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Meine Meinung
Donnerstag, 15. August 2003
 
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Die USA – Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

45 Millionen US-Amerikaner ohne Krankenversicherung. Diese Zahl hat mich sehr schockiert. Straßen wie im alten Ostblock, darin Häuser mit quasi goldenen Türklinken.
Auf dem Weg mit dem Auto nach Washington komme ich in einen Platzregen. Die Meilenbeschränkung 55 m/h (ca. 90 km/h) erscheint wie mir wie ein Hohn. Die Straße, eine Staatsautobahn, ist so schlecht, dass selbst 25 m/h, das sind ca. 40 km/h, als verwegen erscheinen. Der Staat hat kein Geld. Bush senkt die Steuern – aber wer profitiert? Kodak entlässt 6000 Leute in Rochester am Erie-See, eine Textilfirma in Nord-Carolina 5500 Leute. Schuld haben in den USA nach Aussage der Menschen auch die starken Gewerkschaften und die vermeintlich hohen Sozialversicherungskosten!
Die gleiche Argumentation wie in Deutschland! Aber kann das wirklich stimmen?
Die Straßen sind marode, die Häuser sehen vielfach einfacher und schlichter aus als bei uns. Die Stromleitungen hängen zum Teil herab, 50% der Häuser sind mit PVC-Anstrichen behaftet und somit Sondermüll und machen die Menschen krank. Die Fruchtbarkeit sinkt, die Allergiehäufigkeit steigt, jeder zweite ist beim Psychiater. Das soll unser Vorbild sein?
„We can’t police the world“, sagt der Nachbar in einem kleinen Dorf 300 Meilen außerhalb von New York. Die Menschen bleiben nicht stehen vor der Wachsfigur ihres Präsidenten bei Madame Tussaud am Broadway. Sie schütteln den Kopf.
Die USA sind in einer massiven Identitätskrise.
Im Thomas Jefferson Haus: Immerhin ist er der Präsident gewesen, der die „Declaration of independence“ verfasst und als Präsident umgesetzt hat, der die Sklaverei aufgehoben hat und eine Universität in Charlottesville gebaut hat, die heute zu den Weltkulturerbestätten in den USA gehört. Aber was finde ich in seinem Wohnhaus – neben beeindruckender Architektur? Seinen Wanderstock – nachgebaut zum Verkauf an Touristen! So weit – so gut, aber hergestellt in Malaysia.....Und sein berühmter Trinkbecher – made in Taiwan!
Ist das der Ausverkauf der USA?
In Charlottesville gehe ich in vier Banken, um den Umtauschkurs des Euro in den Dollar zu erfahren. Erst bei der vierten (WACHOVIA), die einen Preis als die kundenfreundlichste Bank in den USA bekommen hat, erhalte ich die Auskunft, nachdem die freundliche Bankdame 10 Minuten in ihrem Computer herumgesucht hat, So unwichtig ist Europa?
Aber es gibt viele freundliche Menschen. Meine Kinder lieben die preiswerten T-Shirts und Jeans, die ich besorgt habe. Die Menschen sind sehr interessiert und entgegenkommend. Auf der Sunnyside-Farm in Virginia, die noch professionell ökologisch wirtschaftet, treffen sich Biologen, Ingenieure, Chemiker Architekten, um ein gesundes, umweltfreundliches und friedliches Amerika zu entwerfen und zu bauen. Viele Firmen machen schon mit. Auch in amerikanischen Schaufenstern hängen Schilder : „Stand in for peace“ (Stehe ein für den Frieden).
Lasst uns Freunde sein mit amerikanischen Menschen, nicht nur auf Regierungsebene!

 
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