Monika Griefahn
Mitglied des Deutschen Bundestages
Kultur- und medienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion
Ministerin a. D.
Monika Griefahn, MdB · BÜRGERBÜRO · Nordertorstr. 12 · 21423 Winsen
An den
Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn Holding AG
Hartmut Mehdorn
Stephensonstr. 1
60326 Frankfurt am Main
Winsen, den 14. Februar 2000
Verkehrsprojekt 3. Gleis / Y-Trasse / IC- und Interregio-Halte
im Lkr. Harburg
Lärmsanierung an bestehenden Eisenbahnen des Bundes
Sanierung der Bahnhöfe Winsen (Luhe) und Buchholz
Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Hartmut
Mehdorn,
anläßlich eines Treffens mit dem Verkehrsausschuß
des Deutschen Bundestages haben Sie die Abgeordneten ausdrücklich
aufgefordert, ihre Anliegen an Sie persönlich heranzutragen. Ich
möchte heute auf Ihr Angebot zurückkommen und mehrere für meinen
Wahlkreis bedeutsame Anliegen vortragen.
Vorweg möchte ich noch anmerken, daß ich die Anstrengungen
der Bahn und ihres neuen Vorstandsvorsitzenden zu würdigen weiß,
die Bahn auf mehr Serviceangebote und Kundenorientierung zu trimmen.
1. Verkehrsprojekt 3. Gleis zwischen Stelle
und Lüneburg
Das aus meiner Sicht wichtigste Verkehrsprojekt im nördlichen Niedersachsen
ist der Bau eines 3. Gleises zwischen Stelle und Lüneburg. Dieses
Thema habe ich bereits in dem gemeinsamen Schreiben von Dr. Peter
Struck, Arne Fuhrmann MdB und Hedi Wegener MdB vom 25. Oktober 1999
angesprochen. Nach dem von mir aus haushaltspolitischen und aus
der Sicht der DB AG betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sehr
begrüßten "Aus" für die Transrapid-Strecke Hamburg-Berlin stellt
sich die Frage, wie der Nachholbedarf der seit Jahrzehnten vernachlässigten
Verkehrsinfrastruktur im Norden befriedigt werden kann. Neben dem
von mir sehr unterstützten Ausbau der nördlichen ICE-Trasse Hamburg
- Berlin über Wittenberge wird nach dem Ausbau der Strecke Uelzen
- Stendal im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 3
die südliche Verbindung Hamburg - Winsen - Lüneburg - Uelzen - Stendal
- Berlin an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt gehört jedoch der Teilabschnitt
Hamburg - Uelzen zu den meistbefahrenen Eisenbahnstrecken in Deutschland,
weil die Strecke zugleich die bisher einzige Verbindung Hamburg
- Hannover ist. Insbesondere im Raum der Metropolregion Hamburg
stellen sich hier unlösbare Probleme auch für den Nah- und Fernverkehr,
die auch nicht beim Bau der Y-Trasse beseitigt werden, worauf ich
noch eingehen werde. Mit dem 3. Gleis kann das von Prof. Schwanhäuser
(TU Aachen) entwickelte "Prinzip der versetzten Dreigleisigkeit"
verwirklicht und so eine deutliche Kapazitätssteigerung erzielt
werden, die dem Nah- und Fernverkehr zugute käme. Für das Projekt
läuft derzeit die UVP. Verschiedene Bundestagskollegen und ich bemühen
uns derzeit intensiv darum, dieses seit 20 Jahren diskutierte Projekt
im überarbeiteten Bundesverkehrswegeplan zu verankern.
Ich möchte Sie daher erneut bitten, das Verkehrsprojekt
"3. Gleis" nach Kräften zu unterstützen. Dies liegt auch in der
Logik der Stärkung des bestehenden Netzes.
2. Y-Trasse
Bestandteil des gültigen Bundesverkehrswegeplans ist auch die Y-Trasse.
Nach der Umweltverträglichkeitsprüfung läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren.
Vor Ort regt sich sehr großer Widerstand der Betroffenen, die Lärm
und eine Zerschneidung der Landschaft befürchten. Insofern stellt
sich die Frage, welche Nord-Süd-Verbindung am schnellsten und umweltverträglichsten
- das heißt möglichst ohne die Zerschneidung neuer Naturräume -
verwirklicht werden kann. Mich würde Ihre Meinung interessieren.
