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Reden und Vorträge
16. November 2002
 

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Grußwort für Plenum „LernWelten“, Albert-Einstein-Gymnasium Buchholz
Bildung ist unser Reichtum

Die Bildungspolitik ist in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. PISA hat gezeigt, wo wir stehen. Gute Ausbildung und Bildung ist so wichtig wie die Luft zum Atmen. Wir brauchen deshalb die besten Bildungschancen, die in Deutschland möglich sind. Die Förderung muss schon in der Grundschule bzw. im Kindergarten anfangen, wenn unsere Kinder gut an den Hochschulen ankommen wollen. Junge Fachkräfte und Akademiker sind unerläßlich, wenn wir an der Spitze bleiben wollen.

Der Weg ist bereits beschritten, aber er ist noch weit. Das Bildungssystem läßt sich weder in kurzer Zeit noch durch Verwaltungsakte oder Gesetze kurzfristig ändern. Deshalb sind Initiativen wie die Harburger LernWelten nicht nur wichtig, sondern geradezu unerläßlich. Es gilt, das sich für ein besseres Bildungssystem und bessere Chancen für unsere Kinder die Menschen ändern müssen.

Gerade unser Landkreis Harburg braucht dieses tatkräftige Engagement der Wirtschaft, der verschiedenen Einzelpersonen und der Verwaltung. Nur wenn hier alle an einem Strang ziehen, wird sich etwas ändern. Sie alle kennen die Situation im Landkreis, z.B. sind die Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote nicht sehr ausgeprägt und wenig koordiniert. Das wird sich ändern müssen, denn die Berufsbildung ist und bleibt das Herzstück aller Bemühungen.

Die Harburger LernWelten haben mit ihren sieben Teilprojekten bereits die Kernpunkte der Bildungsprobleme erfasst und sind mit ihren Projektarbeitsgruppen ein gutes Stück voran gekommen. Wir werden heute hören, welche Ergebnisse vorliegen, wo und in welchem Umfang der Bedarf an einem solchen Netzwerk besteht.

Deshalb müssen wir nicht nur weiter über bessere Vernetzung nachdenken, sondern beispielsweise auch darüber, wie wir die unterschiedlichen Lebenslagen, in denen Menschen sich befinden, besser berücksichtigen können.

Besonders betroffen von der gegenwärtigen Arbeitsmarktsituation sind Frauen und Familien. Ich möchte darauf etwas näher eingehen, weil mir das Problem der Frauenarbeitslosigkeit und der gleichzeitigen hohen Qualifizierung vieler Frauen besonders am Herzen liegt.

Die aktuellen Vorschläge der Hartz-Kommission sind hier ein Durchbruch zur deutlichen Senkung der Frauenarbeitslosigkeit. Denn das Reformkonzept erkennt die große Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der Vermittlung arbeitsloser Mütter an. Vor allem viele allein Erziehende haben das Problem, keine Arbeit oder Fortbildung aufnehmen zu können, weil die entsprechende Kinderbetreuung fehlt.

Und die aktuelle Frauenbefragung der LernWelten bestätigt dies. Darüber hinaus zeigt sie deutlich, wo die Bedürfnisse der Frauen liegen. Interessant für mich war dabei, dass sehr viele Frauen sich den Sprung in die Selbständigkeit vorstellen können und gleichzeitig der Erwerb von Computer-Kenntnissen oben auf der Liste steht. Das zeigt, in welche Richtung wir arbeiten müssen.

Deshalb wird es Aufgabe der JobCenter, wie im Hartz-Konzept vorgesehen, sein, bei der Beschaffung beispielsweise von Kindertagesstättenplätzen zu helfen. Um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen, werden die finanziellen Mittel gebündelt. Die JobCenter können so gemeinsam mit Kommunen, Trägern, Privatinitiativen oder Unternehmen zusätzliche Betreuungskapazitäten schaffen.

Hintergrund dieser Erweiterung der Aufgaben des Arbeitsamtes ist die ganzheitliche Betrachtung des Arbeitslosen. Der Arbeitslose bekommt ein Gesicht, er ist nicht mehr anonym. Der einzelne Mensch und seine persönliche Lebenslage, hier die Verantwortung für Kinder, rücken in den Blickpunkt des Vermittlers.

Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf leistet auch einen Beitrag zur Lösung des Fachkräftemangels. Denn die bestausgebildete Frauengeneration, die Deutschland je hatte, kann nur erwerbstätig sein, wenn es für den Nachwuchs genügend Kindertagesstätten und Ganztagsschulen gibt. Am Freitag (15.11.02) wurde deshalb der „Erste Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Die ersten Schritte zur Modernisieerung sind vollzogen!

All dies gilt natürlich auch für den Landkreis Harburg. Neben dem, was ich bereits gesagt habe, scheint es mir besonders wichtig zu sein, dass zwischen Landkreis und Stadt Hamburg ein enges Netz der Kompetenzen geknüpft wird. Firmen könnten z.B. Aufträge zur Bearbeitung unternehmensspezifischer Probleme an Schulen und Universitäten geben. Schüler und Studenten werden so frühzeitig an die Praxis der Wirtschaft herangeführt. Wenn dies international verknüpft wird, werden die Einblicke in Bedingungen, Chancen und Risiken der Globalisierung sehr deutlich.

Ich denke, es ist tatsächlich notwendig, offensiv mit den Problemen umzugehen und sie aktiv anzugehen. Die Harburger LernWelten zeigen bereits deutliche Ergebnisse aber eben auch Bedürfnisse und Notwendigkeiten. Das Wichtigste ist, das angesprochene Netz möglichst breit zu knüpfen und möglichst viel Kompetenz von allen Seiten einzubinden. Die regionale Wirtschaft und die hier lebenden Menschen haben es in die Hand genommen, dabei werde ich sie auch weiterhin unterstützen, wo ich kann und wünsche den Harburger LernWelten großen Erfolg!