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Im Wahlkampf von den Konservativen
als Wahlkampfgag verschrien, nimmt eine Bedrohung immer realere
Gestalt an: ein Krieg gegen den Irak! Erst letzte Woche hat der
amerikanische Kongress Präsident Bush eine Vollmacht zum Krieg gegeben.
Damit ist das eingetreten, was viele in Europa, aber auch immer
mehr amerikanische Intellektuelle gefürchtet haben: die USA klinken
sich aus dem weltweiten System des Völkerrechts aus. Obwohl an erster
Stelle der verabschiedeten Resolution der Druck auf die UN erhöht
werden soll, einen Angriff auf den Irak zu unterstützen, soll ohne
UN ein Land angegriffen werden, das eine potenzielle Bedrohung darstellt.
Allerdings muss man auch danach fragen, was es langfristig bedeutet,
wenn die stärkste Militärmacht der Welt ein Land angreifen möchte,
weil ihm die Regierung nicht passt. Sollen als nächstes Pakistan,
Indien oder China angegriffen werden, weil sie Atombomben besitzen?
Damit wird der Grundsatz, nach dem Gewalt nur als Reaktion auf einen
Angriff oder zur Abwehr einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr
angewandt werden darf, außer Kraft gesetzt. Das internationale Gewaltmonopol
der Vereinten Nationen wird unterminiert, die Entwicklung einer
weltweiten Friedensordnung um Jahrzehnte zurückgeworfen! Die Folgen
für die Region sind für mich ein weiterer Grund, der Intervention
im Irak kritisch zu begegnen. Wir haben es hier mit einer Region
zu tun, die in vielfältiger Art und Weise mit Konflikten ringt.
Nicht nur zwischen Israel und Palästina gibt es einen gewalttätigen
Konflikt, auch andere würden durch einen Irakkrieg verschärft. Auch
in anderen Ländern gäbe es eine Aufheizung bestehender Konflikte.
Radikalislamistische Teile der Bevölkerung würden sich erneut zum
Dschihad gegen alles Westliche wenden, die zarten Ansätze interkultureller
Arbeit, der Demokratisierung und von Reformen, die in den letzten
Jahren entstanden sind, würden an der Wurzel ausgerissen. Die Destabilisierung
des gesamten Nahen Ostens und damit eine Bedrohung Europas ist für
mich klare Folge einer militärischen Konfrontation, die im wesentlichen
Leid und Elend, aber keinen Frieden bringen wird. Wir erleben hier
einen beispiellosen Probefall des neuen amerikanischen Unilateralismus.
Schon jetzt heißt es bei Kritik: "Wenn ihr nicht für uns seid, seid
ihr gegen uns!" Selbst der ehemalige Vizepräsident Al Gore oder
der demokratische Fraktionsvorsitzende Tom Daschle werden als antiamerikanisch
beschimpft! Hier gilt es für Europa, will es eine eigenständige
Rolle in der Außenpolitik wahren, einerseits nicht in platten Antiamerikanismus,
andererseits aber auch nicht in bedingungslosen Gehorsam zu verfallen.
Ich bin der Meinung, dass der Kurs der Bundesregierung in dieser
Frage richtig ist. Gewalt kann Gewalt nicht brechen, auch wenn es
nicht darum geht, notwendige Interventionen generell abzulehnen,
sondern um die Frage, wann und unter welchen Bedingungen Gewalt
von wem anwendbar ist. Klar ist dabei vor allem eins: nationale
Alleingänge sollten der Vergangenheit angehören. Europa und die
Bundesrepublik tun gut daran, auf diesem Prinzip zu beharren! Und
sie brauchen eine gemeinsame Stimme.
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