Die Maul- und Klauenseuche steht
vor den Toren der Bundesrepublik. Im Westen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens
bereiten sich die Landwirte auf das Schlimmste vor. Es scheint letztlich
nur eine Frage der Zeit, bis die Seuche auch auf Deutschland übergreift.
Verbraucherschutzministerin Künast versucht auf europäischer Ebene
präventive Impfungen umzusetzen, was jedoch am massiven Widerstand
der fleischexportierenden Länder scheitert. Doch wo liegen die Ursachen
für die schnelle Verbreitung des Erregers?
Zum einen ist das Virus hochansteckend,
andererseits wird durch die immer mehr werdenden Tiertransporte
der Virus auch in der Fläche sehr schnell verbreitet. Hier liegt
auch die Lehre, die die Landwirtschaft langfristig ziehen sollte.
In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat die Entwicklung hin zu
einer weitgehend industrialisierten Viehwirtschaft massiv zugenommen.
Dies ist vor allem in Großbritannien besonders ausgeprägt - mit
einer der Gründe, dass sich sowohl BSE als auch MKS dort besonders
schnell ausbreiten konnten. Auch wenn für MKS der Zug schon abgefahren
ist, so müssen wir doch darüber nachdenken, wie wir in Zukunft mit
solchen Situationen umgehen und, noch wichtiger, wie wir die Risiken
der Entstehung minimieren können. Hier ist der Vorschlag von Frau
Künast, schrittweise zur ökologischen bzw. regionalisierten Landwirtschaft
zu gehen, sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Hier ist der Landkreis Harburg schon
sehr weit, die Wege vom Bauern zum Schlachthof zum Verbraucher sind
hier besonders kurz. Nichts desto trotz hat Deutschland noch große
Anstrengungen vor sich, um ökologische Katastrophen wie BSE oder
MKS in Zukunft zu verhindern. Verbrennungsaktionen wie in Großbritannien
liefern keine Lösung: erstens transportieren sie das Virus, zweitens
sind das mittelalterliche Methoden, um das vermeintlich Böse zu
vertreiben - was aber nicht funktioniert (siehe erstens). Es geht
weiter bei der Frage der Futtermittel: es kann nicht ausreichen,
auf Vorfälle zu reagieren, vielmehr müssen sich Politik und landwirtschaftliche
Betriebe bereits im Vorfeld darüber klar werden, wo die Risiken
moderner Viehwirtschaft liegen und wie weit die Industrialisierung
gehen kann, ohne dass der Verbraucher mit unzumutbaren Konsequenzen
konfrontiert wird. Dass es dafür nunmehr ein eigenes Verbraucherschutzministerium
gibt, ist gut und richtig, es kann aber nicht ausreichen. Es gilt,
in Zusammenarbeit mit Tierschutzverbänden, Wissenschaftlern, Landwirten
und Verbraucherverbänden ein System der Viehwirtschaft zu entwickeln,
das zukunftsfähig ist. Die Verbraucher haben Macht, sie haben die
Wahl zwischen Produkten aus lokaler Produktion und industriell hergestelltem
Fleisch. Und es wirkt. Leider haben aber die Ökohöfe und die Spezialschlachthöfe
dank reißendem Absatz inzwischen Stillstand. Es geht also auch um
einen höheren Preis.