Die Bundestagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die
Grünen haben am 29.11.1999 in einer Anhörung zur Auswärtigen Kulturpolitik
die zukünftige Rolle der "Dritten Säule" der Außenpolitik diskutiert.
Die Anhörung wurde von der kulturpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion,
Monika Griefahn und von Rita Griesshaber, in der Fraktion der Grünen
für Auswärtige Kulturpolitik zuständig, geleitet und moderiert.
In der prominent besetzten Veranstaltung äußerten
sich u.a. Barbara Sukowa, Klaus Staeck, Jorge Semprun, Freimut Duve,
Vertreter der Mittlerorganisationen, der Industrie und aus der Wissenschaft
zum vielfältigen Erscheinungsbild deutscher Kultur und Kulturpolitik
im Ausland.
Außenminister Joschka Fischer forderte auf der
Veranstaltung eine Erneuerung der Außendarstellung Deutschlands.
Sowohl Fischer als auch die Mehrzahl der anwesenden Experten und
Künstler forderten eine Orientierung der Auswärtigen Kulturpolitik
an Demokratieförderung und Beachtung der Menschenrechte. Houschang
Golschiri, Schriftsteller aus dem Iran, plädierte für eine stärkere
gemeinsame europäische Kulturpolitik, die es Systemen wie dem Iran
schwieriger mache, einzelne Künstler und Intellektuelle zu drangsalieren.
Barbara Sukowa beschrieb die Stellung deutscher Künstler im Ausland,
die immer noch und immer wieder mit der deutschen Vergangenheit
belastet sei und hielt ein Plädoyer für eine zunächst zu erfolgende
"Selbstfindung" der deutschen Kultur. Klaus Staeck forderte einen
stärkeren Austausch der Künstler, von Matthias Kleinert (DaimlerChrysler)
kam der Vorschlag, dass Künstler, Politiker und die Wirtschaft zusammen
neue Konzepte für die Auswärtige Kulturpolitik entwickeln sollten.
Offenheit gegenüber anderen Kulturen, das gegenseitige
Verstehenlernen und die Förderung von Dialogstrukturen sowie das
Vorantreiben einer europäischen Kulturpolitik fasste Monika Griefahn
als die Kernpunkte zukünftiger auswärtiger Kulturpolitik zusammen:
"Nur wenn wir lernen, den anderen zu verstehen,
kann Auswärtige Kulturpolitik auch als Konfliktprävention gestaltet
werden. Dies muss ein Schwerpunkt der internationalen Kulturbeziehungen
werden. Wir werden dabei aber nicht Werte wie Demokratisierung und
die Beachtung der Menschenrechte preisgeben", sagte Griefahn am
Rande der Anhörung.
Rita Griesshaber betonte ebenfalls die Wichtigkeit
des Dialogs in der Gestaltung der Auswärtigen Kulturpolitik. Ausgangspunkt
für die Formulierung zukünftiger Konzepte und den Dialog ist für
sie die Unantastbarkeit der Menschenwürde, wie sie in Artikel 1
GG festgelegt ist. "Auswärtige Kulturpolitik vermittelt ein Bild
von Deutschland im Ausland. Wir müssen aufpassen, dass diese Arbeit
nicht durch die teilweise unwürdige Diskussion um die Entschädigung
ehemaliger NS-Zwangsarbeiter desavouiert wird", ergänzte Griesshaber.
Die gemeinsame Veranstaltung von Grünen und SPD
erwies sich durch die gelungene Mischung von Experten der Mittlerorganisationen,
ausländischen Schriftstellern und im Ausland lebenden deutschen
Künstlern als äußerst lebhafte Diskussion, in der teils kontroverse
Positionen vertreten wurden. Ein Ziel der Anhörung war es, einen
Eindruck davon zu bekommen, wie Deutschland im Ausland wahrgenommen
wird. Durch die vielen verschiedenen Beiträge ist dies gelungen
und die Basis für einen neuen Diskussionsprozess über Auswärtige
Kulturpolitik und ihre Aufgaben gelegt worden.