Bonn/Berlin, 07.06.1999: Am heutigen Tag protestiert
Greenpeace gegen den Bau der Atomkraftwerke Chmelnizki 2/Rivne 4
(K2/R4) in der Ukraine. Vor dem Willy-Brandt-Haus in Berlin wurde
ein Plakat mit der Aufschrift "Skandal. SPD will neue Tschernobyls
bauen" aufgerollt.
Die Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn: "Mit
dieser Aktion zieht Greenpeace im Grunde an einem Strang mit den
Koalitionsfraktionen im Bundestag. Die Fraktionen von SPD und Bündnis
90/Die Grünen haben bereits im April 1999 einen Antrag zur Verhinderung
der Finanzierung der beiden AKW im Bundestag eingebracht. Dieser
Antrag wurde vorher von beiden Regierungsfraktionen einstimmig beschlossen."
Monika Griefahn weiter: "Die Aktion von Greenpeace
läßt deswegen die SPD in einem schiefen Licht erscheinen: Die Fraktionsgremien
der Partei haben sich eindeutig gegen die Weiterbau von K2/R4 ausgesprochen.
Auch im Auswärtigen Ausschuß des Bundestages ist der Antrag angenommen
worden. Der Umweltausschuß hat den Antrag beraten und wird noch
im Juni eine Sondersitzung zu K2/R4 abhalten. Auch hier gehe ich
davon aus, das der Antrag angenommen wird."
Monika Griefahn, eine der Initiatorinnen des Antrags,
erklärte, daß Gespräche in Frankreich ergeben hätten, daß ein Weiterbau
von K2/R4 auch von französischer Seite nicht unbedingt favorisiert
würde, wenn die Alternative eines Gas- und Dampfkraftwerkes billiger
ist. Dies ist aber der Fall, wie Studien der Europäischen Bank für
Investitionen gezeigt haben.
"Jetzt hängt es an Präsident Kutschma, eine vernünftige,
d.h. wirtschaftliche, und für Bevölkerung und Umwelt verträgliche
Lösung zu finden. Diese liegt meines Erachtens im Bau eines Gas-
und Dampfkraftwerkes und in Energieeinsparmaßnahmen," sagte Griefahn.
"Wir haben hier ein europäisches Problem. Wir haben die Parlamentarier
in den Mitgliedsstaaten der EU bzw. der G7/G8 mobilisiert, um Bewußtsein
für eine Energiewende in der Ukraine zu schaffen. Ich gehe außerdem
davon aus, daß auch die SPD die Haltung der Bundestagsfraktion einnimmt.
Die Bundesregierung hat zwar außenpolitische Konstellationen zu
beachten, sollte sich aber letztlich nicht über den Willen von Partei
und Fraktionen hinwegsetzen."