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[ Anrede ] ,
Kulturpolitik in Deutschland subventioniert eine Vielzahl kultureller Aktivitäten und weite Bereiche des kulturellen Lebens – ich denke da an so unterschiedliche Dinge wie das zeitgenössische Theater oder die Museen. Es gibt aber ein höchst bedeutsames kulturelles Spektrum, das kaum vom Staat subventioniert wird, sich aber dennoch sehr erfolgreich entfaltet oder mehr noch, sogar ein wesentlicher Teil der Kulturindustrie ist – die Rock- und Popmusik nämlich, oder, besser gesagt: die Musikwirtschaft.
Wir werden heute über das Potential der deutschen Musikindustrie als nationaler Wirtschaftsfaktor und als Exportartikel sprechen und versuchen, den Dialog zwischen Politik und Unterhaltungsindustrie zu intensivieren. Dabei sollte auch nicht vergessen werden, daß Pop- und Rockmusik die Demokratisierung der Musik voran gebracht hat – auch wenn unser Staatsminister schon davon sprach, dass zu Zeiten Mozarts die Oper die Popmusik der Zeit war. Ziel dieses Kongresses ist es ja, sich über die Bedeutung von Musik als Standortfaktor klar zu werden,
aber auch die internationale Dimension und die kulturpolitischen Rahmenbedingungen der Musikwirtschaft zu diskutieren.
Die deutsche Musikwirtschaft hat sich zum wirtschaftlich bedeutendsten Bereich innerhalb der Kulturindustrie entwickelt. Allein die deutschen Tonträgerverkäufe machen einen jährlichen Umsatz von etwa drei Milliarden Euro aus.
Schließlich stellt die Musikbranche auch einen bedeutsamen Arbeitsplatzfaktor dar: Industrie und Handel haben unmittelbar ca. 36.000 Beschäftigte. Außerdem sind weitere rund 60.000 Beschäftigte bei Musikverlagen, Studios, Agenturen, Veranstaltern usw. von der Tonträgerindustrie abhängig. Und nicht zuletzt sind die gut 100.000 ausübenden Künstler, Komponisten und Textdichter zu nennen.
Natürlich muß man, wenn es um die Musikwirtschaft geht, auch über Berlin sprechen. Berlin hat sich zu einer international beachteten Musikstadt entwickelt. Die Berliner Musikwirtschaft setzt jährlich etwa 300 Millionen Euro um. Die jährliche Love Parade hat viel zum Image des „Neuen Berlin“ beigetragen und zieht eine Vielfalt von Kreativen nach sich.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Verhältnis von Musikwirtschaft und Internet, von Musik und E-Commerce. Die deutsche Tonträgerindustrie hat daher bereits vor zwei Jahren einen Schwerpunkt auf das Thema „Internet und Musikwirtschaft“ gelegt. Mit der Phonokomm, einem sechswöchigen Online-Auftritt der deutschen Musikbranche, wurde der Startschuss gegeben für eine Entwicklung, durch die heute praktisch sämtliche Tonträgerhersteller in Deutschland im Internet mit eigenen Auftritten präsent sind.
Einmal abgesehen von der Frage, wie die Renditeentwicklung mit dem Online-Geschäft weitergeht: Das Internet bietet unbestritten ganz neue Chancen für die Musikbranche. Natürlich ist hier eine wesentliche Voraussetzung der Schutz des geistigen Eigentums von Komponisten, Autoren, ausübenden Künstlern und Tonträgerherstellern, der wie sie alle wissen, auch ein besonderes Anliegen der Bundesregierung ist.
Mit der Berufung eines Staatsministers hat die Bundesregierung deutlich gemacht, dass Kultur – und zwar jede Art von Kultur - für sie einen neuen Stellenwert hat. In Zusammenarbeit mit dem Ausschuss für Kultur und Medien sind viele für Künstlerinnen und Künstler relevante Entscheidungen getroffen worden. Ob nun Urhebervertragsrecht, Künstlersozialkasse oder die Regelung der Besteuerung ausländischer Künstlerinnen und Künstler, alle diese Reformen haben gerade für die Musikwirtschaft Auswirkungen. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um E- oder U-Musik handelt. Für uns sind beide Richtungen gleichermaßen wichtig.