3. IC / Interregio-Halte im Lkr. Harburg
Obwohl der Landkreis Harburg rund 230.000 Einwohner hat und die
Bahnstrecken Hamburg - Hannover und Hamburg - Bremen den Landkreis
durchqueren, gibt es im ganzen Landkreis keinen einzigen IC oder
auch Interregio-Halt. Lediglich in Winsen halten sporadisch ca.
4 -5 Interregio-Züge in jede Richtung pro Tag. Nach meiner Auffassung
müßten Buchholz und die Kreisstadt Winsen (Luhe) reguläre Intercity-,
bzw. mindestens Interregiohalte werden. Pläne für eine Abschaffung
der Interregio-Züge, wie sie vor einiger Zeit diskutiert wurde,
halte ich sowohl unter dem Gesichtspunkt einer ausreichenden Staffelung
der Produktpalette als auch der Anbindung des "metropolenfernen"
Raums an die Oberzentren für verfehlt. Besonders erstaunt hat mich
die Tatsache, dass - als ich neulich von Tuttlingen nach Stuttgart
gefahren bin - die neuen Neige-ICE sowohl in Tuttlingen als auch
in Horb und Rottweil hielten - Orte, die kleiner sind als Buchholz
und Winsen.
4. Lärmsanierung an bestehenden Eisenbahnen
des Bundes
Das Bundesverkehrsministerium hat zusammen mit der DB Netz AG eine
Liste der dringlichsten Härtefälle aufgestellt. Leider wurde kein
einziger Streckenabschnitt im Lkr. Harburg berücksichtigt (z.B.
Buchholz, Jesteburg, Stelle, Maschen), obwohl sich neben mir auch
mehrere Gemeinden aus dem Kreisgebiet an die Bahn und das Ministerium
gewandt haben. Ich bin mir aber der Tatsache bewußt, daß bei einem
jährlichen Volumen von rund 100 Millionen DM und einem geschätzten
Finanzbedarf von rund 4,2 Milliarden DM keine großen Sprünge zu
machen sind und die "Altlasten" bzw. der Investitionsrückstau nicht
so schnell zu beseitigen ist. Dennoch bitte ich um schnelle Berücksichtigung
auch hier im Norden.
5. Sanierung der Bahnhöfe Winsen (Luhe) und
Buchholz
Bezüglich der Bahnhöfe Winsen (Luhe) und Buchholz habe ich mich
schon an Ihren Vorgänger Dr. Johannes Ludewig gewandt. Nach jahrelanger
Untätigkeit sieht es so aus, als würde in Winsen noch in diesem
Jahr eine umfassende Sanierung begonnen werden. Für Buchholz, den
verkommenen Bahnhof der einwohnerstärksten Stadt im Landkreis Harburg
mit rund 35.000 Einwohnern und einem Einzugsbereich von geschätzt
70.000 - 80.000 Einwohner, ist wohl kein Geld da. Ich kann nur hoffen,
daß nach der EXPO 2000 auch der ländliche Raum wieder etwas mehr
in das Blickfeld gerät.
In der Vergangenheit wurde auch immer wieder die
fehlende Behindertengerechtigkeit der Bahnhöfe beklagt. Auch dieses
Problem ist nicht von heute auf morgen zu lösen. Aufgrund starken
(Medien-) Drucks seitens einer örtlichen Behinderteninitiative ist
es aber gelungen, zumindest auf dem Bahnhof Winsen einen mobilen
Hublift zu stationieren, der gemeinsam mit dem Deutschen Paritätischen
Wohlfahrtsverband betrieben wird. An dieser Stelle hat die Bahn
auch einmal ein Lob verdient, auch wenn es im Vorfeld (Drehverbote
für Kamerateams) einige Turbulenzen gegeben hat.
6. [...]
Ich würde mich freuen, wenn Sie die eine oder
andere Anregung - insbesondere zum 3. Gleis zwischen Stelle und
Lüneburg [...] - aufnehmen könnten, und wünsche Ihnen viel Erfolg
bei Ihrer anspruchsvollen Aufgabe.
Mit freundlichen Grüßen