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Anrede,
es ist inzwischen eine Binsenweisheit, dass unsere Bevölkerung altert. Steigende Lebenserwartung, Geburtenrückgang, der Fortschritt in der Medizin sind Gründe dafür. Im Ergebnis wird das bedeuten, dass im Jahre 2010 ungefähr jeder vierte Bundesbürger über 60 Jahre alt sein wird.
Das wird Auswirkungen auf die Arbeitswelt und die Sozialsysteme haben. Aber nicht nur. Wir werden darüber heute mehr hören.
Ich möchte mich auf einen anderen Aspekt konzentrieren. Es geht mir um den Umgang der Generationen untereinander und miteinander. Ich habe das Gefühl, das dieser oft von Sprachlosigkeit und auch Unwissen geprägt ist.
Gerade nach den Ereignissen in Erfurt habe ich feststellen können, dass sofort, fast reflexartig, bei der älteren Generation davon die Rede war, dass die Jugend nur wieder härter angepackt werden müsse, damit solche Dinge nicht passieren. Das ist sicher nicht die Lösung.
Die Frage ist, wie wir uns gegenseitig wahrnehmen. Werden Jugendliche wirklich als Einzelne wahrgenommen, gebraucht, geschätzt? Die gleiche Frage gilt umgekehrt für die Seniorinnen und Senioren in unserer Gesellschaft.
Ich plädiere also für einen Dialog der Generationen.
Jugendliche können von den Großeltern, Tanten und Onkeln viel lernen. Sie haben die Lebenserfahrung, sie sind unser Reichtum, wie Dr. Steinbach es in seinem angekündigten Referat nennt. Aber die Älteren können genauso viel von den Jungen lernen. Sie sind diejenigen, die das Neue – in welcher Form auch immer – das sich in der Gesellschaft entwickelt, vermitteln können. Auch das ist unser Reichtum.
Nötig ist es außerdem, dass die Unterteilung in Alt und Jung nicht mehr so ausgeprägt vorgenommen wird, wie bisher. Die ‚“Alten“ sind eine Gesellschaftsgruppe, die alle umfasst, die den Ersten Weltkrieg noch erlebt haben bis zu Vorruheständlern, die vielleicht erst um die 50 sind. Das ist weit mehr als eine Generation. Die „Jungen“ sind alle von 15 bis 35 oder vielleicht noch darüber. Auch das ist mehr als eine Generation.
Das zeigt, dass die Vielfalt der Lebenslagen und Lebensstile geteilt wird. Die Optionen des Lebens sind nicht an ein bestimmtes Lebensalter gebunden, außer in der Arbeitswelt, das gebe ich zu.
Es gibt also auf den zweiten Blick mehr Gemeinsamkeiten, als man vermuten würde. Es wäre deshalb schön, die oftmals vorhandene Sprachlosigkeit zwischen den Generationen in ein munteres Gespräch, geprägt von gegenseitiger Toleranz, zu verwandeln. Dann kommen wir auch auf den Problemgebieten weiter.
Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg für Eure Konferenz.
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