Der Bundesrat hat am 19.10.2001
in erster Lesung das Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung
beraten. Damit wird ein zentrales Projekt der rot-grünen Bundesregierung
bis zur zweiten Lesung im Januar 2002 in Gesetzesform gegossen.
Nachdem die Bundesregierung mit
den Atomkraftwerksbetreibern eine Vereinbarung auf Grundlage der
Ergebnisse der Konsensgespräche geschlossen hat, haben beide Kammern
das von SPD und Grünen vereinbarte Gesetz zunächst abgesegnet. Damit
ist der letzte Schritt zum Anfang vom Ausstieg genommen!
Schon vor meiner Zeit bei Greenpeace
habe ich mich aktiv für den Ausstieg aus der Kernenergie und bei
den Demonstrationen gegen den Bau der AKW in Brokdorf, Krümmel,
Kalkar und Creys-Malville eingesetzt. Kalkar ist heute ein Vergnügungspark,
der Schnelle Brüter in Creys-Malville schon lange von der französischen
Regierung stillgelegt.
Spätestens seit dem Unglück von
Tschernobyl sind allen Menschen die Risiken der Kernenergie bewußt
geworden. Beim Ausstieg aus der Kernenergie geht es also darum,
ein Risiko - und sei es noch so klein - von vorneherein auszuschließen.
Denn wo kein AKW, da kein GAU! Und wie wichtig dies ist, sehen wir
in diesen Tagen an den Meldungen über fehlende Sicherheit an diversen
deutschen Kernkraftwerken. Ebenso bestätigt eine Studie, dass keines
der deutschen AKW ein Flugzeugattentat überstehen würde. Darauf
sind sie nicht eingerichtet.
Durch das Gesetz wird der Ausstieg
fixiert und es wird vor allem dafür Sorge getragen, dass die Risiken
für die Restlaufzeit der Kraftwerke so gering wie möglich bleiben.
So werden die Energieunternehmen verpflichtet, direkt an den Kraftwerken
Zwischenlager für die abgebrannten Brennstäbe einzurichten. Dabei
ist für uns ganz klar: Atomtransporte nach Russland wird es mit
uns nicht geben. Der Bau neuer Atomkraftwerke wird nicht genehmigt.
Gemeinsam mit dem bereits vor Jahresfrist
verabschiedeten Erneuerbare-Energien-Gesetz hat die Regierungskoalition
damit die Voraussetzungen für die Energiewende geschaffen. Niedersachsen
ist dabei ganz vorne mit einer Windenergieleistung von inzwischen
über 2000 MW (also der Leistung von mehr als einem AKW).
Für mich muß bei der Energieproduktion
die Sicherheit und die Zukunftsfähigkeit vor allem anderen stehen.
Die Pannenserie im AKW Philippsburg hat wieder in aller Deutlichkeit
gezeigt, dass es absolute Sicherheit nicht geben kann. Und die Folgen
einer Kernschmelze in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland
wären kaum vorstellbar. Für mich gilt es deswegen alles zu tun,
um die Risiken für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten
und in der Konsequenz das Risiko Kernenergie gänzlich zu beseitigen.
Und das nicht nur in Deutschland.
Wenn es in Deutschland klappt, werden wir Beispiel für viele sein.