|
Sehr verehrte Frau Vorsitzende, liebe Monika Griefhahn,
es ist mir eine ganz besondere Freude und Ehre, Sie und Ihre Freunde heute abend in der Residenz Frankreichs, die Ihnen gut vertraut ist, empfangen zu können.
Ich werde eine Frau mit Überzeugungen auszeichnen, die gleichzeitig eine große Liebe zu Frankreich hegt. Eine Frau mit Überzeugungen, die bekannt ist für ihr energisches Engagement im politischen Bereich, in der Sozialdemokratischen Partei, aber gleichzeitig auch im Umweltschutz, der Ihre Karriere wie ein roter Faden von Anfang an durchzieht.
Ihre Arbeit bei Green Peace Deutschland in Hamburg und dann als erste Frau im Vorstand haben zweifellos Ihren Lebensweg und Ihr Temperament geprägt. Sie haben sich diese Leidenschaft bis heute bewahrt.
Als Ministerin für Umweltschutz des Landes Niedersachsen von 1990 bis 1998 haben Sie nicht gezögert auch Positionen zu vertreten, die von den Führern Ihrer Partei nicht unbedingt geteilt wurden. Die Beschäftigung mit dem Umweltschutz hat Sie nicht mehr losgelassen und erst kürzlich haben Sie auf der EXPO 2000 in Hannover ein Seminar mit deutschen und französischen Parlamentariern unterschiedlicher Herkunft/ Parteien zu erneuerbaren Energiequellen geleitet.
Sie haben mit anderen Parlamentariern eine Arbeitsgruppe zu den Folgen der Globalisierung gegründet, die sich nicht nur mit sozialen und ökonomischen sondern auch umweltpolitischen Aspekten beschäftigt.
Aber heute abend wollen wir vor allem die Freundin Frankreichs ehren. Auf jeder Ihrer Lebensetappen war die Verbindung zu Frankreich deutlich, auch wenn die Region, aus der Sie kommen, zum englischen Königreich gehörte und eher im Ruf steht, angelsächsischen Einflüssen unterworfen zu sein. Sie sind zu dieser herkömmlichen Meinung der lebendige Gegenbeweis.
Bereits in früher Jugend, mit 18 Jahren, haben Sie an einem deutsch-französischen Praktikum in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung teilgenommen. Zum Thema "Manipulations et malaises" - was für ein Programm! - wurden dabei Depeschen der AFP und DPA miteinander verglichen.
Ein Jahr später, als die deutsch-französischen Freundschaft für Sie bereits Herzenssache war, machten Sie eine Ausbildung beim Deutsch-Französischen Jugendwerk. Dabei organisierten Sie Begegnungen zwischen jungen deutschen und französischen Arbeitnehmern unterschiedlichster Herkunft und Bildungshorizonts, um aufzuzeigen, wie nah sie sich trotz der sprachlichen Unterschiede waren. Diese deutsch-französische Ader prägte Sie seitdem. Selbst wenn Ihr religiöses Engagement auf diese Begeisterung abfärbte. Die Vereinigung der Jungen Christen, in der Sie Mitglied waren, erinnert sich noch gut daran.
Als Studentin sind Sie immer wieder nach Frankreich gereist, von der Bretagne nach Grenoble und Lyon, über die Auvergne, Paris und die Provence, wo Sie sich für die französische Kultur begeistert haben, vor allem für das Kino, über die Filme von Simone Signoret. Doch Sie haben dabei auch nicht die Freuden des Lebens vergessen - ich meine die französische Küche - und insbesondere bestimmte Desserts. Die Begeisterung für den französischen Film blieb nicht ohne Auswirkungen auf Ihr bemerkenswertes und geschätztes Plädoyer für die kulturelle Vielfalt. In dieser Diskussion haben Sie sich - wie Sie offen sagen - vom französischen Fördersystem für den Film inspirieren lassen.
Auch in jüngster Zeit war Ihre politische Laufbahn ein Glücksfall für die deutsch-französischen Beziehungen, die für Sie gleichermaßen Herzens- und Überzeugungssache geworden sind. Im letzten Jahr haben Sie sehr bewegt von einer Begegnung zwischen den Bürgermeistern der kleinen Gemeinden Canteleu in Frankreich und Buchholz in Niedersachsen erzählt, bei der deutsche und französische Lieder interpretiert wurden. Neben dem Ereignis selbst, daß Sie bewegt hat, weil Sie in diesem Moment an die blutige Vergangenheit beider Länder dachten, verkörperte dieses Treffen alles, woran Sie immer geglaubt haben und glauben: die deutsch-französischen Beziehungen werden vor allem auf der Ebene der Bürger mit Leben erfüllt. Aus diesem Grund sind Sie von der Bedeutung der Partnerschaften zwischen den Städten und Regionen überzeugt.
In Ihren Funktionen als Vorsitzende des Kultur- und Medienausschusses des Deutschen Bundestages und als stellvertretende Vorsitzende der deutsch-französischen Parlamentariergruppe waren Sie stets von dem Wunsch getragen, unsere beiden Länder, Völker und Kulturen einander
näher zu bringen. In den unterschiedlichsten Bereichen, wie der Filmförderung, dem Stiftungsrecht, dem Austausch von Kulturgütern in der Zeit der Globalisierung, war es immer Ihr Bestreben, systematisch die deutschen und französischen Positionen anzunähern.
Erlauben Sie mir Ihnen, liebe Monika Griefhahn, zu sagen, wie sehr unser Land Ihren Beitrag schätzt. Sie waren stets zur Stelle, wenn es um die deutsch-französische Verständigung ging. So haben Sie auch im vergangenen Jahr eine Einladung des französischen Außenministers zu einer gemeinsamen Debatte mit Ihren europäischen Kollegen in Paris angenommen, bei der es um die Globalisierung und deren Auswirkungen auf die kulturelle Vielfalt ging.
All diese Gründe rechtfertigen die Wahl, die die Französische Republik heute abend trifft.
Je vous remets au nom du Président de la République les insignes de chevalier de l'ordre national de la Légion d'honneur.
|