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Meine Meinung
Dienstag, 13. Februar 2001
 
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Science und Fiction

Revolutionen finden heutzutage zumeist dort statt, wo man sie früher nie vermutet hätte, nämlich an den kleinsten Orten - auf dem Boden von Reagenzgläsern, beim Erfoschen der menschlichen Gene. Das privatfinanzierte Humangenomprojekt und das mit öffentlichen Mitteln finanzierte Human Genome Project haben erstmals unseren gesamten genetischen Code, das Genom, entziffert. Eine Revolution und doch merken wir auf Anhieb nicht viel davon. Allenfalls macht es uns Angst, dass wir nichts weiter sein sollen, als eine lange Kette von "Buchstaben"; Basen, aus denen der Grundcode unseres Lebens zusammengebaut ist.

Die andere Angst ist die: kann man uns nun beliebig manipulieren? Fantasien vom Homunculus tauchen auf. "Science bedeutet Wissenschaft, "Fiction", das heißt Erfindung: Wir müssen sehr genau unterscheiden. Die Gentechnik bietet Chancen, aber auch Gelüste auf Handeln, das wir nicht wollen. Vom Klonen eines Menschen sind wir derzeit sehr weit entfernt. Auch ist es, wie die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Vollhardt betont, im Grunde unmöglich, einen Menschen exakt nachzubilden. Nicht nur, weil sich Gene, da sie lebendig sind, niemals identisch kopieren lassen, sondern auch, weil wir Kulturwesen sind. Niemals könnte ein "Klon" exakt unsere Erfahrungen machen, genau unsere Gefühle teilen. Hinzukommt die rechtliche Realität: unser Embryonenschutzgesetz verbietet das Klonen eindeutig. Dennoch sind Besorgnis und Wachsamkeit gefordert. Denn mit unseren Nahrungsmitteln dürfen wir nicht achtlos alle Manipulationen geschehen lassen, die möglich sind. Und da schließt sich der Kreis: Durch die BSE Krise wächst die Akzeptanz für genmanipuliertes Soja aus den USA. Allerdings besteht auch bei vielen Menschen der Wunsch, die gentechnische Forschung zu nutzen, Erkrankungen zu erforschen und ihre Behandlung zu ermöglichen.

Die Bundesregierung muß diesen Spagat organisieren: Therapie durch gentechnische Forschung zu ermöglichen, ethische und rechtliche Grundsätze, wie den Embryonenschutz nicht zu verletzen, und sichere Lebensmittel ohne Gentechnik zu liefern. Bei all dem soll der geplante Ethikrat helfen. Die Politik muß Rahmen setzen zum Wohle des Menschen. Wo Gefahren auftauchen, muß sie zur Stelle sein. Weil wir mehr sind, als nur ein Code: Wir sind Mitmenschen.

 
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