Monika Griefahn, Kurt Palis und Norbert Stein
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Auf Einladung des Buchholzer SPD-Bürgermeisterkandidaten
Norbert Stein und der heimischen Bundestagsabgeordneten Monika Griefahn
referierte jetzt fachkundig der SPD-Bundestagsabgeordnete Kurt Palis
vor 63 Zuhörern zum Thema "Die neue Rente". Kurt Palis vertritt
den Landkreis Soltau-Fallingbostel in Berlin. Als stellvertretendes
Mitglied des Bundestagsausschusses für Arbeit und Sozialordnung
und mit beruflichem Hintergrund in der Versicherungsbranche gilt
er als Experte für das Thema "Rente".
Ziele der aktuellen Rentenreform
sind:
· die Schaffung Erhaltung einer sicheren und bezahlbaren Alterssicherung
· die Stabilisierung des Beitragssatzes (bis 2020 < 20 %, bis 2030
< 22 %)
· die Sicherung eines Rentenniveaus von mindestens 67 - 68 % bis
2030
· die Ergänzung der Gesetzlichen Rentenversicherung durch eine zusätzliche
kapitalgedeckte Altersvorsorge
Schon vor der aktuellen Reform hatte
die Schröder-Regierung Folgendes geregelt:
· umfassende Steuerfinanzierung nicht beitragsgedeckter Leistungen
· Erhöhung der Zahl der Beitragszahler (630 DM-Gesetz, Scheinselbständige)
· Senkung des Beitragssatzes zur Rentenversicherung von 20,3 % über
19,5 % auf heute 19,1 %, dadurch deutliche Entlastung von Arbeitnehmern/innen
Die aktuelle Rentenreform besteht
aus einer Fülle von Einzelmaßnahmen:
· Rentenanpassung schon ab 2001 gemäß der Lohnentwicklung
· Reform der Witwen- und Witwerrente durch Kinderkomponente
· Aufstockung der Rentenwerte bis zum 10. Lebensjahr eines Kindes
· Möglichkeit der partnerschaftlichen Teilung von Rentenansprüchen
bei Ehegatten
· Aufbesserung lückenhafter Erwerbsverläufe bei jüngeren Versicherten
Eine wichtige Komponente der Reform
ist die Förderung einer kapitalgedeckten Altersvorsorge. Diese ist
ausgestaltet als kombinierte Zulagen- / Sonderausgabenregelung.
Die private Altersvorsorge wird ab der letzten Stufe 2008 mit jährlich
über 20 Milliarden DM gefördert. Zum geförderten Personenkreis gehören
vor allem die pflichtversicherten Arbeitnehmer, nicht dagegen Beamte,
Richter, Soldaten und Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst. Das Bundesaufsichtsamt
für das Versicherungswesen ist Zertifizierungsbehörde.
Kurt Palis riet allen Bürgerinnen
und Bürgern, nur zertifizierte Anlageprodukte zu wählen. Zwar sei
grundsätzlich auch eine nachträgliche Zertifizierung von Anlageprodukten
und bei manchen Versicherungen auch ein Wechsel des Produkts möglich,
jedoch riskiere man bei Abschluss eines nicht zertifizierten Produkts
den Verlust der staatlichen Förderung. Sinn der Zertifizierung sei
es, eine lebenslang steigende oder gleichbleibende monatliche Leibrente
und die Auszahlbarkeit mindestens der eingezahlten Beiträge zu gewährleisten.
Als Anlageformen kommen z.B. Pensionskassen, Pensionsfonds, private
Rentenversicherungen, Fonds- und Banksparpläne und zum Teil auch
das Wohneigentum in Frage. Das Finanzamt überweist die Zulage und
erstellt von sich aus einen "Günstiger-Vergleich", bei dem der Sonderausgabenabzug
mit der direkten Zulage verglichen wird.
Die Höhe der Zulage pro Jahr gestaltet
sich wie folgt:
| Jahr/e |
2002/3 |
2004/5 |
2006/7 |
2008 |
| Grundzulage |
75
DM
38 € |
150
DM
76 € |
225
DM
114 € |
300
DM
154 € |
| Kinderzulage |
90
DM
46 € |
180
DM
92 € |
270
DM
138 € |
360
DM
185 € |
Mindestanlage
vom Brutto-
einkommen für volle Zulage |
1
% |
2
% |
3
% |
4
% |
Außerdem wird eine neue Grundsicherung
zur Bekämpfung der verschämten Altersarmut eingeführt. Aus Furcht
vor dem Unterhaltsrückgriff auf Kinder haben sich bislang viele
Rentner mit Renten unter dem Sozialhilfeniveau zufrieden gegeben
und keine Sozialhilfe beantragt. Die Rentenversicherung unterstützt
nun durch die neue Grundsicherung die Antragsteller. Es erfolgt
kein Rückgriff auf Kinder / Eltern, die ein Jahreseinkommen unter
100.000 Euro haben. Die Finanzierung erfolgt aus Steuermitteln;
der Bund zahlt den Ländern hierfür 800 Mio. DM jährlich.
In der Diskussionsrunde gelang es
Kurt Palis, Unsicherheiten und Besorgnisse, die sich in einigen
Fragen aus dem Publikum widerspiegelten, nachhaltig zu begegnen.
Bürgermeisterkandidat Norbert Stein resümierte nach der Veranstaltung:
"Alle, die heute Abend in der Empore waren, haben bei diesem wichtigen
aber auch schwierigen Thema eine Menge dazu gelernt. Man hat nicht
oft die Gelegenheit, so sachkompetent und lebendig informiert zu
werden. Auch die Ehrlichkeit, mit der Kurt Palis deutlich machte,
dass ‚die da oben' auch nicht alles Wünschenswerte auf einmal regeln
können und sich an demokratische Spielregeln halten müssen, war
beeindruckend. Wichtigste Erkenntnis war aber, dass kein Rentner
Angst vor der Zukunft haben muss."
Fragen zur neuen Rente beantwortet
übrigens das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung am Bürgertelefon
0800 / 151515–0 zum Nulltarif, im Internet unter www.bma.bund.de
und per E-mail: info@bma.bund.de.
Man kann beim Bundesministerium auch kostenfrei die 60-seitige Broschüre
"Die neue Rente - Solidarität mit Gewinn" und weiteres Informationsmaterial
bestellen.