Für die weitere Entwicklung des Musikbereiches ist es ganz entscheidend, dass – gerade bei der Popkultur – auch künftig die Vielfalt gewährleistet ist. Es darf nicht zu einer „McDonaldisierung“ der Popkultur kommen, indem sich die Branche auf die Nachahmung einzelner Pop-ikonen wie zum Beispiel Britney Spears beschränkt.
Deutschland hat eine gute Grundlage für die Erhaltung einer großen Vielfalt, denn verschiedene Stilrichtungen sind auch in einem ganz entscheidenen Maß von Deutschland ausgegangen – wie zum Beispiel Hip-Hop, Techno oder Rap und das schon seit einigen Jahrzehnten, wenn ich auch an die „Neue deutsche Welle“ denke oder an Bands wie „Kraftwerk“, die heute noch in Collage-Sendern in den USA gespielt werden. Deutsche Musiker wie Sarah Connor , Echt oder die Söhne von Mannheim sind auch international erfolgreich und vertreten ganz unterschiedliche Stilrichtungen. Der Musiksender VIVA setzt verstärkt auf Musik deutscher Künstler.
Die staatliche Subventionierung von Theatern macht es möglich, dass auch weniger geförderte Bereiche wie die Musikbranche, die subventionierten Theater als Spielorte nutzen können. Als Beispiel sind hier in Berlin der Rote und Grüne Salon der Volksbühne aufzuführen, in denen Chanson- und Tangoabende und auch zahlreiche Partys stattfinden. Das Hebbel-Theater bietet sowohl der Berliner Kammeroper als auch der Zeitgenössischen Oper Berlin regelmäßig Aufführungsmöglichkeiten. Subventionierung von Theatern und Möglichkeiten für die Musikbranche können also miteinander verbunden werden.
Die föderale Struktur der Förderungen im Kulturbereich trägt dazu bei, dass sich in zahlreichen Städten wie München, Frankfurt, Berlin und Hamburg die Musical-Kultur mit Musicals wie Cats , Phantom der Oper etc. in ihrer ganzen Vielfalt entwickeln kann und zugleich auch kommerziell erfolgreich sein kann, ohne sich auf eine Stadt, wie z.B. die Hauptstadt Berlin, zu beschränken.
Die Musikbranche spielt eine wichtige gesellschaftliche Rolle und muss daher stärker in den Fokus der Politik gerückt werden. Insbesondere die sog. U-Musik bedarf einer näheren Betrachtung, wurde sie doch bisher aufgrund der traditionellen Trennung zwischen ernster und unterhaltender Musik, die im internationalen Vergleich vermutlich so nur in Deutschland existiert und im Ausland auf Unverständnis stößt, vernachlässigt und weit weniger gefördert als die E-Musik.
In diesem Zusammenhang muss allerdings auch eine Diskussion darüber geführt werden, wieviel staatliche Aktivität überhaupt vonnöten ist, und welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um eine möglichst optimale Entfaltung der Musikbranche zu erreichen.
Wir haben auf diesem Kongress die Möglichkeit, diese Fragen zu diskutieren. Traditionell waren wir als Politiker oft Zielscheibe der Rock- und Pop-Kultur – und das ist auch gut so - , es sollte uns aber nicht daran hindern, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Künstlerinnen und Künstler nicht eingrenzen, sondern ihnen möglichst viele Möglichkeiten bieten. Ganz im Sinne von Pink Floyd: „We don't need no thought-control.“
Ich bin davon überzeugt, dass dieser Kongress – als einer der ersten seiner Art - ein wichtiges Signal setzen kann und der Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Kultur neue Impulse geben wird.
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