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Meine Meinung
Donnerstag, 3. Januar 2002
 
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Der Euro ist da!

Seit drei Tagen halten wir und die Menschen in elf anderen Ländern ihn alle in unseren Händen - den EURO. Verbunden mit einer logistischen Herausforderung gigantischen Ausmaßes für Handel, Banken und Automatenaufsteller ist die neue europäische Währung nun endlich Realität geworden. Damit gehen wir einen weiteren großen Schritt in Richtung einer wahren europäischen Integration. Für einige von uns ist der Abschied von der altbekannten D-Mark - ich selber habe auch nichts anderes gekannt- auch mit ein wenig Wehmut verbunden. Die Mark war Garant für Stabilität und Wohlstand und Symbol des Aufbruchs nach dem Krieg. Doch in einer veränderten Welt, in der die wirtschaftliche Globalisierung immer weiter fortschreitet, müssen wir neue Wege gehen. Der Euro bietet die Chance, den Wohlstand und die Stabilität, die die D-Mark den Deutschen gegeben hat, zu mehren und zu einer gemeinsamen Kraft für alle Europäer werden zu lassen.

Auch wenn sich noch nicht alle EU-Staaten für die Einheitswährung entschieden haben, so entsteht durch den Euro doch schon jetzt ein riesiger Wirtschaftsraum, den es zwar bisher schon mit der Freiheit des Binnenmarktes und der Freizügigkeit für Arbeitnehmer gab, der aber durch die einheitliche Währung einen neuerlichen Schritt zu einer wirklichen Einheit macht. Es handelt sich bei der Einführung des Euro um einen wirklich historischen Vorgang. Nie zuvor in der Geschichte Europas gab es eine so enge Kooperation der Staaten Europas. Der Euro steht damit in einer Reihe mit den anderen großen Maßnahmen zur Europäischen Integration, wie dem Binnenmarkt oder den Verträgen von Maastricht. Ich bin überzeugt, dass der große Vordenker eines geeinten Europas, Robert Schuman, in den 50er und 60er Jahren nicht mit einer so raschen und so weitgehenden Lösung gerechnet hat, als er seine Vision skizzierte.

Doch die Gewöhnung an den Euro wird nicht für alle Nationen gleichermaßen einfach werden. Wir Deutschen haben es mit der Umrechnung relativ leicht: ein Euro entspricht etwa zwei D-Mark. Für die Griechen oder die Österreicher wird die Umstellung wohl etwas komplizierter. Hier ist ein Euro 341 Drachmen bzw. 13,76 Schilling wert. Da wird ein Preisvergleich ungleich schwieriger! Nach der Einheit des Geldes wird es wichtig, die nächsten Schritte für eine europäische, politische und soziale Union voranzutreiben. Die Einrichtung eines Konvents, der an einer europäischen Verfassung arbeitet, stellt die nächste Chance dar: mit der Erweiterung um unsere östlichen und südlichen Nachbarstaaten schaffen wir eine starke wirtschaftliche und politische Region neben anderen wichtigen Weltregionen wie Nordamerika oder Asien.

Ich denke, dass wir schon in wenigen Wochen selbstverständlich mit dem Euro umgehen werden. So selbstverständlich sollte in naher Zukunft dann auch das politische, soziale und vor allem der menschliche Umgang miteinander in Europa sein. Ich wünsche Ihnen ein glückliches Jahr 2002!

 
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