämlich mit 28 % der Menschen der Erde nur einen Bruchteil,
ich glaube 9 % der Fläche der Erde bewirtschaftet hat, und das hat
sie gemacht mit Gartenkultur. Das heißt, sie hat eine regonalisierte
Produktion mit einem hohen output vor Ort von all den Produkten,
die die Menschen brauchen, und nicht das was wir im Moment machen,
eigentlich eine größere Verteilung des Weltmarkts, d.h. wir holen
Soja aus den USA und die Baumwolle aus Kasachstan, die Seide aus
China, also d.h. eine hohe Spezialisierung der Monokulturentwicklung,
müssen wir eigentlich zur Regionalisierung kommen, zu kleineren
Kreisläufen und damit eben auch produktive Arbeitsplätze in diesem
Bereich haben.
Es kann nicht sein wie es heute ist, daß wir einen
Bauern haben mit 70 Hektar, der davon nicht leben kann, sondern
nur mit Subventionen aus Brüssel, das ist einfach irrsinnig, wenn
man sich das vorstellt. Gleichzeitig besteht die Tendenz dann zu
sagen, wenn wir denen keine Subvention mehr geben, dann kriegen
wir unsere Nahrungsmittel von JWD und müssen hier dann womöglich
Landschaftsgärtner oder so etwas einstellen, damit wir übwerhaupt
die Vielfalt von Kulturlandschaft, die wir hier haben und auch Naturlandschaft
überhaupt erhalten bleibt. Also die Landwirte würden dann sozusagen
dekrediert zu reinen Landschaftspflegern. Das kann es eigentlich
nicht sein als Perspektive. Deswegen finde ich, wir müssen anfangen
über diesen neuen Begriff von Aufteilung von Arbeit und auch den
Begriff der Erwerbsbiographie zu diskutieren, daß nämlich das, was
wir ursprünglich an produktiver Arbeit mit 8 Stunden am Tag, 40
Jahre im Leben diskutiert haben, so nicht weitergehen kann.
Vielleicht noch zum Schluß, dann ist ja auch meine
Zeit um, die Frage Kolaitionsvereinbarung.
Was haben wir da drin zur Gentechnik? Da ist eine
ganze Seite drin. Daß da der Vorrang des Schutzes von Menschen und
Umwelt gewährleistet sein muß, daß das weltweite Biosafeprotokoll
besser umgesetzt werden muß, daß auch Freilandversuche mit einer
Langzeitmonotorik, wie wir es hier in Niedersachsen gemacht haben,
begleitet werden müssen, daß die Risiko- und Sicherheitsforschung
verstärkt werden muß, gerade die Antibiotikaresistenzen, also das
was ich am Anfang erwähnt habe, daß auch die Zuständigkeit für die
Genehmigungen, die im Moment beim Robert-Koch-Institut in Berlin
liegen, bei den Freisetzungsversuchen überprüft werden muß, daß
wir eben auch, und das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir heute
noch nicht angesprochen haben, Bürgerinnen und Bürger vor genetischer
Diskriminierung schützen müssen.
Es könnte z.B. eine Genomanalyse eingesetzt werden,
bei Einstellung oder bei Kranken- und Lebensversicherung. Wenn wir
dazu kommen, dann haben wir wirklich eine Zweiklassengesellschaft,
das muß verhindert werden, und daß eben auch eine entsprechende
Kennzeichnung, wie wir sie immer gefordert haben, für die Verbraucher
auch tatsächlich so eingeführt wird, daß die Verbraucher sich auch
entscheiden können für eine gentechnikfreie Ware.
Das ist also noch ein bißchen intensiver umschrieben
und auch noch umfangreicher. Ich glaube, es ist eine gute Grundlage,
auch wenn man weiß, daß innerhalb der SPD da die Meinungen ja sehr
auseinandergehen.
