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Reden und Vorträge
22. September 2003
 

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Eröffnung GI Kabul
Anrede,

die Wiederöffnung des Goethe Instituts Kabul ist – so finde ich – ein besonderer Moment der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik.

Seit fast hundert Jahren bestehen zwischen Afghanistan und Deutschland sehr gute Beziehungen in Wirtschaft, Technik, Kultur und Bildung.

Der Neuanfang in den Kulturbeziehungen kann auf ein gewachsenes Netz von engagierten Afghanen und Deutschen zurückgreifen und die traditionelle Zusammenarbeit zwischen Universitäten und anderen Kultureinrichtungen wiederbeleben. Mit einem jährlichen Volumen von 8,8 Mio. EUR leistet Deutschland einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Wiederaufbau.
Soweit sind die Rahmenbedingungen also gut und vielversprechend; auf ihnen läßt sich vieles wieder aufbauen.

Darüber hinaus sehe ich aber gerade hier in Afghanistan, wie richtig und wichtig die kulturelle Zusammenarbeit für die internationalen Beziehungen ist. Hier wird deutlich, wie sehr die Kultur Bestandteil der Außenpolitik sein muß.

Es ist ja immer wieder hoch interessant zu beobachten, dass in abflauenden Krisensituationen die Menschen fast immer zuerst nach der Kultur rufen. Als erstes werden Kinos und Theater wieder aufgemacht, Bibliotheken werden aufgesucht und gerade hier in Afghanistan wird auch deutlich, wie sehr die Möglichkeit zur Nutzung von freien Medien und Nachrichten geradezu lebensnotwendig ist.

Halten wir uns das vor Augen, wird deutlich, wie unverzichtbar die Arbeit des Goethe Instituts ist. Frau Elsässer hat nicht nur außerordentlichen persönlichen Mut bewiesen, es ist ihr auch in kürzester Zeit gelungen, die alten Beziehungen wieder mit Leben zu erfüllen und die grundlegende Programmatik unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, Dialog und Austausch, in bester Weise umzusetzen.

Ich denke, dass die rund 60 Deutschschüler, die Unterstützung der Bibliotheken, die Film- und Musikprojekte und nicht zuletzt die Arbeit mit Frauen für sich sprechen.

Das Goethe Institut als bisher einzige ausländische Kulturinstitution hat in Afghanistan darüber hinaus eine Pilotfunktion, weil wir sehen können, dass Kunst und Kultur eine befriedende Wirkung haben.

Die Stärken des kulturellen Dialogs werden besonders deutlich in einem Land, dass solange auf die Nutzung von Kultur verzichten mußte und wo der Umgang mit Kulturgütern der Ideologie untergeordnet wurde. Hier stehen wir besonders in der Verantwortung, wenn es darum geht, der Demokratie zu ihrem Recht zu verhelfen.

Wir lassen uns von Werten leiten, von denen wir überzeugt sind, dass sie zu den Grundrechten eines jeden Menschen gehören. Die freie Ausübung der Kunst und der freie Zugang zu Informationen, der Schutz von Kulturgütern und die Gleichberechtigung gehören unbedingt dazu. Naturgemäß sind dies auch die Grundpfeiler der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik.

Wir können nur versuchen - im offenen, respektvollen Dialog miteinander – unsere kulturelle Arbeit im Ausland immer wieder zu überprüfen, sie mit dem Wertekanon der Gastgeber abzugleichen, um so am Ende zu einem Prozeß des Austausches zu kommen, der Früchte trägt.

In diesem Sinne wünsche ich Frau Elsässer und dem ganzen Team des Goethe Institutes von ganzem Herzen viel Erfolg für ihre wirklich wichtige Arbeit. Ich danke dem Auswärtigen Amt für das Engagement in der Kultur- und in der Bildungszusammenarbeit und ich danke für die vielen beeindruckenden Momente, die ich mit zurück nach Berlin nehmen darf.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.