Die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn war
jetzt als Referentin zu Gast bei einer Veranstaltung des SPD-Ortsvereins
Salzhausen mit dem Titel "Gesundheitsreform - Aus für kleine Krankenhäuser
?". Die Diskussionsveranstaltung fand am Dienstag, den 12. Oktober
1999, in der "Dörpschün" in Salzhausen statt. Zuvor hatte Monika
Griefahn nach den vier anderen Krankenhäusern im Landkreis das Krankenhaus
Salzhausen besuch und sich über die Situation vor Ort informiert.
Monika Griefahn stellte dar, daß die Reform notwendig
sei, da die vorherige Regierung Kostensteigerungen durch die höhere
Zuzahlung bei Medikamenten auffangen wollte. Dieses ist von der
SPD-geführten Bundesregierung zurückgenommen worden. Stabile Beitragssätze,
ganzheitliche Medizin, Stärkung der Prävention, eine stärkere Verknüpfung
von ambulanten und stationären Leistungen sowie eine bedarfsgerechte
stationäre Versorgung sind die wesentlichen Ziele der Gesundheitsreform.
Die SPD-Bundestagsfraktion sieht sich nach den jüngsten Beratungen
und Anhörungen von Experten in ihrer Einschätzung bestätigt, daß
das Ausschöpfen und Aktivieren der Wirtschaftlichkeitsreserven der
gesetzlichen Krankenversicherung, die der frühere Minister Seehofer
(CSU) vor gar nicht allzu langer Zeit mit immerhin 25 Milliarden
Mark veranschlagt hat, zusammen mit der jährlichen Mittelaufstockung,
die aus dem Grundlohnsummenzuwachs resultiert, ausreichen werden,
den Fortbestand und die Weiterentwicklung eines der leistungsfähigsten
Gesundheitssysteme der Welt zu gewährleisten. Die geplante Reform
stellt sicher, daß die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung
auch in Zukunft zu angemessenen Preisen gut versorgt werden. Entgegen
dem Geschrei einiger Lobbyisten sei genügend Geld vorhanden. Die
Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung sind z.B. von rund
180 Milliarden DM in 1991 auf rund 250 Milliarden Mark in 1998 gestiegen.
Auch im stationären Bereich sind die Kosten explodiert:
Von 1991 bis 1998 haben die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung
für die Krankenhausbehandlung von rund 59 Milliarden DM auf rund
85 Milliarden DM zugenommen (Steigerung + 44 %). In vielen Krankenhäusern
wird unwirtschaftlich gearbeitet; unter der CDU/CSU/FDP-Bundesregierung
sind Überkapazitäten aufgebaut und unwirtschaftliches Handeln gefördert
worden. Ziel einer veranwortlichen Politik muß aber die Wiederherstellung
der Wirtschaftlichkeit der Krankenhausversorgung durch eine bedarfsgerechte
Finanzierung der Investitionen und ein leistungsbezogenes Vergütungssystem
sein. Die Krankenhausfinanzierung wird nach und nach von der dualen
auf die sogenannte monistische Finanzierung umgestellt. Finanzierten
bisher einerseits die Länder Planung und Bau von Krankenhäusern
und andererseits die Krankenkassen den laufenden Betrieb, sollen
in Zukunft allein die Krankenhäuser in Zukunft die Krankenhäuser
von den Krankenkassen die Investitionsmittel als Teil der neu einzuführenden
Fallpauschalen erhalten. Dadurch sollen den Krankenhäusern einheitliche
Investitionsentscheidungen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen
und unter Berücksichtigung der Folgekosten ermöglicht werden, ohne
daß sie auf die staatliche Mittelzuteilung warten müssen.
Niemand kann redlicherweise eine Existenzgarantie
für alle Krankenhäuser abgeben. Aber angesichts der Bedarfszahlen
und dem Grundsatz der Flächendeckung sowie der Tatsache, daß die
Häuser im Landkreis gut gefüllt sind, sieht Monika Griefahn keine
Gefährdung für die Krankenhäuser im Landkreis, auch nicht für Salzhausen.
Monika Griefahn kritisiert in diesem Zusammenhang
die Landes-CDU und insbesondere den Vorsitzenden der niedersächsischen
CDU-Landtagsfraktion, Christian Wulff. Wulff hatte erklärt, in Niedersachsen
seien mehr als 120 Krankenhäuser mit einer Bettenkapazität von 10
bis 230 Betten gefährdet.
