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Pressemitteilung 10/2001
Donnerstag, 7. Mai 2001
 
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Eindrücke der Ausschussreise des Ausschusses für Kultur und Medien nach Indien und Nepal vom 22. April bis 1. Mai 2001

"Der Everestheld Baru Chari ist tot": so lautete die Schlagzeile am Tag unserer Abreise in Nepal und auf dem Weg zum Flughafen kommt er uns entgegen: ein riesiger Trauerzug, unzählige Motorräder, ein Lastwagen, voll dekoriert, mit buddhistischen Mönchen und darauf die Leiche mit vielen Blumen, die zu Grabe getragen wird. Berühmter als Reinhold Messner ist Baru Chari, da er 10 mal den Mount Everest bestiegen hat und 21 Stunden ohne Sauerstoff dort ausgehalten hat. Dies ist nur eine Facette von vielen, die sich bei unserer Reise im Rahmen des Dialogs der Kulturen ergeben haben.

Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, noch ärmer als Bangladesh. gleichzeitig ist es so reich an Kulturen, obwohl es sich als einziges hinduistisches Königreich der Welt bezeichnet, ist doch der Anteil des Buddhismus zwar zahlenmäßig klein, aber präsent in Architektur, in diversen Tempeln und zahlreichen Orten. Musik wird interessanter Weise in Nepal von einem Deutschen in der klassischen Form an die Nepalis weitervermittelt. Auch die deutsche Entwicklungshilfe spielt eine herausragende Rolle bei der Wiederherstellung historischer Stätten wie zum Beispiel Patan und Bagdhapur, ein etwa 20 Kilometer außerhalb von Kathmandu gelegenes Weltkulturerbe. Wie nötig die Erhaltungsarbeiten sind, zeigt sich an jedem Haus, dass noch nicht gestützt wird, da es durch zahlreiche Erdbeben, besonders des großen im Jahre 1967, vom Verfall bedroht ist. Aber auch die aktuellen Sünden nagen. So ist die Luftverschmutzung enorm hoch (der Botschafter bemerkte süffisant, dass 10 % des Staubes, den wir einatmen und zu uns nehmen, Kot ist). Die kulturellen Stätten und Theater- und Musikaufführungen sind ein wichtiger Bestandteil im Land, das vorwiegend für Trekker und Bergsteiger bekannt ist. Aber immerhin - die wiederaufgebauten Städten nehmen jetzt Eintritt - zum Beispiel 10 Dollar in Bagdhapur von jedem Touristen, um weiteren Renovierungsbedarf decken zu können. Auch in Indien, das wir zuvor acht Tage bereist haben, lassen sich die unermässlichen kulturellen Schätze nur erhalten, wenn die Eintrittspreise, insbesondere für Touristen, drastisch erhöht werden. Was die einzelnen Provinzen auch verstärkt tun. Aber gerade in Indien werden die kulturellen Unterschiede innerhalb des Landes enorm deutlich. Chennai, das alte Madras, mit seiner boomenden Filmindustrie (Indien ist nach Hollywood der zweitstärkste Filmproduzent der Welt), exportiert Filme in alle Welt - und zwar ohne Übersetzung. Die Südinder, insbesondere Tamilen, lieben Melodramen und sitzen im Kino zusammen und heulen. Kein Film hat etwas mit der Realität zu tun. Dagegen Bangalore mit seiner Hightech-Industrie und einem Institut für Journalistenausbildung und Neue Medien, hat sich der Grundbildung aller Kinder bis zum 5. Schuljahr angenommen. "Reis für die Eltern - Schule für die Kinder" ist die Devise. Sicherlich ein sinnvoller Schritt, Kinderarbeit wenigstens in der Grundschule zu vermeiden. Ganz anders dagegen Kerala, das bereits seit 1957 von Kommunisten regiert wurde, besteht zu 50 % aus Hindus, zu 25 % aus Moslems und zu 25 % aus Christen. Der große Anteil an Christen hat sicherlich neben dem Kommunismus sein Anteil daran gehabt, dass 96 % der Menschen in Kerala alphabetisiert sind. Interessanter Weise hat Kerala ähnliche Probleme wie Deutschland. Für wenig qualifizierte Arbeiten findet man kaum jemanden. So werden Tamilen "importiert", um Dienstleistungen zu verrichten, für die sich die Keraler offensichtlich zu schade sind. Aber auch das Straßenbild macht deutlich: richtige Not, wie in sehr vielen anderen Gebieten Indiens, leiden hier die Keraler weniger. Politisch gibt es eine Menge Streit. Am 10.05. finden in verschiedenen Provinzen Wahlen statt. Dabei kommt es darauf an, ob die Kommunisten bleiben oder die sehr starke, Kongresspartei gewinnt.

Das deutsch-indische Festival, das gerade im März seine letzten Aufführungen hatte, war nach Einschätzung der Inder ein großer Erfolg. Musik- und Ballettaufführungen mit 1.000 oder 1.500 Personen fanden statt. Nach Einschätzung der beteiligten Goethe-Institute, die sehr viel Arbeit investiert haben, war der Widerhall gering, weil die Öffentlichkeitswirkung, sprich die Presseberichterstattung, nicht besonders groß zu sein schien. Allerdings ist nicht deutlich, wie in dem tamilischen oder Kanarkar-Zeitungen berichtet wurde, weil dieser Sprachen außerhalb Indiens kaum jemand mächtig ist. Und das ist auffallend: Nur 3 % der Inder sollen tatsächlich englisch können, obwohl wir immer vom größten englischsprachigen Land der Welt sprechen. Die Regionalsprachen (38 an der Zahl) dominieren. Besonders in Südindien kann kaum jemand englisch und nur seine Regionalsprache, so dass selbst unsere Dolmetscherin, eine Hindi, Schwierigkeiten hatte und doppelte Übersetzungen notwendig waren. Indien öffnet sich der Welt, stellt sich der Globalisierung, aber kämpft auch mit seinen inneren Strukturen. Deutlich wurde dies bei unserem Gespräch mit unserem Partnerausschuss im Parlament in Neu Delhi. Bereits hier musste für verschiedene Abgeordnete eine Simultanübersetzung erfolgen, und das innerhalb des nationalen Parlamentes. Die Abgeordneten waren sehr an unserer Art der Parlamentsarbeit interessiert. Wie diese sich in Indien abspielt, konnten wir hinterher in einer aktuellen Debatte mit dem Außenminister Singh verfolgen, der Rede und Antwort stehen musste für den Grenzkonflikt in Bangladesh. Indien ist für uns Deutsche ein interessantes Land, wir werden geschätzt und anerkannt. Die Arbeit in den Goethe-Instituten ist extrem wichtig, bei einer Milliarde Menschen, die potentiell Bindungen entweder in die USA oder England oder eben nach Deutschland entwickeln können. Die Kontinuität der Beziehungen, der Austausch, dient sicherlich auch der Konfliktprävention, denn je mehr Inder direkt von uns erfahren, desto mehr verblasst das Bild, dass in Deutschland nur Nazis Ausländer jagen würden. In diesem Sinne ist es wichtig, unsere Präsenz dort zu stabilisieren und zu stärken und auch in den Wissenschaftler-Austauschprogrammen aktiv Akzente zu setzen.

 
Diese Pressemitteilung finden Sie auf: www.monika-griefahn.de