Auf der einen Seite werden die Gentechnikforscher
mit Preisen bedacht, weil sie nun endlich weitere Gentechnik entwickelt
haben und auf der anderen Seite gibt es auch die kritischen Stimmen
die sagen, wir haben das alles nicht mehr im Griff und wir können
eigentlich nicht verhindern, daß eben die anderen Dinge, siehe England,
auch tatsächlich passieren. Ich wünsche mir, wie gesagt, aus dieser
Debatte
1. Die realistische Einschätzung, daß Gentechnik
nicht der große Arbeitsplatzbringer ist und
2. Daß wir darüber dann auch eine anständige Diskussion über die
Zukunft der Arbeit und die Zukunft unserer eigenen Arbeitsaufteilung
bekommen und damit dann vielleicht auch ein Stück Chance für die
Bereiche, die eigentlich positiv laufen. Ich sage mal so: z.B. biologischer
Landbau, was im Prinzip eine regionale Struktur ist, wo man eine
Kontrolle darüber hat, was bodenschonend ist und was nicht arbeitsplatzvernichtend
ist. Denn man muß sagen, ein ökologischer Betrieb braucht 1,6 Mal
so viel Arbeitsplätze wie ein konventioneller Betrieb. Und wenn
man den noch mit Gentechnik ergänzt, dann würden eben auch die Arbeitsplatzkräfte
noch weniger benötigt, das habe ich jetzt noch nicht ausgerechnet,
aber man kann da nochmals 0,2 % abziehen, so daß man dann im Verhältnis
1 : 2 biologischer Betriebsversuch und gentechnisch arbeitender
Betrieb steht.
Ja, das vielleicht einmal als Einstieg. Ich habe
auch viele Fakten noch mit, also wenn ihr konkrete Fragen habt,
kann ich die auch noch beantworten.
Beifall.
Erst einmal noch Fragen aus dem Plenum dann. Also
ich habe eine zum Einstieg und zwar, Du sagst, daß man ja ökologischen
Landbau fördert, das ist ja in der Gentechnikdiskussion immer als
Alternativmodell zur grünen Gentechnik angeboten worden. Und der
eine liebt die Argumentation und es ist schon so, daß damit die
landwirtschaftlichen Produkte auch teurer werden. Du sagst, 1,6
der Faktor für mehr Arbeitsplätze. Nun wissen wir ja alle, daß Arbeitsplätze
auch meistens das Produkt dann deutlich teurer werden lassen und
die Bereitschaft, dann teurere Produkte zu kaufen. ist teilweise
gegeben, aber längst nicht für alle möglich.
Gäbe es da irgendwie ein konkretes Modell vielleicht
auch Gelder umzuschichten. Das ist ja auch eine Sache, denn der
landwirtschaftliche Bereich wird ja subventioniert, das wäre für
mich ein interessanter Aspekt, wie man dort umschichten kann und
eine zweite Sache für mich ist auch die Fragestellung, es fließen
jetzt ja in einem, also damals hieß es "Biotechnologie 2000" , Gelder
in der Höhe von ca. 300 Mio. jährlich in den Bereich Biotechnologie.
Nun ist Biotechnologie in allen Punkten, in einem
Aspekt einmal herauszustreichen, es ist von der Bioproduktion, wo
auch Hefe drin vorkommt, also auch ein biotechnologisches Produkt,
aber total klassisch, reicht es hin bis unter die Aspekte wie man
klassicherweise als Gentechnik kennt, nämlich das zerschnippeln
von Genen, also Molikularbiologie, das ist alles zu Biotechnologie
zusammengefaßt und man darf es nicht verwechseln.
Gentechnik ist nur ein Teil von Biotechnologie.
Wenn jetzt 300 Mio. in Biotechnologie insgesamt reinfließen, frage
ich mich schon, welche Gewichtung haben dann solche klassische,
modernen Biotechnologieformen wie Gentechnik, und gibt es da nicht
eine Möglichkeit der Politik, das zu steuern, also auch ganz klipp
und klar sagen, wir wollen keine Programme im Bereich von menschlicher
Genomanalyse. Da sind viele Gelder die letzten Jahre hineingeflossen,
und wir wollen andere Schwerpunkte mit eben dem Geld, was wir im
Forschungsetat staatlicherseits reinbuttern.
So zwei Punkte, einmal wird es nicht teurer und
zweitens in die Richtung, kann man mit Förderung für Forschung und
Technologie eine Umlenkung der Wirtschaft tatsächlich erreichen?
Einmal zu dem Punkt, wird es nicht teurer.
Also es gibt natürlich inzwischen auch eine Entwicklung in der biologischen
Landwirtschaft, die auch bestimmte Produkte gleich teurer macht,
wie in der konventionellen Landwirtschaft. Z.B. bei Kartoffeln und
Karotten haben wir das schon erreicht. Das hat ein bißchen was mit
Größe zu tun, hat mit Vermarktung zu tun, denn warum sind denn biologische
Produkte teilweise teurer gewesen, weil der Hof seine selber einzeln
vermarkten mußte und nicht in einer Kette, wie die anderen, abliefern
konnte. Wenn man da bessere Vermarktungsmechanismen, wie z. B. in
eine garantierte Abgabe an Kantinen oder in einen Vermarktungsring,
wo dann eben auch gemeinsam verpackt wird, entwickelt, dann kann
man dies erheblich reduzieren.
