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Meine Meinung
Donnerstag, 29. März 2001
 
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Und wieder rollt der Castor

Castor = "Cask for storage and transport of radioactive material" - diese sechs Buchstaben symbolisieren eine seit langer Zeit heftig geführte Auseinandersetzung. Seit 1996 gibt es Rücktransporte von Wiederaufarbeitungsabfällen aus Frankreich in die Bundesrepublik. Am 5. März 1997 rollte der letzte Transport dieser Art von La Hague nach Gorleben. Am Montag dieser Woche war es wieder so weit: am Abend startete Rücktransport aus La Hague in das Zwischenlager Gorleben. Es war der bisher größte Transport dieser Art. Rund 85 Tonnen Atommüll enthielten die sechs Castoren. Als Umweltministerin von Niedersachsen war ich ständig mit der Atommüllentsorgung beschäftigt. Schon immer habe ich mich dafür eingesetzt, die Anzahl der Atomtransporte zu minimieren. Sobald bekannt geworden war, dass die von den Castoren während des Transportes ausgehende Strahlung die zulässigen Strahlenwerte der Strahlenschutzverordnung überschritt, habe ich ein Moratorium gefordert, obwohl ich grundsätzlich glaube, dass wir den deutschen Atommüll nicht in Frankreich lassen dürfen. Die damalige Umweltministerin Merkel ließ sich schließlich, 1997, für einen Transportstopp gewinnen.

Was damals richtig war, ist es heute immer noch. Die Lösung des Problems muß auf zweierlei Wegen erfolgen: durch die Reduzierung der Produktion von Atommüll - mit dem von der Bundesregierung beschlossenen Ausstieg kommen wir diesem Ziel Schritt für Schritt näher - und mit der Zwischenlagerung dieses Mülls an den Kraftwerkstandorten, bis ein Endlager gefunden worden ist. Dies hat noch einen weiteren Vorteil: auch ein abgeschaltetes AKW muß gewartet und bewacht werden; das dort eingesetzte qualifizierte Personal könnte zugleich die Sicherung der Atommülllagerung übernehmen. Damit bleiben die Arbeitsplätze an den Standorten erhalten. Der Müll wird nicht unnötig durch die Gegend gekarrt und man verursacht nicht noch mehr Müll durch die Wiederaufbereitung. Auch dieses Ziel ist zum Großteil bereits in der Umsetzungsphase. Zwei dezentrale Zwischenlager, am AKW Obrigheim und am stillgelegten AKW Greifswald, sind bereits 1999 in Betrieb gegangen und die Betreiber aller Kernkraftwerke, außer Mühlheim-Kärlich, das stillgelegt wird, haben Zwischen- bzw Interimslager beantragt.

Ein sofortiger Stopp aller Transporte ist im Augenblick noch nicht möglich. Wir müssen uns an die getroffenen Absprachen halten, dazu ist die Bundesrepublik völkerrechtlich verpflichtet. Wir wollen aus der Wiederaufbereitung aussteigen; im Atomkonsens ist das Jahr 2005 verabredet. Wir wollen die massive Förderung alternativer Energien (100.000-Dächer-Programm, KWK-Gesetz u.a.) und Energieeinsparmaßnahmen (Wärmeschutzverordnung, Energiepässe). Die deutschen Energieunternehmen können viel schneller auf Atomkraft verzichten als im Atomkonsens festgeschrieben. Schon heute reden Manager der RWE vom "virtuellen Kraftwerk". Das bedeutet, dezentrale Energiequellen, z.B. Brennstoffzellen auf Hausdächern, über Datenverarbeitung zu vernetzen statt Großkraftwerke zu haben, die Strom verteilen.

 
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