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Die Sorge um einen möglichen Krieg
im Irak wächst. Seit den Reden des amerikanischen Außenministers
Colin Powell vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und von
Donald Rumsfeld auf der Sicherheitskonferenz in München scheint
die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung noch größer geworden
zu sein, dennoch zeigt gerade die Rede von Powell, dass es immer
noch Alternativen zum Krieg gibt. Außenminister Fischer hat am Wochenende
in München deutlich gemacht, dass noch nicht alle nicht-militärischen
Mittel ausgeschöpft sind. Darüber hinaus haben Schröder, Chirac
und Putin ja auch konkrete Schritte für eine friedliche Lösung aufgezeigt,
denen China sich angeschlossen hat. Die Bundesregierung setzt nach
wie vor auf eine friedliche Umsetzung der VN-Resolution 1441. Der
Vorschlag, den Irak unter die Verwaltung der Vereinten Nationen
zu stellen und diesen Prozeß durch Blauhelmtruppen abzusichern,
scheint der bisher plausibelste Weg zu sein, wenn man Krieg verhindern
will. Auch die USA dürften sich dem eigentlich nicht verschließen,
hat doch Verteidigungsminister Rumsfeld betont, dass "den Krieg
eigentlich niemand will". Die Gefahr ist, dass ein Automatismus
entsteht, der es den USA unmöglich macht, sich noch zurückzuziehen.
Es ist noch nicht zu spät, um den Waffeninspekteuren mehr zu Zeit
zu geben und dass der Irak die Forderungen der Resolution 1441 erfüllen
kann. Natürlich ist Saddam ein Diktator, aber ein "westlich" organisierter,
da er nicht den fundamentalistischen Islam angehört. Er hätte schon
längst mehr unternehmen müssen, um die Resolution zu erfüllen. So
viel konnte Powell immerhin zeigen. Aber entscheidend ist die Frage,
ob das ausreicht, um einen Krieg anzufangen. Es ist durch Powells
Auftritt vor dem Sicherheitsrat nicht geklärt, warum man nur durch
einen Krieg in der Lage sein sollte, die von Saddam ausgehenden
Gefahren einzudämmen. Rumsfeld betont, dass alle Maßnahmen - Diplomatie,
Sanktionen, militärische Kontrolle - nichts gebracht hätten; nun
sei Schluß und Saddam habe seine letzte Chance gehabt. Das würde
auf einen Prävenitvkrieg hinauslaufen, der vom Völkerrecht nicht
abgedeckt wäre, und er würde die UN-Doktrin verändern. Die Blauhelmlösung
ist aber bislang nicht in der Diskussion gewesen. Wenn es gelingt,
einen Krieg zu verhindern, weil sich letztlich auch die USA einer
solchen Initiative, getragen von zwei oder gar drei Veto-Mächten
des Sicherheitsrates, nicht entziehen können, dann ist es auch gelungen,
eine zukünftige Weltordnung zu verhindern, in der der Stärkere das
Sagen hat. Nun kommt noch dazu, dass der Irak Überflugrechte für
Aufklärungsflüge genehmigt hat und damit den Weg weiter für eine
friedliche Lösung bereitet. Es kommt nun darauf an, wie die USA
den Vorschlag der Drei und die neue Kooperationsbereitschaft des
Irak bewerten und gegen ihre eigenen Interessen abwägen. Die Allianz
für eine friedliche Entwaffnung des Irak wird größer. Es ist nämlich
allemal besser, einen großen zivil-militärischen Aufwand zu betreiben,
auch über Jahre, als den Tod von Frauen , Kindern und unschuldigen
Zivilisten und die unabsehbaren Folgen eines Krieges, Wiederaufbau
des gesamten Landes, in Kauf zu nehmen. Zumal die sogenannten geheimdienstlichen
Erkenntnisse von Großbritannien ein militärisches Vorgehen ohnehin
fraglich machen, denn sie beruhten auf über zehn Jahre alten Seminararbeiten
eines Studenten. Ich glaube, dass man in Europa und im Sicherheitsrat
nun deutlich genug machen muss, welche Alternativen realistischerweise
bestehen, um einen heißen Konflikt zu verhindern. Hier liegt die
große Chance der europäischen Außenpolitik, die, auch wenn im Moment
ein Riß durch die EU geht, zukunftsweisend sein kann. Ich jedenfalls
werde mich - soweit ich kann - dafür einsetzen, das es zu keinem
Militärschlag gegen den Irak kommt; auch Sie können dies an diesem
Wochenende in Winsen und in Buchholz, der Kirchenkreis Hittfeld
ruft dazu auf. Krieg kann keine Lösung sein, engagieren wir uns
alle für den Frieden!
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