Die Ereignisse der vergangenen Wochen
haben es deutlich gemacht: Demokratie lebt vom Mitmachen! Ob nun
die Feuerwehrleute am Ground Zero oder die Polizisten, die letzte
Woche ein Skinheadkonzert in Tostedt aufgelöst haben, sie stehen
an der Spitze und machen ihren Job bravourös und mit großem Engagement.
Doch letztlich bekämpfen sie nur die Folgen eines Übels. Die Wurzeln
der Extremen, ob Neonazis oder Terrorbanden, liegen tiefer und müssen
von uns allen bekämpft werden. Bürgerschaftliches Engagement, so
sperrig dieses Wort auch ist, ist zwingend notwendig, extreme Tendenzen
erst gar nicht zuzulassen. Dabei gibt es keine Staatsgrenzen. Wie
sich Terrorbanden und Neonazis global organisieren, muss auch der
Widerstand und die positiven Aktivitäten, Solidarität und Mitmenschlichkeit,
global sein.
Die Formen sind dabei vielfältig:
durch Demonstrationen und Aktionen können wir deutlich zu machen,
dass öffentlichkeitswirksame Aufmärsche von Neonazis nicht Mehrheitsmeinung
darstellen und auch nicht geduldet werden. Aber auch die aktive
Arbeit in sozialen, politischen oder karitativen Organisationen,
in Selbsthilfe- und Eine-Welt-Programmen.
Für den islamistischen Terrorismus
gilt: Integration und Bekämpfung von Armut sind die besten Waffen
gegen den Terror, der auch aus Deutschland organisiert und unterstützt
wird. Je größer die Integration von muslimischen Mitbürgern, desto
geringer die Chance, dass hier lebende Muslime sich radikalen Gruppen
anschließen und Nährboden schaffen. Ein Dank gilt an dieser Stelle
all denen, die seit Jahren sich engagiert um das Zusammenleben von
verschiedenen Nationen und Religionen kümmern. Allzu häufig fehlt
die breite Unterstützung.
Noch wichtiger geworden ist es,
auf die hier lebenden Muslime zuzugehen und zu verstehen: Muslime
sind genauso wenig geborene Terroristen, wie Deutsche geborene Neonazis
sind. Pauschalisierung und darauf folgende Diskriminierung tragen
nicht zu mehr Sicherheit bei, im Gegenteil verstärken sie nur die
Probleme.
Auch weltweit geht es darum, den
Ursachen und Gründen für den Terror auf den Grund zu gehen. Die
Kontroverse um die Äußerungen der Schriftstellerin Roy und Ulrich
Wickert präsentieren nur einen Teilaspekt der Gründe. Die Diskussion
muß jetzt intensiv geführt werden. Dauerhafter weltweiter Frieden
kann nur durch eine dauerhafte weltweite Bekämpfung von Armut und
Unterdrückung erfolgen. Denn in der individuellen Situation liegen
die Ursachen für Fanatismus, nicht in einer Religion.
Ich bin Mitglied der Jury des "Alternativen
Nobelpreises". Besonders gewürdigt haben wir dieses Jahr die Gruppe
"Gush Shalom", die sich seit Jahren für die Verständigung von Palästinensern
und Israelis, die Gruppe Trident Ploughshares, die in England für
weltweite Abrüstung kämpft und den katholischen Befreiungstheologen
Boff aus Brasilien und den Venezuelaner Abreu, der Kinder mit Musik
von der Strasse und damit von Gewalt und Kriminalität wegbringt.
Für mich sind diese Menschen Ermutigung in einer Zeit, in der Verunsicherung
über Globalisierung herrscht. Lassen Sie uns gemeinsam für eine
friedlichere Welt einsetzen.