Wie gesagt, bei solchen größeren Produktmengen
wie bei Kartoffeln und Möhren ist das schon erreicht. Wo man das
sicherlich nicht erreichen kann ist so etwas, ich sage mal ein klassisches
Beispiel bei Eiern. Wenn also bei Aldi 10 Eier 1,70 DM kosten und
beim Biobauern 3,50 DM, dann wird man das nicht auf 1,70 DM runterkriegen,
denn man weiß, daß die Aldieier aus Massentierhaltung kommen, die
natürlich mit einer ganz anderen Dichte arbeiten und z.B. eben gerade
mit dem Import-Sojafutter arbeiten und das hat dann nichts mehr
mit Gentechnik zu tun, sondern das hat dann schlicht mit der Art
der Massentierhaltung zu tun.
Das ist dann eine Frage, ob sich die Gesellschaft
dann auch mal dagegen entscheidet. Ich bin immer wieder verwundert,
wenn mir Leute sagen, sie haben kein Geld, sagen wir einmal 20 Pfennige
oder 10 Pfennig mehr für ein Ei auszugeben. Ich essen zum Beispiel
nur einmal die Woche Eier, das reicht mir auch. Ich esse dafür dann
lieber ein biologisches Ei, ich muß nicht jeden Tag eins haben.
Das ist also eine Frage von Entwicklung. Wenn wir
überlegen, daß wir heute in unserem Verbrauch 17 % mehr für Lebensmittel
ausgeben, alle anderen Gelder für alles mögliche und relativ auch
ein großer Bereich für Freizeit, Auto, für Ferien draufgehen, dann
ist es auch ein Stück Frage, können wir dieses auch wieder entwickeln,
weil das für unsere Gesellschaft auch eine notwendige Geschichte
ist.
Das ist auch nicht nur eine Frage ob man es kann
oder nicht. Ja, wir geben nur 17 % unseres Haushaltseinkommens für
Lebensmittel aus. So, das ist der eine Punkt. Aber natürlich hast
Du recht, daß die Umsetzung von Geldern dringend erforderlich ist,
das versucht ja auch dieser Prozeß Agenda 2000 jetzt nicht mehr
sozusagen die Produkte einzukaufen und zu sagen, wir wollen eine
Flächenbindung machen, das ist auch etwas was wir hier in Niedersachsen
entwickelt haben und was Funke in der Agrardebatte in der Europäischen
Präsidentschaft, die wir jetzt im Moment haben im ersten Halbjahr
auch tatsächlich einzubringen, nämlich zu sagen, wir wollen, daß
zum Beispiel Subventionen gebunden bleiben an die Grünlandfläche.
Ein Punkt, was ja unglaublich viele Landwirte machen, ist daß sie
ihre Grünlandflächen umbrechen und dann Ackerland daraus machen
und dann eben Massenprodukte, die dann eben einen besseren Preis
haben, drauf abstellen und die werden dann in Lager gepackt.
Also da ist ein ganz entscheidender Punkt zu sagen,
da muß das Geld umgelenkt werden. Ein weiterer Punkt wo es umgelenkt
werden muß, ist, daß natürlich die Pflege von Kulturlandschaft als
ein Aspekt mitbezahlt werden muß, nämlich die Vorstellung, daß wir
sagen, ja gut, die Landwirte können nicht so billig produzieren,
wie zum Beispiel ein Landwirt in Korea, bringt uns dazu, daß wir
hier gar keine Landwirtschaft mehr machen, sondern nur noch Futtermittel
importieren und auch Lebensmittel importieren, weil das wo anders
billiger hergestellt wird. Das ist ja eigentlich eine schauerliche
Vorstellung. Keiner kann sich das so recht vorstellen.
Jeder stellt sich Deutschland mit einer intakten
Landwirtschaft vor. Die Konsequenz, wenn man es rein marktwirtschaftlich
betrachtet ist aber so. Also muß man sagen, wir müssen auch für
Pflege von Natur oder für Landschaft Geld ausgeben. Ein Landwirt
bekommt sozusagen die Kombination aus Geld für seine Lebensmittel
und Geld für die Erhaltung der Landschaft.