Monika Griefahn, SPD, zuständig für Internationale
Umweltpolitik im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages,
erklärt zum neuerlichen Atomunfall im Tokaimura: "Der Atomunfall
am Donnerstag in Tokaimura macht erneut deutlich, dass auch Atomkraftanlagen
westlichen Standards beileibe nicht sicher sind. Es muss, wie jetzt
in Japan, nur eine menschliche Unvorsicht passieren, und alle Sicherheitssysteme
nutzen nicht viel", sagte Monika Griefahn in Berlin.
In Tokaimura war es am Donnerstag zu einem Brand
gekommen, der zur Folge hatte, dass bis zum Abend nicht klar war,
ob die dadurch ausgelöste atomare Kettenreaktion zu stoppen ist.
Die Strahlenbelastung der Umgebung stieg zunächst auf das sieben-
bis zehnfache des Normalwertes, am Abend war sie bereits so hoch
wie die einer Atombombe. Die Verstrahlung von Menschen und die Evakuierung
von Wohnhäusern war damit unvermeidlich. Der Unfall in Tokaimura
war nicht der erste; bereits 1997 wurden bei einer Explosion 37
Arbeiter leicht verstrahlt. Auch in anderen japanischen Atomkraftwerken
kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Unfällen und in diesem
Jahr gab es bereits mehr Unfälle als im gesamten letzten Jahr.
"Wir sollten diesen erneuten Zwischenfall in einem
nach westlichen Sicherheitsstandards gebauten Atomkomplex zum Anlass
nehmen, hier bei uns, aber auch im benachbarten Europa, endlich
aus der Atomkraft auszusteigen. Es kann keinen besseren Beweis für
die letztlich unzulängliche Sicherheit unserer Atomkraftwerke geben
als die zahlreichen japanischen Vorfälle. Menschliches Versagen
wie jetzt in Tokaimura ist nie auszuschliessen und daher sind die
Folgen nicht zu kalkulieren. Die Technik ist nicht fehlerfreundlich.
Das Risiko eines Unfalls ist einfach zu gross, als dass wir uns
noch lange streiten sollten, wie der deutsche Atomausstieg zu gestalten
sei. Auch die Finanzierung von Atomstromkapazitäten in Osteuropa,
namentlich in der Ukraine, aber beispielsweise auch in der slowakischen
Republik und in der Türkei ist nicht mehr zu verantworten", forderte
Monika Griefahn.