Die niedersächsische CDU-Landtagsfraktion hatte
mit einer Pressemitteilung den Eindruck erweckt, alle kleineren
Häuser seien in ihrer Existenz gefährdet. Monika Griefahn: "Es ist
unverantwortlich gegenüber den Beschäftigten in den Krankenhäusern
und Panikmache, wenn die CDU hier mit pauschalen Behauptungen Angst
verbreitet und so tut, als seien alle kleinen Krankenhäuser durch
das automatisch in ihrer Existenz gefährdet. Vielmehr gibt es gerade
in unserem Landkreis auch kleinere, spezialisierte Häuser, die sehr
wirtschaftlich arbeiten. Ich habe mittlerweile alle Krankenhäuser
im Landkreis besucht und mir ein Bild gemacht."
Zur anstehenden Gesundheitsreform 2000 erklärt
Monika Griefahn:
"Die Verbesserung der Qualität und der Wirtschaftlichkeit
in der Gesundheitsversorgung ist unser Ziel, das heißt, wir müssen
mehr Rationalität, mehr Qualitätssicherung in die medizinische Versorgung
bringen, medizinisch unsinnige Leistungen verhindern, Untersuchungs-
und Behandlungsverläufe optimieren und das Leistungsgeschehen im
Gesundheitswesen wirtschaftlicher und transparenter gestalten. Gleichzeitig
müssen wir auch dafür sorgen, daß die Beitragssätze stabil bleiben.
Doch wir werden zeigen, daß dies auch mit Instrumenten möglich ist,
die zugleich darauf abstellen, die Krankenversorgung zu verbessern.
Was hat die rot-grüne Bundesregierung im Einzelnen
vor? Wir setzen an den allgemein bekannten, seit Jahren diskutierten
Schwachstellen in unserem Gesundheitswesen an. Dies sind:
- die mangelnde Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenhäusern und
anderen Leistungserbringern,
- die Abschottung der verschiedenen Sektoren des Gesundheitswesens,
- die mangelnde Durchschaubarkeit unseres immer komplexer und
differenzierter werdenden Gesundheitswesens,
- Vergütungssysteme und -formen, denen es an Leistungsorientierung
mangelt und die Anreize zu medizinisch nicht begründeten Mengenausweitungen
setzen,
- Überkapazitäten, vor allem im stationären Sektor, in der
vertragsärztlichen Versorgung und bei den Großgeräten und nicht
zuletzt
- ein Mangel an Qualitätsstandards und an einheitlichen Verfahren
zur Sicherung der Qualität in der medizinischen Versorgung.
Unsere Reformvorstellungen gehen nicht von Sektoren
aus, sondern vom Patienten. Wir wollen Weichen und Rahmenbedingungen
so stellen, daß sich das Gesundheitswesen künftig um den Krankheitsfall
herum organisiert. Das heißt, es sollen nach den Kriterien der medizinischen
Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit Versorgungsketten gebildet
werden, in denen alle Beteiligten nach verbindlichen Qualitätskriterien
patientenbezogen zusammenarbeiten. Das ist sicher nicht mit dieser
Reform abschließend zu erreichen. Aber wir wollen die ersten Schritte
in diese Richtung gehen:
- Wir meinen, daß Krankheit verhindern allemal besser ist als
Krankheit behandeln. Deshalb werden wir die Prävention wieder
in den Aufgabenkatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung
aufnehmen und die Rehabilitation stärken.
- Der gleichen Philosophie folgen unsere Vorhaben in der zahnärztlichen
Versorgung: Die Prophylaxe, insbesondere die in den Kindergärten
und Schulen für die Kinder soll gestärkt werden. Und die heute
relativ schlecht vergüteten zahnerhaltenden Leistungen sollen
gegenüber dem heute für die Zahnärzte besonders lukrativen Zahnersatz
aufgewertet werden.
- In unserem intransparenten Gesundheitswesen ist es für Patienten
schwierig, selbstbestimmt und eigenverantwortlich die Behandlung
seiner Krankheit mit zu gestalten. Wir wollen deshalb die Rechte
und den Schutz der Patienten stärken. Krankenkassen, Institutionen
und Organisationen, die Patienten beraten und informieren, sollen
hierfür bessere Voraussetzungen, insbesondere bessere Rechtsgrundlagen
erhalten."