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Meine Meinung
Mittwoch, 29. September 2004
 
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Musikquote – Vorwärts für den Nachwuchs

Was haben Mitglieder des Bundestages mit Smudo von den Fantastischen Vier und Peter Maffay gemeinsam? Es ist die Sorge um die kulturelle Vielfalt in Radio und Fernsehen und den unterrepräsentierten und schlecht geförderten Nachwuchs. Dies beschäftigt seit Jahren immer wieder Vertreter der Musikwelt und Politik in Deutschland.

Vorbild sind die Franzosen, die versuchen, seit 1994 die eigene „kulturelle Identität“ gegen äußere Einflüsse, besonders die der amerikanischen Kulturindustrie, zu bewahren. Eine Radioquote soll hier dafür sorgen, dass mindestens 40% der gesendeten Musik französischsprachig ist. Richtig los ging es in Deutschland mit der Diskussion um eine Musikquote für deutschsprachige Titel in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten 1996/7. Damals sprach sich vor allem Heinz-Rudolf Kunze, aber auch eine Vielzahl anderer Künstler, für eine Quote aus.

Über die beiden herausragenden Ziele herrscht bis heute weitgehende Einigkeit: Förderung von Vielfalt, also deutschsprachiger Titel und deutscher Produktionen auch in anderen Sprachen, und Förderung des Nachwuchses durch Präsenz in den Rundfunkanstalten. Beides hat seine Basis im Kulturauftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten, sollte aber auch für die privaten Anstalten gelten. Dementsprechende Konkretisierungen des Rundfunkstaatsvertrags obliegen nach unserer verfassungsrechtlichen Ordnung den Ländern. Der Bund kann hier nur moderierend tätig werden.

Inzwischen decken sich die Interessen der Musikwirtschaft und der Rundfunkanstalten zu erheblichen Teilen. Umstritten ist nur der Weg, auf dem die Ziele erreicht werden können. Die regulierte Selbstregulierung der Sender scheint der Weg zu sein, den viele bereit sind mitzugehen. Die überwiegende Zahl der Länder befürwortet nämlich eine stärkere Förderung deutschsprachiger Musik. Dies entspricht auch der Position der SPD-Bundestagsfraktion und der Bundesregierung. Die Mitglieder von 2raumwohnung, Rammstein und Pur, Xavier Naidoo, Reinhard Mey und Udo Lindenberg sind nur die bekanntesten der über 600 Musiker und Kulturschaffenden, die eine öffentliche Anhörung diese Woche im Bundestag zum Thema „Eine Quote für Musik aus Deutschland“, als „letzte Gelegenheit“ sehen, die „skandalöse Unterrepräsentation der Musik deutschsprachiger Künstler“ zu beheben. Auf der anderen Seite stehen mit zahlreichen Argumenten die ARD und der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation, die gar behaupten, für ein vielfältiges, durch eine Quote gestützes Programm reiche die wenige qualitativ hochwertige deutschsprachige Musik nicht aus.

Was also tun im Streit um den Wert und die Wertschätzung der deutschen Musik? Auch wenn ich persönlich mit dem französischen Modell sympathisiere – als föderaler Staat können wir nicht wie im Zentralstaat Frankreich einfach eine Quote einführen, sondern müssen im Dialog mit den Ländern und Vertretern der Industrie, der Musikbranche und der öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunksender eine andere Lösung des Problems finden. Ich halte die sozialdemokratische Idee der doppelten Quote für deutsche Produktionen und für die Sprache für diskussionswürdig. Ein zeitlich begrenzter Versuch mit einer Test-Quote könnte möglicherweise Aufklärung geben über den Erfolg einer solchen Maßnahme.

Ob die doppelte Quote in den (CDU-regierten) Ländern allerdings durchsetzbar wäre, ist fraglich. Fest steht jedoch, dass auch meine Sorge um die kulturelle Vielfalt Schritte erfordert, die nicht nur der Musik aus Deutschland zum Recht verhilft, sondern auch den Nachwuchs viel besser fördert, als das bisher der Fall ist. Die Diskussion um eine Quote kann helfen, dieses Ziel zu erreichen.

 
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