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Meine Meinung
Dienstag, 23. Januar 2001
 
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BSE-Krise - Kulturkrise?

Die aufgetretenen Fälle von BSE in der Bundesrepublik werfen neben allen bekannten Fragen der Ernährungssicherheit auch Fragen nach unserem Umgang mit den uns umgebenden Lebewesen auf. Die industrialisierte Landwirtschaft ist in vielen Regionen zu Nahrungsmittelproduktionstätten verkommen, in denen nach nahezu fordistischen Prinzipien gewirtschaftet wird. Die Tiere werden als reine Produktionsfaktoren betrachtet und so behandelt. Dass die Fütterung und Haltung dann nach Effizienzgesichtspunkten geschieht liegt zwar auf der Hand, ist aber für Mensch und Tier nicht verträglich und letztlich kontraproduktiv: denn entdeckte BSE-Fälle ziehen die Tötung der ganzen Herde nach sich, das kann nicht im Interesse des Landwirtes liegen.

Gut für unseren Landkreis Harburg ist, dass hier schon früh die Direktvermarktung begonnen hat, d.h. dass das Verhältnis von Landwirt zu Verbraucher viel direkter ist. Das hilft, Vertrauen zu schaffen und zu erhalten. Es ist deswegen ein Umdenken bezüglich der Produktionsweisen in der Landwirtschaft nicht nur dringend angeraten, sondern wir sollten uns auch darauf besinnen, wo der Begriff "Kultur" ursprünglich herkommt: aus der Landwirtschaft.Er beschreibt die Urbarmachung des Bodens, das "Kultivieren" von Nahrungspflanzen und anderen landwirtschaftlichen Nahrungsmitteln. So betrachtet ist die BSE-Krise eine Krise der landwirtschaftlichen Kultur. Wir haben uns weit von der reinen Urbarmachung des Bodens zum Zwecke der Ernährung der Bevölkerung entfernt. Zugegeben: die steigenden Bevölkerungszahlen ziehen die Erweiterung der Anbauflächen und die effizientere Nutzung der Produktionsmethoden nach sich. Berichte von UNO und NGO's zeigen, dass auf Dauer nicht nur unsere Böden und die Umwelt irreparabel darunter leiden, sondern dass wir uns am Ende durch die "unkultivierte" Verfütterung von Tiermehl und anderen, mitunter "kannibalistisch angereicherten" Futtermitteln krank essen. Dennoch gibt es immer noch Überproduktion, Export und andere Elemente, die eher Überfluss als Mangel suggerieren.

Das gemeinsame Essen, in der Familie, im Restaurant, ist auch und vor allem ein soziales Ereignis. Insofern ist es eine kulturelle Erscheinung, die nicht durch fragwürdige und gesundheitsschädigende Methoden der Nahrungsmittelproduktion gefährdet werden darf. Auch deshalb ist die Umorientierung auf eine ökologische und umweltorientierte, den Regionen angepasste Produktion in der Landwirtschaft nötig. Dazu ist eine verstärkte Förderung des ökologischen Landbaus und des Absatzes seiner Produkte erforderlich, damit Anreize für verträgliche Nahrungsmittel geschaffen werden. In unserer Region müssen wir die Umstellung forschend begleiten. Damit erreichen wir mindestens zwei Ziele: schonender Umgang mit den Böden und Produktion gesunder Nahrungsmittel. Betrachten wir unsere Landwirtschaft auch als eine kulturelle Errungenschaft anstatt nur als einen reinen Wirtschaftsbereich, sollte ein Umdenken gelingen.

 
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