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Reden und Vorträge
24. Januar 2002
 

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Plenarrede zur Goldgewinnung

Die Rede wurde zu Protokoll gegeben.

Herr Präsident, meine Damen und Herren,

unser Antrag, die Gesundheits- und Umweltgefahren bei der Goldgewinnung zu minimieren, sind Stand aus einem Diskussionsprozess der Ende Januar 2000 nach der Katastrophe des Aurul Goldbergwerks in Rumänien einsetzte.

In der Mediendemokratie, wo hauptsächlich Ereignisse der westlichen Welt von Belang sind, ist das Gefühl entstanden, als hätte es seither keine Probleme mit der Goldgewinnung gegeben. Allein nach meiner Kenntnis hat es in den letzten 2 Jahren mehr als 15 vergleichbare Unfälle/Katastrophen gegeben. Allerdings waren diese hauptsächlich in Lateinamerika und in Afrika. Auch vor Ort in Rumänien sind die Probleme alles andere als gelöst. Es ist zu befürchten, dass sich mit der Schneeschmelze erneut eine vergleichbare Katastrophe ereignen könnte.

Gold als Edelmetall ist ein Symbol. Ein Symbol für Beständigkeit, für Göttlichkeit. In der Menschheitstradition hatte Gold immer eine besondere Bedeutung. Allerdings ist auch die ganze Menschheitsgeschichte im Zusammenhang mit Gold mit Verbrechen verbunden, mit der Raffgier der Menschen, mit Mord an Eingeborenen, mit katastrophalen Umweltzerstörungen und damit Zerstörungen von Lebensmöglichkeiten. In der Massengesellschaft, wo immer breitere Schichten Gold erwerben konnten, wurde Gold auch zum Massenprodukt. Je mehr Goldbedarf besteht, desto mehr wurden Goldgewinnungstechniken entwickelt, die es ermöglichen selbst normale Erde gewinnbringend als "Golderz" zu nutzen. Die Goldgehalte in solchen "Erzen" liegen im Bereich von einem Gramm pro Tonne. Nur mit vielen Prozesschemikalien, insbesondere mit Natriumcyanid, kann das Gold heraus gewaschen werden.

Die Gier nach Gold scheint dem Menschen inne zu wohnen. Schon Goethe sagte dazu in Faust: "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles...".

Bei einer Bevölkerungszahl von 7 Milliarden Menschen auf der Erde ist die Goldgewinnung wie sie jetzt durchgeführt wird in keinem Fall nachhaltig, in keinem Fall erträglich und darf in keinem Fall so weitergeführt werden. Um es Ihnen zu verdeutlichen:
2 ½ Tonnen Gold, die verwendet wurden, um den Menschen den leuchten Glanz der D-Mark darzustellen, haben weit mehr Müll verursacht, weit mehr an giftigen Schwermetallen in die Umwelt gebracht, weit mehr an schädlichem Abraum erzeugt, als die gesamte Hausmüllmenge der Bundesrepublik in einem Jahr.
Die sozialen Konsequenzen sind ähnlich. Etwa 60 % des Goldes, das weltweit gewonnen wird, wird unrechtmäßig gewonnen, und zwar von Land der eingeborenen Bevölkerung, was dieser praktisch geraubt wird.

Etwa 5 Jahre lang werden Erd- und Gesteinsmassen zerkleinert, auf Haufen aufgeschüttet und mit Natriumcyanid übergossen. Die goldhaltige Natriumcyanidlösung wird aufgefangen, das Gold wird daraus gewonnen. Dann werden diese so genannten Bergwerke stillgelegt und die Menschen, die vor Ort gewohnt haben bleiben mit einer giftigen, gefährlichen Altlast zurück. Bei einem Goldpreis von US $ 250 - 300 pro Feinunze ist Umweltzerstörung praktisch zwangsläufig. Und immer wieder sind deutsche Geldgeber, deutsche Banken an solchen dubiosen Projekten beteiligt.
Allein in der Türkei gibt es Planungen und Tätigkeiten über mehr als 500 von solchen umwelt- und sozialschädlichen Projekten.
Kann jemand überhaupt noch mit gutem Gewissen Goldschmuck kaufen? Von der weltweiten Verwendung des Goldes gehen etwa 80 % in den Bereich Schmuck. Goldbergbau wird auf Kosten der Allgemeinheit weltweit subventioniert. Es gibt keinerlei verlässliche Standards innerhalb der WTO.

Ist es jetzt notwendig endliche eine Umweltabgabe und Sozialabgabe auf Gold zu erheben oder eine Goldsteuer, um die Umweltzerstörungen in den Ländern wieder ausgleichen zu können?

Die amerikanische Umweltbehörde hat den Bergbau inzwischen als die schlimmste Quelle für Umweltzerstörung identifiziert. In verschiedenen Bundesstaaten der USA ist es zu massiven Einschränkungen und Verboten im Goldbergbau gekommen. Um so mehr sind Dritte-Welt-Länder bedroht. Was notwendig ist, haben wir in unserem Antrag aufgelistet.

  • Es muss erreicht werden, dass Umweltstandards insbesondere im Bergbau und vor allem im Goldbergbau etabliert werden.
  • Es muss sichergestellt sein, dass die besonders schädliche Haufenlaugung mit Natriumcyanid endlich unterbleibt und, dass
  • Es muss gewährleistet sein, dass Bergbauunternehmen wie Chemieunternehmen betrachtet werden. Ein solcher Bergbaubetrieb der etwa 5 6 Tonnen Gold herstellt, verursacht dabei über 30 Mio. Tonnen an Abfall und benötigt etwa 800 Tonnen Natriumcyanid. Wenn dies im offenen Verfahren durchgeführt wird, ist das ein Verbrechen an den Menschen und der Umwelt.

Wir haben vielfach unsere Umweltbelastungen damit reduziert, dass wir schmutzige oder traditionell schmutzige Industrie in die südlichen Länder verlagert haben. Es ist nicht notwendig, den Mars zu besiedeln, man braucht nur nach Chile gehen, um dort so weit das Auge reicht, Zerstörungen durch Bergbau und dessen Folgen - Mond- oder Marslandschaften - zu sehen.

Es muss Teil deutscher Außenpolitik sein, zu verhindern, dass mit Geld oder mit Nachfrage aus Deutschland Umwelt- und soziale oder kulturelle Verbrechen in Entwicklungsländern begangen werden. So wie Kinderschänder bei uns belangt werden müssen, wenn sie sich die Not der Menschen auf den Philippinen oder Thailand zu nutze machen. So müssen auch Umweltschänder an den Pranger gestellt und verfolgt werden.

Wenn es uns wirklich darum geht, eine gerechte Weltwirtschaftsordnung zu schaffen, dann ist es besonders wichtig Standards zu schaffen, die umwelt- und gesundheitsverträglichen Bergbau ermöglichen. Fangen wir mit dem Goldbergbau dabei an und machen dies zum Schwerpunkt unserer Politik.