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Meine Meinung
Donnerstag, 14. Dezember 2006
 
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Gut oder Böse?
Ein Blick in die Medien genügt, um zu wissen: Computerspiele sind Schuld an Gewalt, Verrohung und Aggression. Das jedenfalls wird dem Leser seit dem Amoklauf in Emsdetten suggeriert. Die vor zu schnellen Urteilen warnenden Stimmen fristen viel zu oft ein Schattendasein am Ende des jeweiligen Artikels und die Regierungen von Niedersachsen und Bayern ignorierten differenzierte Positionen gleich ganz. Nur einen Tag später kündigten sie und andere Unions-Politiker flugs ein Verbot von Computerspielen an. Dabei machten nicht Computerspiele den Schüler zum Amokläufer, sondern eine Vielzahl von Faktoren: das soziales Umfeld, psychische Probleme, fehlende staatliche und familiäre Aufsicht und andere. Ich bin froh, dass sich jetzt herausstellt, dass sich nur wenige Menschen von populistischen Schnellschüssen ins Bockshorn jagen lassen. Eine Umfrage der HAN zeigte es gerade: Über 60 Prozent der Befragten halten ein Verbot nicht für die Lösung des Problems und erkennen, dass Computerspiele in der momentanen Situation als Sündenbock herhalten müssen. Doch die Frage bleibt. Wenn ein Verbot nicht weiterhilft, wie können wir zu einem ungefährlichen Umgang mit Computerspielen kommen? Zunächst ist mittlerweile klar, dass die geltende Gesetzeslage ausreicht, um gefährliche Computerspiele mit Altersbeschränkungen zu versehen oder sogar ganz zu indizieren (2005 sind 29 Spiele auf dem Index gelandet). Allerdings fehlt es an der Umsetzung dieser Restriktionen. Wenn Minderjährige in jedem zweiten Geschäft Spiele ab 18 kaufen können, dann ist das alarmierend. Hier brauchen wir allerdings nicht noch mehr gesetzliche Regelungen, sondern verantwortungsvollere Verkäuferinnen und Verkäufer. Ein besserer Vollzug von existierendem Jugendschutz ist also wichtig, wenn auch nicht das einzige Mittel. In Zeiten der globalen Vernetzung, in der gefährliche Spiele immer ein Schlupfloch finden werden, muss es unser erstes Ziel sein, dass Kinder und Jugendliche selbst verantwortungsbewusst mit Medien umgehen. Wir brauchen also mehr Medienkompetenz für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und ebenso Orientierungshilfen für Erziehende. Mit Auszeichnungen für ungefährliche und wertvolle Computerspiele können wir beispielsweise gute Spiele fördern und erstellen damit gleichzeitig eine nachvollziehbare Positivliste. Ich finde, solch einen positiven Blick verdienen auch die Hersteller. Denn obwohl nur fünf Prozent der Computerspiele so genannte Gewaltspiele sind, ist ihr Bild in der Öffentlichkeit mehr als schlecht. Dabei liegen hier große Potentiale, die wir nutzen und nicht sinnlos behindern sollten.
 
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