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Reden und Vorträge
19. März 2003
 

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Einführung Lesung iranischer Schriftstellerinnen
Ich bedanke mich sehr dafür, dass ich heute abend die Gelegenheit habe, zwei profilierte iranische Schriftstellerinnen vorstellen zu dürfen. Und ich danke Frau Lange – der Gleichstellungsbeauftragten der Bundestagsverwaltung - für ihr Engagement, die beiden in die Gebäudes Deutschen Bundestages einzuladen.

Anlaß für die heutige Veranstaltung ist der Internationale Frauentag, den wir am 8. März begangen haben. Ich könnte mir niemanden Besseres als Farideh Akashe-Böhme und Monireh Baradaran vorstellen, um uns zu zeigen, unter welchen Umständen gerade Frauen heute immer noch zu leiden haben, wenn sie sich politisch engagieren.

Beide zeigen mit ihren Arbeiten, dass Frauen im Iran noch immer von einer Gleichbehandlung weit entfernt sind, sei es im gesellschaftlichen Umgang, sei es in der Behandlung als Oppositionelle, sei es als Gefangene.

Das Paradoxe an dieser Situation ist, dass es ja gerade der Iran war, auf dessen Initiative hin im Jahre 2001 das Jahr des „Dialogs der Kulturen“ der Vereinten Nationen begangen wurde. Aber beide Frauen, die heute abend aus ihren Werken lesen, leben im Exil in Deutschland, können und wollen also wegen der politischen Situation nicht in ihrer Heimat leben.

Ihre Bücher zeigen sehr deutlich die unterschiedlichen Lebensweisen. Sie sind ein sehr persönlicher Beitrag zu eben diesem Dialog der Kulturen. Wir können viel über die Situation von Frauen lernen und werden aufgefordert, uns mit dem eigenen, europäischen Standpunkt auseinanderzusetzen. Die Erlebnisse der Frauen im Iran machen dies nicht immer einfach.

Nun ist gerade der Iran dasjenige Land, in dem zumindest im internationalen Vergleich die größten Fortschritte zu sehen sind. Ich konnte dies auf einer Reise des Kulturausschusses selber erleben. Mir schien auch, dass gerade Frauen in der Nutzung der Internetcafés, um ein Beispiel zu nennen, fortschrittlicher sind als die Männer. Auf den Universitäten gibt es nach meinen Informationen mehr Studentinnen als Studenten. Ich hatte den Eindruck, dass der Umgang mit den Möglichkeiten der Öffnung des Landes den Frauen leichter fällt als den Männern. Aber vielleicht ist dies ein Grund dafür, dass Frauen in anderen Bereichen immer noch nicht den gleichen Status haben wie Männer.

Auf der politischen Ebene haben wir mit dem Iran die besten Kontakte und mir ist, gerade in der Kulturpolitik, eine große Neugier aufgefallen. Iranische Politikerinnen und Politiker sind sehr an dem interessiert, was in Europa und Deutschland passiert. Ich vermag dies nicht zu bewerten, das hat hier auch keinen Platz. Wenn ich das Werk von Farideh Akashe-Böhmer und Monireh Baradaran betrachte, sehe ich den langen und schmerzvollen Weg, den die beiden nehmen mussten und aus dem die Auseinandersetzung mit ihrem Land auf eine Art und Weise hervorsticht, die uns tief berührt.

Die Zeiten des Schahregimes und der nachfolgenden Herrschaft der Ajatollahs werden aus der Perspektive der Frauen vor Augen geführt. Die Lebensgeschichten der beiden sind sehr unterschiedlich, eines haben sie gemeinsam: was sie erlebt haben, haben sie so erlebt, weil sie Frauen sind. Mit dieser Perspektive sehen wir viele Dinge im Iran mit neuen Augen, ja, es tauchen Sachen auf, die uns aus einer Männerperspektive nie erzählt worden wären, weil sie einfach für Männer nicht existent sind.

Zum Internationalen Frauentag kann ich mit nichts besseres wünschen, als diese Frauengeschichten zu hören, mich von ihnen anregen zu lassen und die Geschichten von Frau Akashe-Böhmer und Frau Baradaran zum Anlass zu nehmen, weiter Einsatz für die Rechte von Frauen zu fordern und all diejenigen zu unterstützen, die für diese Rechte eintreten, mitunter sogar ihr Leben riskieren.

Ich wünsche Ihnen einen interessanten Abend mit Farideh Akashe-Böhmer und Monireh Baradran.

Vielen Dank.